Pannenserie Toyota und das Ende der Bußfertigkeit

Wie erstarrt schien Weltmarktführer Toyota wegen des Rückrufs von Millionen Autos. Nun kämpft Chef Akio Toyoda um den guten Ruf. Seine schärfste Waffe: mehr Perfektion.

Toyota-Chef Akio Toyoda (Mitte) mit anderen Managern des Unternehmens auf einer Pressekonferenz, auf der es um die jüngste Pannenserie ging

Toyota-Chef Akio Toyoda (Mitte) mit anderen Managern des Unternehmens auf einer Pressekonferenz, auf der es um die jüngste Pannenserie ging

Und dann kommt doch noch die Sonne durch, nach Tagen regendominierter Finsternis. Warm leuchtet sie auf ein hölzernes rotes Tor herab, den Eingang zu einem versteckten Schrein. Bescheiden steht es da im Berg, auf dem Weg nach Toyota-City, eingefasst von zwei blühenden Kirschbäumen. Ein Bild von stiller, zurückgenommener Perfektion.

Es ist Hanami-Zeit, die Zeit des Kirschblüten-Bestaunens, der Frühling erwacht. Und Japan ist bereit, sich dem Klischee zu ergeben.

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Nicht ohne Klischee ist auch das, was sich ein paar Stunden später ereignet. Bilder der Demut, leichte Verbeugung, perfekte Bilder japanischer Zurückhaltung. Akio Toyoda, Chef des weltgrößten Autobauers Toyota, hat in jene Stadt eingeladen, die seit 51 Jahren den Namen des Konzerns trägt, der ja auch sein Name ist, um dort der Welt von seinem neuen Qualitätsmanagement zu erzählen - als Reaktion auf das Rückrufdesaster der vergangenen Monate. Und natürlich perlen Worte der Verneigung, tropft devoter Sprachfluss wie warmer Regen auf die Mitarbeiter herab. "Vertrauen zurückgewinnen", "Qualität verbessern" und, gern und oft: "Kundenzufriedenheit". Toyoda hat eine hellgraue Toyota-Werksjacke angelegt. Als sei er hier einer unter vielen.

Aber wie das mit Klischees eben so ist: Es gibt sie, weil sie dem Leben einen wichtigen Aspekt abgeschaut haben. Man sollte sie nur nicht allzu ernst nehmen.

Akio Toyoda ist nämlich schon länger kein Büßer mehr, Entschuldigungen sind mittlerweile nur noch Formsache, und stille Perfektion ist in Japan schon immer auch ein Angriffsmittel gewesen. Mit der gleichen Akribie, mit der der Konzern bislang Autos baute, arbeitet er nun an allen Fronten daran, seinen Ruf zurückzugewinnen. Damit bald die Zahlen wieder stimmen, und damit er die diversen Schadensersatzprozesse in den USA glimpflich übersteht.

Die Chancen dafür stehen recht gut. Toyoda wehrt sich, Toyoda handelt, Toyoda gibt sich beinahe wie ein westlicher Konzernchef. Doch seine schärfste Waffe gegen die Konzernkrise ist eine urjapanische: noch mehr Perfektion beim Autobauen.

Sie wirkt noch immer wie ein Mysterium, die Rekord-Rückruf-Affäre um Toyota, den Stolz der japanischen Wirtschaft. Als im September die ersten Meldungen über Unfälle mit unkontrolliert beschleunigenden Toyotas bekannt wurden, hielt der Konzern still. Das hatte früher auch stets funktioniert. Einst hatte Toyota Mitarbeiter von der US-Verkehrssicherheitsbehörde (NHTSA) abgeworben, die solche Fälle übernahmen. Toyota konnte im Stillen reparieren, das Image blieb intakt.

Doch plötzlich häuften sich Berichte über Bremsprobleme, Toyota gab zu, dass Fußmatten möglicherweise die Pedalen blockierten. In den USA lief eine Abwatsch-Maschinerie aus Presse und Politik heiß. Am Ende rief der Konzern über acht Millionen Fahrzeuge zurück.

Klischees wurden in diesen Tagen auch in den USA verbreitet. Die Herren von Toyota-City als Dämonen, die Kunden belogen und betrogen, weil sie verschwiegen, dass ihre Autos gefährlich sind - obwohl die Pannenstatistik etwas anderes bewies. Und auf einmal häuften sich Unfälle mit den Autos der Japaner, während in Europa solche Fälle kaum auftauchten.

Leser-Kommentare
  1. Die schütten sich auch heißen Kaffee über das Bein, ziehen sich Plastiktüten über den Kopf und schließen den Kühlschrank von innen.

    Natürlich sind immer andere schuld an ihren Problemen ;-)

  2. -und seien sie auch gekauft mit Laienschauspielern - um die ständig zurückgehende Qualität ihrer landeseigenen Murks-Produkte zu verschleiern.
    Noch nie in den letzten Jahrzehnten hat ein in den USA entwickeltes automobil hierzulande stückzahhlenmäßig irgendwas gerissen (die bescheidenen Versuche von Chrysler PT und Neon
    sind in Erinnerung, ab undzu sieht man mal ein Camaro oder Mustang oder Hummer von Freaks gesteuert)
    aber letztlich - wirtschaftlich - sind die US Autoproduzenten in Europa und Asien abgehängt. Umgekehrt ist aber Toyota die erfolgreichste Firma im US Markt und hängt die US .Konkurrenten ab (mehr Zulassungen). Da kommt doch eine so aufgebauschte Anti-Image Kampagne (mit Kongress Inqusition zu den angeblich hängenden Gaspeadeln ) den kränkelnden Amis gerade recht. Mal sehen wann Audi /BMW/VW mit irgendeinem gefakten Makel dran ist. Um die Umsatzzahlen zu reduzieren.

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