Frage: Herr Asbeck, Umweltminister Röttgen plant offenbar, dass Solarstromproduzenten ab April bis zu 17 Prozent weniger Geld bekommen. Was bedeutet das?

Frank Asbeck: Das geht deutlich über die Vorschläge aus der Branche hinaus. Gemeinsam mit der schon erfolgten neunprozentigen Absenkung zu Jahresbeginn ist es mehr als der Spielraum, der sich durch den dramatischen Preisverfall der letzten Monate ergeben hat. Ich kann damit gar nicht glücklich sein, weil es vielen deutschen Herstellern das Genick brechen wird.

Frage: Sie waren aber doch einer der Ersten der Branche, die gesagt haben, dass Ihre Industrie nicht so hohe Fördersätze braucht. Warum eigentlich?

Antwort: Bei den Modulherstellern wurden zuletzt immer mehr Fertigungskapazitäten aufgebaut, das führte zu einem Überangebot. Das ging im Krisenjahr 2009 einher mit einem Verfall der Siliziumpreise, unserem Rohmaterial. Diese Faktoren haben dazu geführt, dass die Modulpreise um 25 Prozent gefallen sind, während die Vergütung für Solarstrom um neun Prozent gesenkt worden ist. Das hat die Nachfrage natürlich deutlich gesteigert.

Frage: Das war doch gut für Sie. Warum haben Sie überhaupt befürwortet, dass Ihre Kunden künftig weniger gesetzliche Vergütung erhalten?

Antwort: Überförderung bringt nichts. Erstens brauchen wir für den Wechsel von den endlichen Energien hin zur Solarenergie die Akzeptanz der Menschen und damit auch der Verbraucher, die für die Förderung bezahlen. Zweitens kann man, wenn man die Sätze senkt, mit der gleichen Fördersumme viel mehr Solarstromanlagen fördern. Da wir als Solarworld Kostenführer sind und leistungsfähig, interessiert uns in erster Linie die Menge.

Frage: Das müssen Sie erklären.

Antwort: Nur Massenproduktion wird die Preise langfristig senken und dazu führen, dass Solarstrom bald ohne jede Subvention konkurrenzfähig zum Strom aus der Steckdose und dann sogar überlegen ist. Es wäre kurzfristig zu denken, schnell künstlich hohe Preise mitzunehmen – staatlich behütet. Da sage ich lieber zu meinen Kollegen: Lasst uns eine niedrige Förderung akzeptieren, die dem technischen Fortschritt entspricht. Dann lasst uns Masse zu Topqualität produzieren, lasst uns beweisen, dass wir wettbewerbsfähig sind.

Frage: Abgesehen von den Fördersätzen: Was sollte die Regierung noch ändern?

Antwort: Der Gesetzgeber sollte den Fokus noch stärker auf den Eigenverbrauch der Solarstromproduzenten legen – die Idee wird im Umweltministerium sehr gut aufgenommen. Konkret hieße das: Ein Haushalt, der Strom auf dem Dach produziert, sollte diesen auch selbst nutzen. Die notwendige Förderung, die er hierfür braucht, ist deutlich geringer, da er gleichzeitig das Geld spart, das er sonst seinem Energieversorger für konventionellen Strom aus der Steckdose zahlen müsste. Zugleich würde man aber die Netze entlasten und wirklich dezentrale Energiestrukturen aufbauen.

Frage: Aber kaum ein Haushalt verfügt über genügend Speichermöglichkeiten.