Nach mehreren TodesfällenLidl warnt vor zwei Käsesorten

Der Discounter hat erneut vor zwei Käsesorten aus seinem Sortiment gewarnt. In Proben waren Listerien gefunden worden. Diese Bakterien können tödliche Infektionen auslösen.

Nach mehreren Todesfällen durch Listeriose hat die Handelskette Lidl erneut vor einem Harzer Käse aus ihrem Angebot gewarnt. Betroffen sind die Sorten Reinhardshof, Harzer Käse und Reinhardshof, Bauernkäse mit Edelschimmel des österreichischen Herstellers Prolactal GmbH. Kunden und Konsumenten sollten den Rückruf "unbedingt beachten", hieß es.

Die Warnung ging an Verbraucher vor allem in Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern. Die Handelskette hatte den Käse bereits am 23. Januar zurückgerufen.

Anzeige

Listeriose ist eine Bakterieninfektion, die vor allem durch Rohmilchprodukte, rohes Fleisch und rohen Fisch übertragen werden kann, wenn die Lebensmittel mit höheren Konzentrationen des Bakteriums Listeria monocytogenes verunreinigt sind.

Der Erreger

Listeriose ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Listeria monocytogenesausgelöst wird. Dieser Erreger kommt überall in der Umwelt vor, etwa im Kompost, in Abwässern oder in der Erde.

Werden Hygienevorschriften nicht penibel eingehalten, kann es bei der Erzeugung oder der Verarbeitung von Lebensmitteln zu einer Kontamination mit dem Bakterium kommen. Da die Lebensmittel durch die Listerien nicht verderben, lässt sich weder am Geruch noch am Aussehen der Produkte auf eine Bakterienverunreinigung schließen.

Besonders häufig sind Rohmilchkäse, rohes Fleisch und roher Fisch von Listerien betroffen. Für die Herstellung und Verarbeitung dieser Lebensmittel gelten daher besonders strenge Auflagen. Betriebe sind zu regelmäßigen Kontrollen verpflichtet. Jährlich werden in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) dennoch zwischen 250 und 300 Fälle von Listeriose gemeldet.

Der Krankheitsverlauf

Nach dem Verzehr von Lebensmitteln, die mit höheren Konzentrationen an Listerien verschmutzt waren, dauert es drei bis 70 Tage, bevor erste Beschwerden einsetzen. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektion meist mild mit grippeähnlichen Symptomen.

Allerdings kann es nach Informationen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) bei älteren Menschen oder Patienten mit Vorerkrankungen zu schweren Verläufen – etwa in Form einer Blutvergiftung oder einer Hirnhautentzündung – und damit auch zu Todesfällen kommen. Auch für Ungeborene sind Listerien eine besondere Gefahr, weshalb Schwangere und stillende Mütter generell auf den Verzehr von Rohmilchprodukten, rohem Fleisch und Sushi verzichten sollten.

Was schützt vor Listerien?

Wer Fleisch und Fisch mindestens zwei Minuten bei mehr als 70 Grad Celsius erhitzt, hat gute Chancen, alle Listerien abgetötet zu haben. Da auch Erde und Kompost den Erreger enthalten, können auch Obst und Gemüse damit verunreinigst sein. Deshalb sollten alle Lebensmittel vorm Verzehr gründlich gewaschen werden.

Ältere und kranke Menschen sowie Schwangere sollten auf Rohes und Geräuchertes verzichten und auch Gemüse am besten gekocht essen.

Gegen die Verbreitung der Keime hilft nur die strikte Hygiene in der Küche – aber auch im Kühlschrank.

In dem Käse wurde der Erreger jetzt entdeckt, nachdem im Jahr 2009 mehrere ältere Menschen an der Infektion erkrankt waren. Da Listeriose meldepflichtig ist, wurden Abstriche des bei den Patienten festgestellten Erregers an die Österreichischen Agentur für Gesundheits- und Ernährungssicherheit (AGES) zur Untersuchung geschickt. Die AGES ist ein Zusammenschluss mehrerer Bundesinstitute und in Österreich unter anderem für Lebensmittelkontrollen, die Vermeidung von Tierseuchen und die Prüfung von Medikamenten zuständig.

"Die Forscher stellten fest, dass es sich um einen neuen Strang des Bakteriums handelt", sagte eine AGES-Sprecherin ZEIT ONLINE. Daraufhin befragten die Wissenschaftler die Patienten und ihre Familien nach ihren Ernährungsgewohnheiten, und baten sie, über mehrere Wochen, die Kassenzettel aus dem Supermarkt aufzubewahren. Das Ergebnis: Mehrere der Betroffenen hatten den Käse derselben Marke gegessen. Schließlich wurde der Erreger in den Produkten nachgewiesen, der Käse aus den Regalen genommen und eine Warnung veröffentlicht.

Leserkommentare
    • remur
    • 17. Februar 2010 10:37 Uhr

    Man da ist ja LIDL richtig kulant, geht ja geradezu offen mit dem Thema um das ein von ihnen vertriebenes Lebensmittel Menschen auf dem Gewissen hat.
    Belieferte der Produzent nur LIDL oder wieso sind andere Gruppen nicht betroffen? Die meisten arbeiten doch mit den selben Lieferanten zusammen, die Kauflandgruppe gehört sogar der gleichen Familie wie LIDL an.

    • remur
    • 17. Februar 2010 10:42 Uhr

    Der Rückruf gilt in Österreich seit fast 4 Wochen, wieso dauert das so lange bis man sich in Deutschland dazu aufrappelt das aus dem Verkehr zu nehmen? Den Imageverlust hinauszögern um noch solang wie möglich die Ware auf den Markt zu kippen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    @remur

    In Österreich gab es einen Rückruf?

    "Die fraglichen Produkte wurden am 23.01.2010 öffentlich zurückgerufen und sind seit diesem Zeitpunkt auch nicht mehr im Verkauf. In Österreich wurden die Artikel von Lidl zu keinem Zeitpunkt vertrieben." (www.lidl.de)

  1. Sehr vorbildlich. Zusammen mit dem Ruf nach Mindestlohn macht mir dies Lidl immer sympathischer.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...ob der Ruf nach Mindestlohn nicht direkt mit diesem immens imageschädlichen Ereigniss zu tun hat?

  2. @remur

    In Österreich gab es einen Rückruf?

    "Die fraglichen Produkte wurden am 23.01.2010 öffentlich zurückgerufen und sind seit diesem Zeitpunkt auch nicht mehr im Verkauf. In Österreich wurden die Artikel von Lidl zu keinem Zeitpunkt vertrieben." (www.lidl.de)

    Antwort auf "Noch besser"
  3. ...ob der Ruf nach Mindestlohn nicht direkt mit diesem immens imageschädlichen Ereigniss zu tun hat?

    • Xdenker
    • 17. Februar 2010 12:13 Uhr

    Finde es höchst bedenklich, wie die "Zeit" mit diesem Artikel Stimmung gegen Lidl macht, indem z.B. verschwiegen wird, dass und wann Lidl einen Rückruf gestartet hat. Man hat sich anscheinend auf die Firma eingeschossen. Ja ich weiß, es ist wohl arg naiv zu glauben, Journalismus und Meinungsmache seien zwei Paar Schuhe.

    Soweit mir bekannt, hat Lidl die in dem Artikel genannten Produkte am 23.01.2010 (!) zurückgerufen, nachdem die eigene Qualitätssicherung in einigen Proben Listerien entdeckt hatte. Mir ist bekannt, dass Lidl (wie auch andere große Lebensmittelhändler, insbesondere die Discounter) permanent mehrere unabhängige Labore damit beauftragt, ihr Sortiment sowohl im Hinblick auf gesundheitliche Unbedenklichkeit wie auch ordnungsgemäße Beschaffenheit und Etikettierung zu untersuchen. Nur, wenn Lidl die Rückrufaktion nicht unverzüglich nach dem internen Bekanntwerden der Untersuchungsergebnisse gestartet hätte, wäre ihnen ein Vorwurf zu machen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • catha
    • 17. Februar 2010 14:33 Uhr

    Ich denke, "Die Zeit" macht keine Stimmung gegen Lidl. Wieso auch? Aus persönlichen Ressentiments? Lidl ist ein riesiger Sauladen und hat es der eigenen "Firmenphilosophie" zu verdanken, dass man kein gutes Haar an ihnen lässt...

    Redaktion

    Lieber Xdenker,

    dass Lidl einen Rückruf gestartet hat, steht in unserer Meldung sehr wohl, gleich im ersten Absatz, und noch einmal ganz am Ende. Was fehlt: Es handelt sich um die Wiederholung eines früheren Rückrufs. Wir ergänzen die Meldung gerade dementsprechend. Danke für den Hinweis.

    Beste Grüße,
    Alexandra Endres
    Redaktion ZEIT ONLINE

    Redaktion

    Lieber Leser,

    in der Tat war die erste Fassung der Agentur-Meldung nicht sehr gut formuliert - auch wenn darin nicht behauptet wurde, die Handelskette Lidl träfe eine Schuld an der Kontamination des Käses mit Listerien.

    Ich habe jetzt viele wissenschaftliche Informationen über die Infektionskrankheit Listeriose und über den aktuellen Fall hinzugefügt und hoffe, Sie fühlen sich dadurch jetzt besser informiert.

    Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

    • catha
    • 17. Februar 2010 14:28 Uhr

    dass sich direkt unter dem Artikel eine Anzeige für den "Lidl-Shop" befindet. Kann man gleich noch lecker Käse aussuchen...

  4. Hallo erstmal!

    Ich bin leider einer der betroffenen einer Listerien Infektion. Hab wohl Glück gehabt das ich nicht daran verstorben bin. Nu bringt RTL da endlich was ins rollen.

    http://www.rtl.de/cms/service/testbereich/aktuell_test/ausspielseite_kat...

    Man sollte die Qualitätskontrolle in dem Bereich meiner Meinung nach erheblich erhöhen.

    MFG
    W. Jansen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service