Fritz Henderson
General Motors feuert die Vergangenheit
Der rabiate Rauswurf von General-Motors-Chef Fritz Henderson ist unfein, aber konsequent. Der Nachfolger behauptet, Opel zur Not auch ohne Steuergelder zu sanieren. Von Felix Wadewitz, New York
© Boris Roessler/dpa

War gerade mal acht Monate Chef von General Motors: Fritz Henderson
Mit etwas mehr Mühe hätte das ein halbwegs würdevoller Abgang für Fritz Henderson werden können. Immerhin hat der Mann in den vergangenen Monaten einiges geleistet für General Motors. Heute sollte Henderson in seiner Funktion als GM-Vorstandschef eine wichtige Rede auf einer Automesse in Los Angeles halten. Sein Terminplan war dicht gefüllt mit Interviews.
Doch Ed Whitacre, der neue starke Mann bei GM, macht es kurz und für seinen Vorgänger schmerzvoll. "Ein Wechsel muss her", sagt Whitacre nur Sekunden nachdem er am späten Dienstagabend nach einer Sitzung des GM-Verwaltungsrats in Detroit vor die Weltpresse getreten ist. Deshalb werde der "Rücktritt" von Henderson akzeptiert. Henderson muss mit sofortiger Wirkung gehen, selbst die Rede in L.A. hält bereits ein Stellvertreter.
Nicht der Rauswurf selbst, aber der Zeitpunkt überrascht selbst Insider. Henderson war nur Interimschef, das wussten alle seit es der Chef von Barack Obamas Auto-Taskforce heraus posaunt hatte. Doch dass Henderson nach nur acht Monaten an der Spitze bereits gehen muss, ist die Höchststrafe.
Whitacre dagegen krönt sich selbst zum Nachfolger: Übergangsweise wird der 68-Jährige Vorstandschef und bleibt zugleich Chef des Verwaltungsrats. Der Ex-Boss des US-Telefongiganten AT & T hat damit endgültig die Macht beim größten Autokonzern der USA an sich gerissen. Seit Wochen schon hatte es sich Whitacre zur Aufgabe gemacht, seinen Untergebenen Henderson zu mobben. Hinter dem Rücken der PR-Abteilung von General Motors gab Whitacre Interviews und sagte teils genau das Gegenteil von Henderson. Schneller kann ein Aufseher einen Unternehmenschef nicht demontieren.
Als Henderson in Deutschland um Geld vom Steuerzahler warb, gab Whitacre in seiner Heimat Texas einer deutschen Zeitung ein Interview. Im Wortlaut sagte er: "Ich glaube, dass wir gar keine Gelder der Bundesregierung für Opel brauchen. Wenn Frau Merkel nichts zur Verfügung stellen will, dann bezahlen wir das eben selbst." Sollte die Politik den Mann nun an seine Worte erinnern, könnte der deutsche Steuerzahler viel Geld sparen.
Für die Frauen und Männer bei Opel wäre das aber eine katastrophale Nachricht. Denn die vom Weißen Haus in den Verwaltungsrat des Staatskonzerns GM entsandten Vertreter wahren ausschließlich die Interessen der amerikanischen Steuerzahler. Das heißt, dass Opel schnellstmöglich aus den roten Zahlen kommen soll, egal wie. Dafür müssen Überkapazitäten abgebaut werden, sprich Arbeitsplätze gestrichen und Fabriken geschlossen werden.
- Datum 2.12.2009 - 09:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 6
- Empfehlen E-Mail verschicken | Bookmarks
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






...wie weit die Wahrnehmung sich entfernt von der Realität. Seit bereits fast 10 Jahren arbeitet GM an einem Turnaround der Modelpalette aber auch daran, die Ausblutung zu reduzieren, die ihr internes Sozialsystem bedeutete. Die Fortschritte sind recht gut gewesen, als man von der Kreditklemme der Finanzkrise erwischt wurde.
Dass man nun Schuldige braucht und Opfer bringen muss ist klar und ein neuer Chef muss seine Position sichern.
Man kann ja nun dem guten herr Whitacre kaum vrwerfen, dass er die Interessen des amerikanischen Staats wahren will. Das ist ja nunmal seine Aufgabe. Dass dabei opel nicht profitier, ist zwar vielleicht so, aber das aendert nichts daran, dass prinzipiell darauf geachtet werden muss, dass kein Geld verbrannt wird.
Und hier zeigt sich noch ein anderen Problem, naemlich bei der ANchfolgesuche. Es wird zwar immer gefordert, dass man Managergehaelter begrenzen sollte, aber es zeigt scih, dass dann absolute Spitzenleute eben nicht zu diesem konzern gehen. Das Problem ist in der Bankenbranche noch groesser. Deswegen solte man die Gehaltsdeckelung durch die regierung, die zwar populaer ist, oekonomisch aber unsinnig, besser heute als morgen beenden
...Gehälter ist natürlich etwas eigentümlich und scheint bürokratischer Denkweise und Mentalität zu entspringen. Dass man aber den Eigentümern einer AG verwehrt, die Einkommen und deren Struktur zu bestimmen ist eigentlich noch schlimmer.
In der Tat ist die derzeitige Neurose der Politiker, die immer von "Gehälter begrenzen" schwafeln, ein Zeugnis der absoluten Unfähigkeit dieser Politiker.
Sie haben nicht verstanden, dass es ihre Aufgabe ist, durch Steuergesetze für Gerechtigkeit zu sorgen.
Das heisst, sie müssten sich eigentlich über hohe Gehälter der Manager freuen und diese als Chance sehen, bei dem betreffenden Mann abzusahnen. Dies könnte z. B. durch einen Spitzensteuersatz von 80% ab einem Gehalt von 2 Millionen Euro pro Jahr funktionieren.
Unsere Politiker aber ziehen es vor, irgend jemand anderem die Schuld für die eigene Unfähigkeit zu geben. Hier den Unternehmen.
...Gehälter ist natürlich etwas eigentümlich und scheint bürokratischer Denkweise und Mentalität zu entspringen. Dass man aber den Eigentümern einer AG verwehrt, die Einkommen und deren Struktur zu bestimmen ist eigentlich noch schlimmer.
Der Artikel übersieht etwas wichtiges bei seinem Lob von Ed Whitrace, dem er zubilligt, er würde unausweichliche Schritte unternehmen: Whitrace war Aufseher von GM als Rick Wagoner den Karren metertief in den Dreck gefahren hat, über Jahre hinweg.
Daher ist Whitrace teil des Problems und sucht nur einen Sündenbock für seinen eigenen Dreck, den er angerichtet hat.
Er muss mindestens genauso gefeuert werden wie Henderson, vielleicht auch noch dringender.
In der Tat ist die derzeitige Neurose der Politiker, die immer von "Gehälter begrenzen" schwafeln, ein Zeugnis der absoluten Unfähigkeit dieser Politiker.
Sie haben nicht verstanden, dass es ihre Aufgabe ist, durch Steuergesetze für Gerechtigkeit zu sorgen.
Das heisst, sie müssten sich eigentlich über hohe Gehälter der Manager freuen und diese als Chance sehen, bei dem betreffenden Mann abzusahnen. Dies könnte z. B. durch einen Spitzensteuersatz von 80% ab einem Gehalt von 2 Millionen Euro pro Jahr funktionieren.
Unsere Politiker aber ziehen es vor, irgend jemand anderem die Schuld für die eigene Unfähigkeit zu geben. Hier den Unternehmen.
Logisch, daß man für Erdnüsse keinen guten Manager bekommt.
Nur, wo sucht man denn?
Bei den verwöhnten Lackaffen, die eher Golf spielen können?
Und dafür alles vergoldet haben wollen?
Diese Leute sind nämlich zum Problem geworden.
Abgehoben wie die Banker.
Verlangen von ihren Arbeitssklaven zu Bedingungen wie in Indien zu arbeiten, aber selbst Maharadscha spielen wollen.
Genau dort muß korrigiert werden.
Nur, das wird seine Zeit brauchen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren