Autoindustrie Opel-Betriebsrat ruft zu Warnstreiks auf

Der GM-Opel-Beschluss stößt auf Widerstand. Wirtschaftsminister Brüderle nennt die GM-Entscheidung "völlig inakzeptabel". Der Betriebsrat fordert die Arbeiter zum Streik auf.

Der Opel-Betriebsrat hat Protest gegen den Verbleib des Autobauers bei General Motors (GM) angekündigt. Man werde die 25.000 Opel-Mitarbeiter zu Warnstreiks aufrufen, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz. "Die Veranstaltungen beginnen in Deutschland und werden sich auf ganz Europa ausdehnen." Die Mitarbeiter würden schon morgen vor den Werkstoren am Stammwerk in Rüsselsheim, in Bochum, Eisenach und Kaiserslautern protestieren.

Aus Sicht der Beschäftigten sei das Konzept von GM für Opel nicht tragfähig, sagte Franz. "Den Weg zurück zu General Motors werden wir nicht mitgestalten, sondern unsere klassische Schutzfunktion für die Belegschaften wahrnehmen", sagt Franz. Er sieht durch die neuen Pläne die drei Opel-Werke in Bochum, Kaiserslautern und Antwerpen "akut gefährdet". "Der nächste Schritt von General Motors wird sein, Regierungen und Beschäftigte in Europa zu erpressen, um das bekannte, nicht tragfähige GM-Konzept zu finanzieren", befürchtet Franz. "Die Arbeitnehmervertretungen werden sich darauf nicht einlassen und suchen den Schulterschluss mit den Regierungen." Er sprach von einem "schwarzen Tag für Opel".

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Die Arbeitnehmer würden auch nicht wie geplant in den kommenden Jahren durch Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld Millionenbeträge einsparen. Diese Zusage hatten sie daran geknüpft, dass der Zulieferer Magna und der russische Partner Sberbank tatsächlich den Zuschlag für Opel erhalten. Er erwarte, dass die von der Bundesregierung im Fall des Opel-Verkaufs zugesagten Finanzhilfen nicht gezahlt werden, sagte Franz.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) nannte das Verhalten von General Motors "völlig inakzeptabel" sowohl den Arbeitnehmern als auch Deutschland gegenüber. Die Arbeitnehmer hätten noch kurz vor der Entscheidung ein Signal für einen Lohnverzicht gegeben. Ein solcher Umgang mit Arbeitnehmern wenige Wochen vor Weihnachten sei "in keiner Weise hinnehmbar". Er forderte von GM und Opel die rasche Vorlage eines Konzepts zur Restrukturierung. Man werde sich nicht unter Druck setzen lassen. Die Bundesregierung poche darauf, das Geld der deutschen Steuerzahler zurückzuerhalten, sagte Brüderle. Dabei geht es um einen Brückenkredit über 1,5 Milliarden Euro. Die Frage, ob GM mit weiteren Staatshilfen rechnen kann, wurde noch nicht beantwortet.

Auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) zeigte sich "sehr betroffen und zugleich verärgert" über die Entscheidung des US-Autobauers. "Angesichts der negativen Erfahrungen der letzten Jahre mit der Unternehmenspolitik von GM mache ich mir große Sorgen um die Zukunft des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze", sagte Koch unmittelbar nach der Entscheidung in Detroit.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sprach von einer "Zumutung für die Beschäftigten von Opel, die unvorstellbaren Belastungen ausgesetzt sind". GM habe kein eigenes Konzept. Die Entscheidung des US-Konzerns scheine maßgeblich von amerikanischen Regierungsvertretern beeinflusst worden zu sein.

Die Bundesregierung hatte in einer ersten Stellungnahme in der Nacht die Entscheidung des GM-Verwaltungsrats bedauert, Opel nicht zu verkaufen. "Mit dieser Entscheidung ist ein Investorenprozess abgebrochen worden, der über einen Zeitraum von mehr als sechs Monate von allen Beteiligten – einschließlich GM – intensiv geführt wurde", erklärte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Das bis zuletzt auch von General Motors favorisierte Konzept des kanadisch-österreichischen Zulieferers Magna und der russischen Sberbank habe sich durch eine "überzeugende industrielle Logik" ausgezeichnet.

Leser-Kommentare
    • joG
    • 04.11.2009 um 11:02 Uhr

    "Das bis zuletzt auch von General Motors favorisierte Konzept des kanadisch-österreichischen Zulieferers Magna und der russischen Sberbank habe sich durch eine "überzeugende industrielle Logik" ausgezeichnet"
    GM hätte Magna "favorisiert"?
    "Der US-Autobauer GM hatte den geplanten Verkauf an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna am späten Dienstagabend überraschend abgeblasen"
    "Überraschend"???
    Ich weiss nicht wo jemand, der so etwas sagt den Kopf hatte oder er glaubt er spräche mit ungebildeten Blöden.

    Zu den Aufforderungen zum Streik ist nur zu sagen, dass die Arbeiter die Kosten der deutschen Werke damit erhöhen. Ob dadurch der Standort wettbewerbsfähiger wird?

    Zu der Rückforderung der Subventionen? Will die Regierung die Entlassung der Arbeiter veranlassen?
    Zu neuen Subventionen? Die Bundesregierung hat der EU geschrieben, sie hätte die Subventionen nicht für Magna sondern für alle Interessenten bereitstellen wollen (weil das verbindliches Recht ist). Wollen sie nun das Geld nicht geben und ihr illegales Tun offiziell offenlegen?

  1. ...nennt Bruederle die Entscheidung von GM. Also stuetzt er damit genau die Bedenken der EU-Komission. Es war nie eine Entscheidung jenseits des MAgna-Deals fuer die Bundesregierung denkbar. Das zeigen die Reaktionen deutlich.
    Das MAgna-Konzept hatte seine Schwaechen. Ausgerechnet die Regierungsvertreter in der Treuhand haben es ja auch nicht unterstuetzt. Jetzt wird wahrscheinlich GM quersubventioniert. Das ist das Ergebnis dieses schwachsinnigen SUbventionswettlaufs.

    Was ein Warnstreik jetzt bewirken sol, ist mir unklar. Opel steht unter Druck und resistente Arbeitnehmer erhoehen gewiss nicht ihre Weiterbeschaeftigungschancen. Franz sollte im Gegenteil selbst konsequenzen ziehen, da er aufs engste mit dem MAgna-Konzept verknuepft ist.
    Der Vorwurf einer politischen Entscheidung ist haltlos. Wer sich anschaut, wer im Verwaltungsrat sitzt, muss einsehen, dass es fuer diese Leute um Zahlen und Perspektiven geht. Das sind knallharte Finanzprofis, und das ist auch gut so. Immerhin wurde die Entscheidung ja gegen den Willen Hendersons getroffen.

    Jetzt muss man abwarten, was GM vorhat. Staatlich gefoerdert werden sollte dies auf jeden Fall nicht. Es wird Arbeitsplaetze kosten, aber dies haette es auch bei MAgna gegeben und es ist unklar, warum GM jetzt die Opelarbeiter von den schmerzlichen Einschnitten und Entlastungen ihrer amerikanischen Kollegen ausnehmen sollte.

    Hoffentlioch ist die Causa Opel eine Lehre fuer alle, die den staatlichen Einstieg in die Industrie fo(e)rdern.

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    Die stattlichen Eingriffe bei HRE und Commerzbank waren also auch Müll?

    Oder gilt: (privates) Kapital retten - ja - Arbeitsplätze - nein?

    Darüber muss man mal nachdenken!

    Die stattlichen Eingriffe bei HRE und Commerzbank waren also auch Müll?

    Oder gilt: (privates) Kapital retten - ja - Arbeitsplätze - nein?

    Darüber muss man mal nachdenken!

  2. Die stattlichen Eingriffe bei HRE und Commerzbank waren also auch Müll?

    Oder gilt: (privates) Kapital retten - ja - Arbeitsplätze - nein?

    Darüber muss man mal nachdenken!

  3. wer Opel und damit uns Steuerzahlern die wir für die Arbeitslosen einzutreten haben diese Misere eingebrockt hat.

    Es war die Europäische Kommission! Zweitklassige Leute, teilweise von ihren Parteien nach Europa auf Druckposten abgeschoben!

    Die Institution hat sich, einmal mehr, als sehr deutschenfeindlich gezeigt. Nun rächt sich, dass der deutsche Michel nicht auf die Straße gegangen ist, als ihm die Lissabonner Verträge, ungefragt, aufs Auge gedrückt wurden.

    Sollten unsere Parteien nun GM die hohen Milliardenbeträge, wie gefordert, in den Rachen schmeissen, dann sollte man mal an einen Generalstreik hier bei und denken.

    Als politisch motivierter Streik ist er verboten, dennoch, wer sollte es verbieten, wenn sich die Menschen einig sind.

    Der ungehemmten Geldgier von Banken, Lobbypolitik und Industrie ist anders nicht beizukommen. Solange man Geld, unversteuert, und nicht die Menschen arbeiten lässt, ist keine Besserung abzusehen!

  4. Die deutschfeindlichkeit ist deutlich. Bei strenger Beachtung der Subventionsregeln (die ja selbstverständlich in Krisenzeiten gelockert gehören) wäre der ganze britische Bankensektor zusammengebrochen. Dann wären die wieder ein Agrarland. Und was hatten die als erstes zu tun als es den Deutschen mit Opel schlecht ging? Sie hintertrieben die hiesigen Bemühungen, wenn wir mit unserem Geld nicht auch noch ihr lausiges Vauxhaull reten würden. Die EU-Komission war dafür das Kampfinstrument und ist uns damit in den Rücken gefallen. GM hat die Vorlage gerne angenommen.

    Ansonsten sei gesagt, dass das deutsche Geld ein Kredit ist und es wird nach stabilen Kriterien entschieden ob man ihn auszahlt. Da gibt es sicherlich viel und immer neues zu bemäkel und zu klären. Und wenn als schon klar scheint wird uns doch noch mal was einfallen. Oder wir bemühen die EU-Komission. Und wenn man es über diese Bahn der GM nicht versalzen kann. Dann lassen wir uns eben auch gaaaaaaaaaaaaaaaaanz laaaaaaaaaange Zeit und sagen dann am Ende doch NEIN! :-D Ich denke nicht, dass wir in irgendeinem Automatismus gefangen sind. Nur wenn wir immer so überkorrekte Deutsche sein wollen.

    Sicherlich wäre es für die Opel-Beschäftigten jetzt am sichersten keine Streiks zu machen. Auf ihren halben Lohn zu verzichten und wenn Deutschland nicht nur 4,5 sondern gleich 9 Mrd. EUR geben würde. Aber man muss ja nicht immer der Dumme sein. Die Zeit des freundlichen Miteinanders wurde gestern von GM beendet.

  5. Diese Opel-Geschichte offenbart die totale wirtschaftspolitische Inkompetenz der letzten Bundesregierung.

    Wieder einmal zeigt sich, dass der Staat sich aus Wirtschaftsunternehmen raushalten sollte.

    Der Staat muss Rahmenbedingungen vorgeben. Er muss die Marktmacht von Unternehmen begrenzen, um Erpressung der Gesellschaft (sie aktuell: Banken) oder Monopolstellung zu vermeiden. In Schlüsselbranchen (Banken, Energie) hat der Staat notfalls eine öffentlich rechtliche Güterbereitstellung parallel zur Privatwirtschaft zu organisieren. Natürliche Monopolmärkte (Verkehrsinfrastruktur, Stom- und Datennetze etc.) sind entweder staatlich bereitzustellen oder strikt zu regulieren. Lediglich in sicherheitsrelevanten Industrien (eng gefasste "nationale Interessen") gibt es eine gewisse Legitimität direkter Einmischung, sonst aber nicht.

    Ansonsten hat sich der Staat rauszuhalten. Insbesondere darf er nicht in Unternehmensentscheidungen reinreden, ob und an wen welcher Unternehmensteil verkauft wird, oder nicht.

    Der Staat ist in der Regel der schlechteste ineffizienteste Unternehmer. Ihm folgen die Gewerkschaften (siehe "Neue Heimat") auf der Hitliste der Werte- und Wohlstandsvernichter. Gewerkschaften sollen sinnvoll Arbeitnehmerinteressen vertreten, nicht jedoch Unternehmer spielen wollen. Das geht erfahrungsgemäß schief.

    Dass nun Staat und Gewerkschaften sich zusammen tun und über das Eigentum Dritter entscheiden wollen, ist Sozialismus.

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    aber die Realität sieht anders aus!

    Die USA, Frankreich und England sehen das ganz anders und greifen massiv ein, von Japan und China nicht zu reden!

    Der Staat muss auf jeden Fall seine Schlüsselindustrien fördern und schützen!

    Die Fälle von Industriespionage zeigen, wie hart der Wettbewerb um Wohlstand und Arbeitsplätze ist.

    aber die Realität sieht anders aus!

    Die USA, Frankreich und England sehen das ganz anders und greifen massiv ein, von Japan und China nicht zu reden!

    Der Staat muss auf jeden Fall seine Schlüsselindustrien fördern und schützen!

    Die Fälle von Industriespionage zeigen, wie hart der Wettbewerb um Wohlstand und Arbeitsplätze ist.

    • micl
    • 04.11.2009 um 12:40 Uhr
    7.

    Das war ganz großes Kino, Frau Merkel und Herr Koch!
    Die überraschende Erklärung von GM zugunsten von Magna vor der Wahl wurde mit dem Milliardenkredit erkauft. Dadurch war bis zur Wahl eitel Sonnenschein angesagt. Aplaus von allen Seiten anstatt massiver Steiks, die die Kanzlerin hätten alt aussehen lassen.

    Nach der Wahl konnte dann GM ruhig einen Rückzieher machen und ein Herr Koch durfte sich mal wieder kräftig aufregen. Seine schauspielerischen Fähigkeiten kenn man ja schon aus dem Bundesrat.
    Echt klasse gemacht! Note 1 mit Sternchen! So geht Politik heute!

  6. 8. opel

    Es Lebe Die Amerikanisch (deutsche Freundschaft)Druschwa!
    War ales schon da das Deutsche Arbeiter für andere Länder Schufften

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