Kartellrecht FDP will Post aufspalten
Die FDP prüft eine Zerschlagung der Deutschen Post auf Grundlage des Entflechtungsgesetzes. Das geht aus einem vertraulichen Papier der FDP-Bundestagsfraktion hervor
© Ralph Orlowski/Getty Images

Noch ist sie ganz: Die Zentrale der Deutschen Post AG in Bonn. In der FDP gibt es Pläne, das Unternehmen auf Grundlage des geplanten Entflechtungsgesetzes zu zerschlagen
Die Liberalen bringen mit der Post erstmals einen Konzern namentlich ins Spiel. Dass es sich um die Post handelt, überrascht. Bislang glaubten die Energiekonzerne, dass Brüderle mit dem Gesetz auf sie abzielt. Auch Wirtschaftspolitiker der Union stufen die Wettbewerbsvorteile der Post ebenfalls als bedenklich ein. Die Post wollte sich auf Anfrage nicht zu den Überlegungen äußern.
Laut Brüderles Gesetzentwurf soll das Bundeskartellamt die Möglichkeit erhalten, marktbeherrschende Unternehmen zum Verkauf von Unternehmensteilen zu zwingen. Dies soll unter strengen Voraussetzungen sogar dann möglich sein, wenn dem Unternehmen kein Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung nachgewiesen werden kann. Als mögliche Anwendungsfälle werden jetzt neben Energiekonzernen auch die Post und die Deutsche Bahn AG genannt. Umstritten ist, ob das Gesetz auf Großbanken anwendbar ist.
Für die FDP-Bundestagsfraktion ist die "Grundlage einer verhältnismäßigen Entflechtung der Post ihre anhaltende Marktbeherrschung im Briefmarkt trotz langjähriger Regulierung". Die FDP-Wirtschaftsexperten sehen alle im Gesetz für die Entflechtung vorgesehenen Voraussetzungen bei der Post als erfüllt an – von der marktbeherrschenden Stellung der Post über ihre technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten, für Wettbewerb zu sorgen, bis hin zur Verhältnismäßigkeit des Eingriffs. Es spreche nichts gegen die Anwendung des Gesetzes, so das Fazit. "Vor der Entflechtungsanordnung bedürfe es lediglich einer Sektoruntersuchung des Kartellamts und einer Stellungnahme der Monopolkommission."
Der Vorstoß der Liberalen kommt für die Post zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Konkurrenten werfen ihr derzeit vor, ihre marktbeherrschende Stellung vor allem im Briefgeschäft auszunutzen. Die Monopolkommission, die die Bundesregierung in wettbewerbsrechtlichen Fragen berät, beurteilte in ihrem "Sondergutachten Post" im vergangenen Jahr die Wettbewerbsentwicklung vor allem auf den Briefmärkten kritisch. Die Liberalen halten es für möglich, die "gesamte endkundenorientierte Netzinfrastruktur mit Ausnahme der Filialen" als selbstständigen Teil auszulagern – angefangen von den Briefkästen und ihrer Entleerung bis zu der Briefvorsortierung oder den Postfächern.
Auch Wirtschaftspolitiker der Union beurteilen die Vormacht der Post kritisch. Einige setzen darauf, dass eine Beendigung der Bevorzugung der Post bei der Umsatzsteuer ausreicht, um Wettbewerb herzustellen. Anderen geht der entsprechende Kabinettsentwurf vom Dezember aber nicht weit genug. "Aus meiner Sicht ist er verbesserungswürdig", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer, dem Handelsblatt. Pfeiffer kritisiert, dass die Abgrenzung von Privat- und Geschäftskunden zu schwammig sei.
"Wenn die Regelungen zur Umsatzsteuer nicht ausreichen, müssen wir über weitere Schritte diskutieren", sagte auch Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs. Der CDU-Politiker betont, dass das Entflechtungsgesetz als Ultima Ratio in jenen Branchen angewendet werden sollte, in denen monopolistische Strukturen vorlägen oder Wettbewerb durch Marktzugangsblockaden behindert werde. "Das gilt in bestimmten Bereichen bei der Deutschen Post und auch bei der Deutschen Bahn", sagte Fuchs.
Ultima Ratio: Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat das sogenannte Entflechtungsgesetz auf den Weg gebracht, um als "Ultima Ratio" marktbeherrschende Konzerne zerschlagen zu können. Danach soll das Bundeskartellamt die Möglichkeit erhalten, Konzerne zum Verkauf von Unternehmensteilen zu zwingen – selbst wenn dem Unternehmen kein Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung nachzuweisen ist.
Status quo: Kartellrechtsexperten weisen allerdings darauf hin, dass Regulierungsbehörden und das Bundeskartellamt bereits heute genügend Instrumente hätten, um etwaige Missstände beseitigen zu können. Juristen heben darüber hinaus hervor, dass so schwerwiegenden Eingriffen wie Entflechtungsmaßnahmen massive verfassungsrechtliche Bedenken entgegenstünden.
(Zuerst erschienen im Handelsblatt)
- Datum 21.01.2010 - 10:59 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Handelsblatt
- Kommentare 19
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Und gutes ist hier der Service und die Lieferzeit.
Die Post in England ist privat und eine Katastrophe - wenn ich es mir leisten könnte würde ich Briefe nicht per Royal Mail verschicken - aber leider sind sie nun mal die billigsten...
(DHL Brief -> 30 Pfund...)
Die deutsche Post arbeitet insgesamt zuverlässig und vor allem schnell.
Und das können 10 zersplitterte kleine Unternehmen nicht - dazu kommen auch noch niedrigere Löhne durch mehr Personal bei gleicher arbeit und mehr Manager...
Gleichzeitig gab es bei der Post aber wohl auch ein paar "Steuerprobleme" im Vorstand wenn ich mich nicht irre.
Mein Vorschlag:
Briefmonopol wieder einführen - gleiches für Päckchen außer Kurierdiensten - dann die Kosten pro Päckchen staatlich regeln - so dass es bezahlbar ist - Managergehälter bei der Post auf die von "höheren Beamten" reduzieren.
Immer wenn es was zu privatisieren gibt, gibt es auch viel zu verdienen. Zum Beispiel direkte Spenden an die Partei, diskrete Spenden auf ein paar anonyme Auslandskonten oder nette Jobs in Aufsichtsräten oder nach der parlamentarischen Karriere.
Dann holt man sich einen "Macher" wie Mehdorn, dieser erweist sich dann als Kaputtmacher, und er zerstört das Unternehmen von innen. Bei der Bahn hat's zum Glück nicht ganz geklappt.
Das Entflechtungsgesetz, hieß es, würde dazu dienen, zum Beispiel bei den Energiekonzernen das Oligopol von RWE, EnBW, EON und Vattenfall anzugreifen; diese Firmen nutzen ihre Marktmacht schamlos aus und erhöhen bei jeder Gelegenheit die Preise, um ihre Profite zu erhöhen. Stattdessen geht es gegen ein Unternehmen, das seit 13 Jahren das Briefporto nicht erhöht hat.
Gibt es irgendetwas, das die FDP im Sinne der Bürger macht oder kann man davon ausgehen, daß es grundsätzlich das Gegenteil dessen will, was der Souveran will und braucht?
Da frage ich mich, wie viel haben die privaten glücklosen Briefzusteller Firmen der FDP dafür gezahlt, dass sie die Post zerschlagen. Ich bin mit der Leistung der Deutschen Post zufrieden.
Das Ergebnis wird sein, dass demnächst jeder Briefzusteller für maximal 7,50€ unter übelsten Arbeitsbedingungen arbeiten wird. Lediglich die Betreiber und Manager der ineffizienten privaten Zustelldienste machen sich die Taschen voll! Super FDP!
Aber ihr solltet euch beeilen - das ist derzeit eure letzte Regierungsbeteiligung für lange Zeit. Die Menschen raffen es so langsam und machen bei den Leuten, die nur Geld raffen, kein Kreuzchen mehr! Wie ich hoffe, dass die FDP bei uns in NRW die 5% nicht schafft...!
Besser wäre es, die FDP zu zerschlagen!!!!!!!!
CSU/CDU sind ja fast weg vom Fenster,die führende Partei ist die FDP (mi ihren 14%)aber sind der Meinung wir haben den "Auftrag vom Wähler"
Frau Merkel ist wohl abgetaucht!!!
Das kann doch nicht sein. Genau sowas habe ich mir vor einem Jahr gedacht. Und jetzt gibt es tatsächlich Einen der das wahr machen will.?!?!
Wenn auch nur einer von denen im Parlament versucht dem zuzustimmen, habe ich das Vertrauen in unsere Politik gänzlich verlohren.
Warum versucht kein Politiker die monopolistischen Zentralbanken zu zerschlagen oder zumindest DAS anzusprechen?
Nein, da müssen die angegriffen werden die das Gute sehen.
kopfschüttel
Hey, war es nicht viel besser als jede preußische Grafschaft noch ihre eigene Post hatte. :D
Mir gefällt das mit der Post ganz gut. Das tut allen weh und die gelbe kaputte Post erinnert dann hoffentlich den ein oder anderen Wähler an die gelbe FDP. Wenn es ganz gut läuft kommen die Wahlunterlagen, aber dann sowieso nicht mehr vor der Wahl an.
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