Aufsichtsratschef Revolte bei Infenion abgeschmettert
Der Machtkampf um den Chefposten im Aufsichtsrat von Infineon ist entschieden: Die bisherigen Kontrolleure konnten sich mit ihrem Kandidaten Klaus Wucherer durchsetzen.
Im Machtkampf um den Chefposten im Aufsichtsrat des Chipherstellers Infineon konnte eine Revolte verhindert werden. Die Aktionäre haben sich gegen den Aufsichtsratskandidaten aufständischer Fonds entschieden. Sie verweigerten dem von der britischen Investorengruppe Hermes vorgeschlagenen ZF-Finanzvorstand Willi Berchtold nach einer stundenlangen Debatte überraschend deutlich die Gefolgschaft.
Der 59-jährige Berchtold erhielt auf der Hauptversammlung lediglich 27,38 Prozent der Stimmen, wie der Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley mitteilte. Damit folgte die große Mehrheit dem Vorschlag der Konzernspitze, und Berchtold bleibt der Einzug in das Gremium verwehrt. Das Ergebnis macht es sehr wahrscheinlich, dass der 65-jährige Ex-Siemens-Vorstand und vom Unternehmen favorisierte Klaus Wucherer zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt wird.
Der neue, um vier Sitze auf 12 Mitglieder verkleinerte Aufsichtsrat wollte noch am Abend zusammentreten und aus seiner Mitte einen Vorsitzenden wählen. Wucherer gehört dem Gremium bereits seit 1999 an. Wucherer bekräftigte, im Falle seiner Wahl den Vorsitz nur für ein Jahr übernehmen zu wollen, um dann nach einem "profilierten Nachfolger" zu suchen. Nach dem deutlichen Votum von 64 Prozent für eine Einzelabstimmung über Berchtolds Bewerbung, hatten Beobachter zunächst auch mit einer Wahl des Managers in den Aufsichtsrat gerechnet.
Wucherer und Berchtold hatten in einer lebhaften Generaldebatte zuvor um die Stimmen der Aktionäre geworben. Diese übten teils scharfe Kritik vor allem am scheidenden Chefaufseher Max Dietrich Kley. Ihm sei es nicht gelungen, seine Nachfolge geräuschlos zu regeln. Der umstrittene Chefaufseher habe aus dem nur knappen Vertrauensvotum auf der turbulenten Hauptversammlung vor einem Jahr nichts gelernt. Kley wies die Kritik an seiner Amtsführung zurück. Es habe den Neuanfang bei Infineon bereits gegeben, das Unternehmen brauche nun Stabilität.
Im Januar hatte eine oppositionelle Gruppe um den britischen Finanzinvestor Hermes Berchtold vorgeschlagen. Hermes-Vertreter Hans-Christoph Hirt verteidigte das ungewöhnliche Vorgehen. Berchtold sei wegen seiner Erfahrung hervorragend geeignet. Eine Wahl Wucherers verhindere den nötigen Neuanfang.
"Wir halten die Kampfabstimmung für kontraproduktiv und verantwortungslos", sagte ein Vertreter der Fondsgesellschaft Union Investment. Trotz Vorbehalten sprach sich Union Investment für Wucherer aus. Es sei der falsche Augenblick, "die Sense im Aufsichtsrat kreisen zu lassen". Auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sprach sich für Wucherer aus. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) stellte sich hingegen auf die Seite Berchtolds und kritisierte Kley. "Sie hätten diese Schlammschlacht verhindern müssen", sagte DSW-Vertreterin Daniela Bergdolt.
- Datum 11.02.2010 - 20:01 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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