Davon kann Griechenland nur träumen: Google besitzt Finanzreserven von 26,5 Milliarden Dollar. Das würde theoretisch reichen, um ThyssenKrupp zu kaufen. Danach wäre immer noch genug Geld übrig, um auch die Lufthansa zu übernehmen.

Google hat diese Mittel in nur einem Jahrzehnt durch sein extremes Wachstum angehäuft. Von einer Entschleunigung ist auch während der Wirtschaftskrise keine Spur: Hunderte neue Mitarbeiter wurden in den ersten Monaten des Jahres eingestellt. Umsatz und Gewinn lagen im ersten Quartal erneut über dem Vorjahr. Mehr als 20.000 Beschäftigte sind es nun insgesamt, so viel wie noch nie in der Unternehmensgeschichte.

Die prall gefüllte Kriegskasse nutzt Google für strategische Zukäufe. Seit Februar übernahm der Konzern die Dienste Aardvark, reMail, Picnik und zuletzt DocVerse. So soll es weitergehen. Google will auf diese Weise seine strategische Position Schritt für Schritt verbessern. Denn längst tummelt sich der Suchmaschinenbetreiber auf einer Vielzahl von Geschäftsfeldern und trifft dort immer wieder auf zwei alteingesessene Rivalen: Microsoft und Apple. Die beiden Konkurrenten haben noch mehr Geld in Reserve und eines wollen sie ganz und gar nicht: Dem Internetkonzern aus Mountain View das Feld überlassen.

Es gab eine Zeit, in der Microsoft die Landschaft dominierte wie ein Dinosaurier. Dann revolutionierte Apple mal eben das Geschäft mit Musik und Mobiltelefonie und gesellte sich mit an die Spitze. Nun blicken die beiden Altvorderen auf den Neuling und bekommen das Grausen. Dabei waren die Reviere bis vor ein paar Jahren klar abgesteckt: Microsoft verdiente Milliarden mit dem Betriebssystem Windows. Apple baute Computer und Telefone, Google beherrschte die Welt der Suchmaschinen. Es gab hier und da sogar Kooperationen untereinander. Die gingen teils so weit, dass die Kartellbehörden sich kritisch räusperten angesichts der Marktmacht, die sich da zusammen tat. Google-Chef Eric Schmidt saß sogar im Beirat von Apple.

Die Zeiten sind vorbei. Heute kämpfen die großen Drei an mehreren Fronten gegeneinander: Internetsuche und Smartphones sind nur zwei davon. Jeder gegen jeden, ist die Devise. Manchmal aber auch: Die beiden alteingesessenen Konzerne Apple und Microsoft gegen den Aufsteiger Google. Schließlich ist der Feind meines Feindes manchmal ein Freund. Eric Schmidt jedenfalls ist als Aufseher von Apple längst zurückgetreten. Denn Google wagt sich immer weiter vor in die Kerngebiete seiner Konkurrenten. Früher hatte das Unternehmen mit Telefonen oder Internetbrowsern nichts zu tun – heute hat Google das Nexus One und hat Chrome im Portfolio.

Angefangen hat alles mit Android. Google entwickelte die Software für Smartphones und bot sie Telefonherstellern an. Da konnte iPhone-Hersteller Apple noch lachen. Der Riesenerfolg von Android änderte das. Die Software läuft mittlerweile auf etlichen Smartphones diverser Hersteller. Google ist es damit bereits gelungen, seinen Marktanteil auf neun Prozent zu steigern.

Richtig frostig wurde die Beziehung, als Apple eine Google-Anwendung für das iPhone ablehnte und man sich gegenseitig die Kartellbehörden auf den Hals hetzte. Der bisherige Höhepunkt der Auseinandersetzung: Google setzt dem im Sommer in einer neuen Version auf den Markt kommendem iPhone einen direkten Rivalen entgegen – Nexus One. Google hat einen Vorteil: Während das iPhone in den USA noch an die US-Mobilfunkgesellschaft AT&T gebunden ist, bekommt man Google-Telefone bei allen Anbietern. Um weiter zu wachsen, will sich deshalb nun auch Apple für andere Anbieter öffnen.