Unternehmen Siemens streicht Tausende Stellen

Siemens richtet seine IT-Sparte neu aus und streicht weltweit 4200 Stellen. Allein in Deutschland sollen in den nächsten anderthalb Jahren rund 2000 Jobs wegfallen.

Der Elektrokonzern Siemens will Arbeitsplätze abbauen und streicht bei der Neuausrichtung seiner IT-Sparte SIS bis 2011 weltweit 4200 Stellen. Von den gut 9500 Stellen in Deutschland sollen rund 2000 wegfallen, teilte der Konzern mit.

Die bisher sieben Geschäftseinheiten der Sparte will Siemens im Zuge des Umbaus in zwei Säulen zusammenfassen, nämlich in das IT-Outsourcing und das Lösungsgeschäft. Im Inland fallen dadurch vor allem in München, dem Großraum Nürnberg und Paderborn Arbeitsplätze weg. Die Kosten für den Abbau, der sozialverträglich abgewickelt werden soll, werden Kreise zufolge auf einen mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag veranschlagt. Weltweit beschäftigt SIS noch rund 35.000 Menschen.

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Mit dem Schritt soll die Sparte mit einem Jahresumsatz von zuletzt 4,7 Milliarden Euro für den Verkauf vorbereitet werden. Bis 2012 steckt der Konzern noch gut 500 Millionen Euro in sein IT-Geschäft, um es stärker auf den einträglichen Betrieb von Rechenzentren und die Software-Integration auszurichten.

Bereits ab kommenden Herbst soll die Sparte komplett selbstständig arbeiten und unabhängig vom Mutterkonzern agieren. Die Neuausrichtung soll den Münchnern "weitere unternehmerische Optionen" für das IT-Geschäft eröffnen. "Wir wollen SIS auf ein langfristig solides Fundament stellen", sagte der Interimschef der Sparte, Christian Oecking.

Nachdem 2009 weit fortgeschrittene Verkaufsverhandlungen mit der Deutschen Telekom scheiterten, wollen die Münchner den seit Jahren kriselnden Bereich nun in Eigenregie zu neuer Stärke führen. In den vergangenen Jahren hatte Siemens mehrfach die Strategie und das Führungspersonal bei SIS gewechselt. Die Sparte wurde ausgegliedert und wieder reintegriert, nun soll sie im Juli erneut eine eigenständige Gesellschaft werden. Danach hält sich Siemens alle Optionen offen. 

 
Leser-Kommentare
  1. Was heisst sozialverträglich,Frührente oder Transfergesell-
    schaften bis zur Frührente?Bei grossen Konzernen zahlt der
    Staat genauso mit wie bei Arbeitslosigkeit,bloss doppelt,
    weil man erst in Transfergesellschaften ist und danach kommt
    die Arbeitslosigkeit,das bewährte Mittel,um die Zahlen zu
    drücken wie z.b.Nokia und anderen Firmen!

  2. ...wenn sich ein Konzern selbst demontiert.

    Zukunftsfähigkeit heißt doch für unsere aktuellen Topmanager, die Bilanzkennzahlen derart zu frisieren, dass die eigene Prämie steigt. Wenn das nicht mehr geht, dann haut man ab und überlässt den Konzern seinem Schicksal. Oder dem Insolvenzverwalter.

    Ein von Siemens (ich weiß jetzt nicht mehr genau welcher) hat mal gesagt: Für kurzfristigen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht.

    Schade, dass die aktuelle Riege der Siemens-Manager darauf einen Dreck gibt. Erst wird ein Unternehmens-Bereich ausgegliedert, fit für den Verkauf gemacht, und dann ganz abgestoßen. Erst war es die Netzwerk-Sparte, dann die Handys, und nun die Rest-IT. Schön, das der Konzern sich aus wichigen Zukunftsmärkten verabschiedet. Und für die Zukunft von Siemens mal eine Frage an die Super-Manager: wie viele Unternehmensbereiche könnt ihr noch abstoßen, bis ihr keine Firma mehr habt?

    • TDU
    • 19.03.2010 um 13:57 Uhr

    Berachtet man die Maßnahme, die man wohl als umgekehrte Diversifikation bezeichnen kann, denn die Produktlinie wird nicht erweitet sondern beschränkt, unter dem Gesichtspunkt von Arbeitslosigkeit und Frühverrentung, muss das Urteil natürlich neagtiv ausfallen.

    Aber vielleicht sind einige froh, den Fesseln des Konzerns, dem sie ja nur augenscheinlich nur negative Ergebnisse beisteuern konnten, ein wenig entkommen zu sein; und damit die Chance zu haben, profitabel zu wirtschaften. Denn nicht immer bedeuten die Fürstentümer eines Konzerns ja Freiheit zur kreativen Arbeit.

    Die Frage ist nur, wie sich die Möglichkeit des späteren Verkaufs auswirkt. Für mich wieder ein Signal, die sozialen Abfederungen staatlicherseits endlich den Gegebenheiten azupassen.

    Und auch die Politik muss endlich einsehen, dass jahrzehntelange Beschäftigung als Zukunftsmodell höchstens für den öffentlichen Dienst taugt und entsprechende Rahmenbedingungen für die Wirtschaft setzen. Abgesehen von dem Konzept, alle in diesen zu bringen und damit den Sozialismus einzuführen. Die einseite Konzentration auf die Konzerne ist auch nicht genug, da dann zu viele ausgegrenzt werden.

    Ist diese Maßnahme nicht nur renditefördend, sondern auch zum Erhalt der übrigen Unternehmensteile geeignet, bin ich damit einverstanden. Aber nur dann.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa
  • Kommentare 3
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