Privatbank Bankchef von Sal. Oppenheim tritt zurück
Aus für Matthias Graf von Krockow: Der Chef der angeschlagenen Privatbank Sal. Oppenheim tritt zurück. Sein Nachfolger steht bereits fest.
Nun ist es amtlich: Der Geschäftsführer der Privatbank Sal. Oppenheim, Matthias Graf von Krockow, hat seinen Posten geräumt. Als Vorstandsvorsitzender der neu gegründeten Sal. Oppenheim jr. & Cie. Verwaltungs AG tritt Wilhelm von Haller rückwirkend zum 1. Dezember von Krockows Nachfolge an.
Er habe sich entschlossen, seine Funktion als Sprecher der Partner und Geschäftsleiter der Sal. Oppenheim jr. & Cie. KGaA zum 24. Dezember niederzulegen, sagte Graf Krockow laut Mitteilung: "Mit diesem konsequenten Schritt mache ich im Interesse der Zukunft des Bankhauses, unserer Kunden und unserer Mitarbeiter den Weg frei für einen Neubeginn und den Übergang der Bank in eine neue Führungs- und Eigentümerstruktur."
Mit seinem Rücktritt reagierte von Krockow auf eine Serie von Pannen, die das Traditionshaus in die roten Zahlen brachte. Laut Medienberichten müssen auch die drei übrigen Geschäftsführer Carl Janssen, Christopher Freiherr von Oppenheim und Dieter Pfundt das Bankhaus zum 15. Januar verlassen. Pfundt und Janssen scheiden zudem als persönlich haftende Gesellschafter aus. Von Oppenheim bleibe der Bank verbunden. In Finanzkreisen wird damit gerechnet, dass er nach der Übernahme einen Posten bekommt.
Die Kölner Traditionsbank erlebt momentan turbulente Zeiten. Im Sog der Finanzkrise machte das Institut erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg Verlust. Übernommen hatte sich Sal. Oppenheim vor allem mit Beteiligungen an Krisenunternehmen wie dem mittlerweile insolventen Arcandor-Konzern. Allein im ersten Halbjahr 2009 summierte sich der Verlust auf mehr als 300 Millionen Euro.
Die Rettung kam durch das Übernahmeangebot der Deutschen Bank, die das gut 220 Jahre alte Traditionshaus für mehr als eine Milliarde Euro erwirbt. Einige Bereiche, wie das Investmentbanking der Luxemburger, sollen verkauft werden. Die Banker aus Frankfurt interessieren sich allein für das Geschäft mit reichen Privatkunden.
In dieser Hinsicht gilt die Besetzung des Chefpostens in Finanzkreisen als sehr geglückt: Der neue Vorstandsvorsitzende von Haller gilt als sehr gut verdrahtet im Kreis der mittelständischen Firmenkunden und deren jeweiligen Eigentümer-Familien. Der 57-Jährige, der bereits seit Anfang dieses Monats als Generalbevollmächtigter in dem Kölner Bankhaus arbeitet, kommt ursprünglich von der Deutschen Bank.
Von Hallers Vorstandskollegen sollen Wolfgang Leoni und Francois Pauly werden. Leoni ist bislang Geschäftsführer der Oppenheim Kapitalanlagegesellschaft und Pauly Generaldirektor von Sal. Oppenheim in Luxemburg. Wie die Bank mitteilte, soll der Vorstand erweitert werden, allerdings erst beim Abschluss der Übernahme.
Ursprünglich hätte der Führungswechsel erst mit Abschluss des Verkaufs der Privatbank an die Deutsche Bank erfolgen sollen, also spätestens Ende März 2010. Der Grund für den schnelleren Wechsel ist laut Medienberichten ein großer Verlust auch im zweiten Halbjahr: Die Bank muss etwa 320 Millionen Euro als Fehlbetrag verbuchen.
Hintergrund sind offenbar auch Ermittlungen der Finanzaufsicht BaFin gegen Mitglieder der Bank. Sie sollen sich und ihren Familien in größerem Umfang Kredite zu Vorzugsbedingungen gewährt haben. "Den vier Top-Bankern droht der Entzug der Lizenz", sagte eine mit den Prüfungen vertraute Person.
- Datum 22.12.2009 - 16:26 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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