Autoindustrie Verkauf von Opel geplatzt

Opel bleibt bei General Motors. Die Entscheidung gegen einen Verkauf fiel auf einer Verwaltungsratssitzung von GM in Detroit. Der Zulieferer Magna geht damit leer aus.

Der Hauptsitz von General Motors in Detroit. Völlig überraschend sagte hier der Verwaltungsrat den Verkauf von Opel an Magna ab

Der Hauptsitz von General Motors in Detroit. Völlig überraschend sagte hier der Verwaltungsrat den Verkauf von Opel an Magna ab

Monatelang hatten sie verhandelt: GM, Opel, Investoren und Politiker. Nun hat sich der Verwaltungsrat des US-Konzerns General Motors (GM) doch gegen einen Verkauf des Rüsselsheimer Traditionsunternehmens an den kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna entschieden. Die Verbesserung des Geschäftsumfeldes und die strategische Bedeutung von Opel seien dafür ausschlaggebend gewesen, erklärte GM am späten Dienstagabend.

Bei den Opel-Arbeitern stieß der Plan auf Kritik. Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sieht dadurch die Opel-Werke in Bochum, Kaiserslautern und Antwerpen "akut gefährdet". Auch die Bundesregierung bedauerte die Entscheidung.

Anzeige

GM rechnet mit Sanierungskosten für Opel von drei Milliarden Euro, womit auch Stellenstreichungen und Werksschließungen abgedeckt sein dürften. Dies sei deutlich weniger als die Pläne der Opel-Bieter vorsahen, erklärte Konzernchef Fritz Henderson. GM wolle seinen Restrukturierungsplan bald der Bundesregierung und anderen Regierungen vorlegen. Deutschland hatte Magna 4,5 Milliarden Euro an Staatshilfen in Aussicht gestellt. Die EU hatte aber in diesem Zusammenhang Wettbewerbsbedenken geäußert.

Zugleich entschuldigte sich Henderson für die monatelange Hängepartie. "Wir verstehen, dass die Komplexität und die Länge der Angelegenheit für alle Beteiligten anstrengend war." Aber mit dieser Entscheidung habe GM die beste Lösung für seine Kunden, Mitarbeiter, Zulieferer und Händler erreicht. Dies sei die stabilste und kostengünstigste Lösung, um die Zukunft von Opel und der Schwestermarke Vauxhall langfristig zu sichern.

Noch vor zwei Wochen hatte Henderson einen Verkauf von Opel als die wahrscheinlichste Lösung bezeichnet. Magna-Co-Chef Siegfried Wolf zeigte Verständnis. GM habe nach seinem besten Interesse gehandelt. Magna werde auch künftig mit GM und Opel zusammenarbeiten.

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt der geplatzte Opel-Verkauf einer Niederlage gleich, schließlich hat sie sich lange persönlich für einen Verkauf an das Konsortium aus Magna und der russischen Sberbank stark gemacht. Dagegen hatte ihr damaliger Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg noch unmittelbar nach der Grundsatzentscheidung der großen Koalition seine Vorbehalte deutlich gemacht.

Die Opel-Treuhand, bei der 65 Prozent der Anteile der deutschen GM-Tochter geparkt waren, nahm die Entscheidung aus Detroit vergleichsweise nüchtern zur Kenntnis. Der Beschluss des GM-Verwaltungsrats bedürfe nicht der Zustimmung der Treuhand. "Ich hoffe, auch im Interesse der Beschäftigten bei Opel, dass dieser Beschluss Opel zu neuer wirtschaftlicher Stabilität verhilft", erklärte der Vorsitzende des Beirats, Fred Irwin.

GM war nur durch Staatshilfen gerettet worden, die US-Regierung verfügt bei dem Konzern über entscheidenden Einfluss. Sie erklärte jedoch, sie sei bei der Entscheidung nicht beteiligt gewesen.

 
Leser-Kommentare
    • CM
    • 04.11.2009 um 7:38 Uhr

    Unsere Häuptlingstochter hat nun einen indianischen Namen verdient:

    "Die-die-Rechnung-ohne-den-Wirt-macht"

    Im Wahlkampf herrschte noch Zuversicht. Merkel und ihr Schon-wieder-Ex-Wirtschaftsminister Guttenberg haben uns offenbar die ganze Zeit nur etwas vorgemacht, und das wissen sie genau.

  1. Wahrscheinlich ist es besser so, daß russisch-magmatische Konortium wirkte etwas enigmatisch. Aber trotzdem ist es ein Schlag ins Gesicht aller Beteiligter einschließlich und gerade der Bundesregierung, vor allem aber der Belegschaft. Es wird für GM nicht leicht werden, mit ihr zu einem normalen modus operandi zurückzukehren. Das Feilschen wie auf einem Basar hat ein Schlaglicht auf das Geschäftsgebaren von GM geworfen, ich denke, GM hat für die nächste Zeit alle Sympathien verspielt.

    Wir sollten aber nicht vergessen, daß es die EU war, die den Startschuß zu dieser Wendung gegeben hat - dort wird sich bei manchem klammheimliche Freude breitgemacht haben, ist es doch gelungen, das größte Mitgliedsland durch etwas Druck zu disziplinieren in einem Moment, als man dort das Geschäft bereits in trockenen Tüchern wähnte. Man möchte nicht glauben, daß die Intervention der EU zu diesem Zeitpunkt Zufall war, es erscheint eher wahrscheinlich, daß das Vorgehen mit GM abgesprochen war und das falsche Spiel bewußt bis nach der Bundeswahl herausgezögert wurde - schade eigentlich, so mancher wird seine Wahl unter falschen Voraussetzungen getroffen haben, wieder einmal.

  2. Und, ich verstehe es nicht. Wenn Magna kommt müssen 10 000 gehen, wenn Opel bei GM bleibt müssen 10 000 gehen: wo ist der Unterschied?

    Ich finds einfach nur gut. Immer wenn der Staat in einem wirtschaftlichen Bereich als Hauptakteur mitwirken möchte geht es in die Hosen....
    Hoffentlich lernen die Akteure endlich was davon. Bei den Banken kommt ja mehr und mehr auch der Alltag wieder zurück...

    Noch mal zu Opel, ich verstehe diesen ganzen Dschungel eh nicht mehr, aber wieso klammern sich ein paar Rüsselsheimer an einen Kuhhandel, der den totalen Ausverkauf von Opel nach Russland bedeutet? Ich denke am Ende ist es doch besser, Opel bleibt bei GM.

    • joG
    • 04.11.2009 um 8:08 Uhr

    ...erwarten konnte. Die Regierung hatte GM genötigt zum Verkauf an Magna und hatte verzögert bis nach der Wahl, wie auch die EU bis dahin abwartete. Wieso sollte man eine Feindin sich machen und wegen ein paar Wochen Abwarten Mutti brüskieren? Ob sich die offene Resistenz der deutschen Gewerken gegen den Eigentümer nun auszahlt ist schwer zu sagen, zumal der Standort keinesfalls besser ist als andere mit freundlicher gesonnenen Mitarbeitern.

    • assnet
    • 04.11.2009 um 8:12 Uhr

    Rechtzeitig vor dem Wahltermin im September stellt sich unsere Kanzlerin vor die Presse und verkündet vollmundig: "Opel ist gerettet!"
    Jetzt ist das eingetreten, was viele erwartet haben - GM hat auf Zeit gespielt und die 1,5 Mrd. Bundeshilfe gut gebrauchen können. Es steht zu erwarten, dass um dieses Geld jetzt ein weiteres monatelanges Gerangel einsetzen wird. Wir alimentieren die amerikanische Wirtschaft und es steht zu befürchten, dass dies noch nicht das Ende der Fahnenstange ist; warten wir den Restrukturierungsplan von GM ab!
    Schwarz-Gelb ist angetreten, die höhere Wirtschaftskompetenz zu haben; die Realität nach der Wahl sieht anders aus.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das der Magna Verkauf ein Fehler sein würde, war zumindest mir von Anfang an klar, wobei ich mich durch den Vorstoss von zu Guttenberg bestätigt fühlte.

    Wenn man nun dazu übergeht Verantwortung und Ursachen zuzuschreiben, sollte man aber keine Legenden bilden.

    Bei dem ganzen Prozedere ging es nie nur um die Rettung von Arbeitsplätzen, sondern auch immer um Einfluss- und Machtstrukturen.
    Der Verkauf von Opel an Magna war vor allem ein Kind der SPD und Herrn Steinmeiers, die Kanzlerin hat sich dem aus politischen Gründen angeschlossen und muss sich deshalb einen Teil des Ergebnisses, den die SPD ihr wirtschaftlich unprofessionell, als Interessenpolitik professionell, eingebrockt hat, zurechnen lassen.

    Der Magna Deal konnte bestenfalls nur einen Zweck verfolgen, nämlich die Mitbestimmung und die Tarifverträge zu sichern.
    Eine Insolvenz hätte zwar die Amerikaner ihrer Einflussmöglichkeiten beraubt, aber eben auch diese Machtstrukturen bedroht.
    Jetzt diese Pleite der aktuellen Regierung zuzuschieben, nur weil die Kanzlerin der Vorgängerregierung auch jetzt Regierungschef ist, die nach den populistischen Anwürfen gar keine Chance hatte Opel in die Insolvenz gehen zu lassen und Guttenberg zurückpfiff, hat schon die Qualität einer Dolchstosslegende.
    Die Amerikaner müssen sich fast schlapp lachen über Steinmeier und Co., die Ihnen die nötige Zeit und das Geld verschafft haben, Opel zu behalten.

    H.

    • joG
    • 04.11.2009 um 8:34 Uhr

    ...zugesagt.

    Es ist illegal die Subvention anders als allgemein zu machen und einen spezifischen Anleger zu bevorteilen. Das war die Aussage der EU. Es ist nicht die Frage, ob man die Gelder geben muss, die man versprach. Es ist die Frage, ob man nicht RIHJ entschädigen müsste, weil man immerhin GM erpresst hatte und RIHJ daher das Geschäft nicht machen konnte. Jedenfalls stellt sich von Außen betrahtet die Frage so.

    Das der Magna Verkauf ein Fehler sein würde, war zumindest mir von Anfang an klar, wobei ich mich durch den Vorstoss von zu Guttenberg bestätigt fühlte.

    Wenn man nun dazu übergeht Verantwortung und Ursachen zuzuschreiben, sollte man aber keine Legenden bilden.

    Bei dem ganzen Prozedere ging es nie nur um die Rettung von Arbeitsplätzen, sondern auch immer um Einfluss- und Machtstrukturen.
    Der Verkauf von Opel an Magna war vor allem ein Kind der SPD und Herrn Steinmeiers, die Kanzlerin hat sich dem aus politischen Gründen angeschlossen und muss sich deshalb einen Teil des Ergebnisses, den die SPD ihr wirtschaftlich unprofessionell, als Interessenpolitik professionell, eingebrockt hat, zurechnen lassen.

    Der Magna Deal konnte bestenfalls nur einen Zweck verfolgen, nämlich die Mitbestimmung und die Tarifverträge zu sichern.
    Eine Insolvenz hätte zwar die Amerikaner ihrer Einflussmöglichkeiten beraubt, aber eben auch diese Machtstrukturen bedroht.
    Jetzt diese Pleite der aktuellen Regierung zuzuschieben, nur weil die Kanzlerin der Vorgängerregierung auch jetzt Regierungschef ist, die nach den populistischen Anwürfen gar keine Chance hatte Opel in die Insolvenz gehen zu lassen und Guttenberg zurückpfiff, hat schon die Qualität einer Dolchstosslegende.
    Die Amerikaner müssen sich fast schlapp lachen über Steinmeier und Co., die Ihnen die nötige Zeit und das Geld verschafft haben, Opel zu behalten.

    H.

    • joG
    • 04.11.2009 um 8:34 Uhr

    ...zugesagt.

    Es ist illegal die Subvention anders als allgemein zu machen und einen spezifischen Anleger zu bevorteilen. Das war die Aussage der EU. Es ist nicht die Frage, ob man die Gelder geben muss, die man versprach. Es ist die Frage, ob man nicht RIHJ entschädigen müsste, weil man immerhin GM erpresst hatte und RIHJ daher das Geschäft nicht machen konnte. Jedenfalls stellt sich von Außen betrahtet die Frage so.

  3. Das der Magna Verkauf ein Fehler sein würde, war zumindest mir von Anfang an klar, wobei ich mich durch den Vorstoss von zu Guttenberg bestätigt fühlte.

    Wenn man nun dazu übergeht Verantwortung und Ursachen zuzuschreiben, sollte man aber keine Legenden bilden.

    Bei dem ganzen Prozedere ging es nie nur um die Rettung von Arbeitsplätzen, sondern auch immer um Einfluss- und Machtstrukturen.
    Der Verkauf von Opel an Magna war vor allem ein Kind der SPD und Herrn Steinmeiers, die Kanzlerin hat sich dem aus politischen Gründen angeschlossen und muss sich deshalb einen Teil des Ergebnisses, den die SPD ihr wirtschaftlich unprofessionell, als Interessenpolitik professionell, eingebrockt hat, zurechnen lassen.

    Der Magna Deal konnte bestenfalls nur einen Zweck verfolgen, nämlich die Mitbestimmung und die Tarifverträge zu sichern.
    Eine Insolvenz hätte zwar die Amerikaner ihrer Einflussmöglichkeiten beraubt, aber eben auch diese Machtstrukturen bedroht.
    Jetzt diese Pleite der aktuellen Regierung zuzuschieben, nur weil die Kanzlerin der Vorgängerregierung auch jetzt Regierungschef ist, die nach den populistischen Anwürfen gar keine Chance hatte Opel in die Insolvenz gehen zu lassen und Guttenberg zurückpfiff, hat schon die Qualität einer Dolchstosslegende.
    Die Amerikaner müssen sich fast schlapp lachen über Steinmeier und Co., die Ihnen die nötige Zeit und das Geld verschafft haben, Opel zu behalten.

    H.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    @hermann.12: Genau so ist es - Steinmeier's Ex-Chef hat mit seinem Freund Wladimir P. einen schönen Deal ausgedacht, wie man billig an Know-How für die maroden russischen Autobauer kommen kann, und Frank-Walter hat brav die Lage so politisch aufgeladen, dass die Kanzlerin einfach mitspielen musste, wenn sie eine Chance auf Wiederwahl behalten wollte.
    Jetzt wird es kommen, wie es wohl auch bei einer sofortigen Insolvenz gekommen wäre: der Stammsitz Rüsselsheim und das moderne Werk in Eisenach dürften (vorerst) erhalten bleiben, Bochum und Kaiserslautern wohl den Bach hinunter gehen ... und wenn man sich nicht ziemlich schnell eine zündende neue Strategie einfallen lässt, werden auch diese mittelfristig noch kippen. Autos ordentlicher Qualität zu vernünftigen Preisen bauen heutzutage (zu) viele; das allein reicht sicher nicht, denn die ganzen Probleme der letzten Monate haben sich nicht unbedingt neue Käuferschichten erschlossen.

    Es bleibt wie es immer war: wenn Firmen am Markt vorbei produzieren oder schlecht wirtschaften (für Opel bzw. GM gilt wohl beides), kann die Politik sie nicht retten - großer Name hin, Tradition her ...

    Die Amerikaner lachen sich schlapp über Mutti, die naiv eine Rede vor dem Kongress hielt, währen die harten Jungs bereits den Hebel umgelegt hatten.

    Sie erfuhr davon im Flugzeug auf der Heimreise.

    So was nennen die Amerikaner: Kick in the ass!

    @hermann.12: Genau so ist es - Steinmeier's Ex-Chef hat mit seinem Freund Wladimir P. einen schönen Deal ausgedacht, wie man billig an Know-How für die maroden russischen Autobauer kommen kann, und Frank-Walter hat brav die Lage so politisch aufgeladen, dass die Kanzlerin einfach mitspielen musste, wenn sie eine Chance auf Wiederwahl behalten wollte.
    Jetzt wird es kommen, wie es wohl auch bei einer sofortigen Insolvenz gekommen wäre: der Stammsitz Rüsselsheim und das moderne Werk in Eisenach dürften (vorerst) erhalten bleiben, Bochum und Kaiserslautern wohl den Bach hinunter gehen ... und wenn man sich nicht ziemlich schnell eine zündende neue Strategie einfallen lässt, werden auch diese mittelfristig noch kippen. Autos ordentlicher Qualität zu vernünftigen Preisen bauen heutzutage (zu) viele; das allein reicht sicher nicht, denn die ganzen Probleme der letzten Monate haben sich nicht unbedingt neue Käuferschichten erschlossen.

    Es bleibt wie es immer war: wenn Firmen am Markt vorbei produzieren oder schlecht wirtschaften (für Opel bzw. GM gilt wohl beides), kann die Politik sie nicht retten - großer Name hin, Tradition her ...

    Die Amerikaner lachen sich schlapp über Mutti, die naiv eine Rede vor dem Kongress hielt, währen die harten Jungs bereits den Hebel umgelegt hatten.

    Sie erfuhr davon im Flugzeug auf der Heimreise.

    So was nennen die Amerikaner: Kick in the ass!

    • joG
    • 04.11.2009 um 8:34 Uhr

    ...zugesagt.

    Es ist illegal die Subvention anders als allgemein zu machen und einen spezifischen Anleger zu bevorteilen. Das war die Aussage der EU. Es ist nicht die Frage, ob man die Gelder geben muss, die man versprach. Es ist die Frage, ob man nicht RIHJ entschädigen müsste, weil man immerhin GM erpresst hatte und RIHJ daher das Geschäft nicht machen konnte. Jedenfalls stellt sich von Außen betrahtet die Frage so.

  4. ...ich schrieb gleiches aber kürzer zu dem "Wir sind enttäuscht" Artikel.

    GM wird es danken, indem sie jetzt reihum alle europäischen Standorte um Subventionen erpressen, den Zusagen zum Erhalt hat GM selbst niemandem gemacht.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service