Frankreich Anne, Henri und der schmutzige Atomstreit

Kaum einer kauft noch Atomtechnik aus Frankreich. Nun zanken EDF und Areva um die Vorherrschaft auf dem Markt. Es geht um Macht, Einfluss und persönliche Eitelkeiten.

Die hohen Gäste lassen noch auf sich warten. Also singt sich der Begrüßungschor am roten Teppich vor dem Festzelt schon mal in Fahrt. "Namiiiiibia!", schallt es aus zwei Dutzend Mündern. Die halbe Regierung des südwestafrikanischen Staates hat sich in Wlotzkasbaken angesagt, schließlich ist der Anlass historischer Natur: Hier an der Skelettküste am Atlantik soll die größte Meerwasserentsalzungsanlage des Kontinents eingeweiht werden, 200 Millionen Dollar hat sie gekostet. "Namiiiiibia!"

Bauherr ist Areva. Frankreichs Nuklearkonzern braucht Unmengen Wasser für seine 40 Kilometer landeinwärts liegende Uranmine. Natürlich soll die Anlage - man weiß schließlich, was sich gehört - auch die Bevölkerung mit Wasser versorgen. Die Sänger in ihren wasserblauen Gewändern holen erneut Luft: "Areeeeeva!"

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Dann hält eine Kolonne aus weißen Geländewagen am roten Teppich. Afrikaner in dunklen Anzügen und Sonnenbrillen klettern heraus. Und eine Frau im dunklen Rock und weißen Blazer: Anne Lauvergeon. Für das Vorzeigeobjekt hat die Areva-Chefin persönlich den weiten Weg nach Namibia gemacht. Wer die Macht will, darf vor keiner Strapaze zurückschrecken.

Lauvergeon in der Wüste - das ist ein Bild, das Henri Proglio daheim in Paris gefallen dürfte. Der Chef des quasi-staatlichen Energieversorgers EDF kämpft derzeit einen offenen Krieg gegen die Areva-Chefin. Vordergründig geht es um die Vorherrschaft in Frankreichs Atomindustrie. Der Energieversorger EDF oder der Anlagenbauer Areva - wer dominiert einen der wichtigsten Sektoren der französischen Industrie? Und wer hat beim Export der Schlüsseltechnik das Sagen? Längst geht es aber auch um Macht, Einfluss - und persönliche Eitelkeiten.

Die Lage ist ernst. Zwar boomt weltweit die Kernkraft. Aber ausgerechnet die Anlagen aus der Atom-Vorzeigenation Frankreich drohen zu Ladenhütern zu werden. Angesichts des schrumpfenden Marktes wird die Tonlage zwischen Proglio und Lauvergeon seit Monaten immer schriller. Das ist auch für Partner wie Siemens, RWE oder E.on misslich. Die deutschen Atomwerker, die Milliarden im Geschäft mit den Franzosen umsetzen, nervt die Schlammschlacht.

Selten haben sich französische Bosse so offen attackiert. "EDF hat 58 Atomkraftwerke gebaut und beansprucht daher natürlich, Chef des Sektors zu sein", sagt Proglio. Die Areva-Chefin kontert: "80 Prozent aller Kernkraftwerke werden von Stromkonzernen gebaut, die schon unsere Kunden sind. Für sie ist Areva der Ansprechpartner."

Staatspräsident Nicolas Sarkozy platzte schon der Kragen: Der Kleinkrieg sei "unerträglich". Ein Schlichter müsse her. Also bestellte Sarkozy bei Ex-EDF-Chef François Roussely einen Bericht, wie der innerfranzösische Nuklearkrieg befriedet werden kann. Seine Empfehlungen will Roussely, der heute Präsident von Credit Suisse France ist, in den nächsten Tagen im Élysée-Palast abgeben. 

Leser-Kommentare
  1. Der Inhalt stimmt wahrscheinlich, was den Kleinkrieg zwischen A und H betrifft ; was jedoch in dem Artikel unangebracht ist, ist eine gewisse anti-französische Grundhaltung ("Grande Nation"); ich bin nicht sicher, dass es den Deutschen gefallen würde, Artikel in franz. Zeitschriften zu lesen, die vom "grossen Deutschen Reich" handeln würden.
    Wie steht's mit der deutsch-französischen Freundschaft ?

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