Saab Banges Warten in Stockholm

Gleich drei Interessenten buhlen bei GM um eine Mehrheitsbeteiligung an der schwedischen Traditionsmarke. Es gibt widersprüchliche Angaben darüber, ob die Angebote noch geprüft werden.

Saab: Wird die schwedische Traditionsmarke verkauft oder abgewickelt?

Saab: Wird die schwedische Traditionsmarke verkauft oder abgewickelt?

Tausende Angestellte des schwedischen Automobilherstellers Saab warten gespannt auf Nachrichten aus Detroit. Um die vom Aus bedrohte Traditionsmarke ist in letzter Minute ein neuer Bieterwettstreit entbrannt. Der niederländische Sportwagenhersteller Spyker reichte beim US-Konzern General Motors (GM) ein neues Kaufgebot für die skandinavische Traditionsmarke ein. Daneben will Formel-Eins-Chef Bernie Ecclestone Saab zusammen mit einem Partner kaufen. Auch Ex-MAN-Chef Haakan Samuelsson soll interessiert sein.

Es gibt widersprüchliche Angaben darüber, ob die Angebote noch geprüft werden. "Der Vorstand von Saab hat die Liquidierung des Unternehmens beschlossen", berichtete die schwedische Gewerkschaft IF Metall in Stockholm. GM teilte mit, es habe die Firma AlixPartners beauftragt, die geordnete Einstellung der Geschäftstätigkeit von Saab zu überwachen. Die eingegangenen Übernahmeangebote für Saab würden jedoch weiter geprüft.

Spyker Cars hat nach eigenen Angaben GM ein "überarbeitetes Angebot" gemacht. Mit GM habe es einen "konstruktiven Dialog" gegeben, erklärte Spyker-Chef Victor Muller. "Wir glauben, dass die Marke Saab ein großes Potenzial hat und wollen die Verhandlungen schnellstmöglich zu einem Abschluss bringen." Angaben über die Höhe des nachgebesserten Angebots machte Muller nicht. Der Saab-Verwaltungsrat wollte sich am Freitag treffen, um über das weitere Vorgehen zu beratschlagen.

Formel-1-Chef Ecclestone will Saab zusammen mit dem luxemburgischen Finanzinvestor Genii Capital kaufen. Genii Capital teilte am Freitag mit, es sei interessiert daran, "ein Angebot für den Kauf einer Mehrheitsbeteiligung" zusammen mit Ecclestone zu machen. Das Unternehmen werde "aggressiv an einem erfolgreichen Abschluss des Geschäfts arbeiten", zusammen mit allen beteiligten Interessengruppen bei Saab, erklärte der Finanzinvestor. Die Marke Saab sei von "bedeutendem Wert" in einer Reihe wichtiger Automärkte und habe "ein innovatives Image". Zwischen Formel-1-Chef Ecclestone und dem Finanzinvestor besteht eine Verbindung, nachdem Genii im vergangenen Monat eine Beteiligung am Rennteam von Renault kaufte, was dem französischen Autobauer den Verbleib in der Formel 1 sicherte.

Auch Ex-MAN-Chef Samuelsson schaltete sich einem Bericht zufolge in letzter Minute in den Bieterwettstreit um Saab ein. Der 58-jährige Manager habe zusammen mit einer schwedischen Investorengruppe Interesse an einer Übernahme von Saab bekundet, berichtete die schwedische Finanzzeitung Dagens Industri. Dem Bericht zufolge war unklar, wie die Bieter um Samuelsson ihr Angebot finanzieren wollen. Jedoch sehe das Konzept der Gruppe vor, die Produktion von Saab künftig vorerst deutlich herunterzufahren und in etwa zu halbieren. Samuelsson war im vergangenen Jahr von der Spitze des deutschen Bus- und Lkw-Produzenten MAN zurückgetreten. Er hat sich mit Jan Nygren verbündet, der von 1994 bis 1996 dem sozialdemokratisch geführten Kabinett in Stockholm angehörte und einst Manager beim Luftfahrt-Ableger von Saab war. "Viele, nicht nur ich, glauben, dass es in vieler Hinsicht unglücklich wäre, wenn Saab als Produkt und Marke verschwinden würde", sagte Nygren dem schwedischen Radio.

Saab verkaufte 2008 weltweit rund 93.000 Autos. Das Konzept der Bieter um Samuelsson sieht dem Bericht von Dagens Industri zufolge eine Produktion von 45.000 bis 50.000 Autos pro Jahr vor. Auf ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank will die Gruppe demnach verzichten.

GM sucht seit Januar 2009 einen Käufer für seine schwedische Tochter. Saab beschäftigt derzeit noch 3400 Menschen in Schweden. Gewerkschaftsangaben zufolge könnte das Aus des Autobauers den Verlust von rund 8000 Arbeitsplätzen bedeuten, weil auch Zulieferer betroffen wären.

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Leser-Kommentare
    • Buran
    • 11.01.2010 um 15:37 Uhr

    Ich fahre mittlerweile meinen 3. SAAB. Den vorletzten 9000 turbo aus dem Jahre 87 musste ich schweren Herzens abgeben, da er nicht für die deutzsche Umweltplakette qualifiziert war. Er fährt heute noch mit über 380.000 km durch die Oberbayern (Durchschnittsverbrauch 9,8 l/100km). Mein jetziger 9000 CSE ist liegt mit 200 PS kaum darüber und bereitet trotz seiner mittlerweile 13 Jahre abgesehen vom Austausch der Verschleißteile keine nennenswerten Probleme. Alle drei Wagen waren noch echte Schweden. Es ist bedauerlich, dass mit dieser Marke ein Stück europäischer Automobilkultur verschwinden würde. Bedauerlich, was für Spuren Ford und GM hinterlassen. (Halb China lacht über den Erwerb Volvos durch Geely, einem früheren Kühlschrankfabrikanten). Ich werde meinen "Alten" fahren, solange ich Ersatzteile bekomme, und danach ... Ich weiß es nicht.

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