Lufthansa-Streik Die Piloten verlieren ihren Nimbus
Mit nur einem Streiktag haben die Flugkapitäne den Betrieb der Lufthansa auf Tage durcheinandergewirbelt. Doch ihre alte Macht ist dahin, kommentiert Alexandra Endres
© Ralph Orlowski/Getty Images

Ein Mitglied der Vereinigung Cockpit trägt den "Wir streiken"-Button am Revers (Aufnahme vom Montag). Seit Dienstag früh arbeiten die Piloten der Lufthansa wieder, der Betrieb läuft aber immer noch nicht rund
Ein "Streik der Millionäre" wurde der Aufstand der Lufthansa-Piloten von verärgerten Passagieren genannt. Die Gründe sind nachvollziehbar: Flugkapitäne verdienen in Deutschland durchschnittlich etwa dreimal so viel wie Krankenpfleger, mehr als doppelt so viel wie Krankenhausärzte, weit mehr als Richter, Lehrer oder Feuerwehrmänner. Mit der entsprechenden Berufserfahrung erreichen die Piloten ein Gehalt von bis zu 250.000 Euro im Jahr, Anfänger beginnen mit rund 60.000 Euro jährlich. Ein Einkommen, von dem die meisten deutschen Arbeitnehmer nur träumen können.
Ist das zu viel für jemanden, der die Verantwortung trägt für die Sicherheit Dutzender oder Hunderter Passagiere? Die Öffentlichkeit jedenfalls war im Streik nicht auf der Seite der Piloten. Sie sah sie in erster Linie als Besserverdiener, die in der Krise ihre Privilegien verteidigten.
Doch die "Millionäre" sorgen sich um ihre Jobs. Der Pilotenvereinigung Cockpit geht es vor allem darum, die – vergleichsweise teuren – Arbeitsplätze der deutschen Flugkapitäne gegen die ausländische Konkurrenz zu erhalten. Zwar bot die Lufthansa der Gewerkschaft am Wochenende eine Arbeitsplatzgarantie für die kommenden Jahre an, doch aus Furcht vor einem Jobabbau durch die Hintertür mochten sich die Arbeitskämpfer nicht darauf einlassen. Sie wollten verhindern, dass ihr Unternehmen künftig mehr und mehr Flüge an ausländische Tochtergesellschaften wie die Lufthansa Italia vergibt. Für diese gelten aber nicht die deutschen Tarifverträge. Die gut bezahlten deutschen Cockpitbesatzungen würden nach und nach ausgebootet.
Ihre Taktik ist nicht aufgegangen, das hat das Frankfurter Arbeitsgericht am Montagabend durch sanften Druck erreicht. Nun sollen die Tarifpartner in den kommenden Wochen ausschließlich über die Entlohnung und die Arbeitsbedingungen der deutschen Piloten sprechen. Und nicht darüber, wie die Kollegen der Lufthansa Italia zu bezahlen seien und ob die Lufthansa die italienischen Flugkapitäne beliebig einsetzen kann.
Vorbei ist der komplizierte Tarifkonflikt damit aber noch lange nicht. Cockpit hat bereits angekündigt, die interne Billigkonkurrenz auch künftig nicht völlig aus den Verhandlungen auszuklammern. Doch der Abbruch des Streiks nach seinem ersten Tag zeigt, dass die Kapitäne ihren Nimbus verlieren. Auch die Lufthansa muss sparen, und ihre Piloten werden den hohen Wettbewerbsdruck künftig stärker spüren.
Vielleicht entsteht dadurch letztlich tatsächlich die Zwei-Klassen-Gesellschaft, gegen die sich die Streikenden wehrten: Hier die altgedienten, in Deutschland angestellten Gutverdiener, die ihre Rechte bewahren konnten; dort die ausländischen oder jungen Kollegen, die schlechtere Konditionen in Kauf nehmen müssen und vom Unternehmen deshalb häufiger eingesetzt werden.
Dann könnten die Jobs wirklich ins Ausland abwandern. Es sei denn, die Piloten machen weitere Zugeständnisse, um die Stellen hier zu halten. Damit ginge es ihnen nicht besser als den Angehörigen anderer Berufe, die schon seit Jahren Einbußen in Kauf nehmen, um ihre Arbeitsplätze zu sichern. Wie mächtig die Flugkapitäne immer noch sind, hat ihr eintägiger Streik gezeigt: Die Lufthansa wird fast eine Woche brauchen, um wieder in den regelmäßigen Betrieb zurückzufinden. Doch auf Dauer werden die Piloten ihre privilegierte Position nicht halten können.
- Datum 23.02.2010 - 11:38 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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und der Versuch, die Gewerkschaften kaputt zu schreiben. So was gab's bisher eher in der Blödzeitung.
Nichts gegen unternehmerische Freiheit, aber der Nimbus ein Spitzenunternehmen zu sein, hängt auch an Qualifikation, Einsatzbereitschaft und Zufriedenheit aller Mitarbeiter.
Die LH hat schon durch die Einsparungen im Service an Ansehen verloren, sowas merkt man als Passagier zuerst. Und nun geht die Kämpfe um sinkende Löhne bei den Piloten los, viel Spaß.
Wobei es eigentlich erstaunlich ist, wie lange Cockpit sich wehren konnte. Denn alleine mit Verantwortung kann man die Gehälter der Piloten nicht rechtfertigen. Auch Zugführer, Busfahrer und viele andere tragen eine ähnliche hohe Verantwortung, sind aber durch die kürzere, billigere Ausbildung leichter zu ersetzen - und zu Zugeständnissen bei Löhnen bereit.
Alles Gute
Kai Hamann
Vielleicht sollten wir die unterbezahlte Krankenschwester noch dazunehmen?
Ob Busfahrer, oder Zugführer rund 40.000 Euro für ihre Ausbildung selber zahlen?
Die böse, neoliberale Saat geht immer mehr auf: Neid statt Solidarität.
So zerreist es weiter das soziale Gefüge unserer Gesellschaft.
Die Piloten waren in einer starken, elitären Position und die wird jetzt aufgeweicht. Das ist der Exzerpt des Artikels und ich sage: Der Autor hat leider recht. Lesen hilft!
Gute Arbeit, gutes Geld. Ich gönne jedem, das er es schafft, das Beste aus sich zu machen. Und da gibt es bei den von Ihnen erwähnten Krankenschwestern leider unverschuldete Probleme, weil sie einfacher ersetzbar sind.
Abschließend: Sie deuten an, dass Piloten 40000 Euro für Ihre Ausbildung dazuzahlen. Bei bis zu einer Viertelmillion Jahresgehalt ist das ehrlich gesagt ein Witz. Ich bin verwundert über die Aussage und weiß nicht, wie ich die Qualität des Unterrichts einordnen soll. Mein teuerster Lehrgang hat für eine Woche etwa 50 KMärker (West) gekostet, wobei ich - Sie werden es kaum glauben - keinen Neid auf die Ausbilder habe. Allerdings habe ich nichts selber bezahlt =;)
Vielleicht machen Sie sich auch mal bei Studenten klug, was die heute nach dem Studium so an Schulden haben.
Aber genug Spaß für heute, alles Gute
Kai Hamann
Vielleicht sollten wir die unterbezahlte Krankenschwester noch dazunehmen?
Ob Busfahrer, oder Zugführer rund 40.000 Euro für ihre Ausbildung selber zahlen?
Die böse, neoliberale Saat geht immer mehr auf: Neid statt Solidarität.
So zerreist es weiter das soziale Gefüge unserer Gesellschaft.
Die Piloten waren in einer starken, elitären Position und die wird jetzt aufgeweicht. Das ist der Exzerpt des Artikels und ich sage: Der Autor hat leider recht. Lesen hilft!
Gute Arbeit, gutes Geld. Ich gönne jedem, das er es schafft, das Beste aus sich zu machen. Und da gibt es bei den von Ihnen erwähnten Krankenschwestern leider unverschuldete Probleme, weil sie einfacher ersetzbar sind.
Abschließend: Sie deuten an, dass Piloten 40000 Euro für Ihre Ausbildung dazuzahlen. Bei bis zu einer Viertelmillion Jahresgehalt ist das ehrlich gesagt ein Witz. Ich bin verwundert über die Aussage und weiß nicht, wie ich die Qualität des Unterrichts einordnen soll. Mein teuerster Lehrgang hat für eine Woche etwa 50 KMärker (West) gekostet, wobei ich - Sie werden es kaum glauben - keinen Neid auf die Ausbilder habe. Allerdings habe ich nichts selber bezahlt =;)
Vielleicht machen Sie sich auch mal bei Studenten klug, was die heute nach dem Studium so an Schulden haben.
Aber genug Spaß für heute, alles Gute
Kai Hamann
Die LH hat einfach nicht genügend Konkurrenz in der BRD. Mit mehr Wettbewerb kämen der Kranich und seine Mitarbeiter recht sachnell von ihren Höhenflügen herunter - auf den Boden der Tatsachen.
Fast wöchentlich verunglücken Busse in Deutschland. Nicht selten sind Tode die Folge. Wie oft lesen Sie von einer Lufthansamaschine, die vom Himmel fällt? Menschen wie Ihnen muss erst real und deutlich vor Augen geführt werden, wohin die Lohndrückerei führt. Sagt Ihnen der Begriff "Qualität" etwas? Und ich weiß schon, was nun wieder für ein Argument in Ihnen hochkocht: Konkurrenz auf dem globalisierten Weltmarkt. Was glauben Sie, in welche Maschine ich einsteige, wenn ich die Wahl habe? Wieviel sollte einem das eigene Leben wert sein? Scheint nicht allgemein bekannt, aber Luftfahrt ist eine hochgefährliche Angelegenheit die einen imensen, logistsichen und technischen Aufwand erfordert. Und an der Spitze dieser Verantwortungskette sitzen nun mal die Piloten!
Mir grauts, wenn ich drüber nachdenke, was für Suffköppe von Billigfliegern über unsere Köpfe hinwegfliegen... tagtäglich.
Bevor man Vergleiche zieht, die schon weit mehr tun als bloß zu hinken, sollte man sich einen Moment zurücklehnen, sich eventuell etwas ablenken und über das zu Schreibende noch mal nachdenken. Oder es ganz bleiben lassen.
[Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]
wenn die deutsche Metallgewerkschaft auch die Löhne und Gehälter für die chinesischen, slowakischen, rumänischen u. s. w. Töchter der Maschinen und Autobauer verhandeln könnte. Dann würde es auch dem Normalo wieder Spass machen zu arbeiten. Es gäbe kaum noch Arbeitslose, auch ohne volksverhetzende Entwürdigung und Verunglimpfung der Hartz IV Empfänger. Der Wahnsinn der Raubglobalisierung würde für jeden sichtbar. Der Ansatz der Piloten ist richtig. Aber warum sollte das Prinzip nur für die Privilegierten gelten.
Das Gegenteil ist der Fall. Die jetzt schon schlecht bezahlten Normalos erhalten in Kürze (2011) noch dringend zusätzlich benötigte Lohndrücker aus den Oststaaten der EU. Vielleicht können auch einige von denen fliegen.
bei jemandem ins Flugzeug zu steigen, der absolut keinen Bock auf seine Arbeit hat. Beim Busfahren ist das was anderes, da kann ich im Notfall selbst raus...
werden wohl erst dann in der Globalisierung ein Problem sehen, wenn wir uns alle im Zuge einer 1,5%gen Effizienzsteigerung darauf geeinigt haben unsere Muttersprache gegen Mandarin oder ein vereinfachtes Businessenglisch einzutauschen und dann auch der Journalist gegen seinen chinesischen Berufsgenossen anschreiben muss, nicht zwei Artikel pro Woche sondern acht am Tag.
Schade nur dass bis dahin eine völlig entrückte Gruppe maßgeblich die öffentliche Meinung gestaltet und zensiert.
Grüße von einem Entrückten seinerseits
Vielleicht sollten wir die unterbezahlte Krankenschwester noch dazunehmen?
Ob Busfahrer, oder Zugführer rund 40.000 Euro für ihre Ausbildung selber zahlen?
Die böse, neoliberale Saat geht immer mehr auf: Neid statt Solidarität.
So zerreist es weiter das soziale Gefüge unserer Gesellschaft.
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