Finanzkrise Goldman Sachs will nicht gegen Kunden gewettet haben

Hat sich die Investmentbank auf Kosten ihrer Kunden durch die Finanzkrise manövriert? Bankchef Lloyd Blankfein startet eine Charmeoffensive und beteuert seine Unschuld.

Mit einem ausführlichen Plädoyer in eigener Sache hat Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein den Vorwurf zurückgewiesen, in der Finanzkrise auf Kosten der eigenen Kunden hohe Gewinne eingefahren zu haben. Die US-Investmentbank räumte in ihrem jährlichen Bericht lediglich ein, ihr Engagement bei risikoreichen Hypothekenpapieren rechtzeitig verringert zu haben, um ihre Verluste zu begrenzen. Besonders hohe Gewinne habe das Geldhaus mit Wetten gegen Immobilien-Produkte am Hypothekenmarkt aber nicht gemacht.

In dem Brief an die Aktionäre argumentiert Blankfein, bei dem Beschluss von Ende 2006 sei es um vorsichtiges Risikomanagement gegangen. Die Bank habe zwar 2007 Verkaufspositionen bei Krediten für Eigenheime gehabt, um von einer Verschlechterung des Marktes profitieren zu können. Diese seien aber keine "Wette gegen unsere Kunden" gewesen. "Das Unternehmen hat keine enormen Nettoerträge oder Gewinne durch Wetten gegen Produkte erwirtschaftet, die mit Eigenheimkrediten zusammenhängen, wie einige vermuten", rechtfertigt sich der Bank-Chef. "Vielmehr hat unsere vergleichsweise frühe Risikominimierung dazu geführt, dass wir weniger Geld verloren haben, als es sonst der Fall gewesen wäre, als der Markt für Eigenheimkredite begann, sich rapide zu verschlechtern."

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Die Bank habe zwar 2007 Verkaufspositionen bei Krediten für Eigenheime gehabt, um von einer Verschlechterung des Marktes profitieren zu können. Diese seien aber keine "Wette gegen unsere Kunden" gewesen.

Experten werten den Brief, der mit einer Länge von acht Seiten umfangreicher als je zuvor ist, als weiteren Versuch der Bank, vor dem Aktionärstreffen Anfang Mai bei den Investoren gut Wetter zu machen.

Laut Financial Times Deutschland verlor Goldman 2008 rund 3,1 Milliarden US-Dollar durch mit Hypotheken besicherte Wertpapiere – erheblich weniger als Wettbewerber wie Citigroup oder Merrill Lynch.

Ein Kongressausschuss hatte Blankfein im Januar vorgeworfen, wissentlich mit minderwertigen Hypotheken hinterlegte Wertpapiere geschaffen zu haben, um sie dann zu verkaufen und auf Wertverluste zu wetten. Goldman Sachs geriet zudem heftig unter Beschuss, weil das Institut bereits kurz nach der Rückzahlung von Staatshilfen in Milliardenhöhe hohe Boni an seine Mitarbeiter zahlte. Blankfein wurde auch heftig für seine Äußerung kritisiert, Banken würden "Gottes Werk" verrichten.

 
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