BP und die Ölkatastrophe "Der Rettungsplan ist komplett unzureichend"
Der Energiexperte Amory Lovins plädiert für eine radikale Energiewende in den USA. Im Interview kritisiert er die enge Verzahnung der US-Politik mit der Ölindustrie.
© Win McNamee/Getty Images

Unter der Ölkatastrophe leidet vor allem die sensible Tier-und Pflanzenwelt am Golf von Mexiko
ZEIT ONLINE: Herr Lovins, im Golf von Mexiko erlebt Amerika gerade die größte Ölkatastrophe aller Zeiten. Welche Konsequenzen sollte die US-Regierung ziehen?
Amory Lovins: Washington lernt gerade, dass solche großen Unfälle unvermeidbar sind, wenn Regulierungsbehörden und Industrie zu eng miteinander verbandelt sind. Selbst anderthalb Jahre nach dem Amtsantritt von Präsident Obama werden noch immer viele politische Entscheidungen von Personen getroffen, die der alten Bush-Regierung nahe stehen. Das liegt auch daran, dass die Bush-Regierung auf den letzten Drücker viele Beamte auf den Status Senior Executive Service befördert hat. Sie sind schwer zu kündigen. Bislang hat man es noch nicht geschafft, deren Politikverständnis zu verändern.

Der US-Physiker und Umweltaktivist Amory Lovins, 62, gründete 1982 das Rocky Mountains Institute in Colorado. Der Think Tank setzt sich für den Einsatz erneuerbarer Energien sowie energie- und ressourcensparender Technologien ein. Zusammen mit dem deutschen Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker veröffentlichte er Ende der 90er Jahre mit seiner damaligen Frau Hunter Lovins das Buch "Faktor Vier - doppelter Wohlstand, halbierter Verbrauch". Zurzeit arbeitet er unter dem Titel "Reinventing Fire" an einem Fahrplan zur Energiewende. Er soll 2011 veröffentlicht werden.
ZEIT ONLINE: Ist das ein strukturelles Problem in den USA?
Lovins: Die enge Beziehung zwischen der Ölindustrie und den Regulierungsbehörden ist sicherlich ein großes Problem. Aber den Lobbyeinfluss kennen wir auch von vielen anderen Regierungsbehörden, etwa der Atomaufsichtsbehörde, die inzwischen deswegen reformiert wurde. Und schauen Sie sich die Internationale Atomenergiebehörde an: Sie soll die Branche regulieren – aber zugleich auch die Nutzung der Atomenergie bewerben.
ZEIT ONLINE: Welche Schuld trägt BP an dem Desaster?
Lovins: Auch in guten Unternehmen gibt es Menschen, die sich nicht entsprechend der allgemeinen Firmenpolitik verhalten. BPs Ölproduktion in Alaska war etwa lange Zeit sehr schlecht gemanagt. Sie entsprach gar nicht der Qualität, die das Top-Management verlangte. Es hat lange gedauert, das zu verändern. Ähnliches gilt für den Energiekonzern Shell. Ich habe Respekt für dessen Arbeitsweise – aber in der Nordsee und in Nigeria hat sich auch dieses Unternehmen beschämende Episoden geleistet.
ZEIT ONLINE: Übt Präsident Obama ausreichend Druck auf BP aus?
Lovins: Sicherlich ist er genauso frustriert wie wir alle. Denn weder die US-Regierung noch irgendjemand anderes hat das Wissen und das Equipment, das man braucht, um das Bohrloch zu stopfen. Das besitzt nur BP.
ZEIT ONLINE: Obama könnte BP die Verantwortung entziehen.
Lovins: Überträgt man jetzt einer anderen Ölfirma die Lösung des Problems, verliert man viel zu viel Zeit mit dem Training der neuen Leute. Und viel schlimmer: Man würde die ungeteilte Verantwortung von BP und den Partnerfirmen für das Desaster verlieren.
ZEIT ONLNE: Zeigt die Ölkatastrophe nicht, dass eine Regierung nur solche Tätigkeiten erlauben darf, die sie auch selbst beherrscht?
Lovins: Sicherlich gilt: Wenn die Regierung einem Unternehmen erlaubt, ein solches Loch zu bohren, dann ist sie auch indirekt dafür verantwortlich, dass das Unternehmen wieder aufräumt, wenn etwas schief geht. Jede Mutter weiß doch: Wenn ein Kind Milch umgeschüttet hat, dann gibt sie ihm das Handtuch. Wischt sie selber auf, lernt das Kind nie etwas. In Fall von BP gibt es aber einen entscheidenden Unterschied: Die Mutter weiß nicht, wie man aufwischt. Also muss sie sehr aufpassen, welche Dinge sie im Haus hat, die das Kind verschütten kann.
ZEIT ONLINE: Wie naiv sind die Forderungen nach einem Totalverbot von Offshore-Bohrungen in den USA?
Lovins: Obama hat ein einjähriges Moratorium ausgegeben für Offshore-Lizenzen in Nordalaska, welche die Vorgängerregierung vergeben hat. Diese komplett zurückzunehmen, ist rechtlich extrem schwer. Aber es könnte gut sein, dass die Regierung einen Weg dafür findet – denn gerade in Alaska wäre ein solcher Ölunfall noch viel schlimmer und hätte nicht vorstellbare Folgen. Und es gibt sogar auch ein Moratorium für die Vergabe neuer Erkundungsbohrungen.
ZEIT ONLINE: Aber geht Ihnen das weit genug?
Lovins: In der aktuellen Situation ist das eine vernünftige politische Entscheidung. So lange man das Unglück nicht gründlich untersucht hat, sollte man keine Entscheidungen darüber treffen, wie es weitergeht. Aber es zeichnet sich ja ab, dass das Unglück eine Kombination ist von schlechter technischer Performance des Betreibers, vielleicht sogar geologischen Überraschungen und einem komplett unzureichenden Rettungsplan. Hinzu kommen die mangelnde Aufsicht und die immer schlechter werdenden Sicherheitskultur des Betreibers.
ZEIT ONLINE: Ist Obama Republikanern und der Ölindustrie zu weit entgegen gekommen, indem er neue Offshore-Felder freigab, um Zustimmung zum Klimagesetz zu erhalten?
Lovins: Das war sicher kein geschicktes Verhandeln, denn die Ölförderung verschlimmert das Klimaproblem. Dabei will er ja mit Hilfe des Gesetzes Klimaschutz betreiben.
ZEIT ONLINE: Glauben Sie, Amerika ist reif für die Energiewende? Das würde auch den Abschied vom billigen Öl bedeuten.
Lovins: Natürlich betreiben Öl- und Atomindustrie massive Propaganda-Kampagnen, die uns Amerikaner ziemlich verwirren. Aber es gibt eine immense Zustimmung zu mehr Energieeffizienz und dem Einsatz erneuerbarer Energien.
ZEIT ONLINE: In Washington ist von diesem Konsens wenig zu merken, dort wird heftig um die Energiepolitik gestritten.
Lovins: Ja, weil es nur noch um Ideologien geht. Dabei ist das völlig unwichtig. Ob Sie sich aus Sorge um die nationale Energiesicherheit oder aus Angst ums Klima für eine Energiewende einsetzen, ist ganz egal. Sie müssen in beiden Fällen die gleichen Schritte einleiten.
ZEIT ONLINE: Und welche wären das?
Lovins: Wir müssen jetzt weg von Öl, Kohle und langfristig auch vom Erdgas - hin zu Energieeffizienz und erneuerbaren Energien. Und zwar, weil es ökonomisch Sinn macht und Gewinne abfallen. Energieeffizienz ist viel günstiger als Erdöl. Unsere Studie "Winning the Oil Endgame" zeigt, wie sich die USA bis zum Jahr 2050 unabhängig vom Öl machen können. Diese Transformation muss gar nicht über eine restriktive Ordnungspolitik laufen – allein die Aussicht auf Gewinne ist Anreiz genug. Wenn wir einen Wettbewerb um effiziente Technologien anfeuern, dann können wir das Energiesystem schneller umbauen als gedacht.
ZEIT ONLINE: Welche Anreize könnte der Staat setzen?
Lovins:
Es müssen nicht immer höhere Benzinsteuern oder Effizienzstandards sein. Wir schlagen etwa ein Bonusmodell vor. Es belohnt den Kauf von effizienten Automodellen und bestraft den von ineffizienten. Frankreich hat das zum ersten Mal 2008 ausprobiert. Im ersten Jahr gingen die Verkaufszahlen von Spritfressern um 42 Prozent zurück, während sich der Absatz effizienterer Modelle verdoppelte – ein erstaunliches Ergebnis.
ZEIT ONLINE:
Was könnte im Strombereich passieren?
Lovins: Wir müssen die Energieversorger dazu bringen, dass sie ein Interesse haben, weniger Energie zu verkaufen. Einige Bundesstaaten haben das vorgemacht. Hier hängt der Gewinn der Stromkonzerne zum einen wegen Änderungen in der Bilanzierungsweise nicht mehr so stark von der verkauften Strommenge ab. Zum anderen gibt es neue Anreize. Hilft der Versorger den Kunden, Strom zu sparen, darf er einen Teil der eingesparten Summe als Zusatzerlös behalten. Die Pacific Gas and Electric Company aus Kalifornien hat so etwa einen zweistelligen Zusatzgewinn eingefahren. Das verändert die gesamte Unternehmenskultur. Jeder will plötzlich in der Effizienzabteilung arbeiten.
ZEIT ONLINE: Das klingt danach, als ob es nur an der Politik liegt, mit richtigen Vorgaben die Energiewende einzuleiten.
Lovins:
Natürlich nicht. Innovationen in Technologie und Design sind genauso wichtig. Autos müssen etwa leichter werden – das ist klar eine Aufgabe für Ingenieure und Designer. Ihre Innovationen wirken sich direkt auf den Energieverbrauch aus. Zahlreiche Studien zeigen etwa, dass wir
Peak Oil
bald erreicht haben – aber eben nicht auf der Angebotsseite, sondern der Nachfrageseite. Das liegt unter anderem an der steigenden Energieeffizienz und der steigenden Zahl von Elektroautos. Das ist sehr ermutigend. Denn es zeigt, dass diese Ölförderung im Grenzbereich nicht die Zukunft sein muss.
- Datum 04.06.2010 - 09:53 Uhr
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...bilder sollten auf allen titeln prangen.
http://www.boston.com/big...
… liegt das nicht im Interesse sowohl von BP als auch der US-Regierung
… liegt das nicht im Interesse sowohl von BP als auch der US-Regierung
… liegt das nicht im Interesse sowohl von BP als auch der US-Regierung
Der New York Times Journalist Thomas L. Friedman plädert in seinem Buch
"Was zu tun ist - Eine Agenda für das 21. Jahrhundert" (Suhrkamp)
- für einen System-Change in Richtung eines holistischen Denkens
- für eine Green Economy, für eine Green USA, für eine Green World
mit einer "Grünen Wirtschaft als Mutter aller Märkte".
Die USA sollte bei diesem SYSTEM-CHANGE durch systemisches holistisches neues Denken
Leadership übernehmen muss, damit die Welt die USA wieder lieb hat.
So einen CHANGE hatten viele von OBAMA erwartet.
Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko bietet - wie stets Krisensituationen -
eine riesen CHANCE for CHANGE.
Nach dem diese CHANCE for CHANGE 2008 beim drohenden Kollaps des Weltfinanzsystems nicht genutzt wurde,
könnte dies jetzt erfolgen ??? :
Unter nachfolgendem Link stellt Friedman einige Gedanken aus dem Buch kurz vor:
"Hot, Flat and Crowded.
Why the World Needs a Green Revolution and How we Can Renew Our Global Future" ,
on You Tube:
http://www.youtube.com/wa...
Dank fuer den Link, guter Hinweis
Dank fuer den Link, guter Hinweis
Dank fuer den Link, guter Hinweis
....Bhopal oder Tschernobyl und kann BP ins Aus schicken. Anders als die zwei genannten sterben die Menschen nicht. So werden die politischen Folgen auch geringer ausfallen. Mit Glück kann es jedoch dazu führen, dass mehr Forschung in die Energiethematiken investiert wird. Die Idee Off Shore Bohrungen zu stoppen ist allerdings abstrus, bis wir adäquate Substitute haben. Dazu wären momentan die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Massen zu groß.
Offensichtlich haben Sie sich den Link zu Thomas L. Friedman nicht angeschaut, sondern "kleben" weiterhin - wie in vielen Ihre Beiträge - an Ihrem vergangenheitsorientierten Alten Denken:
So sind die gigantischen Weltprobleme nicht zu lösen, jog !
sterben die Menschen nicht SO SCHNELL UND SO HÄUFIG, dass man den Zusammenhang nicht ableugnen könnte. Wenn ölexponierte Leute in 10 - 20 Jahren an Krebs erkranken, wird es schwer fallen, die Kausalität noch nachzuweisen.
Offensichtlich haben Sie sich den Link zu Thomas L. Friedman nicht angeschaut, sondern "kleben" weiterhin - wie in vielen Ihre Beiträge - an Ihrem vergangenheitsorientierten Alten Denken:
So sind die gigantischen Weltprobleme nicht zu lösen, jog !
sterben die Menschen nicht SO SCHNELL UND SO HÄUFIG, dass man den Zusammenhang nicht ableugnen könnte. Wenn ölexponierte Leute in 10 - 20 Jahren an Krebs erkranken, wird es schwer fallen, die Kausalität noch nachzuweisen.
Offensichtlich haben Sie sich den Link zu Thomas L. Friedman nicht angeschaut, sondern "kleben" weiterhin - wie in vielen Ihre Beiträge - an Ihrem vergangenheitsorientierten Alten Denken:
So sind die gigantischen Weltprobleme nicht zu lösen, jog !
Verschiedene Details der Aussagen des Befragten zeigen eindeutig die Unmöglichkeit der Durchsetzung von Strategien "holistischen Ausmasses".
Die Situation mit einem Kind zu vergleichen das ein Glas umschmeißt zeugt von einem infantilen Verständnis des Konzeptes Staat.
Das im Energiesektor viel Geld und somit wirtschaftstreibende Kraft steckt hat Herr Rockefeller doch wohl schon vorher erkannt. Solange Geld die Welt regiert,und die Markt bestimmenden Entscheidungsträger dieses bereits als selbige besitzen, wird zumindest in jener konzeptuellen Welt kein Politiker gegen die Weltregierung Geld auch nur einen Teilsieg davon tragen.
Es ist auch nicht ersichtlich, warum es einen Unterschied zwischen der Nichtproblemlösung nach der Finanzkrise jetzt eine Lösung adäquater Ressourcennutzung folgen könnte.
Einen erreichten OIlpeak im Verbrauch zu proklamieren, grenzt an Volksverdummung. Lösungsansätze die das Problem des persönlichen Mobilitätsrecht in Form von einem E-Auto pro Mensch in Betracht ziehen, haben wohl andere Weltbevölkerungszahlen im Blickwinkel als die allseits proklamierte Realität, oder aber noch ein paar Planeten in petto.
Es scheint das die grüne Bewegung in Deutschland nach Jahrzehnten der Diskreditierung durch die Wirtschaft nun von Siemens auf der Überholspur abgehängt wird und zum Exportschlager wird. Solange jedoch Volkswagen nicht die Serienproduktion der Volkswindmühlen aufnimmt, wird Erzengel Schumacher wohl weiterhin im Kreis fahren, und die deutsche Finanzwirtschaft die Exportgewinne in alternative Energiegeldanleihen stecken.
Es wäre interessant, einmal kurz zu überschlagen wieviel Einpersonenautos die deutsche Wirtschaft noch exportieren muss, damit alle von zu Hause aus ihr Einkommen mit vom Eßtisch per Internet überwiesenen Gewinnausschüttung abdecken können. Vielleicht könnte man dann mit Autosimulatoren in jedem Haushalt die Kosten des Straßennetzes reduzieren, und wir sitzen nicht mehr per Livekamera in Schummis Cockpit, sondern können alle gegen ihn virtuell antreten. So könnten wir das einheimische Kulturgut des Autofahrens aufrechterhalten und, wie es sich für die erste Welt gehört, vorbildlich vorleben welches die kulturellen Errungenschaften der Neuzeit sind.
Ein ganz neues Gefühl von Bürgerbeteiligung.
Es bedürfte schon eines Präsidenten der selber auf Fahrrad umsattelt, und vielleicht über Greenbow Alabama nach Bejing radelt. Dies könnte dann von James Cameron gefilmt und in Youtube eingestellt werden. Bei einem so gearteten Event währe es durchaus möglich das die Chinesische Regierung und Foxsports die Massage nicht einfach ausblenden können.
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