Manchen Opelanern ist Einenkel nicht kämpferisch genug
Dass es so weit kommen würde, hätte Einenkel 1972, als er eine Elektrikerlehre bei Opel Bochum begann, nie gedacht. Nie würde er einen Wahlaufruf für Rüttgers unterschreiben: "Aber ich wäre fehl in meinem Job, wenn ich nicht mit jedem, der Druck machen kann, reden würde."
Manchmal scheint es gar, als sei Rüttgers Einenkels letzter Alliierter. Kaum gibt es eine neue Hiobsbotschaft von GM, fährt Rüttgers in Bochum vor und gibt, Seit' an Seit' mit Einenkel, den Arbeiterführer. Doch längst nicht alle Opelaner honorieren die politischen Dehnübungen ihres Betriebsratschefs.
Ein Sonntagmorgen in Bochum-Langendreer, im "Kaiserhof" hockt ein Dutzend Einenkel-Gegner um einen Tisch. Sie heißen Norbert, Günther oder Harry, und fast alle quarzen, was das Zeug hält. In ihren Tassen dampft Kaffee, schwarz.
Die Liste "Klartext" berät über die Wahlkampfstrategie, sie treten bei der Wahl heute gegen Einenkels Liste "Wir Gemeinsam" an. Ebenso wie die Konkurrenten von Listen wie "Gegenwehr" oder "Offensiv".
"Reilly ist ein knallharter Sanierer, da gibt's 'no mercy'", sagt Peter Gabriel, ihr Anführer. Er krempelt die Ärmel hoch. Wie Einenkel ist auch Gabriel Mitglied im Betriebsrat, aber er will ganz anders kämpfen gegen die Hydra. Einenkel ist ihnen zu passiv, so sei nichts zu gewinnen. Streiken? Warum nicht?
Noch deutlicher wird der Unwillen gegenüber Einenkel im Internetforum Opelaner.eu – im Schutz der Anonymität freilich. So schreibt einer: "Werdet endlich wach, sonst ist Bochum platt!" Und ein anderer fragt: "Wann gehen wir endlich wieder auf die Straße, um unsere Arbeitsplätze zu retten?"
Schon 2004 hatte das wenig gebracht. Am Ende stimmten die Betriebsräte zu, 2800 Stellen abzubauen. 10.000 Mitarbeiter hatte Opel in Bochum damals, heute ist es nur noch die Hälfte. Einenkel, damals Vizechef im Betriebsrat, legte seinen Posten nieder: Er fühlte sich verantwortlich für die Niederlage gegen GM. Doch sie haben ihn wieder gewählt.
Mittwoch Nachmittag, wenn alle Stimmen gezählt sind, wird er wissen, ob er es noch mal geschafft hat. Wenn ja, setzt er sich mit seinem Team zusammen und sucht neue Antworten auf die ewige Frage: Wie kann Bochum weiterleben?
Erschienen am 9. März auf Handelsblatt Online
- Datum 09.03.2010 - 11:21 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, Handelsblatt Online
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Insbesondere im Opel-Werk in Bochum buchstabierten vor rund sechs Jahren dessen Angehörige die universale Kategorie der Einheitsfront aller Arbeiter massiv falsch. Schlösse das Unternehmen das dortige Werk, bliebe der Verlust also gleich Null. Ein Erhalt hingegen schonte zutiefst abgründig.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren