Sanierungspläne Opel schließt Antwerpen-Werk

Der Sozialplan steht, Opel trennt sich von 2560 Mitarbeitern und zieht sich aus Belgien zurück. In die Verhandlungen zur Konzernrettung kommt damit frischer Wind.

Nur ein neuer Investor könnte das Opel-Werk in Antwerpen jetzt noch retten. Opel selbst zieht sich von dort zurück

Nur ein neuer Investor könnte das Opel-Werk in Antwerpen jetzt noch retten. Opel selbst zieht sich von dort zurück

Firmen-Chef Nick Reilly feiert auf dem Weg zur Opel-Sanierung einen Etappensieg: Die Mitarbeiter im Werk Antwerpen haben dem Sozialplan mit großer Mehrheit von 76,2 Prozent zugestimmt, wie Unternehmen und Betriebsrat in Rüsselsheim mitteilten. Damit kann sich der Hersteller wie geplant zum Jahresende von seinem belgischen Standort trennen und Überkapazitäten abbauen. Opel erwartet, dass "eine erhebliche Anzahl der Mitarbeiter" das Unternehmen bis Ende Juni verlassen wird.

Betriebsräte und Gewerkschaften waren gegen die Schließung Sturm gelaufen. Sie hatten Reilly vorgeworfen, das Aus einseitig beschlossen zu haben. Dies wurde als entscheidendes Hindernis für eine Einigung über den Opel-Sanierungsplan bewertet.

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Inzwischen wurde der Streit beigelegt. Der Sozialplan sieht Frühpensionierungen und Abfindungen vor, die sich auf bis zu 144.000 Euro belaufen können. Zudem erhält jeder ausscheidende Mitarbeiter eine Einmalzahlung von 2295 Euro.

"Wir haben uns geeinigt, das Werk schlank und interessant für Investoren zu machen. Das ist ein Kompromiss", sagte Gesamtbetriebsratchef Klaus Franz. Jetzt habe die Investorensuche oberste Priorität: "Dieses Ergebnis bietet eine Perspektive für Antwerpen, für die wir lange gekämpft haben."

Nach einer Vereinbarung zwischen Management und europäischem Betriebsrat soll fast die Hälfte der 2560 Beschäftigten in Antwerpen den Hersteller bis Ende Juni verlassen. Die restlichen Arbeitnehmer werden zum Jahresende ausscheiden. Allerdings wird noch bis Ende September nach einem Investor gesucht. Falls sich kein Interessent findet, wird das Werk geschlossen, der Sozialplan würde dann auch für die übrigen Mitarbeiter gelten.

Zwar stehen mögliche Investoren noch nicht Schlange. Aber es gebe Interessenten, auch aus der Automobilbranche, sagte Franz. Dabei müsse es sich nicht nur um Europäer handeln.

Der Betriebsrat hofft für die belgischen Kollegen, dass das Werk von einem Bieter aus der Autoindustrie übernommen wird. Daher hätten sich die Arbeitnehmervertreter auch für eine Brückenlösung als Bonbon für Interessenten ins Zeug gelegt: Sie haben sich mit dem Management auf Produktionszusagen geeinigt, wonach in dem Werk im Auftrag von General Motors (GM) das Astra Cabriolet und der aktuelle Astra- Dreitürer gefertigt werden können. Auch eine eventuelle neue Generation des Astra Cabrio könnte in Belgien gebaut werden.

Die Produktion des Dreitürers sollte bislang nach Bochum verlagert werden. Stattdessen würden die polnischen Kollegen die Zafira- Fertigung an den Standort in Nordrhein-Westfalen abtreten.

GM will mit der Schließung Überkapazitäten bei der angeschlagenen Tochter abbauen. "Diese Lösung ist ein Meilenstein in unserem Bestreben, Opel für eine erfolgreiche Zukunft aufzustellen", begrüßte Reilly die Zustimmung zum Sozialplan.

Das Unternehmen erwartet von der Belegschaft einen Sanierungsbeitrag von jährlich 265 Millionen Euro. Reilly sagte: "Ich bin zuversichtlich, dass wir nun zu einer Vereinbarung mit unseren Arbeitnehmervertretern über die geplanten Kostenreduzierungen auf europäischer Ebene kommen können."

Franz sagte nach der Zustimmung: "Ein großer Felsbrocken wurde aus dem Weg geräumt, aber es gibt noch weitere offene Punkte." Der Betriebsrat habe beim Management Forderungen eingereicht und erwarte eine Antwort in der kommenden Woche. Die größte Hürde sei die Frage der Sicherheiten für die Belegschaftsbeiträge. Dabei schweben dem Betriebsrat Unternehmensanteile vor: "Über diesen Oxer muss GM springen."

Das Management will Opel gesundschrumpfen. Europaweit sollen mehr als 8000 von 48.000 Stellen abgebaut und die Kapazität um 20 Prozent reduziert werden. Rund 4000 Stellen sollen in Deutschland wegfallen. Zudem will Opel Milliarden in neue Modelle und Technologien stecken. Dafür benötigt der Hersteller nach eigenen Angaben 1,8 Milliarden Euro von den europäischen Ländern, davon 1,3 Milliarden Euro aus Deutschland. GM selbst will 1,9 Milliarden Euro in die Opel-Rettung stecken. Eine Einigung des Managements mit den Betriebsräten gilt als Voraussetzung für deutsche Bürgschaften.

 
Leser-Kommentare
  1. In der polnischen Opel-Filiale in Gliwice sollen 150 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Es fragt sich nur wie lange es diese geben wird.

  2. Kein Geld für Opel,weil es Wettbewerbsverzerrung ist!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Erstens geht es nicht um Geld, sondern um Kreditbürgschaften.
    Zweitens haben andere europäische Automobilhersteller in der
    jüngsten Vergangenheit viel höhere Summen erhalten, z.B.
    Renault und PSA jeweils 3 Milliarden Euro von der französischen Regierung - war das keine Wettbewerbsverzerrung?

    Erstens geht es nicht um Geld, sondern um Kreditbürgschaften.
    Zweitens haben andere europäische Automobilhersteller in der
    jüngsten Vergangenheit viel höhere Summen erhalten, z.B.
    Renault und PSA jeweils 3 Milliarden Euro von der französischen Regierung - war das keine Wettbewerbsverzerrung?

  3. Erstens geht es nicht um Geld, sondern um Kreditbürgschaften.
    Zweitens haben andere europäische Automobilhersteller in der
    jüngsten Vergangenheit viel höhere Summen erhalten, z.B.
    Renault und PSA jeweils 3 Milliarden Euro von der französischen Regierung - war das keine Wettbewerbsverzerrung?

    Antwort auf "Kein Geld"
    • joelIV
    • 28.04.2010 um 17:01 Uhr

    ... oder ein Fass ohne Boden. Die Höhe der Schulden Griechenlands steigt und steigt. Eine Rückzahlung ist Wunschdenken. Andere Länder, Portugal ist bereits ante portas, werden die Hand aufhalten (müssen). Der Euro wird pulverisiert. Hellas soll sich seine Drachmen wieder gönnen, um es aus eigener Kraft zu schaffen. Die Umrechnerei nehme ich gerne in Kauf.

  4. Interssant wie Sie die Entlassung von 2560 Menschen bewerten: "In die Verhandlungen zur Konzernrettung kommt damit frischer Wind."

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