Einzelhandel Vom Buhmann zum Vorreiter
Der Discounter Lidl will einen Mindestlohn im Einzelhandel – aus reiner Vernunft. Die Branche muss raus aus der Spirale sinkender Preise und Löhne. Ein Kommentar
© Getty Images

Aktivisten protestieren gegen die Arbeitsbedingungen im Einzelhandel. Der Discounter Lidl hat sich nun für einen Mindestlohn ausgesprochen
Unwahrscheinlich, dass sich der Aufsichtsratschef des Discounters Lidl, Klaus Gehrig, von den Worten eines Gewerkschafters leiten lässt, wenn er nun einen Mindestlohn für die Branche fordert. Ulrich Dalibor, bei ver.di zuständig für den Einzelhandel, sagt schon seit Langem: "Wir haben Discounter nicht deshalb, weil es arme Menschen gibt. Wir haben arme Menschen, weil es Discounter gibt." Die Logik ist einleuchtend: Wer wenig verdient, muss billig einkaufen. Und je mehr Menschen dazu gezwungen sind, umso schlechter laufen die Geschäfte im Einzelhandel. Dort ist ein brutaler Preiskampf im Gange, den niemand gewinnen kann. Gehrig ist kein Mildtäter, wenn er nun zum Vorreiter eines Mindestlohns in der Branche wird. Er lässt sich schlicht von seinem Sachverstand leiten.
Der Vorstoß kam plötzlich, aber nicht überraschend. Zwar hat Lidl nicht gerade das Image eines vorbildlichen Arbeitgebers. Allerdings arbeitet Gehrig seit geraumer Zeit daran, das zu ändern. Bislang kam ihm immer etwas dazwischen. Zuletzt waren es Datenskandale, die den Konzern 1,5 Millionen Euro an Bußgeld kosteten. Doch es dürfte nicht nur der einmalige finanzielle Schaden sein, der zum Umdenken bewegt. Jeder weitsichtige Kaufmann weiß: Auf Dauer gerät das gesamte Geschäftsmodell ins Wanken, wenn es nur darauf basiert, dass Mitarbeiter schlecht bezahlt oder ausspioniert werden. Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu und auch den anderen Unternehmenschefs nicht fremd. Allerdings hatte niemand den Mut, den Anfang zu machen.
Seitdem vor rund zehn Jahren die ersten Händler begannen, aus der Tarifgemeinschaft auszuscheren und die ausgehandelten Verträge mit den Gewerkschaften zu ignorieren, ging es fast nur noch bergab – mit den Löhnen. Heute zählt der Einzelhandel zu jenen Branchen mit den meisten prekären Arbeitsplätzen. Die Mitarbeiter in diesen Jobs sind nur ausgeliehen, haben lediglich einen befristeten Vertrag oder einen Minijob. Manchmal werden nur noch Gehälter bis hart an der Grenze zur Sittenwidrigkeit gezahlt. Das verzerrt den Wettbewerb und zwingt selbst verantwortungsvolle Unternehmer in die Preis-Lohn-Spirale nach unten.
Trotzdem kommen die anderen Handelsriesen Metro, Rewe, Edeka und Aldi jetzt nur vorsichtig aus der Deckung. Ganz nach dem Motto: Hannemann, geh du voran! Sie lassen lediglich ihren Verband HDE formulieren, dass man
für eine Regelung aufgeschlossen sei. Allerdings bevorzuge man Lohnuntergrenzen, die mit der Gewerkschaft tariflich vereinbart werden.
Mit dem Verständnis der Öffentlichkeit kann die Branche auf jeden Fall rechnen: 70 Prozent der Bevölkerung sind grundsätzlich für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, ergab unlängst eine Studie von Wissenschaftlern des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Universität Frankfurt. Selbst die Mehrheit der Selbständigen und Gutverdiener plädiert dafür. Die Befragten halten ein Lohn-Minimum von rund zehn Euro für vernünftig.
- Datum 17.02.2010 - 18:46 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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"Selbst die Mehrheit der Selbständigen und Gutverdiener plädiert dafür. Die Befragten halten ein Lohn-Minimum von rund zehn Euro für vernünftig."
Hallo Guido! Guck mal, wofür Deine "Deppen der Nation", Deine Schäfchen, Deine Schutzbefohlenen eintreten! Für 10 Euro/h lohnt sich das Arbeiten wieder und davon können, abgesehen Lstkl.III, auch Steuern gezahlt werden und der Sozialstatt wird schlanker, denak weniger Transferleistungsempfänger. Gut, im Export mögen vielleicht Arbeitsplätze flöten gehen, aber ich bin mir sicher, dass die Binnenwirtschaft dies in Zukunft auffangen wird. Darüber hinaus, kann der Staat von den Steuermehreinnahmen Schulden abbauen und im öffentlichen Dienst dringend benötigte Stellen schaffen. Und vielleicht bleibt am Ende noch etwas übrig um Steuern senken zu können.
MfG
AoM
...wenn man bedenkt, dass es etwa Euro 18.000 sind bei 45 Wochen zu 5 acht Stunden Wochen wären und das Durchschnittseinkommen der deutschen Beschäftigten 2006 ca 18.000 waren.
...wenn man bedenkt, dass es etwa Euro 18.000 sind bei 45 Wochen zu 5 acht Stunden Wochen wären und das Durchschnittseinkommen der deutschen Beschäftigten 2006 ca 18.000 waren.
"Selbst die Mehrheit der Selbständigen und Gutverdiener plädiert dafür. Die Befragten halten ein Lohn-Minimum von rund zehn Euro für vernünftig."
Hallo Guido! Guck mal, wofür Deine "Deppen der Nation", Deine Schäfchen, Deine Schutzbefohlenen eintreten! Für 10 Euro/h lohnt sich das Arbeiten wieder und davon können, abgesehen Lstkl.III, auch Steuern gezahlt werden und der Sozialstatt wird schlanker, denak weniger Transferleistungsempfänger. Gut, im Export mögen vielleicht Arbeitsplätze flöten gehen, aber ich bin mir sicher, dass die Binnenwirtschaft dies in Zukunft auffangen wird. Darüber hinaus, kann der Staat von den Steuermehreinnahmen Schulden abbauen und im öffentlichen Dienst dringend benötigte Stellen schaffen. Und vielleicht bleibt am Ende noch etwas übrig um Steuern senken zu können.
MfG
AoM
...wenn man bedenkt, dass es etwa Euro 18.000 sind bei 45 Wochen zu 5 acht Stunden Wochen wären und das Durchschnittseinkommen der deutschen Beschäftigten 2006 ca 18.000 waren.
Sind es nur noch 1000 Euro Netto im Monat. Davon Miete, Heizkosten etc. weg, bleibt nicht viel übrig.
Immerhin aber mehr, als bei dem jetzigen Lohnniveau
Sind es nur noch 1000 Euro Netto im Monat. Davon Miete, Heizkosten etc. weg, bleibt nicht viel übrig.
Immerhin aber mehr, als bei dem jetzigen Lohnniveau
Vorab: ich finde es fair und moralisch auch geboten, dass die Mitarbeiter einen Mindeslohn bekommen, von dem sie leben können.
Aber das die Discounter zur Armut führen - na, das ist dann doch wohl sehr weit hergeholt. Ich bin kein Wirtschaftswissenschaftler, aber ich tippe mal, dass die Lohnkosten bei Lidl nur wenig ins Gewicht fallen - also die 10€ in Summe auch nicht wehtun. Der Grund ist also wahrscheinlich eher pures Marketing - das kostet schließlich auch, und statt jetzt 10 Mio € in eine Marketing-Kampagne zu pumpen, rechnet man eben hoch, was für die maximal 50.000 Betroffenen in den Filialen diese Lohnerhöhung kostet...
Also - bitte auf dem Teppich bleiben. So schön es auch immer wäre, wenn man quasi per Lohnerhöhung die Volkswirtschaft beleben könnte - es bleibt eine Illusion.
Und ein Letztes: Wäre es so, dass die Discounter mit ihren niedrigen Löhnen quasi für Armut sorgen könnten - dann würden sie ja der Logik nach die Löhne noch weiter drosseln müssen: Denn damit würden sie ja weitere Käuferschichten generieren...
Warum will jemand, der 12/13 EUR die Stunde zahlt einen Mindestlohn von 7,50/8 EUR gesetzlich gesichert? Um die Abwärtsspirale Lohn aufzuhalten oder festzuschreiben?
Muss ich Ihre Argumentation verstehen?
Wenn ein Arbeitgeber heute 13 Euro/h zahlt ist es entweder arbeitsvertraglich oder tarifvertraglich geregelt.
Kein Arbeitgeber, der tarifgebunden ist, darf unter Tarif entlohnen.
Besteht eine arbeitsvertragliche Regelung von derzeit 13 Euro/h, dann bleibt dies auch bei einem gesetzlichen Mindestlohn, der darunter liegt, bestehen. Klar könnte der Arbeitgeber den Arbeitnehmer unter Druck setzen, sich mit 7,50 Euro Mindestlohn zufrieden zu geben, aber das könnte er heute auch schon, wo es keinen gesetzlichen Mindestlohn gibt.
MfG
AoM
Muss ich Ihre Argumentation verstehen?
Wenn ein Arbeitgeber heute 13 Euro/h zahlt ist es entweder arbeitsvertraglich oder tarifvertraglich geregelt.
Kein Arbeitgeber, der tarifgebunden ist, darf unter Tarif entlohnen.
Besteht eine arbeitsvertragliche Regelung von derzeit 13 Euro/h, dann bleibt dies auch bei einem gesetzlichen Mindestlohn, der darunter liegt, bestehen. Klar könnte der Arbeitgeber den Arbeitnehmer unter Druck setzen, sich mit 7,50 Euro Mindestlohn zufrieden zu geben, aber das könnte er heute auch schon, wo es keinen gesetzlichen Mindestlohn gibt.
MfG
AoM
Sind es nur noch 1000 Euro Netto im Monat. Davon Miete, Heizkosten etc. weg, bleibt nicht viel übrig.
Immerhin aber mehr, als bei dem jetzigen Lohnniveau
Von so einem Gehalt träume ich schon seit über 15 Jahren - da erhielt ich meine erste Kündigung.
Von dem Gehalt und dem Gehalt meiner Frau könnten wir uns endlich ein neues Auto und endlich einen Urlaub, nicht nur bei Verwandten, leisten und hätten zu Weihnachten immer noch etwas übrig.
In den letzten Jahren mussten wir mit durchschnittlich 1480,- € auskommen - 3-Personen-Haushalt!
Vor meiner ersten Kündigung verdiente ich 1.100,- € Netto plus ca. 150,- € Spesen plus Natural-Rabatt für geleistete Überstunden.
Miete damals (3-Zimmer-70qm-Vollkomfort): 168,- € (Warm)
Miete heute (dto.): 468,- € (Warm) - 303,- € übernimmt derzeit das "Amt"
Gibt es da noch Fragen?
Von so einem Gehalt träume ich schon seit über 15 Jahren - da erhielt ich meine erste Kündigung.
Von dem Gehalt und dem Gehalt meiner Frau könnten wir uns endlich ein neues Auto und endlich einen Urlaub, nicht nur bei Verwandten, leisten und hätten zu Weihnachten immer noch etwas übrig.
In den letzten Jahren mussten wir mit durchschnittlich 1480,- € auskommen - 3-Personen-Haushalt!
Vor meiner ersten Kündigung verdiente ich 1.100,- € Netto plus ca. 150,- € Spesen plus Natural-Rabatt für geleistete Überstunden.
Miete damals (3-Zimmer-70qm-Vollkomfort): 168,- € (Warm)
Miete heute (dto.): 468,- € (Warm) - 303,- € übernimmt derzeit das "Amt"
Gibt es da noch Fragen?
Was bisher noch nicht mitgeteilt wurde: Ein Teil des Lohns wird in Naturalien ausgezahlt - in Form von Käse.
Muss ich Ihre Argumentation verstehen?
Wenn ein Arbeitgeber heute 13 Euro/h zahlt ist es entweder arbeitsvertraglich oder tarifvertraglich geregelt.
Kein Arbeitgeber, der tarifgebunden ist, darf unter Tarif entlohnen.
Besteht eine arbeitsvertragliche Regelung von derzeit 13 Euro/h, dann bleibt dies auch bei einem gesetzlichen Mindestlohn, der darunter liegt, bestehen. Klar könnte der Arbeitgeber den Arbeitnehmer unter Druck setzen, sich mit 7,50 Euro Mindestlohn zufrieden zu geben, aber das könnte er heute auch schon, wo es keinen gesetzlichen Mindestlohn gibt.
MfG
AoM
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