Produktionsverlagerung Daimler unter Sparzwang

Die Entscheidung von Daimler, die C-Klasse von Sindelfingen vor allem in die USA, aber auch nach Bremen und in die Montagewerke in China und Südafrika zu verlagern, entspricht der industriellen Logik. Dennoch bietet das Konzept Angriffsflächen.

Die Entscheidung von Daimler, die C-Klasse von Sindelfingen vor allem in die USA aber auch nach Bremen und in die Montagewerke in China und Südafrika zu verlagern, folgt konsequent einer industriellen Logik.

Künftig 20 Prozent des Volumenmodells in den USA zu fertigen schützt vor einem schwachen Dollar. Produktionschef Rainer Schmückle hat die Argumente für die Produktion vor Ort auf den Punkt gebracht: Auf den Dollar spekuliert, wer in Europa Autos produziert und in den USA verkauft, und nicht, wer vor Ort produziert. Ähnliches gilt für die Aufstockung der Montagekapazitäten in China und Südafrika, von wo aus Schwellenländer bedient werden. Zudem ist es sicherlich sinnvoll, in Deutschland ein Modell nur an einem Standort und nicht wie bisher in Bremen und Sindelfingen zu bauen.

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So gesehen hat der Daimler-Vorstand eine logische und konsequente Entscheidung gefällt. Allerdings verlässt der Konzern den konsequenten Pfad gleich bei den Konzessionen für die Beschäftigten in Sindelfingen. Denn den Rohbau des Modells SL in Bremen zu belassen, das Fahrzeug dann aber zur Montage nach Sindelfingen zu karren, klingt nicht gerade kostenoptimal und schon gar nicht nach einer Dauerlösung.

Dass es bei der Verlagerung der C-Klasse keinen Beschäftigungsabbau in Sindelfingen geben soll, ist ein erstaunlich starkes Versprechen der Unternehmensführung. Dafür gibt es zwei Gründe: Dem Vorstand versucht schonend mit seiner Stammbelegschaft umzugehen. Der Vorstand wollte nicht Öl in Feuer vor den Betriebsratswahlen im kommenden Frühjahr schütten. Gleichzeitig will es sich Dieter Zetsche nicht völlig mit Betriebsratschef Erich Klemm verderben, dessen Unterstützung er für seine ebenfalls im Frühjahr anstehende Vertragsverlängerung braucht.

Für das Management stand die Entscheidung schon lange fest. Deshalb hat man sich erst gar nicht auf den Häuserkampf mit den Beschäftigten eingelassen, und versucht Zugeständnisse wie bei den vorangegangenen Produktionsentscheidungen für die C-Klasse-Modelle abzutrotzen.

Wie der Verzicht auf Jobbabbau tatsächlich und auf Dauer eingelöst werden soll, lässt der Vorstand aber weitgehend offen. Die Montage des SL ist schon mal eine wacklige Variante und ob die Fertigung von Hybridfahrzeugen und Brennstoffzellen-Modellen in den kommenden Jahren so stark anzieht, dass die übrigen 1800 C-Klasse-Werker damit ihr Brot verdienen können, ist offen. Die Sindelfinger sind künftig vor allem darauf angewiesen, dass die S-Klasse und E-Klasse tatsächlich so gut laufen, wie es sich der Vorstand wünscht.

Eines ist bei der neuen Struktur klar. Schwächeln die Spitzenmodelle, dann hat das Mercedes-Hauptwerk gleich ein Riesenproblem. Denn dauert die Absatzkrise länger an, dann hat Sindelfingen allein schon wegen der jährlichen Produktivitätsfortschritte ein Problem mit der Überbeschäftigung. Diese Unsicherheit und das erhöhte Risiko, sich auf weniger Baureihen zu stützen, spürt die Belegschaft im Kernwerk. Sie kann künftig schneller unter Druck geraten. Entsprechend wehrt sie sich.

Die jetzige Entscheidung mag wichtig und sinnvoll sein. Sie zeigt aber auch , dass der einstige Vorzeigekonzern Konzern immer mehr zum Getriebenen wird. Selbst als Hersteller von Premium-Fahrzeugen mit traditionell höheren Margen kann sich Mercedes dem Kostendruck nicht mehr entziehen. BMW hat vergleichbare Schritte schon vorher gewagt. Die Premium-Marge, bislang Garant der vergleichsweise teuren Fertigung im Inland, bröckelt in der Autokrise auf breiter Front.

Mercedes streicht mit seinem Milliardensparpaket an allen Ecken und Enden. Der bei den Beschäftigten unbeliebte Schmückle presst alles was geht aus der Produktion. Bei den Komponenten für die Fahrzeuge wird ebenfalls brutal gespart. Ob Mercedes sich auf diese Weise künftig in der Qualität von den Konkurrenten abheben kann, dahinter werden die Fragezeichen immer größer. Und wenn der VW-Konzern mit seinem neuen US-Werk erstmal auch in den USA die PS besser auf die Straße bringt, wird die Lage für Mercedes noch ungemütlicher als ohnehin schon.

(Erschienen auf Handelsblatt.com am 02.12.2009)

 
Leser-Kommentare
    • ngw16
    • 02.12.2009 um 17:47 Uhr

    Geld bei Chrysler, Mitsubishi usw. verbrannt.
    Schon die DASA ramponiert.
    Hatte der jemals eine Firma unbeschädigt verlassen?

  1. Die Pläne von Daimler sind nachvollziehbar? Selbstverständlich. Aber nur in der sturen Renditelogik des Finanzkapitalismus. Sicher kann man immer noch mehr Geld aus den Arbeitnehmern rauspressen, so als wären sie eine Zitrone. Doch für den ist die Wirtschaft eigentlich da, für den Menschen oder für die oberen Zehntausend? Beteiligt endlich die Mitarbeiter am Daimler-Konzern und schmeißt den Turbokapitalisten Zetsche hochkant raus! Dann kommen solche wahnwitzigen Entscheidungen, die auf den Gefühlen der Menschen herumptrampeln, auch nicht zustande.

  2. Dem an ein Erwerb eines Fahrzeuges der deutschen Premiumklasse Interessierten, wird es wohl nicht ganz gleichgültig sein, ob er nun Made in Germany kauft oder Made in Sonstwo. Zumal die Fahrzeugpreise wohl auch „Premiumklasse“ bleiben werden. Im Zweifelsfalle wird er sich die Fahrzeuge der Mitbewerber genauer anschauen. Und - wann wird es wohl auch Mercedes, Made in China bei uns zu kaufen geben.

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    • medwed
    • 02.12.2009 um 22:10 Uhr

    Die M-, R- und GL-Klasse von Mercedes verkauft sich ausgezeichnet, soweit ich weiss. Und mindere Qualität ist bei diesen Modellen auch nicht zu verzeichnen, obwohl sie in den USA produziert werden. Sieht eben doch nicht so aus, als ob Mercedes-Käufer ausserhalb Deutschlands Wert darauf legen, wo das Fahrzeug hergestellt wird.

    • medwed
    • 02.12.2009 um 22:10 Uhr

    Die M-, R- und GL-Klasse von Mercedes verkauft sich ausgezeichnet, soweit ich weiss. Und mindere Qualität ist bei diesen Modellen auch nicht zu verzeichnen, obwohl sie in den USA produziert werden. Sieht eben doch nicht so aus, als ob Mercedes-Käufer ausserhalb Deutschlands Wert darauf legen, wo das Fahrzeug hergestellt wird.

    • medwed
    • 02.12.2009 um 22:10 Uhr

    Die M-, R- und GL-Klasse von Mercedes verkauft sich ausgezeichnet, soweit ich weiss. Und mindere Qualität ist bei diesen Modellen auch nicht zu verzeichnen, obwohl sie in den USA produziert werden. Sieht eben doch nicht so aus, als ob Mercedes-Käufer ausserhalb Deutschlands Wert darauf legen, wo das Fahrzeug hergestellt wird.

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    • CM
    • 03.12.2009 um 11:43 Uhr

    Viele Käufer der M-Klasse - in Alabama produziert - können Ihnen einiges zur Qualität erzählen.

    Daimler möchte also weiterhin die gleichen Fahrzeuge bauen, dabei aber Kosten sparen, weil immer weniger Leute bereit sind, diese Wagen zu diesem Preis zu kaufen.

    Daraus könnte man aber auch etwas anderes schließen: wie wäre es, wenn Daimler in Zukunft wieder Autos baut, für die Kunden einen angemessenen Preis zu zahlen bereit sind? Statt Detailverbesserungen und Pfennigfuchserei könnte man es ja mal mit echten Innovationen versuchen. Damit meine ich nicht die Innovationen in Form von Studien-Modellen, mit denen auf Messen "Greenwash" betrieben wird, sondern echte Alternativen zum überholten Konzept "Stufenhecklimousine mit dickem Motor und Stern vorne drauf".

    • CM
    • 03.12.2009 um 11:43 Uhr

    Viele Käufer der M-Klasse - in Alabama produziert - können Ihnen einiges zur Qualität erzählen.

    Daimler möchte also weiterhin die gleichen Fahrzeuge bauen, dabei aber Kosten sparen, weil immer weniger Leute bereit sind, diese Wagen zu diesem Preis zu kaufen.

    Daraus könnte man aber auch etwas anderes schließen: wie wäre es, wenn Daimler in Zukunft wieder Autos baut, für die Kunden einen angemessenen Preis zu zahlen bereit sind? Statt Detailverbesserungen und Pfennigfuchserei könnte man es ja mal mit echten Innovationen versuchen. Damit meine ich nicht die Innovationen in Form von Studien-Modellen, mit denen auf Messen "Greenwash" betrieben wird, sondern echte Alternativen zum überholten Konzept "Stufenhecklimousine mit dickem Motor und Stern vorne drauf".

  3. 5.

    RE: Lost-in-space

    Wer kann es Mercedes verdenken, die Produktion in die USA zu verlagern? Bei dem Dollarkurs währe es grob fahrlässig, es nicht zu tun. Die, die darüber jammern und es als Turbokapitalismus abtun, sind wahrscheinlich auch die, die in den Fachhandel gehen, sich intensiv beraten lassen und ihre Ware dann zum billigsten Preis im Internet bestellen. Diese Sozialromantik ist nichts weiter als verlogen.

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    dass der Dollarkurs so bleibt und er nicht wieder steigt?
    Vielleicht will Herr Zetsche ja auch nur seinem großen Vorbild Schrempp folgen und auch mal ein paar Milliarden in den USA verlieren. Wie man das macht, muss man ihm nicht mehr beibringen - damit hat er ja schon Erfahrung gesammelt.

    dass der Dollarkurs so bleibt und er nicht wieder steigt?
    Vielleicht will Herr Zetsche ja auch nur seinem großen Vorbild Schrempp folgen und auch mal ein paar Milliarden in den USA verlieren. Wie man das macht, muss man ihm nicht mehr beibringen - damit hat er ja schon Erfahrung gesammelt.

  4. dass der Dollarkurs so bleibt und er nicht wieder steigt?
    Vielleicht will Herr Zetsche ja auch nur seinem großen Vorbild Schrempp folgen und auch mal ein paar Milliarden in den USA verlieren. Wie man das macht, muss man ihm nicht mehr beibringen - damit hat er ja schon Erfahrung gesammelt.

    Antwort auf "Kommentar Nr. 5"
  5. Sicher, Produktionsverlagerung tut weh, besonders den betroffenen Arbeitnehmern.
    Doch ist die deutsche Exportwirtschaft ein wichtiger Baustein der Wirtschaftskrise gewesen.
    Unser Export wurde auf amerikanischen Pump finanziert. Das spielen über Bande ist und war wirtschaftspolitisch und währungspolitisch nur schwer kontrollierbar, weil ein internationaler Rahmen dafür fehlt und noch sehr lange fehlen wird.

    Langfristig ist es in jeder Hinsicht sinnvoll vor Ort zu produzieren, was sich sinnvoller Weise dort produzieren lässt.
    Das gilt auch für Deutschlands Importe, die zu Gunsten eigener Produktion wieder zurückzufahren sind.
    Das wird die gängigen und liebgewonnen Vorstellungen wirtschaftlichen Werte gehörig durcheinander wirbeln, aber ebenso viele unhaltbare Illusionen beenden.
    Um das zu erreichen müssen die Sozialkosten von den Löhnen und Gehältern abgekoppelt werden, damit die Attraktivität von Maschinen bei der Produktion wieder sinkt, die übersteigerte, aufs Wegwerfen orientierte Massenproduktion wieder unrentabler wird. Nur so kann die Massenkaufkraft wieder steigen kleinere Betriebe wieder vor Ort konkurrenzfähig produzieren oder im Handel überhaupt existieren.
    Das wir ein langfristiger Prozess sein müssen und die C Klasse ist da nur ein erster Schritt.

    H.

    • lau-de
    • 03.12.2009 um 11:43 Uhr

    mich würde gern interessieren, was wird denn wenn die Produktionskapazitäten von Daimler (und anderen Hersteller woher auch immer) in den USA aufgebaut werden, es wird kräftig produziert und die US-Regierung auf Anhieb die Rahmenbedienungen (Leitzins, Ankauf/Verkauf von Treasuries - Hebel haben die genug) ändert? Dann finanziert nämlich der Daimler durch seine verringerte Rendite den Wohlstand der US-Bürger :)

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Handelsblatt.com
  • Kommentare 14
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  • Schlagworte BMW | VW | Mercedes | Dieter Zetsche | Daimler | Sindelfingen | Südafrika | China | USA | Bremen
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