Frankreich Anne, Henri und der schmutzige AtomstreitSeite 3/3

Areva-Chefin Lauvergeon wehrte sich: "Es waren am Ende sechs französische Partner inklusive Staat im Konsortium. Und nun sollen wir allein für den Misserfolg verantwortlich sein? - Ich bitte Sie!"

Aber Proglio hat Verbündete. Der mächtigste ist Nicolas Sarkozy. Er persönlich hat Proglio überredet, nach 37 Jahren den Wasserversorger Veolia zu verlassen und den schlechter bezahlten Job bei EDF zu übernehmen. Bei jeder Gelegenheit lobt Sarkozy die "außergewöhnlichen professionellen Fähigkeiten" von Proglio.

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Nun hat der Kampf der großen Egos längst ein neues Niveau erreicht: Er geht unter die Gürtellinie. So kursieren seit Wochen Gerüchte in Paris, Sarkozy wolle die streitbare Areva-Chefin rausschmeißen. 

Also setzt sich Anne Lauvergeon geschickt in Afrika als vorbildliche Konzernchefin in Szene. Damit das daheim auch ankommt, hat sie ein Team des öffentlich-rechtlichen TV-Senders France2 dabei. Rücktrittsgerüchte können ihre gute Laune nicht trüben. "Ach, wissen Sie, das ist immer das Gleiche; zuerst soll Areva zerschlagen werden, und wenn das nicht gelingt, will man die Areva-Chefin zerschlagen." Lauvergeons Umfeld argwöhnt, dass die Rauswurfsgerüchte von Proglio gestreut werden. Umgekehrt verdächtigt Proglio seine Rivalin, die Polemik um sein doppeltes Gehalt geschürt zu haben.

Denn kaum war Proglio Ende 2009 bei EDF in Amt und Würden, brach eine Welle der Empörung über seine Bezahlung aus. Proglio hatte Sarkozy die Zusage abgerungen, auch nach seinem Antritt als EDF-Chef Verwaltungsratspräsident bei seinem alten Arbeitgeber Veolia bleiben zu dürfen. Und für doppelte Arbeit wollte er auch zweimal kassieren: 1,6 Millionen Euro bei EDF plus 450.000 bei Veolia.

"Unerhört", tobten die oppositionellen Sozialisten. Die Sache geriet zum Politikum. Und Proglio musste klein beigeben: Auf Druck von Sarkozy verzichtete er nicht nur auf die doppelte Bezahlung. Er versprach auch, "in absehbarer Zeit" bei Veolia auszuscheiden.

Rücktrittsgerüchte um Anne Lauvergeon, Gehaltsskandal um Henri Proglio - in dieser Atmosphäre traten nun einer nach dem anderen die Protagonisten der nuklearen Seifenoper bei Sarkozys Schlichter und Experten Roussely an, um ihre Sicht der Dinge zu Protokoll zu geben. Bei den Gesprächen lud Teetrinker Roussely seine Gäste in einen nüchternen Gesprächsraum in den Räumen der Credit Suisse, deren Frankreich-Filiale er seit einiger Zeit leitet. Die Bank residiert in einem schmucken Sandsteinbau an der Avenue Kléber, einer der teuersten Adressen von Paris.

Bei seinen Anhörungen nimmt Roussely an der Längsseite eines langen Tisches Platz, umrahmt von Experten des Finanzministeriums und Mitarbeitern des Premierministers. Wie bei einem Bewerbungsgespräch sitzen ihm die Atommanager gegenüber.

Als Anne Lauvergeon im Februar zum Rapport erscheint, fragt Roussely sie nach dem Exportflop in den Emiraten: "Kann man den EPR-Reaktor mit dem Kampfflieger Rafale vergleichen, für den es auch keine Exportaufträge gibt?" Kess antwortet Lauvergeon: "Nein - ein EPR-Reaktor kann nicht fliegen."

Der Artikel erschien am 17.Mai 2010 im Handelsblatt.

 
Leser-Kommentare
  1. Der Inhalt stimmt wahrscheinlich, was den Kleinkrieg zwischen A und H betrifft ; was jedoch in dem Artikel unangebracht ist, ist eine gewisse anti-französische Grundhaltung ("Grande Nation"); ich bin nicht sicher, dass es den Deutschen gefallen würde, Artikel in franz. Zeitschriften zu lesen, die vom "grossen Deutschen Reich" handeln würden.
    Wie steht's mit der deutsch-französischen Freundschaft ?

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