Schwarzbuch Experte hält ICE-Achsen für zu schwach

Er hatte das Eschede-Unglück zu begutachten. Nun behauptet der Experte, die Achsen der ICE-Züge seien nicht für die hohen Belastungen ausgelegt. Die Bahn sei gewarnt worden.

Die Autoren des "Schwarzbuchs Bahn" erheben schwere Vorwürfe gegen die Bahn – in einem Bereich, der für jeden Reisenden unmittelbar von Bedeutung ist: dem der Sicherheit. Die bei den aktuellen ICE-Modellen verwendeten Achsen seien "unterdimensioniert", zitieren die Autoren des "Schwarzbuchs Bahn" den früheren Vizechef des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit, Vatroslav Grubisic. Für die aktuellen Belastungen seien die Achsen nicht ausgelegt. Hohe Geschwindigkeiten, stärkere Bremsen und die Neigetechnik für enge Kurven belasteten die Achsen viel stärker als zuvor berechnet worden sei, sagte Grubisic.

Grubisic, der Gutachter der Staatsanwaltschaft nach dem Zugunglück von Eschede war, warf der Bahn vor, aus dieser Katastrophe "nichts gelernt" zu haben. In Eschede war 1998 nach Bruch eines Radreifens ein ICE entgleist, bei dem Unglück starben 101 Menschen. Seitdem hat es bei mehreren Zügen Probleme mit Rädern oder Achsen gegeben, die den Untersuchungen zufolge auf Materialermüdung zurückzuführen sind. Nach dem Entgleisen eines ICE in Köln hat das Eisenbahnbundesamt deutlich häufigere Kontrollen angemahnt. Laut Grubisic war die Bahn seit Jahren vor den risikobehafteten Achsen gewarnt worden.

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Die Autoren des "Schwarzbuchs Bahn ", zwei ZDF-Journalisten, werfen der Bahn außerdem vor, die Wartungsintervalle bereits ab 2003 deutlich verlängert zu haben. Sie zitieren aus einem "streng vertraulichen Dokument", nach dem dadurch "die Leistung um 24 Prozent gesteigert" und die "Neuanschaffung von fünf ICE-Zügen vermieden" worden sei.

Auch Bahn-Mitarbeiter kommen im Schwarzbuch zu Wort: Ein Wartungsingenieur beklagte demnach, dass die Sicherheitsprüfer "ständig unterbesetzt" seien. "Es wird auch nicht so gern gesehen, wenn man zu genau hinschaut", beschreibt er in dem Buch seine Arbeit. "Ich habe immer weniger Zeit für meine Arbeit, natürlich kann es da passieren, dass ich etwas übersehe." Auch aus der Mitarbeiterzeitung "Am Zug" von April 2006 zitieren die Autoren des "Schwarzbuchs Bahn" Beschwerden von Bahn-Angestellten: Als Folge des Personalabbaus "können nicht alle Arbeiten erledigt werden". "Schlimmer noch, teilweise verschwanden unerledigte Arbeiten aus dem System" der Wartungsdatenbank, kritisierten die Bahner demnach.

Die Bahn wollte sich zu Details des Schwarzbuchs nicht äußern. Ein Sprecher sagte auf Nachfrage jedoch, das Buch sei "sehr einseitig und ignoriert viele Fakten". "Die angeblichen Enthüllungen sind bekannt und größtenteils auf- und abgearbeitet." Der Sprecher sagte, gerade der neue Bahn-Vorstand bestreite nicht, "dass bei der Bahn vieles besser werden kann und muss". Es sei aber nicht akzeptabel, "wenn die täglichen Leistungen unserer Mitarbeiter ins falsche Licht gerückt werden."

 
Leser-Kommentare
  1. Schon vor Jahren wurden die Achsen der ICEs von unabhängigen experten bemängelt da zu schwach dimensioniert, was vorallem im vergleich mit dem französischen Schnellzug TGV deutlich wird. Mal wieder wird an den falschen Ecken gespart. Wie heißt ein altes Sprichwort, der Fisch stinkt zu erst am Kopf! Man sollte im Vorstand mal gewaltig aufräumen un ihn mit Menschen besetzen, die etwas von der Eisenbahn verstehen un nicht nur auf dicken Profit aus sind. Aber dazu braucht es wohl erst eine zweite Katastrophe wie Eschede!

  2. ..daß die Bahn bis heute nichts, aber auch rein gar nichts getan hat, um solche Unfälle wie bei Fulda zu verhindern, in der ein paar Schafe den ICE aus den Gleisen warfen, was mit Pech weit fatalere Folge gehabt hätte als Eschede.

    Und das alles nur weil die Bahn eine Zugspitze mit "Schneeräumern" nicht hübsch genug findet. Da gefährdet die Bahn vorsätzlich das Leben der Zuginsassen.

  3. ...wollen auch mit 76 Jahren noch mal zu Wort kommen :-)

    • Zack34
    • 18.01.2010 um 17:03 Uhr

    ... beginnt eigentlich schon bei der üblichen und in den Transportbedingungen der DB (offiziell durch Bund) ausdr. erlaubte Überbelegung der Züge.

    Auf meine schr. Anfrage diesbezüglich (nach einer Fr.-Nachmittag-Fahrt von Kassel nach Berlin und der dabei erlebten Vollbremsung bei Hildesheim) erklärte mir der Vertreter der Bahn, es sei eine Überbelegung bis zu 60% ausdr. erlaubt, d.h. es dürfen 60% mehr Fahrgäste im Zug sein, als es Sitzplätze gibt. Bei der oben erw. Zugfahrt standen wir alle wie in der Strassenbahn. Als es zur Vollbremsung kam, flogen einige Leute zu Boden und fielen übereinander, einige wurden dabei verletzt.

    Weder DB noch Bund sehen diesbezüglich Handlungsbedarf.

    • xu
    • 18.01.2010 um 19:30 Uhr

    Das hat heute morgen einer der Buchautoren auf WDR 2 von sich gegeben! Die Fahrer sind derartig überlastet, vor allem durch Personalabbau, das sie während der Fahrt auch schon mal enschlafen. Aber Gott sei Dank, gäbe es Sicherheitssysteme, welche meist das Schlimmmste verhindern!!
    Das kommt eben dabei raus, wenn man auf diese unwissenden Neoliberalisten hört und dieses gebetsmühlenartig vorgetragene "Privat vor Staat" umsetzt. Es werden minderwertige Teile verbaut, Verspätung wird zum Normalfall, Personal rausgeschmissen. Das bedeutet doch enorme Kosteneinsparung. Nur die Preise steigen extrem, die Fahrkarten werden nicht preiswerter. Wo bleibt dieses eingesparte Geld?? Unter staatlicher Aufsicht war es nicht so um die Bahn bestellt. Und warum kann / soll die Bahn eine AG werden? Sie gehört den Steuerzahlern und nicht den Mehdorns oder unfähigen Ministern.

  4. ich kann mich nur zu 100% an Kommentar Nr. 5 anschliessen !
    Der Neoliberalismus ist gegen den Menschen gerichtet und ünterstützt einzig und alleine das Kapital und dessen Vermehrung !

    www.ppp-irrweg.de

  5. Zur Privatisierung der Bahn nur kurz drei Dinge:

    ...Bahnvorstandes und der zuständigen Politiker: Schaut nach England und fahrt dort Zug.

    ...Es würden wieder ein paar wenige profitieren. Dieses Spiel wird so lange weiter gehen bis es wieder knallt. Und dann will es keiner gewesen sein.

    ...Zum Thema Privatisierung und Liberalisierung aus dem Schweizer Fernsehen: "Man kann sich kein verstaatlichten Nestle vorstellen, aber auch keine privatwirtschaftliche SBB"

  6. ..sind auf jeden Fall ne super Idee für ICEs :D Nein im Ernst, Vieh auf den Gleisen sollte in Deutschland normalerweise nicht passieren, und stellt sicher auch nicht die größte Gefahr für Passagiere dar.
    Was mich an der Bahn sehr ärgert, ist, dass die Preise steigen und steigen und steigen, aber das einzige, was passiert, ist dass Stuttgart einen neuen Bahnhof für 4 Mrd.(!) Euro bekommt. Ach ja, davon bezahlt die Bahn ja nur die Hälfte. Den Rest dürfen auch die Nicht-Bahnfahrer mitfinanzieren (zumindest die Steuern zahlenden).
    Nebenbei: NRW hat auch ein Bahnhofsanierungsprogramm. Ganz NRW. Für 80 Mio. Euro. Nur dass da Treppen erneuert, Fahrstühle gebaut und Bahnhöfe ansehnlicher bzw. erträglicher gemacht werden, und nicht unter die Erde verlegt für 3 Min. Zeitersparnis in die ja für ihre rasende Eile berühmte Schweiz.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
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