General Motors und Opel Elendes Gefeilsche

Der neue GM-Europa-Chef verspricht, keine Opel-Werke schließen zu wollen. Das mag politisch opportun sein – sinnvoll ist es nicht. Ein Kommentar

Der neue Chef von GM in Europa, Nick Reilly, verspricht, alle Opel-Werke erhalten zu wollen

Der neue Chef von GM in Europa, Nick Reilly, verspricht, alle Opel-Werke erhalten zu wollen

Déjà vu! Da tourt der neue, kommissarische Opel-Chef Nick Reilly dieser Tage durch Europa und stellt den Regierungen und Arbeitnehmervertretern in Aussicht, ihr Werk müsse nun doch nicht geschlossen werden. General Motors könne die Kapazitäten von Opel verringern, ohne Standorte schließen zu müssen.

Natürlich geht das. Man kann eine Montage auch in einer Schicht als im Zwei- oder Drei-Schicht-Betrieb laufen lassen. Nur ist das nicht effizient. Die teuren Anlagen würden in diesem Falle schlechter genutzt. Das wird die Wettbewerbsfähigkeit von Opel nicht verbessern.

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Die betriebswirtschaftlich sinnvollste Lösung – die Schließung von bis zu drei europäischen Werken – wird offenbar auch unter der Regie von GM nicht kommen. Dafür, das macht die Reilly-Tour durch halb Europa, von Deutschland über Belgien, Polen, England bis Spanien deutlich, sollen die einzelnen Regierungen möglichst großzügige Kredite geben – möglicherweise mehr als drei Milliarden Euro. Die Politik kann sich also Arbeitsplätze erkaufen. Das große Gefeilsche, das man zuletzt dem Fast-Opel-Käufer Magna angekreidet hatte, beginnt von Neuem.

Der einzige Unterschied zum Magna-Plan besteht darin, dass die Opfer und Kredite zwischen den einzelnen Ländern mit Opel-Standorten anders verteilt werden. Die Summe der abgebauten Arbeitsplätze wird freilich ungefähr gleich bleiben: Rund 10.000 Stellen will General Motors in Europa streichen. Was also ist besser an der GM-Lösung? Die Antwort fällt schwer.

Immer wahrscheinlicher wird, dass Bundeswirtschaftsminister Brüderle seine Ankündigung, GM kein Geld aus dem Bundeshaushalt geben zu wollen, nicht wird halten können. Er kann jetzt nur noch hoffen, dass EU-Kommissar Günter Verheugen, der die Vertreter der "Opel-Staaten" am Montag nach Brüssel einladen wird, das große Geschacher in halbwegs geordnete Bahnen lenken kann. Allzu viel Optimismus ist freilich nicht angesagt.

Und weshalb braucht GM eigentlich in Europa so viel Staatskredit, wo das Unternehmen doch in der Lage ist, die Darlehen der USA und Kanada früher als geplant zurückzahlen?

 
Leser-Kommentare
  1. Wie der SPiegel vor ein 2 Wochen schrieb, sind ja seit Jahresbeginn schon 58 000 Arbeistplaetze in der Automobilindustrie in Deutschland allein verschwunden. Das Problem ist doch, dass es sich hier nicht um eine Opel oder GM Krise handelt, sondern um ein verfehltes Konzept einer ganzen Industrie (zumindest in Deutschland). Wenn man nicht bald aufwacht und wirklich in die Zukunft investiert, wobei vor allem Gelder in die Forschung und teilweise auch an die Unis fliessen muessen, wirs man sich auch nicht erhalten koennen, indem man kurzfristig von Wahl zu Wahl imemr neue Buergschaften an marode Unternehmen ueberweist.

    Staatsgelder an Gm verbieten sich a aus moralischen wie oekonomischen Gruenden. Warum diskutiert man nur immer wieder darum?

    • wll
    • 20.11.2009 um 10:51 Uhr

    "Dafür ... sollen die einzelnen Regierungen möglichst großzügige Kredite geben – möglicherweise mehr als drei Milliarden Euro.

    Auch nicht schlecht. Das macht 60.000 EUR pro Opel-Arbeitsplatz. Wenn die Firma langfristig überlebensfähig wäre, könnte man das ja noch akzeptieren.

    Um damit aber lediglich Überkapazitäten künstlich am Leben zu erhalten und den überfälligen Strukturwandel noch ein paar Jahre hinauszuzögern, ist das Geld IMHO wahrlich zu schade. Zumal das Ganze ja auch noch vom Staat auf Pump finanziert werden wird.

    Dazu kommt noch, dass bei stagnierender bzw. rückläufiger Nachfrage nach Autos der Erhalt von Opel tendenziell andere Autohersteller - zuvorderst wieder in Deutschland - schwächt. Die Arbeiter bei VW und Ford werden sich sicher freuen, mit ihren Steuergeldern ihre eigenen Arbeitsplätze gefährden zu "dürfen" - während für wesentlich wichtigere Themen wie Bildung das Geld wie immer "fehlt". Denn eigentlich fehlt es nicht, es wird nur für solchen Unfug verplempert.

    Warum sollte ausserdem ein durch Missmanagement in Schlagseite geratenes Unternehmen gerettet werden, während man tausende unverschuldet in Not geratene Mittelständler kalt lächelnd untergehen lässt?

    Die Politik kann sich also Arbeitsplätze erkaufen."

    Na ja, sprechen wir mal besser von "leasen". Denn spätestens wenn das Geld aus den Krediten aufgebraucht ist, schlägt dann doch für einige Werke das letzte Stündlein.

  2. Wirklich durchschlagende positive Kosteneffekte bringt nur das Schließen ganzer Werke. Danach wäre es unter dem Gesichtspunkt internationaler Gerechtigkeit sinnvoll, zwei Werke in Deutschland und eins in England zu schließen.
    Alle Werke zu erhalten und Kapazitäten abzubauen ist betriebswirtschaftlicher Unsinn. Die Stückkosten würden sich dann eher erhöhen. GM weiß das natürlich, versucht aber wohl noch irgendwie an Staatsknete zu kommen.

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