IKB-Prozess Ein Banker erteilt dem Gericht Finanznachhilfe

Erstmals seit der Finanzkrise steht ein namhafter Manager vor Gericht. Ex-IKB-Chef Ortseifen hält sich für unschuldig. Nicht Managementfehler, sondern die Deutsche Bank habe die IKB in die Pleite getrieben.

Eine Hand auf dem Stuhl, die andere in die rechte Hosentasche gesteckt, der Kopf leicht zur Seite geneigt, der Blick ernst und bedeutungsvoll. Stefan Ortseifen posiert für die Kameras. Zehn Sekunden steht er da, regungslos, dann fällt sein Blick auf den Staatsanwalt. Nils Bußee hat den Saal gerade betreten und neben seinem Kollegen auf der anderen Seite des Raums schon Platz genommen. Zwischen ihnen Fotografen und Kameraleute. Da geht Ortseifen auf seine beiden Kontrahenten zu, bahnt sich einen Weg durch die Menge, die rechte Hand schon ausgestreckt. Als Bußee sie schüttelt, beugt sich Ortseifen leicht nach vorne.

Ein Banker stellt sich der Justiz. Erstmals seit der Finanzkrise steht ein namhafter Manager vor Gericht, der in der Öffentlichkeit für den Zusammenbruch des Finanzsystems steht. Es ist der erste Prozesstag gegen den ehemaligen Vorstandschef der Mittelstandsbank IKB. Die erste Bank, die der Staat im Sommer 2007 nach deren Pleite in Folge der US-Hypothekenkrise mit Steuergeldern stützte, weil er fürchten musste, eine Insolvenz könnte den Zusammenbruch des gesamtem Bankensystems nach sich ziehen. Ein Mann auf der Anklagebank, der dafür und eigentlich alles verantwortlich gemacht wird stellvertretend für eine Zunft von Managern, die hohe Gehälter einstecken, ihre Fehlentscheidungen aber vom Staat ausbügeln lassen.


Hohe Erwartungen an ein Gerichtsverfahren, dessen Anklage deutlich nüchterner ausfällt. Den Verdacht über Management-Fehler und die Verletzung der Sorgfaltspflicht hatte die Staatsanwaltschaft nicht erhärten können. So bleibt es beim Vorwurf der Untreue im Zusammenhang mit Ortseifens Dienstvilla in Düsseldorf und Kursmanipulation. Bei letzterem geht es vor allem um eine Pressemitteilung, die die IKB eine Woche vor der Pleite des Unternehmens gegen Mittag veröffentlichte. Die US-Hypothekenkrise habe „praktisch keine Auswirkungen“ auf das IKB-Geschäft, hieß es darin, man sei sehr gut ins Jahr gestartet, lediglich mit einer Million US-Dollar sei die Bank auf dem US-Kreditmarkt aktiv. Kein Grund zur Sorge!

Wenige Tage später kam raus, dass das Unternehmen über den ausgegliederten Rhineland-Funding tatsächlich mittendrin steckt. Über 170 Millionen US-Dollar hatte der Fund schon verloren. Daraufhin strich ihr die Deutsche Bank schon versprochene Kredite, andere schlossen sich an, die Mittelstandsbank ging Pleite und Ortseifen trat zurück. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nun vor, die Öffentlichkeit und damit die Anleger an der Börse mit der Pressemitteilung bewusst getäuscht zu haben. Über 100 Aktionäre wollen deshalb ihr Geld zurück – sie haben Ortseifen und die IKB auf Schadensersatz verklagt. Wird Ortseifen wegen Kursmanipulation verurteilt, stehen ihre Chancen nicht schlecht. 

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Leser-Kommentare
    • ddkddk
    • 16.03.2010 um 18:54 Uhr

    ist die Darstellung, dass ein Banker Erklärungen abgeben darf, die kein Mensch verstehen kann. Es genügt nach der Darstellung des Verteidigers, dass das unverständliche Konglomerat nicht gelogen ist. Wenn die Leute so blöd sind, dass sie das nicht verstehen, sind sie ja selber schuld.

    Wenn das aber absichtlich geschieht, ist es eine Täuschungshandlung mit allen juristischen Folgen.

    • lepkeb
    • 16.03.2010 um 19:22 Uhr

    die Deutsche Bank an fast allen Krisenherden der Krise beteiligt ist. Sei es die Immo-Krise in den USA, IKB, HRE oder bei den PIGS. Und immer von den politischen "Eliten" mit Steuermittel rausgehauen wird.
    Das muss man Herrn Ackermann lassen, dafür ist er sein Geld wert. Aber irgendwann schlägt auch dort der Blitz ein und das wird ein schönes Donnern geben. Aber bis dahin wird er sich in die Schweiz abgesetzt haben.

  1. ein minister und ein bischof stehen beieinander. der minister legt den arm um die schulter des bischofs und sagt, " ihr haltet sie dumm und wir sie arm!"

  2. Denn warum hat denn sonst die Deutsche Bank ihre Vorratshaltung in Bezug auf diese Derivate innerhalb kurzer Zeit so erheblich reduziert.
    Bestimmt nicht aus dem Grund, dass man damit Geld verdienen konnte. Denn das wäre ja auch die Aufgabe der Deutschen Bank gewesen.

    Es gilt immer noch die Regel:
    Behalte was dir etwas einbringen und schiebe ab was dir Sorgen bereiten könnte.

    @lepkeb
    Bei den Summen der jährlichen Spenden an die Parteien dürfte es, bei einer Schieflage, zumindest eine indirekte Subventionszusage über zusätzliche Einnahmen, geben.

    Und (Mann) könnte dann immer noch behaupten, dass man ja keine Staatsmitteln benötigt hätte.
    Ausserdem, ein Vorstand der Deutschen Bank, welcher bei einer direkten Staatsstütze mit 500 t € p.A. nach Hause gehen müsste; wie würde man dann im internationalen Geschäft dastehen ?

  3. Denn warum hat denn sonst die Deutsche Bank ihre Vorratshaltung in Bezug auf diese Derivate innerhalb kurzer Zeit so erheblich reduziert.

    Ein Fall für die Staatsanwaltschaft?

  4. Staatsanwalt - was/wer ist denn das ?

    Mir ist ein Fall geläufig, da ging ein Banker mit "V"-Zeichen aus dem Gerichtssaal.
    Dass der lachende Gesichtsausdruck ein Zeugnis von Überlegenheit, gegenüber dem Ankläger, war, ist eine Vermutung.

    Der Staatsanwalt ist ein bediensteter des Staates. Es gibt Stimmen die Behaupten sogar, der momentanen Regierung. Und bei den Spenden an die Parteien, was soll diesen Leuten (Bankern) den passieren ?

    Aber interessant wäre es, wenn sich einmal jemand die Transaktionsverläufe div. Banken in Bezug auf die genannten Derivate anschauen würde. Insofern die Banken dieses zulassen. Eine überproportionale Verkaufstätigkeit stellt aber alleine kein Vergehen da.
    Zu einem Kauf gehören immer zwei dazu.

    Und der Bereich von Vermittlungstätigkeiten, ist immer ein privatrechtliches Geschäft.
    Auch wenn dieses, mit Staats-/Landesbanken durchgeführt wird.

    Wenn, dann müsste man dem Verkäufer ein vorsätzliches Verhalten unter Bezug auf wissentliche Kenntnis einer Sachlage, nachweisen.
    Und, sich als Verkäufer, "dumm" stellen, dazu muss man nicht Studiert haben.
    Dass können sogar die dümmsten !

    • BerndL
    • 16.03.2010 um 21:36 Uhr

    Wenn es nicht gelingt, Orfseifen strafrechtlich dranzukriegen, dann habe ich das Vertrauen in den Rechtsstaat verloren!

    Sein Auftreten ist eine absolute Frechheit. Seine Bank hat dem Steuerzahler Schaden in Höhe von meheren Milliarden zugefügt und er will plötzlich Opfer sein. Ich glaube, solche Leute sind beratungsresistent- da hilft nur die harte Keule. Da müßte die Politik ran - aber die hat ja mit den HartrzIV-Leuten zu tun.

  5. denn der zentrale Veranstalter, sozusagen der spiritus rektor des deutschen Finanzspekulations- und -anlagenbetrugssystems ist sicherlich nicht die IKB. Der Laden zählt eher zu den Getriebenen, die von den marodierenden und brandschatzenden Renditepaten der heutigen Finanzmafia wie Karnickel bei der Treibjagd in Bewegung gebracht werden.

    Der Slogan des Paten der deutschen Finanzspekulations- und -anlagenbetrugswirtschaft soll den Gerüchten nach lauten: "Und abends brachte ich reiche Beute".

    Wer sich einmal ganz genau anschaut, mit welcher kriminellen Energie diese Investmentbanker ihre Macht zur persönlichen Bereicherung missbrauchen und die volkswirtschaftlichen Aufgaben der Finanzierung der mehrwertschöpfenden Produktionswirtschaft, der Risikokontrolle und der gewichteten Konsumfinanzierung LÄNGST NICHT MEHR AUSÜBEN, der kann nicht mehr der Agitation und Propaganda dieser Finanzmanager und der Massenmedien glauben, ohne sich selbst zum Trottel, Idioden oder noch schlimmerem abzustempeln.

    Hoffen wir, dass noch viel klarstellendes Informationsmaterial die Tatsachen an das Licht der Öffentlichkeit und die Kriminellen in den Vorstandsetagen massenweise in die Gefängnisse bringt.

    Missbrauch - Kindesmissbrauch - Managermissbrauch des Finanzsystems.

    Wahrlich - eine tolle Elite, mit der die gute Frau Merkel da frühstückt und Geburtstage feiert.

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