CO2-Einlagerung Die Angst vor dem LeckSeite 2/2

Es ist Freitagnachmittag. Bauer Wercham sitzt im Strausberger Büro der Linkspartei, zwischen Genossen und Bürgerinitiativen. Fraktionschefin Kerstin Kaiser ist an diesem Tag gekommen, um die Basis zu besänftigen. Auf mehreren Regionalkonferenzen zeigte sich bereits, dass sich Genossen sich über das Koalitionspapier ärgern, das Kaiser mit Platzeck aushandelte.

Doch Kaiser will die Vorwürfe des Wahlbetrugs nicht hinnehmen. Lieber schiebt sie die Verantwortung der Presse zu, die die Tatsachen verdreht habe. Sie reckt das Kinn und trägt vor. Wenn umstrittene Passagen zur Sprache kommen, liest sie verklausulierte Sätze vom Blatt ab. Im Koalitionspapier heißt es, dass die einheimische Braunkohle weiter genutzt werden soll. Die Passagen zum Ausstieg in 2040 sind schwammig formuliert. Braunkohle soll Vorrang vor allen anderen fossilen Energieträgern haben. Einen Ausstieg, heißt es, kann es erst geben, wenn die Erneuerbaren Energie den Strombedarf zu hundert Prozent decken können.

"Wir wollen Einfluss nehmen", sagt Kaiser, die SPD sei nun mal der stärkere Partner. Zu der geplanten Verpressung von CO2 sagt sie nur: Sollte der Bund das Gesetz auf den Weg bringen, könne das Land nichts dagegen tun. Dann bekräftigte Sie die Protestler in den hinteren Reihen noch, weiterzukämpfen - und ist schon wieder weg.

Für Wercham ist der Fall klar: Bald rollen die Bagger wieder, Dörfer werden umgesiedelt. Auch das CCS-Gesetz wird kommen. Die Linken, die den Wirtschafts-, Justiz- und das Umweltminister in Brandenburg stellen wollen, werden diese Linie mittragen. Dass das CO2 so über tausend Jahre sicher gespeichert werden könnte, daran glaubt Wercham nicht. Unter Honecker, sagt er, hätte er vielleicht gedacht, dass Protest nichts bringt. Diesmal will er aber mit den anderen weiterkämpfen. So wie die Landwirte im dänischen Jütland, die dem Energiekonzern den Zutritt zu den Äckern verwehrten. Ziviler Ungehorsam, sagt er, das sei doch erlaubt in einer Demokratie.

 
Leser-Kommentare
  1. Fehlt nicht wieder einmal eine wirkliche fundierte wissenschaftliche Einschätzung?

    Die verantwortlichen Stellen schaffen es leider nicht, so einen Diskurs vor die Einlagerung zu stellen! Und die Umweltverbände und auch die Grünen und Linken sind auch nicht gerade an einer objektiven wissenschaftlichen Betrachtung interessiert, hier wird lieber ein Widerstand ala Wendland installiert. Fährt man z.B. durch Schleswig-Holstein in Nordfriesland entdeckt man auf Höfen und an Häusern viele Schilder gegen CO2, auch Autoaufkleber machen mobil. Ich möchte den Betroffenen keine Heimatliebe absprechen, aber hat sich jemand von denen den mal objektiv mit dem Thema auseinandergesetzt? Und ist das überhaupt möglich? An sich müssten doch mal unabhängige Forscher den Stand der Technik und die wahre Gefahr erklären!
    Ich sehe jedenfalls nicht CO2 als dramatisch an. Kann es überhaupt Grundwasser verseuchen? Und sollte etwas entweichen, dann ist das ja auch kein strahlender Atommüll, sondern CO2 was eh in der Luft gelandet wäre. Man hat aber den Eindruck, hier wird eine Angst und Gefahr geschürt, die ähnlich groß sei, wie Atommüll! Müssen denn Dörfer umsiedeln? Das dürfte doch überzogen sein!
    Aber so ist das eben, die Regierung erklärt wohl zu wenig und die Lobbygruppen finden in Bewohnern auch sehr schnell aktive Unterstützer! Die haben einen guten Willen, aber es fehlt eben eine objektive Berachtung nach Kenntnissen der Wissenschaft! Das würde sicher auch viele Prozesse ersparen!

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    Zwar tritt Kohlendioxid an vielen Stellen natürlich aus der Erde aus, ohne dass dabei ein Schaden entsteht; es gab allerdings auch schon katastrophale Ausbrüche (Stichwort: Nyos-See) mit zahlreichen Todesopfern.

    Zwar tritt Kohlendioxid an vielen Stellen natürlich aus der Erde aus, ohne dass dabei ein Schaden entsteht; es gab allerdings auch schon katastrophale Ausbrüche (Stichwort: Nyos-See) mit zahlreichen Todesopfern.

  2. Zwar tritt Kohlendioxid an vielen Stellen natürlich aus der Erde aus, ohne dass dabei ein Schaden entsteht; es gab allerdings auch schon katastrophale Ausbrüche (Stichwort: Nyos-See) mit zahlreichen Todesopfern.

    Antwort auf "Keine Objektivität!!!"
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    Ich sehe das genauso. Das Zeug in die Erde zu pumpen verzögert nur das Problem. Es wird sicher wieder an die Oberfläche kommen. So dicht können die Gesteinschichten nicht sein, das das für immer gebunden wird. Immerhin sprechen wir hier über ein Gas.
    Im schlimmsten Fall gibt es einen Ausbruch wie in Afrika und dann ist mal eben halb Brandeburg entvölkert.
    Die einzige Lösung bleibt weiterhin weniger CO2 zu erzeugen.

    Ich sehe das genauso. Das Zeug in die Erde zu pumpen verzögert nur das Problem. Es wird sicher wieder an die Oberfläche kommen. So dicht können die Gesteinschichten nicht sein, das das für immer gebunden wird. Immerhin sprechen wir hier über ein Gas.
    Im schlimmsten Fall gibt es einen Ausbruch wie in Afrika und dann ist mal eben halb Brandeburg entvölkert.
    Die einzige Lösung bleibt weiterhin weniger CO2 zu erzeugen.

  3. Ich sehe das genauso. Das Zeug in die Erde zu pumpen verzögert nur das Problem. Es wird sicher wieder an die Oberfläche kommen. So dicht können die Gesteinschichten nicht sein, das das für immer gebunden wird. Immerhin sprechen wir hier über ein Gas.
    Im schlimmsten Fall gibt es einen Ausbruch wie in Afrika und dann ist mal eben halb Brandeburg entvölkert.
    Die einzige Lösung bleibt weiterhin weniger CO2 zu erzeugen.

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    • th
    • 02.02.2010 um 12:00 Uhr

    Die einzige wirkliche Gefahr wäre ein plötzlicher Ausbruch großer CO2-Mengen. Aber man weiss doch, dass es Erdgaslagerstätten gibt, welche über Jahrmillionen einigermaßen dicht gewesen sind. Und für alle Fälle ein Warnsystem zu installieren, kann auch nicht schwer sein.

    Im übrigen bringt der Bauer mit jeder Treckerfahrt CO2 in die Luft über seinem Acker, ganz abgesehen vom lieben Vieh. Von "Umweltgift" kann da keine Rede sein.
    In den Niederlanden erhöht man übrigens die CO2-Konzentration in der Luft der Treibhäuser, um höhere Erträge zu erzielen ...

    • th
    • 02.02.2010 um 12:00 Uhr

    Die einzige wirkliche Gefahr wäre ein plötzlicher Ausbruch großer CO2-Mengen. Aber man weiss doch, dass es Erdgaslagerstätten gibt, welche über Jahrmillionen einigermaßen dicht gewesen sind. Und für alle Fälle ein Warnsystem zu installieren, kann auch nicht schwer sein.

    Im übrigen bringt der Bauer mit jeder Treckerfahrt CO2 in die Luft über seinem Acker, ganz abgesehen vom lieben Vieh. Von "Umweltgift" kann da keine Rede sein.
    In den Niederlanden erhöht man übrigens die CO2-Konzentration in der Luft der Treibhäuser, um höhere Erträge zu erzielen ...

  4. ... verstehe ich das richtig?
    Das heisst die Energie bleibt oben, der Sauerstoff geht mit dem C gebunden nach unten.
    Kann man dass C nicht gleich unten verbrennen?
    ..oder sind die Gas"end"lager an einer anderen Stelle?
    Letztendlich wird das Gas statt in der Athmosphere eben in der Tiefe gelagert, irgenwann kommt alles wieder hoch.
    Die Kohleindustrie wird dass Problem sicher lösen ...
    ... spätestens wenn die Kohle in Deutschland mal aufgebraucht ist, kann man zugeben dass das Ganze nicht sinnvoll war.

  5. ... soll es der Steuerzahler.

    Wenn ich mich recht erinnere, sind gegenwärtig ca. 2 Mrd. Euro alleine für die Erforschung der CO2-Abscheidung über die nächsten paar Jahre im Gespräch.

    Und alles nur - wie korrekt im Artikel vermutet - weil die CO2-Zertifikate teurer sein dürften, als das CO2 zu verklappen.

    Hier geht es nur um die Rendite der großen Stromkonzerne mit den Kohlekraftwerken.

    Pikant: Die CO2-Zertifikate spülen Geld in die Kassen der Regierung... aber die CO2-Verklappung unter enteignete Äcker (bzw. enteignete Bergbaurechte) halten das Geld schön im Konzern, welcher die auf Steuerzahlerkosten entwickelte Technologie dann auch noch exportieren kann.

    Oh - und klar, dass sich die Stromkonzerne von jeder Haftung für CO2-Lecks nach mehr als 20 Jahren freistellen lassen wollen.

    • th
    • 02.02.2010 um 12:00 Uhr

    Die einzige wirkliche Gefahr wäre ein plötzlicher Ausbruch großer CO2-Mengen. Aber man weiss doch, dass es Erdgaslagerstätten gibt, welche über Jahrmillionen einigermaßen dicht gewesen sind. Und für alle Fälle ein Warnsystem zu installieren, kann auch nicht schwer sein.

    Im übrigen bringt der Bauer mit jeder Treckerfahrt CO2 in die Luft über seinem Acker, ganz abgesehen vom lieben Vieh. Von "Umweltgift" kann da keine Rede sein.
    In den Niederlanden erhöht man übrigens die CO2-Konzentration in der Luft der Treibhäuser, um höhere Erträge zu erzielen ...

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    Ab dem Moment, wo das Erdgas entnommen wird, ist die Lagerstätte ja nicht mehr im Originalzustand wie während der "Millionen von Jahren".

    Auf den See in Afrika wurde bereits hingewiesen. Zum Vergleich die Dichte von Luft: 1,29 g/L, von Methan: 0,72 g/L und von CO2: 1,98 g/L (gerundet). Das Methan ist weg, wenn es austritt, das CO2 bleibt. (Zahlen aus Kuchling, Taschenbuch der Physik von 1986).

    Pressen heißt Druck - wenn es ein Leck gibt, strömt das Gas unter Druck aus; das ist nicht das gleiche, wie wenn der Bauer CO2 an die Atmosphäre abgibt. In den Treibhäusern ist die Vegetation eine (natürliche) CO2-Senke; nachts wird die CO2-Menge nicht abgebaut. Aber das sind komplett andere Maßstäbe.

    Ab dem Moment, wo das Erdgas entnommen wird, ist die Lagerstätte ja nicht mehr im Originalzustand wie während der "Millionen von Jahren".

    Auf den See in Afrika wurde bereits hingewiesen. Zum Vergleich die Dichte von Luft: 1,29 g/L, von Methan: 0,72 g/L und von CO2: 1,98 g/L (gerundet). Das Methan ist weg, wenn es austritt, das CO2 bleibt. (Zahlen aus Kuchling, Taschenbuch der Physik von 1986).

    Pressen heißt Druck - wenn es ein Leck gibt, strömt das Gas unter Druck aus; das ist nicht das gleiche, wie wenn der Bauer CO2 an die Atmosphäre abgibt. In den Treibhäusern ist die Vegetation eine (natürliche) CO2-Senke; nachts wird die CO2-Menge nicht abgebaut. Aber das sind komplett andere Maßstäbe.

  6. Ab dem Moment, wo das Erdgas entnommen wird, ist die Lagerstätte ja nicht mehr im Originalzustand wie während der "Millionen von Jahren".

    Auf den See in Afrika wurde bereits hingewiesen. Zum Vergleich die Dichte von Luft: 1,29 g/L, von Methan: 0,72 g/L und von CO2: 1,98 g/L (gerundet). Das Methan ist weg, wenn es austritt, das CO2 bleibt. (Zahlen aus Kuchling, Taschenbuch der Physik von 1986).

    Pressen heißt Druck - wenn es ein Leck gibt, strömt das Gas unter Druck aus; das ist nicht das gleiche, wie wenn der Bauer CO2 an die Atmosphäre abgibt. In den Treibhäusern ist die Vegetation eine (natürliche) CO2-Senke; nachts wird die CO2-Menge nicht abgebaut. Aber das sind komplett andere Maßstäbe.

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