Wall Street "Banken übernehmen, Manager feuern"
Obama hat die Chance zur Entmachtung der Wall Street vertan, sagt James Kwak. Der Buchautor erzählt im Interview, weshalb eine Verstaatlichung der Banken das Beste wäre.
ZEIT ONLINE: Herr Kwak, Ihr Buch "13 Bankers" ist in den USA eine der einflussreichsten Schriften zur Finanzmarktkrise geworden. Darin vergleichen Sie die Wall Street mit der südkoreanischen Cliquenwirtschaft. Wie kommen Sie darauf?
James Kwak: Oligarchien sind nicht nur in Schwellenländern ein Problem. Auch in den USA haben einige wenige Unternehmen immer mehr Einfluss gewonnen. Hier wie dort wurden die Konzerne so groß, weil der Staat sie schützte. In Südkorea sind es familiengeführte Konglomerate. In Amerika ist es die Wall Street mit ihren Wahlkampfspenden und den Ex-Bankern, die nach Washington wechseln.
ZEIT ONLINE: Als dann die Asien- beziehungsweise die Finanzkrise zuschlugen...

Der Historiker James Kwak hat als McKinsey-Mann unter anderem Investmentbanken beraten. Er kündigte, um eine Softwarefirma zu gründen. Gemeinsam mit dem ehemaligen Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, Simon Johnson, hat Kwak das einflussreiche US-Finanzblog The Baseline Scenario gegründet und das in kürzester Zeit zum Standardwerk aufgestiegene Buch "13 Bankers" geschrieben. Aktuell ist Kwak wieder Student: In Yale widmet er sich dem Fach Jura.
Kwak: ...wurden die Großen gerettet, während manch kleines Unternehmen unterging. Bei uns ließ die Regierung Bear Stearns und Lehman Brothers fallen, aber die ganz Großen zog man aus dem Sumpf. Die Rettung an sich war nötig. Sie hätte aber ganz anders ablaufen können.
ZEIT ONLINE: Das entscheidende Treffen zwischen dem neu gewählten Präsidenten Barack Obama und den wichtigsten Bankchefs haben Sie zum Titel ihres Buches gemacht.
Kwak: Die "13 Bankers", die dreizehn Chefs der größten amerikanischen Geldhäuser, waren am 27. März 2009 im Weißen Haus zu Gast. Die Finanzkrise hatte bis zu diesem Tag mehr als vier Millionen Amerikaner ihre Arbeitsplätze gekostet, die Börse war um 40 Prozent eingebrochen. Die Citigroup hatte bereits drei Finanzspritzen vom Steuerzahler bekommen und stand immer noch am Abgrund. Auch die Bank of America drohte zu kollabieren. Eines war klar: Die Wall Street brauchte die Regierung.
ZEIT ONLINE: Es gab sogar die Idee, die Banken vorübergehend zu verstaatlichen.
Kwak: Die Banken übernehmen, das Management feuern, die Aktionäre mit leeren Taschen nach Hause schicken. Dann hätte der finanzielle Giftmüll, der das System noch heute bedroht, sauber entsorgt werden können. Es wären kleine, gesunde Banken entstanden. Leider entschied sich das Weiße Haus für das, was ich Blankoscheck-Option nenne.
ZEIT ONLINE: Die Autohersteller General Motors und Chrysler dagegen hat Obama quasi in Volkseigentum überführt, ohne mit der Wimper zu zucken.
Kwak: Das ist der Unterschied. Das Treffen im Weißen Haus steht symbolisch für die enge Verzahnung zwischen Politik und Wall Street. Die Banken verpflichteten sich zu gar nichts. Selbst gegen die Boni-Zahlungen ist Obama schon wieder machtlos. Damals wurde klar: Das Weiße Haus glaubt, dass es die Banken genauso braucht wie die Banken das Weiße Haus.
- Datum 25.05.2010 - 10:47 Uhr
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wenn man die Banken Verstaatlicht (Enteignet) hätte. Die Kommunisten sind schuld u.s.w.. Nur wer eine Demokratie und den soz.Frieden seiner Profitgier opfert hat in einem Demokratischem Land nichts verloren ! Demokratie, sollte man nicht dem Manchesterkapitalismus gleich setzen. Viele renden zwar von einer Demokratie, meinen aber genau diesen MK.
Wer den Kapitalismus retten will, muss den Krebs bekämpfen, von dem er befallen ist: Die hemmungslosen Finanzspekulanten. Das ist der Standpunkt Obamas. Nur ist sogar sein eigener Mitarbeiterstab - ganz zu schweigen von den Politikern seiner Partei - ebenfalls von dem Krebs befallen.
entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/km
entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/km
Bevor die Sozialismus-Verherrlicher glauben, ihre Ideologie werden propagiert: Herr Kwak ist ein erbitterter Gegner des Sozialismus.
"But all the deregulation and consolidation of power did not create a free market," says Johnson. "It created the worst kind of socialism (...)"
Es geht viel mehr darum einen freien Markt zu garantieren - ganz sicherlich nicht dadurch, dass alle Banken an den Staat gehen und wieder "too big to fail" sind, sondern, dass sie klein bleiben und damit auch mal eingehen können, wenn sie auf dem Markt nicht bestehen.
Herr Kwak hätte sicherlich auch etwas gegen die "Rettung" von Griechenland.
Kwak dazu: "The idea that our largest banks are able to manipulate the political process, gain access to taxpayer money through bailouts, and tilt the economic playing field in their favor is deeply offensive to many conservative, free market people. Arnold Kling just wrote an article in the National Review saying essentially what we do--that big banks are bad for free markets, for both economic and political reasons.(...) One of our endorsements is from Jim Bunning, one of the most conservative members of the Senate."
Kein Sozialismus-Verherrlicher käme auf die Idee, dass die Verstaatlichung von Banken etwas mit Sozialismus zu tun hat.
Im Gegenteil, es sind die "Liberalen" wie Guido und Neoklassiker, die sofort "Das ist Sozialismus" schreien, wenn das Wort Verstaatlichung fällt.
Das zu Ihrem Kommentar.
Verstaatlichung heißt nie, dass Unternehmen nicht auch irgendwann wieder reprivatisiert werden können. Nämlich dann, wenn der Staat die Kohle, die er zur Rettung eines Unternehmens aufgebracht hatte, wieder im Säckel hat und vielleicht noch ein bischen mehr.
Oh und "too big to fail" ist ein schönes Ammenmärchen und stammt von jenen, deren Bilanzen nicht mehr ganz so hübsch ausgesehen hätten, wenn ein paar Banken pleite gegangen wären.
Außerdem hätte es lediglich einige Luftschlösser von Wirtschaftsfanatikern eingerissen.
Nichts ist "too big to fail". Außer unserem Planeten und der Natur ist alles und jedes ist ersetzbar.
MfG
AoM
Kein Sozialismus-Verherrlicher käme auf die Idee, dass die Verstaatlichung von Banken etwas mit Sozialismus zu tun hat.
Im Gegenteil, es sind die "Liberalen" wie Guido und Neoklassiker, die sofort "Das ist Sozialismus" schreien, wenn das Wort Verstaatlichung fällt.
Das zu Ihrem Kommentar.
Verstaatlichung heißt nie, dass Unternehmen nicht auch irgendwann wieder reprivatisiert werden können. Nämlich dann, wenn der Staat die Kohle, die er zur Rettung eines Unternehmens aufgebracht hatte, wieder im Säckel hat und vielleicht noch ein bischen mehr.
Oh und "too big to fail" ist ein schönes Ammenmärchen und stammt von jenen, deren Bilanzen nicht mehr ganz so hübsch ausgesehen hätten, wenn ein paar Banken pleite gegangen wären.
Außerdem hätte es lediglich einige Luftschlösser von Wirtschaftsfanatikern eingerissen.
Nichts ist "too big to fail". Außer unserem Planeten und der Natur ist alles und jedes ist ersetzbar.
MfG
AoM
wäre im Prinzip ein guter Vorschlag für Deutschland!
Wenn ich mir die handelnden Akteure auf der püolitischen Bühne anschaue würde jedoch der Teufel nur mit dem Belzebub ausgetrieben.
Bringt also auch nichts!
In der Tat wäre der Staat der bessere Banker und das Spekulantentum ist keineswegs eine notwendige Variante des freien Marktes; es ist ein Auswuchs. Auch ich bin alles andere als ein Verherrlicher des Sozialismus, doch sollten Banken einzig dazu da sein, Kredite zu organisieren und Spareinlagen durch seriöse Beteiligungen am Wirtschaftsgeschehen zu verwalten. Alles andere ist unsinnig, führt durch Zinsknechtschaft zu unsäglichem Leid in der Dritten Welt und dazu, daß das volkswirtschaftliche Prinzip einer gerechten Einkommensverteilung völlig unterminiert wird.
Die Berater Obamas sind Banker. Diese sind eifrig damit befasst, den Staat zu übernehmen. Ein bisher ausgesprochen lukratives Geschäft. Schließlich hat die Wall Street Obamas Wahlkampf finanziert.
Kein Sozialismus-Verherrlicher käme auf die Idee, dass die Verstaatlichung von Banken etwas mit Sozialismus zu tun hat.
Im Gegenteil, es sind die "Liberalen" wie Guido und Neoklassiker, die sofort "Das ist Sozialismus" schreien, wenn das Wort Verstaatlichung fällt.
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Verstaatlichung heißt nie, dass Unternehmen nicht auch irgendwann wieder reprivatisiert werden können. Nämlich dann, wenn der Staat die Kohle, die er zur Rettung eines Unternehmens aufgebracht hatte, wieder im Säckel hat und vielleicht noch ein bischen mehr.
Oh und "too big to fail" ist ein schönes Ammenmärchen und stammt von jenen, deren Bilanzen nicht mehr ganz so hübsch ausgesehen hätten, wenn ein paar Banken pleite gegangen wären.
Außerdem hätte es lediglich einige Luftschlösser von Wirtschaftsfanatikern eingerissen.
Nichts ist "too big to fail". Außer unserem Planeten und der Natur ist alles und jedes ist ersetzbar.
MfG
AoM
entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/km
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