Übernahme Bahn peilt Milliarden-Zukauf in Großbritannien an

Die Deutsche Bahn prüft ein Übernahmeangebot für das britische Transportunternehmen Arriva. Der Kaufpreis könnte bis zu zwei Milliarden Euro betragen.

Die Deutsche Bahn steht möglicherweise kurz vor einer milliardenschweren Übernahme: Der bundeseigene Konzern hat Gespräche mit dem britischen Transportunternehmen Arriva aufgenommen. Wie ein Bahnsprecher mitteilte, sei noch unsicher, ob es ein Gebot geben werde. Für ihr Vorhaben hat die Bahn die Investmentbank Lazard als Finanzberater eingeschaltet.

Am Markt wird Arriva mit 1,8 Milliarden Euro gehandelt. Sollte die Übernahme zustande kommen, wäre es der teuerste Kauf des deutschen Staatskonzerns seit der Übernahme des Logistik-Konzerns Stinnes.

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Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn verfolgt den möglichen milliardenschweren Zukauf mit Skepsis. Die Bahn habe zuletzt stets betont, zunächst ihre Probleme in Deutschland lösen zu wollen. So habe Bahnchef Rüdiger Grube versprochen, den Schuldenabbau voranzutreiben, die Güterbahn zu sanieren sowie die Schwierigkeiten bei der S-Bahn und den Hochgeschwindigkeitszügen zu beseitigen.

Mofair, der Verband privater Bahn-Konkurrenten, reagierte hingegen gelassen. Es gilt als sicher, dass die Bahn bei einer Übernahme Arrivas das Deutschland-Geschäft wieder abtreten müsste.

Arriva mit Sitz im englischen Sunderland hat 44.000 Beschäftigte und ist nach eigenen Angaben in zwölf europäischen Ländern mit Bahnen und Bussen präsent. Auch in Deutschland betreiben mehrere regionale Gesellschaften Netze für Nahverkehrszüge. So ist Arriva etwa an der Ostdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (ODEG) beteiligt, die kürzlich der Bahn Aufträge in der Region Berlin-Brandenburg abnahm. Der börsennotierte Arriva-Mutterkonzern kommt nach Daten für 2008 auf einen Jahresumsatz von gut drei Milliarden Pfund (rund 3,3 Milliarden Euro) und erzielte einen Vorsteuergewinn von 150 Millionen Pfund. In Deutschland hat das Unternehmen etwa 3400 Mitarbeiter.

Die Deutsche Bahn ist in Großbritannien bereits im Fracht- und Personenverkehr präsent. Zunächst wurde 2007 die größte britische Güterbahn EWS übernommen, 2008 kaufte der bundeseigene Konzern einen Anbieter im Personennahverkehr. Eine Tochter betreibt seitdem unter anderem Pendlerzüge zwischen London und Birmingham. Die Tochter DB Regio UK übernimmt zudem vom 1. April an für sieben Jahre ein Verkehrsnetz im Nordosten Englands. Dabei geht es um Betrieb, Instandhaltung und Modernisierung von 90 Fahrzeugen, die auf einem 74 Kilometer langen Netz um Newcastle und Sunderland rollen.

 
Leser-Kommentare
  1. Als ich noch in Sunderland war habe ich ein paar Arrive Busse gesehen... die Dinger waren Schrottkisten...

    Ich meine Arriva ist der Eigentümer von CrossCountry (und die Züge sind OK - obschon die Beinfreiheit für große Menschen zu wünschen übrig lässt.

    Wenn man aber in England einkauft sollte man aufpassen dass die Strukturen unter dem Anstrich nicht völlig Morsch sind - denn dass sind sie leider oft.
    Und eine Fassade hält eigentlich kein Gebäude aufrecht.

  2. Danke an den Staat, der damit die Bahn wieder verschuldet und mit den Schulden weitere Preissteigerungen im Personenverkehr rechtfertigen wird.
    Super gemacht, gibt es wenigsten einen Politiker der sich gegen solche Spekulativen und sinnlosen Zukäufe wehrt? Aber dank mangelnder Alternative muss der Autolose Bürger ja jeden Preis zahlen, den er diktiert bekommt.

    • angsti
    • 18.03.2010 um 17:27 Uhr

    man schafft sich also unliebige Konkurrenz durch einfachen Aufkauf vom Hals? Ich bin mal gespannt was die deutschen Kartell- bzw. Regulierungsbehörden zu dem Plan sagen?

    Ich fahre gerne mit dem ALX von Arriva und bin ehrlich gesagt auf der Strecke München-Regensburg sehr froh über ein wenig Abwechslung und Konkurrenz. Die Züge sind zwar idR älter und kaputter, aber wesentlich bequemer mit viel mehr Platz und Steckdosen in vielen Abteilen. Das Personal ist netter und freundlicher und man kann problemlos Fahrkarten im Zug kaufen. Wäre schade wenn diese Vielfalt wieder zunichte gemacht werden würde.

    • Harzer
    • 18.03.2010 um 17:38 Uhr

    nicht erst einmal für ordentlichen Bahnverkehr im ( auch flachen ) Land sorgen, statt die Zuschüsse der Steuerzahler in England anzulegen ?
    Oder wollen die ihre verschlamperten Züge und S-Bahnen noch günstig dorthin verkaufen ?

  3. ... warum muss ein deutsches staatsunternehmen ausländische beteiligungen eingehen?

    das finanzielle risiko tragen die kunden der DB! in diesem Sinne: "thank your for travelling ... "

  4. Wahrscheinlich gibt es ein Boni-System bei der DB, das es lohnend macht, auch Hanebüchesnes zu verzapfen.
    Die Bahn klagt auf der einen Seite über zu wenig Geld, um ihre Infrastruktur in Stand zu halten, auf der anderen Seite werden Bhnen gekauft nazf Teufelkomm raus - was nur Sinn macht, wen sich Einzelne kräftig bereichern können.
    ICH WÜNSCHE MIR EINEN ARTIKEL ÜBER DIE HINTERGRÜNDE!

  5. Komisch, aber irgendwie kommt einem das schon sehr bekannt vor.

    Telekom - USA Trip mit mittlerweile mind. 8,5 Milliarden € zusätzlichen Investitionsbedarf in das Engagement.
    Post AG - USA England Trip mit mittlerweile ca. 5 Milliarden zusätzlichen Investitionsbedarf in das Engagement.

    Staats-/Landesbanken möchte ich hier nicht anführen.

    Das Ganze wird immer wieder durch unfähige Vorstandvorsitzende und Aufsichtratsmitglieder aus der Politik entschieden.

    Man mag jetzt denken was man möchte, aber wer so mit Steuermitteln umgeht und dann noch behauptet, dass für die innerdeutschen Probleme keine Mittel vorhanden sind, der ist mit Sicherheit ein wahrlich, unglaubwürdiger Politiker.

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