Bahn-Börsengang Ramsauer verlangt von Bahn Qualität vor Dividende
Der Verkehrsminister zeigt sich skeptisch: Ein erneuter Versuch, die Bahn an die Börse zu bringen, könne sich als Irrweg erweisen. Ramsauer spart nicht mit Kritik.
© John MacDougall/AFP/Getty Images

Wenig Motivation, die Bahn zu privatisieren: Verkehrsminister Peter Ramsauer
Kostendruck und Rationalisierung bei der Bahn bekommen derzeit Millionen Fahrgäste zu spüren: Vor dem für 2008 geplanten Börsengang hatte das Unternehmen umfassend gespart, was eine Vielzahl von Pannen und technischer Probleme nach sich zog.
Noch immer will die Bahn Anteile an der Börse verkaufen, doch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat grundsätzliche Bedenken gegen einen zweiten Anlauf: "Privatisierung um jeden Preis erweist sich in der Praxis häufig als Irrweg", sagte er der Berliner Zeitung.
Die Bahn habe einen gemeinwirtschaftlichen Auftrag und müsse Standards im Schienenverkehr gewährleisten. Wegen der angestrebten Privatisierung und des unzureichenden Wettbewerbs aber habe das Staatsunternehmen die Bedürfnisse der Kunden in der Vergangenheit vernachlässigt. Er machte zudem die Privatisierungspläne und Kostendruck mitverantwortlich für das S-Bahn-Chaos in Berlin. "Wer als Quasi-Monopolist nur auf das Börsenparkett schielt, lässt die Qualität links liegen", kritisierte Ramsauer.
Für die kommenden Jahre schloss er eine Teilprivatisierung des Personen- und Güterverkehrs praktisch aus. "Ich bin nicht bereit, volkswirtschaftliches Vermögen zu verschleudern", sagte der Verkehrsminister.
Die schwarz-gelbe Koalition hatte vereinbart, an dem Vorhaben festzuhalten, Teile der Deutschen Bahn zu privatisieren. Im Koalitionsvertrag ist das Ziel vage formuliert: Dies solle beginnen, "sobald der Kapitalmarkt dies zulässt".
Schon einmal war es fast soweit gewesen: Doch der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte den vorbereiteten Verkauf der Transport- und Logistiksparte im Herbst 2008 wegen der Finanzkrise ab.
Derzeit hat die Bahn andere Probleme: Eis und Schnee lassen die ungenügend vorbereiteten Züge vielfach verspätet ankommen. Der Konzern versucht derzeit, die Hersteller dafür verantwortlich zu machen. Ramsauer hatte bereits verlangt, dass die Industrie für wetterbedingte Schäden an ICEs haften müsse. Das Logistikunternehmen dagegen warnte er vor ein Übermaß an Sparsamkeit. Die Bahn-Führung könne nicht nach "knallharten betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten" agieren.
- Datum 11.02.2010 - 11:44 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
- Kommentare 4
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Bislang fiel Ramsauer vor allem als Minensucher der Regierung auf, indem er zuverlässig Minen fand, weil er darauf trat.
Sollte er doch lernfähig sein oder gar auf das hören, was die Bürger und Fahrgäste wollen und nicht auf das, was ein paar auf kurzfristigen Profit und Lobbyistenspenden schielende Neocons wollen?
Respekt, er entwickelt sich. Wann konnte man das zuletzt von einem Politiker sagen?
Tja, da spricht der Herr Ramsauer ja eine Binse nach der anderen aus -- aber immerhin: Zum erstenmal äußert sich ein Verkehrsminister in diesem Sinne. Man hofft auf einen wirklichen Sinneswandel und nicht auf einen weiteren CSU-Politiker, der nur sein Mäntelchen in den Wind hängt.
Man kann der Bahn als einstmals zuverlässiges Transportmittel für Personen und Güter nur wünschen, von weiteren Zugriffen externer Manager und eigener unfähiger "Spitzenkräfte" verschont zu werden.
Als Mitarbeiter diverser Unternehmensbereiche kenne ich die administrativen Vorgänge und die langen Entscheidungsvorgänge unfähiger "Dynamiker", die jahrelang dafür sorgten, dass auch letzte erfahrene Mitarbeiter entlassen bzw. in der Vorruhestand versetzt wurden.Früher gab Dienststellenleiter, die 80 Mitarbeiter erfolgreich führten, heute kommen im mittleren Management auf zwei Sachbearbeiter eine gefühlte Führungskraft und es geht auch aktuell so weiter.Das Ergebnis spiegelt sich heute in unzureichenden Rahmenverträgen mit der Industrie, im Wegfall der Versuchsämter, dem Verfall der Immobilien, in den unterbezahlten Servicekräften, die bei Betriebsstörungen an der Kundenfront verheizt werden; Betriebsstörungen, die es bei guter produktioneller Abwicklung und Instandhaltung überhaupt nicht gäbe.
Ein Mitarbeiter mit Erfahrung.
Irgentwie ist es schon Balsam für die Seele, wenn man jahrelang etwas predigt und es plötzlich gesellschaftlicher Konsens wird. Vor kurzem war es noch unausweichlich die Bahn nicht an die Börse zu bringen...der Staat war doch der schlechtere Unternehmer. Es war auch eine Ausgeburt des Sozialismus, auch nur über eine Börsenumsatzsteuer nachzudenken. Plötzlich will das jeder? Nur keiner tut was!
Lasst euch nicht verarschen und wählt das Original...der Rest ist nur Populismus.
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