Geplatzte Opel-Übernahme Der gewagte Plan von GMSeite 2/2

Auf drei Milliarden Euro schätzt GM die Kosten für die Restrukturierung von Opel. Schon bald werde man den betroffenen Staaten – also Deutschland, Spanien, Großbritannien, Österreich, Polen und Belgien – einen Sanierungsplan vorlegen, verspricht GM-Chef Henderson. Das Unternehmen hofft dabei auch auf Staatshilfe aus Europa. Deutschland, so berichtet das Wall Street Journal, soll nach dem Wunsch von GM zwei Milliarden zur Verfügung stellen, um die Sanierung zu unterstützen.

Ob der Plan von GM aufgeht, ist allerdings fraglich. Nach Ansicht des Duisburger Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer gehen die Amerikaner mit der Entscheidung ein "großes Risiko" ein. Der Kampf um den stagnierenden, europäischen Markt werde hart geführt, das Management in Detroit habe "keinen Ansatz", wie das Europageschäft zu betreiben sei. Stattdessen beginne man nun in Detroit damit, den "x-ten Restrukturierungsplan für Opel auszuarbeiten".

Indem GM nun die Kooperation mit Magna ausschlägt, versperren sich die Amerikaner zugleich einen leichteren Zugang zum möglichen Wachstumsmarkt Russland. Das Magna-Konzept sah vor, dass Opel hier künftig 700.000 Autos pro Jahr verkauft. Auch fasst man in der deutschen Politik das Vorgehen von GM als Affront auf, die Auseinandersetzung um mögliche Staatshilfen dürfte hart geführt werden. Generell werde es schwierig für GM, in Europa für neue Vorhaben Kredit zu erhalten, sagt Dudenhöffer. Blieben aber neue Produkte auf der Strecke, werde das die Umsätze weiter einbrechen lassen.

Das größte Problem dürfte hingegen werden, die Mitarbeiter bis hinauf zum europäischen Management von der neuen Wendung zu überzeugen. Das Verhältnis zwischen der Führung in Detroit und den Gewerkschaften und Arbeitern in Europa ist zerrüttet. Die Opelaner dazu zu bringen, wieder motiviert und produktiv für General Motors zu arbeiten, wird ungeheuer schwer werden. Zur Entspannung dürfte auch nicht beitragen, wenn nun die GM-Spitze den deutschen Arbeitern mit dem Gang in die Insolvenz droht, falls diese nicht von ihrem Widerstand gegen den neuen und alten Mehrheitseigner ablassen.

Wie hart die Einschnitte für die deutschen Opel-Mitarbeiter am Ende werden, ist noch offen. Als sich GM im März grundsätzlich dafür entschieden hatte, das Europageschäft loszulassen, sagte GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster: "Wir haben 30 Prozent Überkapazität in Europa." Was das für die dort liegenden Fabriken bedeute, schob er gleich hinterher: "Drei Werke" zu schließen, das sei die betriebswirtschaftlich sinnvollste Lösung.

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Leser-Kommentare
    • Jokus
    • 04.11.2009 um 18:39 Uhr

    Nehmen wir mal an, das GM-Manangement entschließt sich nicht zu der aus ihrer Sicht betriebswirtschaftlich besten Lösung (3 Werke schließen) sondern schließt "nur" zwei.

    Fordert jedoch gleichzeitig für den Erhalt der restlichen deutschen Opel- Arbeitskräfte kräftige Zuschüsse. was wohl kann die schwarz/ gelbe Regierung dagegen setzen?

    Etwa ein FDP-Wort, dass der Staat sich rauszuhalten habe?
    Oder wieder blechen? Zugunsten der Arbeiter und Wähler?
    Es ist alles nicht leichter geworden, doch so ähnlich war es zu vor auch.

  1. Die ganze Geschichte ist mittlerweile dermassen vermurkst, dass es hier nur noch Verlierer geben kann.

    Merkel, Steinmeier & Co. stehen jetzt schon wie die Deppen da, was Steinmeier gar nicht mehr und Merkel herzlich wenig jucken wird, da ihr Primärziel, die Wiederwahl, bereits in der Scheune ist. Sie wird jetzt noch ein wenig Kampf um Standorte und Rückzahlung des Überbrückungskredits antäuschen, dann ist es das für sie aber auch gewesen. Den Rest vom Fest darf dann "Arbeiterführer" Rüttgers an Rhein und Ruhr auslöffeln.

    GM mag sich augenblicklich besonders clever vorkommen. Allerdings wird der Konzern ab sofort mit einer leidlich motivierten und unruhigen Belegschaft zu kämpfen haben. Und er wird auf Jahre mit einem Imagedefizit am Markt agieren müssen, was - in Addition mit dem auch nicht gerade strahlenden Image der Marke Opel - ein schweres Handicap darstellt.

    • ADoria
    • 04.11.2009 um 20:44 Uhr

    … erleben möchte, dass die Ministerpräsidenten in Deutschland im Rahmen eines von GM iniziierten Subventionswettlaufes ermittelt werden, muß sie einen Schlußstrich ziehen. Gegenüber den gestörten Kombinatsdirektoren in Detroit ist man zu nichts verpflichtet. Das Problem hat dort seinen Ursprung und nicht in Berlin, Wiesbaden oder Düsseldorf. Dies wäre zwar für Opel ein Ende mit Schrecken, jedoch würde GM jegliches Erpressungspotential genommen. Berlin wollte unterstützen, ob nun ganz uneigennützig oder nicht, sei dahingestellt. Entweder schaffen die überbezahlten Verwalter am Eriesee die Wende selbst, oder das Ding geht so oder so kaputt. Sie können sich ja bei noch gesteigertem Geldbedarf an die Damen und Herren Senatoren und Repräsentanten wenden.

    Was sich Obama gegenüber Merkel geleistet hat, ist ein Affront. Man sollte Obama nicht willkürlich beschädigen, man sollte ihm aber auch nicht mehr helfen. Treuebekenntnisse schon – wenn es konkret wird – auf die lange Bank mit ihm. Ein zusehends ramponierter Präsident ist auch nicht zu verachten.

    • FA39MD
    • 04.11.2009 um 21:01 Uhr

    Ich hörte noch die Töne vor den Wahlen von Schwarz-Gelb. Nun, der Sektrausch ist verflogen und nüchternes Denken ist angesagt. Baden in der Selbstgefälligkeit ist nicht - eiskalt hat sich die Welt des Kapitals mal wieder gezeigt - war aber seit Monaten voraus zu sehen. Und Frau Merkel ? - die Party ist vorbei! Aber welche Lehren wird unsere Tigerenten-Chaos-Regierung denn nun ziehen? - keine, denn wahrscheinlich kommen wieder nur die trivialen Sprüche von Hundt - Löhne senken, damit Standort Deutschland besser da steht. Aber die Amis lachen sich jetzt über uns ins Coma. Die Deutschen stellen den Amis in jeder Lebensituation nach - sogar die deutsche Sprache gibt es kaum noch... Nun haben die uns eine Lektion erteilt - aber weiter so mit den blau-gelben Ideologien der Freiheit!

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    Sie schreiben: "eiskalt hat sich die Welt des Kapitals mal wieder gezeigt"

    Das ist natürlich Unsinn. Die GM-Manager machen lediglich das, wofür sie bezahlt werden, nämlich für Ihr Unternehmen das Beste herauszuholen. Das hat mit national motivierten Gemeinheiten und Emotionen ("die Amis lachen sich jetzt über uns ins Coma") herzlich wenig zu tun. Im Gegenteil.

    Wenn ausgebuffte Verhandlungsführer (GM) auf den Typ "Kirchentagsbesucher" treffen (Merkel, Steinmeier, Rüttgers & Co.), dann wäre es schon komisch, wenn Erstere auf einmal zu Chefdiplomaten mit politischer Beißhemmung mutieren würden. Hier ist auf deutscher Seite einfach nur schlecht und unprofessionell verhandelt worden. Man hat die Gunst der Stunde, die durchaus vor einigen Monaten gegeben war, wenn man ernsthaft Opel aus dem GM-Konzern hätte lösen wollte, nicht genutzt. Aber so ist das halt, wenn man sich sekundärmotiviert (Wahlen) in Verhandlungen über die Zukunft einer traditionsreichen Automobilmarke begibt. Da geht der Blick für die vertraglichen Essentials schnell verloren; wichtiger ist das Verkünden von Pseudo-Erfolgsmeldungen im Scheinwerferlicht.

    Sie schreiben: "eiskalt hat sich die Welt des Kapitals mal wieder gezeigt"

    Das ist natürlich Unsinn. Die GM-Manager machen lediglich das, wofür sie bezahlt werden, nämlich für Ihr Unternehmen das Beste herauszuholen. Das hat mit national motivierten Gemeinheiten und Emotionen ("die Amis lachen sich jetzt über uns ins Coma") herzlich wenig zu tun. Im Gegenteil.

    Wenn ausgebuffte Verhandlungsführer (GM) auf den Typ "Kirchentagsbesucher" treffen (Merkel, Steinmeier, Rüttgers & Co.), dann wäre es schon komisch, wenn Erstere auf einmal zu Chefdiplomaten mit politischer Beißhemmung mutieren würden. Hier ist auf deutscher Seite einfach nur schlecht und unprofessionell verhandelt worden. Man hat die Gunst der Stunde, die durchaus vor einigen Monaten gegeben war, wenn man ernsthaft Opel aus dem GM-Konzern hätte lösen wollte, nicht genutzt. Aber so ist das halt, wenn man sich sekundärmotiviert (Wahlen) in Verhandlungen über die Zukunft einer traditionsreichen Automobilmarke begibt. Da geht der Blick für die vertraglichen Essentials schnell verloren; wichtiger ist das Verkünden von Pseudo-Erfolgsmeldungen im Scheinwerferlicht.

    • Jokus
    • 04.11.2009 um 22:57 Uhr

    Ich weiß gar nicht, was das Gezetere über die "Amis" hier soll. General Motors ist in Insolvenz gegangen und mit massiver Hilfe des Staates - zunmächst jedenfalls - aus dem Sumpf gezogen worden...

    Nun schwimmen die US-Boys wieder...und tun das, was jeder, der heute weltwirtschaftlich wirtschaften (und für Arbeitskräfte sorgen will) : sie kümmern sich um das, was ihnen gehört....

    Und ihnen gehört immer noch Opel...Dass sie - als sie dabei waren zu ertrinken Opel haben wegschwimmen sehen, sogar zugestimmt haben, wer versteht das nicht??

    Doch nun, da sie wieder aufgetaucht sind, noch leben, noch poduzieren, kann es doch nur selbstverständlich sein, sich auch wieder um Opel kümmern....Zumal sie endlich begriffen haben, wie wichtig Opel für GM sein kann.

  2. nein, die regierung hat sich selber blamiert, bzw. die chefin der alten und neuen regierung mit ihrem motto 'allen wohl und keinem weh'.

    Merkel macht nägel ohne köpfe. (ohne kopf?)

  3. Genau JETZT erleben wir mal wieder einen jener Punkte, an denen sich die Geschichte wandelt. Zwei Wege stehen offen und unsere Regierung muss zeigen, welchen sie beschreiten will.
    Weg eins ist der Übliche. Nachgeben, Steuergelder verschenken, sich erpressen lassen und am Ende doch dem Steuerzahler die Kosten für die Arbeitslosen aufbürden und diese in die HartzIV-Armut pressen ... und sich beim nächsten Mal WIEDER über den Tisch ziehen lassen.
    Weg zwei ist en harter steiniger Weg. Er bedeutet, endlich Konsequenzen zu ziehen. Opel als Teil von GM ist nicht zu retten. Die Opel-Mitarbeiter werden über kurz oder lang ohnehin Arbeitslosen werden. Die Frage ist nur, wie viele Subventionen, Fördergelder und Forschungsmittel man vorher an die Amerikaner verschwendet. Und es ist auch die Frage, wie konsequent der deutsche Käufer ist. Die GM-Führung glaubt, die Stimmung in Deutschland ignorieren zu können und spricht von 'Schmerzen' und 'brutaler' Härte. Doch meinen die Manager damit sich selbst? Wohl kaum. Und genau DAS muss sich ändern.

  4. Jeder GM-Manager muss AGNST haben, einen Fuss auf europäischen Boden zu setzen. Tatsächliche und unmittelbare ANGST - Angst vor Gerichtsverfahren, Angst vor Anfeindungen, Angst erkannt und ob seines Handelns zur Rede gestellt zu werden.
    Und auch die Bundesregierung muss aktiv werden. Die bundeswehr verteidigt doch angeblich deutsche Werte und Deutschlands Freiheit am Hindukusch. Amerika tritt genau diese beiden Dinge mit Füssen. Warum also kämpfen wir mit und für diese? Sollen die Amerikaner ernten, was sie gesät haben. Krieg in Afghanistan und Kaufboykotte in Europa.
    Nur so lässt sich verhindern, dass die nächste Heuschrecke wieder glaubt, leichtes Spiel zu haben.
    Doch ist die Merkelregierung hier die Richtige? Natürlich nicht. Ein langes Messer wird sie den Opelanern in den Rücken jagen und dem Steuerzahler tief ins Geldsäckel greifen.

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