Katastrophe vor US-Küste: Ölindustrie bangt um ihre Renditen
Die Ölkatastrophe im Golf vor Mexiko zwingt Washington, den mächtigen Ölsektor stärker zu regulieren. Viele Projekte würden sich dann nicht mehr rechnen.
© Jim Watson/AFP/Getty Images

Der amerikanische Präsident Barack Obama steht vor der Herausforderung, die mächtige Ölindustrie stärker zu kontrollieren
Bei der Ölpest ist nach Berechnungen der US-Regierung deutlich mehr Öl ins Meer geflossen als bislang vermutet. Bis zu 25.000 Barrel pro Tag (knapp vier Millionen Liter) seien seit Beginn der Katastrophe vor fünf Wochen ausgetreten, teilte die Leiterin einer Expertenkommission am Donnerstag mit. Das wären fünf Mal so viel wie bislang von BP geschätzt und die schlimmste Ölpest in der Geschichte der Vereinigten Staaten.
Die Umweltkatastrophe wird nicht nur für die Ölindustrie teuer, sondern auch für die amerikanische Regierung. Nach Schätzungen von Analysten werden dem Staat voraussichtlich Einnahmen von 7,6 Milliarden Dollar entgehen, falls der US-Kongress die Sicherheitsauflagen für Ölbohrungen in der Tiefsee verschärfen und das Verbot neuer Projekte verlängern sollte. Zudem könnte die Ölproduktion im Golf von Mexiko um fast ein Fünftel zurückgehen. Der britische Energie-Multi BP verfügt in dieser Region über die mit Abstand meisten Bohrplattformen (Marktanteil 23 Prozent), gefolgt von den Rivalen Shell (zwölf Prozent) und Chevron (elf Prozent).
Präsident Barack Obama gab am Donnerstagabend schärfere Regeln für die Ölsuche vor den US-Küsten aus und verlängerte das Moratorium für neue Tiefsee-Bohrungen, das bereits kurz nach dem Unglück verhängt wurde, um sechs Monate. Zudem legte er konkrete Pläne für Bohrungen im Arktischen Ozean sowie vor der Ostküste des Bundesstaats Virginia auf Eis. Das Verbot ist ein schwerer Schlag für Shell. Der britisch-niederländische Konzern hat mehr als zwei Milliarden Dollar investiert, um die Ölsuche in der Arktis vorzubereiten. Obama sprach mit Blick auf das Öl-Unglück von einem "unvergleichlichen Desaster", dessen Eindämmung "höchste Priorität" im Weißen Haus habe. Die Ölindustrie sei für die Energieversorgung der USA "essentiell"; sie habe über die Jahre aber eine solche Macht aufgebaut, dass sie sich zuletzt "selbst reguliert" habe. Damit müsse jetzt Schluss sein.
Analysten der auf die Energiebrache spezialisierten Beratungsgesellschaft Wood Mackenzie haben im Vorfeld der Regulierungswelle die Folgekosten berechnet. Sie basieren auf der Annahme, dass die Regierung das Verbot für neue Ölbohrungen um ein halbes Jahr ausdehnt und strengere Sicherheitsauflagen sowie häufigere Kontrollen auf den Bohrinseln dazu führen, dass sich die Produktion des weltweit wichtigsten Rohstoffs für die Konzerne um zehn Prozent verteuert.
Die Unternehmen würden in diesem Fall wohl mehr als die Hälfte der im Golf von Mexiko derzeit geplanten Neuprojekte aufgeben, schreiben die Mackenzie-Analysten in ihrer Studie. Sie listen insgesamt 13 Ölfelder auf, deren Erschließung ansteht. Sieben dieser Ölfelder würden sich nicht mehr rechnen, wenn die Produktionskosten als Konsequenz einer strengeren Regulierung um zehn Prozent stiegen. Die Ölmenge aus diesen Quellen wird auf 1,8 Milliarden Barrel (umgerechnet 286 Milliarden Liter) geschätzt. Das wären 19 Prozent des gesamten Öls, das voraussichtlich in den Jahren 2015 und 2016 im Golf von Mexiko gefördert würde. Obama ist im Zuge der Ölkatastrophe unter Druck geraten und hat in der Vorwoche eine Untersuchungskommission eingesetzt – ähnlich jenen Gremien, die nach dem Atomunfall von Harrisburg 1979 und der Explosion der Weltraumfähre "Challenger" 1986 Ursachenforschung betrieben.
Umweltorganisationen wie Greenpeace sind tief enttäuscht, dass sich Obama nicht stärker von Ölbohrungen in tiefen Gewässern distanziert. Die mächtige Industrie-Lobby indes wehrt sich vehement gegen einen langfristigen Stopp der Bohrungen. Mit Exxon Mobil, Chevron und Conoco Phillips kommen drei der fünf umsatz- und gewinnstärksten US-Konzerne aus der Ölbranche. "Solange wir keinen dramatischen Rückgang unserer Energie-Nachfrage sehen, ist das Öl notwendig", sagte Energie-Professor Geoffrey Maitland. Experten gehen davon aus, dass die jetzt verhängten Maßnahmen gelockert werden, wenn die Ursache des Bohrinsel-Dramas im Golf von Mexiko vollständig aufgeklärt ist. Vor gut fünf Wochen ist dort eine Plattform explodiert, die im Auftrag von BP betrieben wurde. Elf Menschen wurden getötet. Seitdem sind mindestens 30 Mio. Liter Öl ins Meer geflossen.
Meeresforscher haben am Donnerstag einen neuen Ölschwaden mit gigantischen Ausmaßen unter der Wasseroberfläche entdeckt. Der Schwaden reiche von kurz unter der Wasseroberfläche bis in eine Tiefe von 1000 Meter und sei fast zehn Kilometer breit, sagte ein Wissenschaftler der Universität South Florida, David Hollander. Das Ölgebilde erstrecke sich auf einer Länge von 35 Kilometern nordöstlich des Öllecks in Richtung Mobile Bay in Alabama. Es ist bereits der zweite große unterseeische Ölschwaden, der nach der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April entdeckt wurde.
Ein Ergebnis für den Schließungsversuch des Lecks an der gesunkenen Ölplattform Deepwater Horizon könnte nach BP-Angaben 24 bis 48 Stunden auf sich warten lassen. Man benötige möglicherweise bis zu zwei Tage, um zu wissen, ob die sogenannte "Top Kill"-Methode erfolgreich gewesen sei, sagte ein Sprecher des Energiekonzerns am Donnerstagabend.
(Zuerst erschienen im Handelsblatt vom 28.05.2010)







Ja, die heilige Rendite, dass ist das einzige, was die Bonimanager in den Türmen der multinationalen Macht des schwarzen Goldes tatsächlich umtreibt.
Die zerstörte Natur, vernichtet durch die grenzenlose Gier und dem damit verbundenen Geiz in puncto Sicherheit und Nachhaltigkeit, juckt diese feinen Manager doch überhaupt nur, weil mit Kosten und Gewinneinbruch verbunden!
Jeder einzelne, von dieser "elitären" Manager-Klasse, würde sogar der eigenen Oma ihr klein Häuschen mit schwarzem Ölschlamm fluten lassen, ohne mit der Wimper zu zucken, wenn nur am Ende des Tages der Reibach damit einen Deut besser ausfiele :(((
Die Ölindustrie ist der Einfluss reichste Industriezweig der USA
und die Abhängigkeit von der Rohstoff ist vollkommen.Ohne andere Energiequellen zu finden oder den Verbrauch zu senken wird der Druck so groß auf die Politik mehr von dem Stoff zu beschaffen das auch Obama früher oder später einknicken wird.Abgesehen davon schwindet der Rohstoff langsam aber sicher.Auf was die industrielle Welt zusteuert ist in dieser Analyse zu lesen
http://www.feasta.org/doc...
Man stelle sich nur mal vor, wie viel Rendite denen entgangen ist. Schließlich ist das ganze Öl jetzt im Meer und nicht in der Raffenerie.
Das ist eine große Katastrophe, primär finanziell.
Außerdem entgehen BP jetzt Millarden, da die Ölplattform nicht mehr Betrieben werden kann. Das ist ein finanzieller Supergau. Darum sorgt sich die Welt.
zu dem katastrophalen Raubbau an der Natur wäre: sparen - sparen - sparen: weniger Autos kaufen, verbrauchsarme Autos kaufen, weniger fahren, langsamer und intelligenter fahren, deutlich weniger fliegen, weniger Plastikmüll produzieren ...
Egal ob in den USA oder hier, das wäre der erste Politiker, vor dem ich tatsächlich Respekt hätte, wenn er sich vor das Volk stellen würde und dem das verklickern würde.
Für jeden nicht total verblödeten Menschen ist das ...
... alternativlos !
Mutii, Mutti, BP ist systemrelevant!
Deshalb: Sofortige Unterstützung durch die deutschen Steuerzahler ist alternativlos!
denn vermutlich haben die deutschen Pensionsfonds, Versorgungswerke für Ärzte und Anwälte und andere tollen Altersvorsorger ordentlich viele BP-Aktien im Portefeuille, da kann man doch nicht tatenlos zusehen !!!
Hartz-IV-Empfänger an die Sammeldosen, ab auf die Düsseldorfer Kö und für unsere Elite sammeln gehen. Gebt notfalls Euer letztes Hemd, ihr braucht es ohne gute medizinsche Versorgung eh nicht mehr lange. (Als Kassenpatienten gibt´s ja auch keine Brillen mehr, wahrscheinlich, damit man nicht einmal das eigene Elend sehen kann, geschweige denn den Reichtum hinter den Mauern der Aldi-Brüder).
wird es doch kommen.
Vielen Dank an dieser Stelle an den Kommentator Lothar Gräwe für den Link zum Tipping Point Oil. Für mich Pflichtlektüre:
http://www.feasta.org/doc...
denn vermutlich haben die deutschen Pensionsfonds, Versorgungswerke für Ärzte und Anwälte und andere tollen Altersvorsorger ordentlich viele BP-Aktien im Portefeuille, da kann man doch nicht tatenlos zusehen !!!
Hartz-IV-Empfänger an die Sammeldosen, ab auf die Düsseldorfer Kö und für unsere Elite sammeln gehen. Gebt notfalls Euer letztes Hemd, ihr braucht es ohne gute medizinsche Versorgung eh nicht mehr lange. (Als Kassenpatienten gibt´s ja auch keine Brillen mehr, wahrscheinlich, damit man nicht einmal das eigene Elend sehen kann, geschweige denn den Reichtum hinter den Mauern der Aldi-Brüder).
wird es doch kommen.
Vielen Dank an dieser Stelle an den Kommentator Lothar Gräwe für den Link zum Tipping Point Oil. Für mich Pflichtlektüre:
http://www.feasta.org/doc...
"Die Ölindustrie sei für die Energieversorgung der USA "essentiell"; sie habe über die Jahre aber eine solche Macht aufgebaut, dass sie sich zuletzt "selbst reguliert" habe."
Schwer zu glauben, dass die USA einmal aus einer Protestbewegung gegen keiner demokratischen Kontrolle unterliegende Machtstrukturen entstanden sind. Aber der durchschnittliche Redneck begreift es nicht (weil davon nichts in der Bibel steht), dass Leute wie die Chefs der "Big Six" heute mehr faktische Macht in ihren Händen halten als jemals irgendein europäischer Monarch.
Die Ozeane haben prinzipiell selbstreinigende Kraefte - das lernt man in der Ausbildung zum Meeresforscher. Man lernt aber auch, dass jeder kleine Eingriff in die Meeresstroemungssysteme und deren chemische Zusammensetzung Auswirkungungen auf die abhaengigen Lebensgemeinschaften hat und Verschmutzungen sich in der Nahrungskette ueber viele Jahre akkumulieren, ja sogar ganz Okosystem kippen koennen. Dabei messen die Forscher gewoehnlich in unsichbaren Mikro oder Nanogramm Konzentrationen --- eine sichbare Verschutzung dieses Ausmasses liegt in der Verbreitung exponetiell um ein vielfaches ueber den bildlichen Ausbreitungen, die hier im Artikel vorgegeben werden --- Mikrogramme an Oelkomponeten vergiften 100erte Liter Meerwasser ! Dieser Prozess ist schon bei normalen Bohrungen bedenklich, im vorliegenden Fall jedoch eine Katastrophe, hinter der sich jede finanziele Betrachtung schlicht verstecken muss. Dann auch noch durch Proffessoren zu behaupten, Oel waere fuer die USA (Welt) unersetzbar, zeigt die Verlogenheit dieser Debatte. Wuerden die Oelkonzere diese Betraege in RE Kraftwerke investieren, waere die Energiewenge zugunsten der Umwelt schon laengst Realitaet. Aber Renditesucht und Energiemarkt(&Macht) stehen eben soweit im Vordergund, dass selbst Obama hier wohl die Luft ausgehen wird ...
Im Uebrigen wundere ich mich ueber die schuechtere Zurueckhaltung der int. Meeresforschung. Wieviel davon wird von der Oelindustie bezahlt ?
Obama kann zwar mehr Regulierung proklamieren, doch ob die US-Regierung das auf Dauer durchhält ist eine ganz andere Frage. Denn wenn man auf die schwarze Brühe so ohne weiteres verzichten könnte würde auch z. B. Kanada bestimmt auf den ökologischen Wahnsinn mit den Ölsanden verzichten. Für die USA sieht das nicht besser aus: Erst kürzlich hatte deren Energieagentur festgestellt, dass es weltweit kaum noch Länder gibt, in denen die Ölförderung zuverlässig gesteigert werden kann. Und dass die USA, obwohl auch dort die Produktion seit langem zurückgeht, zu den wenigen Hoffnungsträgern gehört...
Und wenn die Regierungsbehörde das so sagt, dann muss das auch klappen - koste es was es wolle!
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