BP und die Ölkatastrophe "Der Rettungsplan ist komplett unzureichend"Seite 4/4

ZEIT ONLINE: In Washington ist von diesem Konsens wenig zu merken, dort wird heftig um die Energiepolitik gestritten.

Lovins: Ja, weil es nur noch um Ideologien geht. Dabei ist das völlig unwichtig. Ob Sie sich aus Sorge um die nationale Energiesicherheit oder aus Angst ums Klima für eine Energiewende einsetzen, ist ganz egal. Sie müssen in beiden Fällen die gleichen Schritte einleiten.

ZEIT ONLINE: Und welche wären das?

Lovins: Wir müssen jetzt weg von Öl, Kohle und langfristig auch vom Erdgas - hin zu Energieeffizienz und erneuerbaren Energien. Und zwar, weil es ökonomisch Sinn macht und Gewinne abfallen. Energieeffizienz ist viel günstiger als Erdöl. Unsere Studie "Winning the Oil Endgame" zeigt, wie sich die USA bis zum Jahr 2050 unabhängig vom Öl machen können. Diese Transformation muss gar nicht über eine restriktive Ordnungspolitik laufen – allein die Aussicht auf Gewinne ist Anreiz genug. Wenn wir einen Wettbewerb um effiziente Technologien anfeuern, dann können wir das Energiesystem schneller umbauen als gedacht.

ZEIT ONLINE: Welche Anreize könnte der Staat setzen?

Lovins: Es müssen nicht immer höhere Benzinsteuern oder Effizienzstandards sein. Wir schlagen etwa ein Bonusmodell vor. Es belohnt den Kauf von effizienten Automodellen und bestraft den von ineffizienten. Frankreich hat das zum ersten Mal 2008 ausprobiert. Im ersten Jahr gingen die Verkaufszahlen von Spritfressern um 42 Prozent zurück, während sich der Absatz effizienterer Modelle verdoppelte – ein erstaunliches Ergebnis.

ZEIT ONLINE: Was könnte im Strombereich passieren?

Lovins: Wir müssen die Energieversorger dazu bringen, dass sie ein Interesse haben, weniger Energie zu verkaufen. Einige Bundesstaaten haben das vorgemacht. Hier hängt der Gewinn der Stromkonzerne zum einen wegen Änderungen in der Bilanzierungsweise nicht mehr so stark von der verkauften Strommenge ab. Zum anderen gibt es neue Anreize. Hilft der Versorger den Kunden, Strom zu sparen, darf er einen Teil der eingesparten Summe als Zusatzerlös behalten. Die Pacific Gas and Electric Company aus Kalifornien hat so etwa einen zweistelligen Zusatzgewinn eingefahren. Das verändert die gesamte Unternehmenskultur. Jeder will plötzlich in der Effizienzabteilung arbeiten.

ZEIT ONLINE: Das klingt danach, als ob es nur an der Politik liegt, mit richtigen Vorgaben die Energiewende einzuleiten.   

Lovins: Natürlich nicht. Innovationen in Technologie und Design sind genauso wichtig. Autos müssen etwa leichter werden – das ist klar eine Aufgabe für Ingenieure und Designer. Ihre Innovationen wirken sich direkt auf den Energieverbrauch aus. Zahlreiche Studien zeigen etwa, dass wir Peak Oil bald erreicht haben – aber eben nicht auf der Angebotsseite, sondern der Nachfrageseite. Das liegt unter anderem an der steigenden Energieeffizienz und der steigenden Zahl von Elektroautos. Das ist sehr ermutigend. Denn es zeigt, dass diese Ölförderung im Grenzbereich nicht die Zukunft sein muss.
 

 
Leser-Kommentare
  1. ...bilder sollten auf allen titeln prangen.

    http://www.boston.com/big...

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    • Riktam
    • 04.06.2010 um 10:50 Uhr

    … liegt das nicht im Interesse sowohl von BP als auch der US-Regierung

    • Riktam
    • 04.06.2010 um 10:50 Uhr

    … liegt das nicht im Interesse sowohl von BP als auch der US-Regierung

    • Riktam
    • 04.06.2010 um 10:50 Uhr

    … liegt das nicht im Interesse sowohl von BP als auch der US-Regierung

    Antwort auf "solche..."
  2. Der New York Times Journalist Thomas L. Friedman plädert in seinem Buch

    "Was zu tun ist - Eine Agenda für das 21. Jahrhundert" (Suhrkamp)

    - für einen System-Change in Richtung eines holistischen Denkens

    - für eine Green Economy, für eine Green USA, für eine Green World

    mit einer "Grünen Wirtschaft als Mutter aller Märkte".

    Die USA sollte bei diesem SYSTEM-CHANGE durch systemisches holistisches neues Denken

    Leadership übernehmen muss, damit die Welt die USA wieder lieb hat.

    So einen CHANGE hatten viele von OBAMA erwartet.

    Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko bietet - wie stets Krisensituationen -

    eine riesen CHANCE for CHANGE.

    Nach dem diese CHANCE for CHANGE 2008 beim drohenden Kollaps des Weltfinanzsystems nicht genutzt wurde,
    könnte dies jetzt erfolgen ??? :

    Unter nachfolgendem Link stellt Friedman einige Gedanken aus dem Buch kurz vor:

    "Hot, Flat and Crowded.

    Why the World Needs a Green Revolution and How we Can Renew Our Global Future" ,

    on You Tube:

    http://www.youtube.com/wa...

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    • F Holm
    • 04.06.2010 um 11:16 Uhr

    Dank fuer den Link, guter Hinweis

    • F Holm
    • 04.06.2010 um 11:16 Uhr

    Dank fuer den Link, guter Hinweis

    • F Holm
    • 04.06.2010 um 11:16 Uhr
    4. @E-Fan

    Dank fuer den Link, guter Hinweis

    • joG
    • 04.06.2010 um 11:41 Uhr

    ....Bhopal oder Tschernobyl und kann BP ins Aus schicken. Anders als die zwei genannten sterben die Menschen nicht. So werden die politischen Folgen auch geringer ausfallen. Mit Glück kann es jedoch dazu führen, dass mehr Forschung in die Energiethematiken investiert wird. Die Idee Off Shore Bohrungen zu stoppen ist allerdings abstrus, bis wir adäquate Substitute haben. Dazu wären momentan die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Massen zu groß.

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    Offensichtlich haben Sie sich den Link zu Thomas L. Friedman nicht angeschaut, sondern "kleben" weiterhin - wie in vielen Ihre Beiträge - an Ihrem vergangenheitsorientierten Alten Denken:

    So sind die gigantischen Weltprobleme nicht zu lösen, jog !

    sterben die Menschen nicht SO SCHNELL UND SO HÄUFIG, dass man den Zusammenhang nicht ableugnen könnte. Wenn ölexponierte Leute in 10 - 20 Jahren an Krebs erkranken, wird es schwer fallen, die Kausalität noch nachzuweisen.

    Offensichtlich haben Sie sich den Link zu Thomas L. Friedman nicht angeschaut, sondern "kleben" weiterhin - wie in vielen Ihre Beiträge - an Ihrem vergangenheitsorientierten Alten Denken:

    So sind die gigantischen Weltprobleme nicht zu lösen, jog !

    sterben die Menschen nicht SO SCHNELL UND SO HÄUFIG, dass man den Zusammenhang nicht ableugnen könnte. Wenn ölexponierte Leute in 10 - 20 Jahren an Krebs erkranken, wird es schwer fallen, die Kausalität noch nachzuweisen.

  3. Offensichtlich haben Sie sich den Link zu Thomas L. Friedman nicht angeschaut, sondern "kleben" weiterhin - wie in vielen Ihre Beiträge - an Ihrem vergangenheitsorientierten Alten Denken:

    So sind die gigantischen Weltprobleme nicht zu lösen, jog !

  4. Verschiedene Details der Aussagen des Befragten zeigen eindeutig die Unmöglichkeit der Durchsetzung von Strategien "holistischen Ausmasses".
    Die Situation mit einem Kind zu vergleichen das ein Glas umschmeißt zeugt von einem infantilen Verständnis des Konzeptes Staat.
    Das im Energiesektor viel Geld und somit wirtschaftstreibende Kraft steckt hat Herr Rockefeller doch wohl schon vorher erkannt. Solange Geld die Welt regiert,und die Markt bestimmenden Entscheidungsträger dieses bereits als selbige besitzen, wird zumindest in jener konzeptuellen Welt kein Politiker gegen die Weltregierung Geld auch nur einen Teilsieg davon tragen.
    Es ist auch nicht ersichtlich, warum es einen Unterschied zwischen der Nichtproblemlösung nach der Finanzkrise jetzt eine Lösung adäquater Ressourcennutzung folgen könnte.
    Einen erreichten OIlpeak im Verbrauch zu proklamieren, grenzt an Volksverdummung. Lösungsansätze die das Problem des persönlichen Mobilitätsrecht in Form von einem E-Auto pro Mensch in Betracht ziehen, haben wohl andere Weltbevölkerungszahlen im Blickwinkel als die allseits proklamierte Realität, oder aber noch ein paar Planeten in petto.

  5. Es scheint das die grüne Bewegung in Deutschland nach Jahrzehnten der Diskreditierung durch die Wirtschaft nun von Siemens auf der Überholspur abgehängt wird und zum Exportschlager wird. Solange jedoch Volkswagen nicht die Serienproduktion der Volkswindmühlen aufnimmt, wird Erzengel Schumacher wohl weiterhin im Kreis fahren, und die deutsche Finanzwirtschaft die Exportgewinne in alternative Energiegeldanleihen stecken.
    Es wäre interessant, einmal kurz zu überschlagen wieviel Einpersonenautos die deutsche Wirtschaft noch exportieren muss, damit alle von zu Hause aus ihr Einkommen mit vom Eßtisch per Internet überwiesenen Gewinnausschüttung abdecken können. Vielleicht könnte man dann mit Autosimulatoren in jedem Haushalt die Kosten des Straßennetzes reduzieren, und wir sitzen nicht mehr per Livekamera in Schummis Cockpit, sondern können alle gegen ihn virtuell antreten. So könnten wir das einheimische Kulturgut des Autofahrens aufrechterhalten und, wie es sich für die erste Welt gehört, vorbildlich vorleben welches die kulturellen Errungenschaften der Neuzeit sind.
    Ein ganz neues Gefühl von Bürgerbeteiligung.

    Es bedürfte schon eines Präsidenten der selber auf Fahrrad umsattelt, und vielleicht über Greenbow Alabama nach Bejing radelt. Dies könnte dann von James Cameron gefilmt und in Youtube eingestellt werden. Bei einem so gearteten Event währe es durchaus möglich das die Chinesische Regierung und Foxsports die Massage nicht einfach ausblenden können.

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