Strategiewechsel Opel plant Kleinwagen-Offensive
Umweltfreundlich und kompakt: Die neue Entwicklungschefin Rita Forst will Opel mit neuen Modellen aus der Krise helfen. In Rüsselsheim sollen neue Jobs entstehen.
© Sascha Schuermann/AFP/Getty Images

Auch als E-Auto erhältlich? Der neue Opel Meriva auf dem Autosalon in Genf
Opel sucht die Flucht nach vorne. Eine Offensive im Segment der Kompakt- und Kleinwagen und die Neuausrichtung zum grünen Hersteller sollen dem angeschlagenen Rüsselsheimer Autohersteller in den nächsten Jahren neues Leben einhauchen. "Opel wird sein Angebot an kleineren Fahrzeugen noch deutlich ausbauen", sagte die neue Entwicklungschefin Rita Forst im Interview mit dem Handelsblatt. Neben einem bereits angekündigten neuen Kleinstwagen unterhalb des Corsa plant das Unternehmen auch, deutlich mehr Varianten auf Basis der bestehenden Baureihen auf den Markt zu bringen.
Der Modellschwenk soll einhergehen mit einer Öko-Offensive: "Opel soll einer der umweltfreundlichsten Volumenhersteller in Europa werden", sagte Forst, die sich erstmals detailliert zu ihren Plänen äußerte. Der Großteil der angekündigten Investitionen des Mutterkonzerns General Motors (GM) von elf Milliarden Euro in Opel werde in ihren Etat fließen.
Der Autobauer, der derzeit mit den europäischen Regierungen über finanzielle Unterstützung für seinen Sanierungsplan verhandelt, gibt damit die neue Stoßrichtung des Unternehmens in der Modellpolitik vor. Eine wichtige Rolle werden demnach die Elektrofahrzeuge spielen. "Opel arbeitet an einer ganzen Familie von Elektroautos bis hin zur Brennstoffzelle", sagte die Managerin.
Das Unternehmen wolle nicht nur ein Konzept wie den Opel Ampera auf den Markt bringen, der dank der Kombination von Batterie und kleinem Verbrennungsmotor für die Kurz- und die Langstrecke einsetzbar sei. "Wir sehen auch einen wachsenden Markt im Bereich kleinerer, allein batteriebetriebener Fahrzeuge für Großstädte, wenn der Kunde keine längere Strecke zurücklegen muss." Wie einige Konkurrenten versucht damit auch Opel, im Zukunftsmarkt Elektroauto bereits frühzeitig erste Pflöcke einzuschlagen. Daimler und VW hatten erst unlängst angekündigt, Marktführer in dem Segment werden zu wollen.
Opel hat noch einige Lücken in der Produktpalette
Der deutliche Ausbau der Modellpalette ist damit neben einem harten Restrukturierungsprogramm die zweite tragende Säule der geplanten Opel-Sanierung. "Jedes Unternehmen, das schnell in die Gewinnzone kommen will, setzt nicht nur auf Kostenreduzierung, sondern auch auf Wachstum", betonte Forst. Experten machen derzeit noch zahlreiche Lücken in der Modellpalette der Rüsselsheimer aus: "Für mich hat GM weniger ein Kosten-, sondern mehr ein Produktproblem", sagte der Autofachmann Stefan Bratzel. So verfügt Opel im Gegensatz zu Ford und Volkswagen bis heute nicht über einen kleinen Geländewagen. Opel-Chef Nick Reilly will in den nächsten Jahren, auch dank angestrebter staatlicher Milliardenhilfen, nun rund elf Milliarden Euro in das Unternehmen investieren und damit rund 80 Prozent der Modellpalette erneuern. Reilly brachte neben dem angekündigten neuen Kleinstwagen auch schon ein neues Coupé sowie ein neues Topmodell oberhalb des Opels Insignia ins Spiel.
Doch die neue Entwicklungschefin sieht ihre Marschroute klar abgesteckt. "Wir gehen nach Prioritäten vor - und die Prioritäten liegen eindeutig auf dem Segment der Klein- und Kompaktautos", sagte Forst. So solle der neue Kleinstwagen ein Stadtwagen werden, "der auch in einer Elektroversion auf den Markt kommen könnte".
Die Aufgabenliste für Forst und ihre mehr als 6000-köpfige Entwicklermannschaft in Rüsselsheim ist so lang, dass Opel trotz des europaweit geplanten Abbaus von mehr als 8000 Stellen im Entwicklungszentrum sogar neue Jobs schafft. "Wir werden in den nächsten Jahren neue Ingenieure einstellen, um alle diese Aufgaben bewältigen zu können", kündigte die neue Chefentwicklerin an.
- Datum 08.03.2010 - 14:23 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Handelsblatt
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"Kritiker hatten bemängelt, dass ein Opel-Modell wie der große Geländewagen Antara, der in Asien entwickelt wurde, den Standards der Marke nicht gerecht werde."
Seit ich gehört habe, dass Opel in Deutschland noch nie nenneswerte Steuern bezahlt hat, sondern dass über Patentlizenzen auf die eigene Ingeneursleistung u.a. Trickies die Gewinne und Steuern nach US transferiert wurden, frage ich mich, ob es überhaupt noch Sinn macht, unser spezielles Auto-Know-How in so einem Verbund zu verschleudern. Ich sehe das sehr kritisch. Vielleicht wäre es besser, diese Ingeneure in einer deutschen Auto-Firma unterzubringen und für unsere Gemeinschaft selbst Mehrwert und auch Steuereinnhamen zu schaffen. Wir sollten auch mal darüber nachdenken, was für uns am Ende rauskommt. Und es sollte nicht nur der stinkende Haufen sein, der hinten raus auf die Straße fällt.
Wie konnte sich dieser Euphemismus eigentlich einschleichen: "Umweltfreundliches Auto". Umweltfreundlich ist es einen Ahorn zu pflanzen.
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