Die Rückruf-Serie beim japanischen Autohersteller Toyota weitet sich aus: Nach Millionen Wagen in den USA muss Toyota nach eigenen Angaben nun auch in Europa eine bislang ungenannte Zahl von Autos wegen technischer Probleme mit dem Gaspedal zurückrufen. Auch in China müssen 75.000 Toyota-Geländewagen in die Werkstatt.

In Europa müssten laut japanischer Medien zwei Millionen Fahrzeuge zurückgerufen werden. Welche Modelle betroffen sind, ist noch nicht bekannt. Toyota baue Gaspedale mehrerer Zulieferer ein, es könnte also sein, dass nur die Pedale des US-Herstellers blockierten, sagte Susanne Knetchges, eine Sprecherin des Konzerns.

"Die Kollegen in Japan zählen noch", hieß es. Toyota geht davon aus, dass bis Ende der Woche klar ist, welche Modelle, Baureihen und Baujahre betroffen sind. "Die Besitzer werden angeschrieben und können ihre Fahrzeuge kostenlos reparieren lassen."

Bereits in den USA wurden Verkauf und Produktion von acht Modellen mehrerer Baujahre gestoppt – das entspricht fast der halben Modellpalette. Rund 2,3 Millionen Fahrzeuge der Baujahre 2005 bis 2010 wurden wegen der klemmenden Gaspedale zurückgerufen. Sollten in Europa tatsächlich zwei Millionen Autos in die Werkstätten müssen, würde sich die Rückrufaktion auf insgesamt acht Millionen Fahrzeuge erstrecken. Diese Größenordnung entspricht fast dem gesamten Fahrzeugabsatz des Konzerns eines Jahres.

Der Zulieferer CTS, von dem die klemmenden Gaspedale stammen, wies jede Schuld von sich. Ein Unternehmensvertreter beteuerte, man habe alle Produkte nach den Vorgaben von Toyota gefertigt.

Analysten zufolge ist der Imageschaden für den Brancheprimus enorm groß. "Toyota hat die Ressourcen, sich davon zu erholen, aber das ist die größte Krise, in der sie jemals waren", sagte etwa Branchenkenner Jim Ziegler. Der finanzielle Schaden hänge davon ab, wie lange der Konzern die Produktion der Fahrzeugtypen anhalten müsse. "Der Verkaufs- und Produktionsstopp könnte Toyota mindestens 550 Millionen Dollar kosten", schätzte Koji Endo von Advanced Research Japan.

Das japanische Vorzeigeunternehmen hatte sich vor allem mit einem Ruf für Sicherheit und Qualität an die Weltspitze der Autobranche vorgearbeitet. Der Konzern wurde schon von der Absatzkrise im Zuge des weltweiten Konjunktureinbruchs schwer getroffen und muss sich eines Angriffs von VW erwehren. Der Wolfsburger Rivale will Toyota in den nächsten Jahren vom Thron stoßen.