Goldman Sachs "Wir würden niemals Kunden in die Irre führen"

Für Goldman Sachs steht viel auf dem Spiel: Die SEC wirft ihr Betrug vor und weckt damit alte Vorurteile gegenüber der Wall Street. Die Bank nennt die Vorwürfe absurd.

Die US-Finanzmarktaufsicht SEC hat Goldman Sachs verklagt

Die US-Finanzmarktaufsicht SEC hat Goldman Sachs verklagt

Auch wenn David Viniar womöglich lieber ganz ausführlich den überraschend hohen Gewinn in den ersten drei Monaten erläutert hätte: Der Finanzchef von Goldman Sachs (GS) war am Dienstagnachmittag bei der Telefonkonferenz wenig gefragt. So sehr der jüngste Milliardengewinn auch überrascht hat, interessierten sich die zugeschalteten Analysten vielmehr für die Ende voriger Woche eingereichte Klage der US-Finanzmarktaufsicht SEC.

Nachdem Viniar die Ergebnisse runtergerattert hatte, war es vor allem an Firmenjurist Greg Palm, die Beschuldigungen der Behörde vehement zurückzuweisen. Die Vorwürfe seien vollkommen unbegründet, so der Finanzchef. "Wir würden niemals absichtlich unsere Kunden in die Irre führen."

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Die Schärfe im Ton verwundert kaum: Die Klage gilt als Präzedenzfall. Die amerikanische Börsenaufsicht hatte, anders als bei früheren Fällen, die Bank über den bevorstehenden Rechtsstreit auch nicht informiert. Stattdessen wurde die Investmentbank überrumpelt, wie Palm erläuterte. Goldman Sachs wusste demnach lediglich, dass die SEC alles rund um das von der Bank vermarktete Finanzprodukt Abacus 2007-AC1 untersuchte, das Unternehmen kooperierte.

Am vergangenen Freitag reichte die SEC nun plötzlich Klage wegen Betruges ein. Der Vorwurf: Goldman Sachs soll im Frühjahr 2007 Abacus an Investoren verkauft und dabei wichtige Informationen verschwiegen haben. Nämlich, dass das Produkt von Anfang an zum Scheitern verurteilt und so auch bewusst konstruiert gewesen sei. Der Schaden beläuft sich auf über eine Milliarde Dollar.

Goldman hat den Investoren laut SEC ein entscheidendes Faktum vorenthalten. Der Hedgefonds-Chef John Paulson, der schon 2007 den Zusammenbruch des US-Häusermarktes erwartete, spekulierte nicht nur auf den Ausfall von Abacus, er selbst soll laut SEC das Produkt entworfen haben. Paulson habe die zweitklassigen US-Immobilienkredite ausgewählt, die in Abacus gebündelt sein sollten – und er habe sich die miesesten ausgesucht, so die Finanzaufsicht, damit seine Wette erfolgreich ausgeht. Davon hätten die Investoren, darunter eine Tochter der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB, aber nichts gewusst. Eine Information, so glaubt die SEC, die die Käufer sonst vom Investment abgehalten hätte.

Leser-Kommentare
  1. Na klar, Goldman Sachs betrügt nicht, sie wettet einfach darauf, welches Pferd gedopt ist. Wie bei jedem Pferderennen!

    • Medley
    • 20.04.2010 um 19:40 Uhr

    "Die Vorwürfe seien vollkommen unbegründet, so der Finanzchef. "Wir würden niemals absichtlich unsere Kunden in die Irre führen."

    Ich glaube Politikern, Aktienanalysten, Versicherungsvertretern, Gebrauchtwagenverkäufern, Immobilienmaklern, Bischöfe, die Mixa heißen, Bankenberater, usw., usf. Warum dann nicht auch Juristen, die bei GoldmanSachs arbeiten?! Alles honorige Menschen. Oftmals Akademiker. Leute, die Schlips und Anzug tragen. Als obrigkeitshöriger Untertan sollte man nie an den Worten der hohen Herren zweifeln. Das macht einen nur die schöne heile, geordnete Welt kaputt, und man könnte sich am Ende vielleicht auch noch fragen, ob die vielen Rückenschmerzen, die man beim buckeln erlitten und erduldet hatte, überhaupt der Mühe wert waren.

  2. hoffentlich erteilt die UN der Nato das Mandat hier schnell einzugreifen, diese Suicidal Banksters und Financial Terrorists muss man schnellstens das Handwerklegen.

    Nur bitte diesmal keine Brunnen bauen sondern gleich richtig mit Leaopard2 Panzern und Haubitzen2000.

    Nein mir ist schon bewusst das es hier um Goldman und Sachs handelt, aber diese werten Herren haben mit Hilfe von der FED und den von Lobbyisten an der Nase herumgeführten Politikern in den USA, der Weltwirtschaft mehr Schaden zugefpührt als jede Terrorattacke....

  3. dann kommt der eindeutig zu spät,

    "Wir würden niemals Kunden in die Irre führen" sagen die von Goldman Sachs

    eigentlich ist es eine freche Lüge, aber was sollen sie in dem Stadium auch anderes machen als abstreiten, abstreiten und weiter lügen, weit werden sie damit aber nicht kommen, denn lügen haben kurze Beine - vielleicht geht es aber über Korruption, damit das alles unter den Tisch gekehrt wird

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    • joG
    • 21.04.2010 um 8:56 Uhr

    ...Sie hierin weniger Sorge haben müssen: "vielleicht geht es aber über Korruption, damit das alles unter den Tisch gekehrt wird". Die dortigen Gerichte für politische und wirtschaftliche Delikte dieser Art sind da recht unbestechlich und sehr brutal. Wir werden sicher sein, wenn der Prozess fertig ist, was Sache war.

    • joG
    • 21.04.2010 um 8:56 Uhr

    ...Sie hierin weniger Sorge haben müssen: "vielleicht geht es aber über Korruption, damit das alles unter den Tisch gekehrt wird". Die dortigen Gerichte für politische und wirtschaftliche Delikte dieser Art sind da recht unbestechlich und sehr brutal. Wir werden sicher sein, wenn der Prozess fertig ist, was Sache war.

    • keox
    • 20.04.2010 um 20:52 Uhr

    Entweder hat Goldma&Sucks sich über den Tisch ziehen lassen, das wäre keine gute Empfehlung,

    oder sie haben willentlich mitgespielt, auch keine gute Empfehlung.

    Drittens könnte man noch einwenden, daß die Großbanken absolut unbehelligt von innerer wie äußerer Kontrolle ihren Geschäften nachgehen.

    Eine insgesamt fatale Übereinstimmung mit der Politkaste.

    PS: Ich meine, es war Prof. Norbert Walter, der in einem Vortrag vor ca 250 Teilnehmern ganz klar sinngemäß formulierte:

    "Diese Krise kam nicht aus heiterem Himmel, sie ist die bisher am präzisenten vorhergesagte Krise überhaupt".

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    • joG
    • 21.04.2010 um 9:13 Uhr

    .. sie ist die bisher am präzisenten vorhergesagte Krise überhaupt."

    Genau das. Daher sollte es uns hier unerklärlich sein, wieso IKB und fast alle Landesbanken solche Papiere kauften, die Bafin ihren Segen gab die Papiere in den Deckungsstock der Versicherungen und Pensionskassen hereinzunehmen oder die Deutsche Bank deren Chef Volkswirt Sie da zitieren ein riesiges Geschäft machte, indem sie die Papiere an obige Investoren verkaufte. Wenn Herr Walter das wusste...

    Immerhin ist das in diesem Land geschehen und für dieses Land tragen wir die Verantwortung. Unser wirtschaftspolitisches System hat massiv versagt. Da sollte man nicht wie ein verlogener Scharlatan auf Andere deuten und "Haltet den Dieb!" quietschen. Man sollte sein eigenes Haus in Ordnung bringen.

    • joG
    • 21.04.2010 um 9:13 Uhr

    .. sie ist die bisher am präzisenten vorhergesagte Krise überhaupt."

    Genau das. Daher sollte es uns hier unerklärlich sein, wieso IKB und fast alle Landesbanken solche Papiere kauften, die Bafin ihren Segen gab die Papiere in den Deckungsstock der Versicherungen und Pensionskassen hereinzunehmen oder die Deutsche Bank deren Chef Volkswirt Sie da zitieren ein riesiges Geschäft machte, indem sie die Papiere an obige Investoren verkaufte. Wenn Herr Walter das wusste...

    Immerhin ist das in diesem Land geschehen und für dieses Land tragen wir die Verantwortung. Unser wirtschaftspolitisches System hat massiv versagt. Da sollte man nicht wie ein verlogener Scharlatan auf Andere deuten und "Haltet den Dieb!" quietschen. Man sollte sein eigenes Haus in Ordnung bringen.

  4. find ich Klasse!

    Denen glaub ich jedes Wort, so wie ich jedes Wort unserer Kanzlerin und ihrer Ministerriege glaube.
    Ich glaube auch an die Reformierbarkeit der kath. Kirche und daran, dass die Erde eine Scheibe ist.
    Ich glaube daran, dass die Renten sischer und Kohl ein ehrlicher Mann ist.
    Alles wird gut!

  5. Es ist schon interessant: da wird eine der mächtigsten und profitabelsten Banken der Welt von öffentlichen Institutionen gleich mehrerer Länder angeklagt, und der Artikel aus der Wirtschaftredaktion der ZEIT nimmt reflexartig die Position der Bank ein. So zitieren Sie in der Überschrift den Firmenjuristen, um uns gleich darauf zu erinnern, dass "viel auf dem Spiel" stehe und die SEC "alte Vorurteile" wecke. Viel auf dem Spiel steht in der Tat, und zwar für alle Erdenbewohner, die zugunsten von einem Prozent der Bevölkerung weiter enteignet werden sollen. Alte Vorurteile? Goldman Sachs hatte maßgeblichen Einfluss die Finanzpolitik der letzten 10 Jahre in den USA wie in Europa. Hank Paulson, Finanzminister unter Bush, war zuvor bei Goldman. Berater Angela Merkels für die Gestaltung der Finanzmärkte: Alexander Dibelius, Deutschlandchef von Goldman Sachs. Romano Prodi, ehemaliger Präsident der EU-Komission, ehemaliger Premierminister Italiens, war Angestellter der Bank, ebenso der Chef der italienischen Zentralbank. Die Liste lässt sich fortsetzen. Warum werden diese Verflechtungen von der gut informierten Wirtschaftpresse nicht erwähnt, geschweige denn hinterfragt? Ist es nicht ein Unding, dass der demokratische Prozess von Lobbyisten einfach umgangen wird und in aller Offenheit Politiker nach kurzer Schamfrist sich der Wirtschaft andienen?

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    Redaktion

    Lieber Leser heutemorgengestern,

    wenn Sie unsere Berichterstattung über den Fall verfolgen, werden Sie feststellen, dass wir die Klage der SEC und ihre Begründung ebenso berichtet und kommentiert haben. Wir haben auch immer wieder über die Verflechtungen zwischen Goldman Sachs und der Politik berichtet, etwa die engen Kontakte zwischen dem von Ihnen erwähnten GS-Deutschlandchef Dibelius und Angela Merkel.

    Es gehört aber zur journalistischen Sorgfaltspflicht, auch die angeklagte Gegenseite zu Wort kommen zu lassen. Eine Anklage ist noch keine Verurteilung. Ein Gericht müsste klären, ob die Vorwürfe der US-Finanzmarktaufsicht stimmen.

    Mit besten Grüßen
    Matthias Breitinger

    Redaktion

    Lieber Leser heutemorgengestern,

    wenn Sie unsere Berichterstattung über den Fall verfolgen, werden Sie feststellen, dass wir die Klage der SEC und ihre Begründung ebenso berichtet und kommentiert haben. Wir haben auch immer wieder über die Verflechtungen zwischen Goldman Sachs und der Politik berichtet, etwa die engen Kontakte zwischen dem von Ihnen erwähnten GS-Deutschlandchef Dibelius und Angela Merkel.

    Es gehört aber zur journalistischen Sorgfaltspflicht, auch die angeklagte Gegenseite zu Wort kommen zu lassen. Eine Anklage ist noch keine Verurteilung. Ein Gericht müsste klären, ob die Vorwürfe der US-Finanzmarktaufsicht stimmen.

    Mit besten Grüßen
    Matthias Breitinger

    • keox
    • 21.04.2010 um 1:05 Uhr

    "Ist es nicht ein Unding, dass der demokratische Prozess von Lobbyisten einfach umgangen wird und in aller Offenheit Politiker nach kurzer Schamfrist sich der Wirtschaft andienen?"

    So funktioniert das System.

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