Gescheiterte Opel-Übernahme Russland muss draußen bleiben
Putin sieht sich düpiert: Seit GM den Opel-Verkauf absagte, ist die vermeintliche Eintrittskarte Russlands in die Weltwirtschaft wertlos. Von Johannes Voswinkel, Moskau
© Alexey Nikolsky/AFP/Getty Images

"Gutes Lehrstück": Der russische Premier Wladimir Putin reagierte zerknirscht auf die Nachricht, General Motors wolle Opel nun doch behalten
Für Russlands Premierminister Wladimir Putin ist die Entscheidung der US-Firma General Motors (GM) gegen den Verkauf von Opel eine Niederlage. Der erhoffte Transfer von moderner Opel-Technologie und Management-Know-How in die fast hoffnungslos abgeschlagene russische Autoindustrie findet nicht statt.
Für die Autobauer der GAZ-Werke in Nischnij-Nowgorod, die als industrieller Partner ausersehen waren, könnte die letzte Rettungschance damit verloren sein. Sogar das dort montierte, hoch-automatisierte Fließband, das von Chrysler aus den USA stammt, ist seit einem halben Jahr für Besucher und Journalisten kaum vorzeigbar. Zumeist steht es still. Die russische Ausgabe des Chrysler-Sebring, die hier zu Tausenden gebaut werden sollte, ist in Krisenzeiten fast unverkäuflich. Zwar war unter russischen Experten bis zuletzt umstritten, ob die Produktion von Opelmodellen das Unternehmen tatsächlich aus der Depression gerissen hätte. Aber der russischen Führung war es den Versuch wert. Er ist fehlgeschlagen, bevor er überhaupt begann.
Die GM-Absage ist für Russland weit über den Autosektor hinaus psychologisch ein Schlag. Mit Opel sollte die Gala-Eintrittskarte in die globale Wirtschaft gelöst werden. Die Liste der Fehlschläge auf dem Weg zur internationalen Wirtschaftsintegration ist bisher lang: die weißrussische Bierfabrik Kryniza, die türkische Ölraffinerie Tupras, die Stahlhütte Pakistan Steel Mills und der Luxemburger Stahlproduzent Arcelor sind nur einige Beispiele für angestrebte Expansionskäufe, die scheiterten. Auch der Einstieg der Wneschtorgbank beim Airbus-Mutterkonzern EADS und der Moskauer Sistema Holding bei der deutschen Telekom waren auf Kritik oder Abwehr gestoßen.
In Russland nahmen viele das als unfaires, antirussisches Verschwörertum wahr. Opel bot nun, so schien es, die Chance, einen ganzen Autokonzern zu erwerben und wegen der Wirtschaftskrise und des Bundestagswahlkampfes noch auf Dankbarkeit unter deutschen Politikern zu stoßen.
Der Ausbruch aus der gefühlten Isolation ist Moskau nicht gelungen. Letztlich zog General Motors die russischen Verhandlungspartner genauso wie die Bundesregierung über den Tisch. Deshalb dürfte der gescheiterte Opel-Kauf die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen nur wenig beschweren. Der russische Ärger gilt vor allem den Amerikanern, deren Entscheidung als politisch motivierte Ausgrenzung des aufstrebenden Russlands interpretiert wird.
Putin ließ zwar zuerst nobel nur sein "Erstaunen" über die Entscheidung von GM erklären. Später kritisierte er jedoch deutlich die eigenwillige Geschäftskultur der Amerikaner und "ihren höhnischen Umgang" mit den Verhandlungspartnern. In Putins Resümeesatz ("Ich denke, das war ein gutes Lehrstück") klingen genauso Ärger und Revanchegelüste an wie in der Ankündigung, die Situation einer "tiefen juristischen Prüfung" zu unterziehen.
Bei anderen löst die GM-Entscheidung dagegen eher Erleichterung aus. Dass die Sberbank, die als staatskontrollierte Bank nach den ursprünglichen Plänen 35 Prozent an Opel erwerben sollte, seit Tagen demonstrativ schweigt, spricht nicht für geballten Zorn. Sberbank-Chef German Gref wollte das Opel-Geschäft sowieso nur widerwillig mittragen, da er seine Bank nicht als krisengeplagten Autobauer, sondern als global aufsteigendes Finanzinstitut platzieren will.
Liberale Ökonomen wiederum hoffen, dass der Misserfolg die russische Regierung umso mehr zum Handeln drängt: zu einer Grundrenovierung der Autoindustrie, die Erfolg nicht nur einkaufen, sondern erarbeiten möchte, und zu einer Modernisierung der russischen Wirtschaft allgemein mit politischen und gesellschaftlichen Reformen. Dann könnte sich die Verweigerung des Opel-Verkaufs durch GM langfristig sogar als Glücksmoment der russischen Wirtschaftsgeschichte erweisen.
- Datum 08.11.2009 - 11:35 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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...wie die Bundesregierung über den Tisch."
Was ja auch völlig legitim scheint, wenn man bedenkt, dass der Vertrag nicht unterschrieben und dass der Deal laut Aussage der EU von der Bundesregierung illegal (GM abgepresst worden, könnten böse Zungen sagen) war.
Russland sollte endlich seine Verlogenheit sein lassen und eigenes von UNTEN her sich ehrlich erarbeiten. Tschekisten wie Putin & Co in die Wueste schicken und den Kreml maechtig entlueften!
Dauert zwar etwas, aber gutes Ding braucht bekanntlich Weile.
"Russland sollte endlich seine Verlogenheit sein lassen und eigenes von UNTEN her sich ehrlich erarbeiten. Tschekisten wie Putin & Co in die Wueste schicken und den Kreml maechtig entlueften!
Dauert zwar etwas, aber gutes Ding braucht bekanntlich Weile."
Warum ist Rußland verlogen, wenn es sich genauso verhält wie andere westliche Staaten, die gleichfalls versuchen, sich Technologien und Innovationen aus dem Ausland zu kaufen?
Was die Entlüftung betrifft, sollte derjenige sich hüten, Steine zu schmeißen, der im Glashaus sitzt. Auch hier in Deutschland müßte da einiges geschehen, sowohl was die Wirtschaft als auch, was die Politik angeht.
In solchen Geschäften wie Opel - Übernahme hat sich Russland nicht verlogen verhalten, sondern ganz fair und souvären! Die veraltete Ideologie "der Tschekisten-Bekämpfer-Clans" wirkt nicht mehr so wie früher. Die neo-liberale Politik des GM-Konzerns stinkt eher nach Verlogenheit ... Wenn auch in Kreml nicht alles in Ordnung ist, sehen wir mal, ob Kreml oder GM am Ende Recht haben werden. Am Ende verlieren beim Scheitern dieses Deals nur europäische und auch deutche Opeleaner...
"Russland sollte endlich seine Verlogenheit sein lassen und eigenes von UNTEN her sich ehrlich erarbeiten. Tschekisten wie Putin & Co in die Wueste schicken und den Kreml maechtig entlueften!
Dauert zwar etwas, aber gutes Ding braucht bekanntlich Weile."
Warum ist Rußland verlogen, wenn es sich genauso verhält wie andere westliche Staaten, die gleichfalls versuchen, sich Technologien und Innovationen aus dem Ausland zu kaufen?
Was die Entlüftung betrifft, sollte derjenige sich hüten, Steine zu schmeißen, der im Glashaus sitzt. Auch hier in Deutschland müßte da einiges geschehen, sowohl was die Wirtschaft als auch, was die Politik angeht.
In solchen Geschäften wie Opel - Übernahme hat sich Russland nicht verlogen verhalten, sondern ganz fair und souvären! Die veraltete Ideologie "der Tschekisten-Bekämpfer-Clans" wirkt nicht mehr so wie früher. Die neo-liberale Politik des GM-Konzerns stinkt eher nach Verlogenheit ... Wenn auch in Kreml nicht alles in Ordnung ist, sehen wir mal, ob Kreml oder GM am Ende Recht haben werden. Am Ende verlieren beim Scheitern dieses Deals nur europäische und auch deutche Opeleaner...
Weil jede freie Gesellschaft stets doppelte Institutionalisierung zu betreiben hat, haben ohnehin schon immer andere als insbesondere staatliche Repräsentanten wie Frau Merkel oder auch Vertreter privatwirtschaftlicher Unternehmen wie Herr Henderson ihren Kopf hinzuhalten. Ein Staatssekretär im Ministerium des Bundes für Wirtschaft und Technologie nannte solchermaßen zum Hinhalten gezwungene zwar jüngst sibyllinisch die Créme de la Créme der Wissenschaften. Ganz offenbar indes sind diese gesellschaftlichen Sahnehäubchen momentan gewillkürt preis gegeben; wobei nach wie vor das Wort des Bundespräsidenten gilt, dass auch nicht den Geringsten das Schicksal beschieden sein soll, als stünden sie anderen wie bestellt und nicht abgeholt im Weg. Es nimmt daher nicht Wunder, wenn darob der russische Präsident von einem guten Lehrstück redet wie sich Gesellschaften der westlichen Hemisphäre anschicken, auf Biegen und Brechen ihre eigenen Ressourcen angesichts tiefer ökonomischer Krise völlig ungenutzt lassen und sich auf diese Weise bis zum Äußersten selbst ruinieren.
Auf Grund der antirussischen Befindlichkeiten und des anscheinend unausrottbaren Denkens in den Kategorien des Kalten Krieges wird mit staatlichen Interventionen versucht, das russische Kapital von deutschen und europäischen Firmen fernzuhalten. Das geht auch auf amerikanischen Einfluß zurück, denen eine stärkere Zusammenarbeit Europas mit Rußland ein Dorn im Auge ist, würde das doch den Einfluß auf die europäische Politik schwächen. Dabei liegt in der Zusammenarbeit mit Rußland gerade die Zukunft, den die Ökonomien der europäischen Staaten, speziell Deutschlands, könnte sich hervorragende ergänzen. Die Möglichkeiten des russischen Marktes gerade in der Kfz-Industrie bergen ein enormes Potential, das den deutschen Unternehmen zugute kommen könnte. Aber lieber läßt man eine Schwächung des hiesigen Produktionspotentials zu, als einmal über den geistigen Schatten zu springen und zu realisieren, daß Rußland nicht mehr der gefräßige sowjetische Bär ist, der nur darauf lauert, in Europa einzufallen. Entweder läßt man sich weiter die fremdbestimmten Interessen diktieren, oder man löst sich aus dem amerikanischen Fahrwasser und beginnt eine eigenständige Außen-, Sicherheits- und auch Wirtschaftspolitik, die den europäischen Interessen angemessen ist.
Auf Grund der antirussischen Befindlichkeiten und des anscheinend unausrottbaren Denkens in den Kategorien des Kalten Krieges wird mit staatlichen Interventionen versucht, das russische Kapital von deutschen und europäischen Firmen fernzuhalten. Das geht auch auf amerikanischen Einfluß zurück, denen eine stärkere Zusammenarbeit Europas mit Rußland ein Dorn im Auge ist, würde das doch den Einfluß auf die europäische Politik schwächen. Dabei liegt in der Zusammenarbeit mit Rußland gerade die Zukunft, den die Ökonomien der europäischen Staaten, speziell Deutschlands, könnte sich hervorragende ergänzen. Die Möglichkeiten des russischen Marktes gerade in der Kfz-Industrie bergen ein enormes Potential, das den deutschen Unternehmen zugute kommen könnte. Aber lieber läßt man eine Schwächung des hiesigen Produktionspotentials zu, als einmal über den geistigen Schatten zu springen und zu realisieren, daß Rußland nicht mehr der gefräßige sowjetische Bär ist, der nur darauf lauert, in Europa einzufallen. Entweder läßt man sich weiter die fremdbestimmten Interessen diktieren, oder man löst sich aus dem amerikanischen Fahrwasser und beginnt eine eigenständige Außen-, Sicherheits- und auch Wirtschaftspolitik, die den europäischen Interessen angemessen ist.
Es wird immer über GM geschimpft, als wäre dies eine eigenständige Firma. Erinnern wir uns, der Staat ist in den USA der Haupteigentümer und trägt diese Entscheidung natürlich mit. Damit hat Putin alles Recht der Welt auf Amerika sauer zu sein und Frau Merkel sollte sich ebenso fragen, wie verlässlich der Partner auf der anderen Seeseite eigentlich ist.
"In Putins Resümeesatz ("Ich denke, das war ein gutes Lehrstück") klingen genauso Ärger und Revanchegelüste an wie in der Ankündigung, die Situation einer "tiefen juristischen Prüfung" zu unterziehen. "
Diese gefühlte Revanchegelüste dürften wohl eher der Voreingenommenheit und den antirussischen Ressentiments des Artikelschreibers Herrn Voswinkel geschuldet sein. Aus den Reden Putins und Mewedjews gehen sie jedenfalls nicht hervor.
"Russland sollte endlich seine Verlogenheit sein lassen und eigenes von UNTEN her sich ehrlich erarbeiten. Tschekisten wie Putin & Co in die Wueste schicken und den Kreml maechtig entlueften!
Dauert zwar etwas, aber gutes Ding braucht bekanntlich Weile."
Warum ist Rußland verlogen, wenn es sich genauso verhält wie andere westliche Staaten, die gleichfalls versuchen, sich Technologien und Innovationen aus dem Ausland zu kaufen?
Was die Entlüftung betrifft, sollte derjenige sich hüten, Steine zu schmeißen, der im Glashaus sitzt. Auch hier in Deutschland müßte da einiges geschehen, sowohl was die Wirtschaft als auch, was die Politik angeht.
Auf Grund der antirussischen Befindlichkeiten und des anscheinend unausrottbaren Denkens in den Kategorien des Kalten Krieges wird mit staatlichen Interventionen versucht, das russische Kapital von deutschen und europäischen Firmen fernzuhalten. Das geht auch auf amerikanischen Einfluß zurück, denen eine stärkere Zusammenarbeit Europas mit Rußland ein Dorn im Auge ist, würde das doch den Einfluß auf die europäische Politik schwächen. Dabei liegt in der Zusammenarbeit mit Rußland gerade die Zukunft, den die Ökonomien der europäischen Staaten, speziell Deutschlands, könnte sich hervorragende ergänzen. Die Möglichkeiten des russischen Marktes gerade in der Kfz-Industrie bergen ein enormes Potential, das den deutschen Unternehmen zugute kommen könnte. Aber lieber läßt man eine Schwächung des hiesigen Produktionspotentials zu, als einmal über den geistigen Schatten zu springen und zu realisieren, daß Rußland nicht mehr der gefräßige sowjetische Bär ist, der nur darauf lauert, in Europa einzufallen. Entweder läßt man sich weiter die fremdbestimmten Interessen diktieren, oder man löst sich aus dem amerikanischen Fahrwasser und beginnt eine eigenständige Außen-, Sicherheits- und auch Wirtschaftspolitik, die den europäischen Interessen angemessen ist.
In solchen Geschäften wie Opel - Übernahme hat sich Russland nicht verlogen verhalten, sondern ganz fair und souvären! Die veraltete Ideologie "der Tschekisten-Bekämpfer-Clans" wirkt nicht mehr so wie früher. Die neo-liberale Politik des GM-Konzerns stinkt eher nach Verlogenheit ... Wenn auch in Kreml nicht alles in Ordnung ist, sehen wir mal, ob Kreml oder GM am Ende Recht haben werden. Am Ende verlieren beim Scheitern dieses Deals nur europäische und auch deutche Opeleaner...
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