Der Einzelhandel will umstrittene Blitzaktionen von Gewerkschaften im Arbeitskampf vom Bundesverfassungsgericht  stoppen lassen. Gegen eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (BAG), das solche "Flashmobs" (flash = Blitz; mob = Pöbel) für zulässig erklärt hatte, wurde eine Verfassungsbeschwerde eingelegt, bestätigte ein Sprecher des obersten deutschen Gerichts in Karlsruhe.

Ver.di hatte 2007 während eines Streiks eine einstündige Aktion in einer Supermarktfiliale organisiert, in der Streikbrecher arbeiteten. Dabei suchten rund 40 Menschen die Filiale auf, kauften in rauen Mengen billige Artikel und verursachten dadurch Warteschlangen an den Kassen. Außerdem packten sie Einkaufswagen voll und ließen diese dann stehen.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) allerdings hält ein solches Vorgehen, das "planmäßiges Verwüsten von Läden und die Belästigung von Kunden und Mitarbeitern" für nicht durch die grundgesetzlich geschützte Tarifautonomie gedeckt. Eine Klage des Handelsverbands Berlin-Brandenburg gegen ver.di hatten die obersten Arbeitsrichter im September abgewiesen. Wie das BAG entschied, sind solche Aktionen zulässig, solange sie nur vorübergehend sind, nicht in eine komplette Blockade ausarten und den Laden nicht unverhältnismäßig hart treffen. Die gezielte Störung betrieblicher Abläufe gehöre zum Arbeitskampf, erklärten die Erfurter Richter zur Begründung.

Mit Streiks allein ist es für ver.di in gewerkschaftlich schlecht organisierten Branchen wie dem Einzelhandel schwierig, Forderungen durchsetzen. Die Flashmobs, seit Längerem außerhalb der Wirtschaft als Protest- und Kunstform bekannt, sind deswegen als gezielte Begleitmaßnahmen zunehmend beliebt. Das Grundgesetz erlaubt zwar ausdrücklich den Arbeitskampf. Wie weit aber ein solcher Kampf gehen darf, wird nicht definiert, sondern durch Gerichtsurteile festgelegt.