CO2-Einlagerung Die Angst vor dem Leck

Im Oderbruch protestieren Landwirte gegen Vattenfalls Pläne, Kohlendioxid unter die Erde zu pressen. Ihr Zorn gilt auch der Linkspartei.

Wenn Manfred Wercham, seine Äcker pflügt, dann sieht er nicht mehr das goldene Laub der Bäume oder die Schnecken im feuchten Boden. Der 56-Jährige grübelt über das CO2 nach, das der Energiekonzern Vattenfall ihm unter seine Felder pressen will. Der stattliche Mann mit dem festen Händedruck fürchtet sich vor dem Gift, wie er sagt. Wenn es erst einmal da unten sei, könne es durch undichte Stellen entweichen, in seine Erde aufsteigen, seine Existenz ruinieren, das ist seine Sorge.

Wercham ist Chef des märkischen Bauernbundes, er betreibt einen Hof in Wilhelmsaue bei Letschin (Märkisch-Oderland). Er ist einer von 75 Landwirten im Oderbruch, die sich gegen die Pläne des Energiekonzerns wehren. An den Zäunen ihrer Häuser hängen Protestbanner, zu Demonstrationen gegen das geplante CO2-Endlager tragen sie gelbe Shirts mit Gasmasken-Aufdruck. Sie bombardieren Volksvertreter und Vattenfall mit E-Mails. Sie sagen, wer ihre Äcker vermüllen will, dem müsse man die Computer-Postfächer verstopfen.

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Verärgert sind sie vor allem über die Linkspartei, die vor den Wahlen noch auf ihrer Seite kämpfte und nun, da sie in der rot-roten Koalition mitregieren will, einknickt. "Was die machen, das ist Wahlbetrug", sagt Wercham. Seine Kollegen sehen das ebenso. Sie erinnern sich noch gut an den Sommer, in dem man Seite an Seite protestierte. Parteimitglieder hatten sich auch gegen die CO2 Verpressung stark gemacht. "Konsequent gegen das CO2-Endlager" plakatierte die Linke in betroffenen Dörfern.

"Sie haben damit viele Stimmen einkassiert", sagt Wercham. Als im Sommer das CCS-Gesetz auf den Weg gebracht werden sollte, unterschrieb selbst Gregor Gysi auf einer Liste, die Stimmen gegen die Kohlendioxid-Verpressung sammelte.

Die Linke wetterte heftig. Gegen Braunkohle und die "Schlotbarone" von Vattenfall und gegen Matthias Platzeck. Fraktionschefin Kerstin Kaiser wurde nicht müde, den brandenburgischen Ministerpräsidenten als Pressesprecher von Vattenfall zu diffamieren. An der Basis unterstützte man Volksinitiativen gegen neue Tagebaue und engagierte sich gegen die weitere Abbaggerung von Dörfern in Nordbrandenburg. "Lässt die Linke Jänschwalde-Nord zu, kann der Glaubwürdigkeitsverlust an keiner anderen Stelle ausgeglichen werden", hieß es in einem Papier.

Doch die CO2-Verpressung soll kommen. Dafür spricht, dass die Forschung zu unterirdischen Kohlendioxidspeichern bereits seit einigen Jahren läuft. Brandenburg pustet zu viel Treibhausgas in die Luft, was an den Tagebauen in der Region liegt. Wissenschaftler sagen, dass sich im Norden und Osten Deutschlands Gesteinsschichten befinden, die geeignet sind, um Kohlendioxid unterirdisch zu speichern. Mehrere Millionen flüssiges CO2 soll rund 1000 Meter tief verpresst werden. In Ketzin wird bereits auf einer Testanlage gebohrt, auch in Schwarze Pumpe gibt es eine Station zur Abscheidung von CO2. In Jänschwalde ist der erste große CCS-Kraftwerksblock geplant. Wercham und seine Bauern haben schon öfter Männer vom Landesbergbauamt von ihren Äckern verscheucht. Bislang hat Vattenfall zur Verpressung noch kein Recht, das Gesetz dazu ist noch nicht auf den Weg gebracht worden.

Es ist eine teure und aufwändige Technologie, durch die die Verwendung von fossilem Brennstoff zur Stromerzeugung umweltfreundlicher werden soll. In Brandenburg macht sich vor allem die SPD für CCS stark. Die Technik könne Arbeitsplätze im strukturschwachen Brandenburg sicher machen, heißt es. Das so genannte CCS-Gesetz, das die Verpressung erlaubt, könne der Braunkohle und den Beschäftigten in den Tagebauen für viele Jahrzehnte die Zukunft sichern.

Wenn das Gas aufsteigt, sind die Böden dahin, das Obst, der Raps, alles

Manfred Wercham, Chef des märkischen Bauernbundes

Wercham sieht das anders: "Das Vorhaben nutzt allein Vattenfall", sagt er. Er vermutet, dass der Energieriese vor allem weniger Geld für CO2-Zertifikate ausgeben will und nur darauf abzielt, die Gewinne aus Braunkohleverstromung zu maximieren. Je mehr die Bauern recherchierten, desto mehr kritisierten sie die CCS-Technologie. 0,4 Prozent Kohlendioxid liegt in der Luft, ab vier Prozent wird es lebensbedrohlich, ab 8 Prozent tödlich. Bauer Wercham hat das in einer Broschüre von Vattenfall gelesen. "Das Oderbruch ist wie eine Wanne, wenn das Gas aufsteigt, wird der Wind es nur schwer wegwehen", sagt er. Selbst wenn es im Boden bliebe, könne das Grundwasser verseucht werden. "Dann sind die Böden dahin, das Obst, der Raps, alles."

Nicht nur die Bauern, auch Umweltverbände und Grüne wehren sich gegen die so genannte CCS-Technologie. Sie bemängeln, dass Langzeitfolgen nicht abschätzbar sind. Mit Betroffenen aus Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein sind sie gut vernetzt. Im Norden stützen auch Wasserverbände den Protest, weil sie die Verunreinigung des Grundwassers fürchten. "Das Schlimme ist", sagt Wercham, "dass die denken, mit uns könnten sie es machen, weil wir noch die Ost-Mentalität haben."

Leser-Kommentare
  1. Fehlt nicht wieder einmal eine wirkliche fundierte wissenschaftliche Einschätzung?

    Die verantwortlichen Stellen schaffen es leider nicht, so einen Diskurs vor die Einlagerung zu stellen! Und die Umweltverbände und auch die Grünen und Linken sind auch nicht gerade an einer objektiven wissenschaftlichen Betrachtung interessiert, hier wird lieber ein Widerstand ala Wendland installiert. Fährt man z.B. durch Schleswig-Holstein in Nordfriesland entdeckt man auf Höfen und an Häusern viele Schilder gegen CO2, auch Autoaufkleber machen mobil. Ich möchte den Betroffenen keine Heimatliebe absprechen, aber hat sich jemand von denen den mal objektiv mit dem Thema auseinandergesetzt? Und ist das überhaupt möglich? An sich müssten doch mal unabhängige Forscher den Stand der Technik und die wahre Gefahr erklären!
    Ich sehe jedenfalls nicht CO2 als dramatisch an. Kann es überhaupt Grundwasser verseuchen? Und sollte etwas entweichen, dann ist das ja auch kein strahlender Atommüll, sondern CO2 was eh in der Luft gelandet wäre. Man hat aber den Eindruck, hier wird eine Angst und Gefahr geschürt, die ähnlich groß sei, wie Atommüll! Müssen denn Dörfer umsiedeln? Das dürfte doch überzogen sein!
    Aber so ist das eben, die Regierung erklärt wohl zu wenig und die Lobbygruppen finden in Bewohnern auch sehr schnell aktive Unterstützer! Die haben einen guten Willen, aber es fehlt eben eine objektive Berachtung nach Kenntnissen der Wissenschaft! Das würde sicher auch viele Prozesse ersparen!

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    Zwar tritt Kohlendioxid an vielen Stellen natürlich aus der Erde aus, ohne dass dabei ein Schaden entsteht; es gab allerdings auch schon katastrophale Ausbrüche (Stichwort: Nyos-See) mit zahlreichen Todesopfern.

    Zwar tritt Kohlendioxid an vielen Stellen natürlich aus der Erde aus, ohne dass dabei ein Schaden entsteht; es gab allerdings auch schon katastrophale Ausbrüche (Stichwort: Nyos-See) mit zahlreichen Todesopfern.

  2. Zwar tritt Kohlendioxid an vielen Stellen natürlich aus der Erde aus, ohne dass dabei ein Schaden entsteht; es gab allerdings auch schon katastrophale Ausbrüche (Stichwort: Nyos-See) mit zahlreichen Todesopfern.

    Antwort auf "Keine Objektivität!!!"
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    Ich sehe das genauso. Das Zeug in die Erde zu pumpen verzögert nur das Problem. Es wird sicher wieder an die Oberfläche kommen. So dicht können die Gesteinschichten nicht sein, das das für immer gebunden wird. Immerhin sprechen wir hier über ein Gas.
    Im schlimmsten Fall gibt es einen Ausbruch wie in Afrika und dann ist mal eben halb Brandeburg entvölkert.
    Die einzige Lösung bleibt weiterhin weniger CO2 zu erzeugen.

    Ich sehe das genauso. Das Zeug in die Erde zu pumpen verzögert nur das Problem. Es wird sicher wieder an die Oberfläche kommen. So dicht können die Gesteinschichten nicht sein, das das für immer gebunden wird. Immerhin sprechen wir hier über ein Gas.
    Im schlimmsten Fall gibt es einen Ausbruch wie in Afrika und dann ist mal eben halb Brandeburg entvölkert.
    Die einzige Lösung bleibt weiterhin weniger CO2 zu erzeugen.

  3. Ich sehe das genauso. Das Zeug in die Erde zu pumpen verzögert nur das Problem. Es wird sicher wieder an die Oberfläche kommen. So dicht können die Gesteinschichten nicht sein, das das für immer gebunden wird. Immerhin sprechen wir hier über ein Gas.
    Im schlimmsten Fall gibt es einen Ausbruch wie in Afrika und dann ist mal eben halb Brandeburg entvölkert.
    Die einzige Lösung bleibt weiterhin weniger CO2 zu erzeugen.

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    • th
    • 02.02.2010 um 12:00 Uhr

    Die einzige wirkliche Gefahr wäre ein plötzlicher Ausbruch großer CO2-Mengen. Aber man weiss doch, dass es Erdgaslagerstätten gibt, welche über Jahrmillionen einigermaßen dicht gewesen sind. Und für alle Fälle ein Warnsystem zu installieren, kann auch nicht schwer sein.

    Im übrigen bringt der Bauer mit jeder Treckerfahrt CO2 in die Luft über seinem Acker, ganz abgesehen vom lieben Vieh. Von "Umweltgift" kann da keine Rede sein.
    In den Niederlanden erhöht man übrigens die CO2-Konzentration in der Luft der Treibhäuser, um höhere Erträge zu erzielen ...

    • th
    • 02.02.2010 um 12:00 Uhr

    Die einzige wirkliche Gefahr wäre ein plötzlicher Ausbruch großer CO2-Mengen. Aber man weiss doch, dass es Erdgaslagerstätten gibt, welche über Jahrmillionen einigermaßen dicht gewesen sind. Und für alle Fälle ein Warnsystem zu installieren, kann auch nicht schwer sein.

    Im übrigen bringt der Bauer mit jeder Treckerfahrt CO2 in die Luft über seinem Acker, ganz abgesehen vom lieben Vieh. Von "Umweltgift" kann da keine Rede sein.
    In den Niederlanden erhöht man übrigens die CO2-Konzentration in der Luft der Treibhäuser, um höhere Erträge zu erzielen ...

  4. ... verstehe ich das richtig?
    Das heisst die Energie bleibt oben, der Sauerstoff geht mit dem C gebunden nach unten.
    Kann man dass C nicht gleich unten verbrennen?
    ..oder sind die Gas"end"lager an einer anderen Stelle?
    Letztendlich wird das Gas statt in der Athmosphere eben in der Tiefe gelagert, irgenwann kommt alles wieder hoch.
    Die Kohleindustrie wird dass Problem sicher lösen ...
    ... spätestens wenn die Kohle in Deutschland mal aufgebraucht ist, kann man zugeben dass das Ganze nicht sinnvoll war.

  5. ... soll es der Steuerzahler.

    Wenn ich mich recht erinnere, sind gegenwärtig ca. 2 Mrd. Euro alleine für die Erforschung der CO2-Abscheidung über die nächsten paar Jahre im Gespräch.

    Und alles nur - wie korrekt im Artikel vermutet - weil die CO2-Zertifikate teurer sein dürften, als das CO2 zu verklappen.

    Hier geht es nur um die Rendite der großen Stromkonzerne mit den Kohlekraftwerken.

    Pikant: Die CO2-Zertifikate spülen Geld in die Kassen der Regierung... aber die CO2-Verklappung unter enteignete Äcker (bzw. enteignete Bergbaurechte) halten das Geld schön im Konzern, welcher die auf Steuerzahlerkosten entwickelte Technologie dann auch noch exportieren kann.

    Oh - und klar, dass sich die Stromkonzerne von jeder Haftung für CO2-Lecks nach mehr als 20 Jahren freistellen lassen wollen.

    • th
    • 02.02.2010 um 12:00 Uhr

    Die einzige wirkliche Gefahr wäre ein plötzlicher Ausbruch großer CO2-Mengen. Aber man weiss doch, dass es Erdgaslagerstätten gibt, welche über Jahrmillionen einigermaßen dicht gewesen sind. Und für alle Fälle ein Warnsystem zu installieren, kann auch nicht schwer sein.

    Im übrigen bringt der Bauer mit jeder Treckerfahrt CO2 in die Luft über seinem Acker, ganz abgesehen vom lieben Vieh. Von "Umweltgift" kann da keine Rede sein.
    In den Niederlanden erhöht man übrigens die CO2-Konzentration in der Luft der Treibhäuser, um höhere Erträge zu erzielen ...

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    Ab dem Moment, wo das Erdgas entnommen wird, ist die Lagerstätte ja nicht mehr im Originalzustand wie während der "Millionen von Jahren".

    Auf den See in Afrika wurde bereits hingewiesen. Zum Vergleich die Dichte von Luft: 1,29 g/L, von Methan: 0,72 g/L und von CO2: 1,98 g/L (gerundet). Das Methan ist weg, wenn es austritt, das CO2 bleibt. (Zahlen aus Kuchling, Taschenbuch der Physik von 1986).

    Pressen heißt Druck - wenn es ein Leck gibt, strömt das Gas unter Druck aus; das ist nicht das gleiche, wie wenn der Bauer CO2 an die Atmosphäre abgibt. In den Treibhäusern ist die Vegetation eine (natürliche) CO2-Senke; nachts wird die CO2-Menge nicht abgebaut. Aber das sind komplett andere Maßstäbe.

    Ab dem Moment, wo das Erdgas entnommen wird, ist die Lagerstätte ja nicht mehr im Originalzustand wie während der "Millionen von Jahren".

    Auf den See in Afrika wurde bereits hingewiesen. Zum Vergleich die Dichte von Luft: 1,29 g/L, von Methan: 0,72 g/L und von CO2: 1,98 g/L (gerundet). Das Methan ist weg, wenn es austritt, das CO2 bleibt. (Zahlen aus Kuchling, Taschenbuch der Physik von 1986).

    Pressen heißt Druck - wenn es ein Leck gibt, strömt das Gas unter Druck aus; das ist nicht das gleiche, wie wenn der Bauer CO2 an die Atmosphäre abgibt. In den Treibhäusern ist die Vegetation eine (natürliche) CO2-Senke; nachts wird die CO2-Menge nicht abgebaut. Aber das sind komplett andere Maßstäbe.

  6. Ab dem Moment, wo das Erdgas entnommen wird, ist die Lagerstätte ja nicht mehr im Originalzustand wie während der "Millionen von Jahren".

    Auf den See in Afrika wurde bereits hingewiesen. Zum Vergleich die Dichte von Luft: 1,29 g/L, von Methan: 0,72 g/L und von CO2: 1,98 g/L (gerundet). Das Methan ist weg, wenn es austritt, das CO2 bleibt. (Zahlen aus Kuchling, Taschenbuch der Physik von 1986).

    Pressen heißt Druck - wenn es ein Leck gibt, strömt das Gas unter Druck aus; das ist nicht das gleiche, wie wenn der Bauer CO2 an die Atmosphäre abgibt. In den Treibhäusern ist die Vegetation eine (natürliche) CO2-Senke; nachts wird die CO2-Menge nicht abgebaut. Aber das sind komplett andere Maßstäbe.

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