Sparpaket Atomsteuer schockiert Versorger
Eine Steuer auf Brennelemente soll es auch dann geben, wenn die Verlängerung der Laufzeiten scheitert. Die Stromkonzerne halten diesen Weg für falsch.
Die vier Kernkraftwerksbetreiber reagieren verärgert auf das Sparpaket der Bundesregierung. "Wir halten den vorgeschlagenen Weg einer Brennelementesteuer für nicht zielführend", sagte RWE-Chef Jürgen Großmann dem Handelsblatt. Großmann und seine drei Kollegen bei Eon, EnBW und Vattenfall treibt die Sorge um, sie könnten zur Kasse gebeten werden, ohne eine Gegenleistung in Form einer Laufzeitverlängerung zu erhalten. Die Sorge ist berechtigt.
Seit der Bundestagswahl warten die Kernkraftwerksbetreiber auf die Revision des 2002 unter Rot-Grün beschlossenen Atomausstiegs. Zwar hat die schwarz-gelbe Koalition eine Laufzeitverlängerung grundsätzlich zugesagt. Die Konditionen sind aber unklar. Und dabei bleibt es zunächst: Frühestens Ende Juli, wenn die von der Regierung in Auftrag gegebenen Rechenmodelle für ein energiepolitisches Gesamtkonzept vorliegen, beginnt die Debatte über die Details.
Festgezurrt hat die Bundesregierung dagegen bereits die neue Steuer auf Brennelemente. 2,3 Milliarden Euro pro Jahr sollen RWE, Eon, EnBW und Vattenfall jährlich bezahlen. Damit sollen sie zum einen an der Sanierung maroder Endlager beteiligt werden – und zum anderen soll ein Teil der bei einer Laufzeitverlängerung zu erwartenden Zusatzeinnahmen abgeschöpft werden.
Die Steuer soll auch dann eingeführt werden, wenn eine Laufzeitverlängerung am Ende scheitert. "Die beiden Dinge sind nicht miteinander verknüpft", sagte ein Sprecher des Finanzressorts. Fachleute stützen diese Sichtweise. Die Einführung einer Brennelementesteuer sei auch ohne Laufzeitverlängerung gerechtfertigt, sagte Felix Matthes vom Öko-Institut. Er verweist auf die Zusatzgewinne, die die Kernkraftwerksbetreiber erzielen, weil sie nicht vom Emissionshandel betroffen sind.
Aus Sicht des RWE-Konzerns führt die neue Steuer in die Irre. RWE habe immer gesagt, dass der Konzern bereit sei, einen erheblichen Teil des aus der Laufzeitverlängerung entstehenden Mehrwerts mit der öffentlichen Hand zu teilen, sagte RWE-Chef Großmann. "Das Instrument einer neuen Steuer ist hierfür aber der falsche Weg", sagte er. Besser wäre eine Fondslösung, die zielgerichtet zum Ausbau der erneuerbaren Energien genutzt werden kann "und die auch nicht im allgemeine Haushalt verschwindet". Auch ein Eon-Sprecher bezeichnete die Steuer als eine "nicht geeignete Form der Kompensation". Die Regierung dagegen argumentiert, die Brennelementesteuer stelle eine "saubere und verfassungskonforme" Lösung dar.
Die Steuer dürfte die Preise für Stromverbraucher kaum beeinflussen, da die Kernkraftwerke, in denen der Strom besonders günstig produziert werden kann, nicht preissetzend sind. Entscheidend für die Bildung der Strompreise ist vielmehr die teuerste Anlage im Kraftwerkspark, etwa ein mit Gas betriebenes Kraftwerk oder ein ineffizientes Kohlekraftwerk mit hohen CO2-Kosten. Dagegen wird die Steuer sehr wohl die Betriebsergebnisse der Konzerne schmälern. Nach Berechnungen des Öko-Instituts verteuert die Steuer jede in Kernkraftwerken produzierte Kilowattstunde um 1,5 Cent. Um die Relationen zu verdeutlichen: Die Kilowattstunde kostet an der EEX im Terminmarkt um die fünf Cent.
Nach Berechnungen der Analysten von UBS entspricht der Betrag einer realen Steuerbelastung von etwa 40 Prozent des operativen Ergebnisses vor Abschreibungen (Ebitda). Sie schätzen, dass der Gewinn je Aktie bei Eon 2011 um zehn Prozent und bei RWE um elf geschmälert wird. Die Aktien von Eon und RWE gaben gestern um über zwei Prozent nach.
Als "klar negativ" wertete Bernhard Jeggle von der LBBW den Schritt. Während die Brennelementesteuer die Ergebnisse schnell belaste - schließlich trifft sie ab sofort alle Anlagen - fielen die Zusatzgewinne durch eine Laufzeitverlängerung erst "weit überwiegend im Zeitraum nach 2013" an. Denn noch verfügen alle 17 Reaktoren über Reststrommengen.
In Branchenkreisen hieß es, die Belastung sei nur zu rechtfertigen, falls die Laufzeiten im höheren zweistelligen Bereich verlängert würden. Das ist aber unrealistisch. In Berlin gelten inzwischen zehn Jahre als realistisch. Diese Zahl liege auch der Steuer zu Grunde, hieß es.
Ein Energiemanager sieht die Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung: "Wird denn auch der Atomstrom, den EDF nach Deutschland exportiert, besteuert? Vermutlich nicht."
Zuerst erschienen am 09.06.2010 im Handelsblatt
- Datum 09.06.2010 - 16:51 Uhr
- Quelle Handelsblatt
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Die armen, gebeutelten Energiekonzerne - RWE, Eon und Vattenfall haben 2009 jeweils Gewinne um die 5 Milliarden Euro gemacht. Ich empfehle eine Preiserhöhung, mehr Lobbyarbeit für Uralt-AKWs und Einsparungen bei Infrastruktur und Belegschaft.
....da doch sicherlich. Die Konzerne zahlen den dadurch teureren Strom doch nicht.
....da doch sicherlich. Die Konzerne zahlen den dadurch teureren Strom doch nicht.
Angenommen die Römer hätten ein Atomkraftwerk gebaut, müssten WIR deren Müll noch weitere 998.000 Jahre bewachen. Eine Brennelementesteuer von 2,3 Milliarden erscheint deshalb geradezu lächerlich.
mein reden ! 230 Milliarden waeren noch zu wenig !
mein reden ! 230 Milliarden waeren noch zu wenig !
....da doch sicherlich. Die Konzerne zahlen den dadurch teureren Strom doch nicht.
Wieso teureren Strom? Haben sie den Artikel nicht gelesen? Zudem sollte längst bekannt sein dass der Strompreis minimal von den Produktionskosten abhängt. Aber es gibt immernoch genug die den Untergang des Abendlandes profezeien, sollte nach und nach auf erneuerbare Energien umgestellt werden.
Wieso teureren Strom? Haben sie den Artikel nicht gelesen? Zudem sollte längst bekannt sein dass der Strompreis minimal von den Produktionskosten abhängt. Aber es gibt immernoch genug die den Untergang des Abendlandes profezeien, sollte nach und nach auf erneuerbare Energien umgestellt werden.
Wieso teureren Strom? Haben sie den Artikel nicht gelesen? Zudem sollte längst bekannt sein dass der Strompreis minimal von den Produktionskosten abhängt. Aber es gibt immernoch genug die den Untergang des Abendlandes profezeien, sollte nach und nach auf erneuerbare Energien umgestellt werden.
Kreativ sind sie ja endlich mal. Darauf sind ja nicht mal die Grünen gekommen. Schon ist wieder eine neue Steuer kreiert. Mit der kann man auch die längeren Laufzeiten verkaufen, und der Widerstand der Opposition wird sicher angesichts der zu erwartenden Mehreinnahmen erlahmen, wenn er überhaupt noch notwendigsein sollte.
Diese Mehreinnahmen zahlen natürlich die Verbraucher einschließlich der darauf enstehenden Öko- und Umsatztsteuern.
Das Steuerlied des ehemaligen Bundeskanzlers war vielleicht ein Prophezeiung. Möglicherweise ist in nicht ferner Zukunft die Nichtbesteurung eins Gutes, einer Handlung oder eines Zustandes eine Subvention.
D. h. der Mensch kommt als Subventionierter (Unterstützter) auf die Welt und das Erwachsenwerden ermittelt sich an der Höhe seiner Besteuerung. Also ein Besteuerung von 100% wäre die absolute Selbständigkeit, da frei von jeder Subvention.
mein reden ! 230 Milliarden waeren noch zu wenig !
Ich halte diesen Weg für richtig.
Das ist eindeutig eine Steuer für Dumme.
Jeder Verbraucher hat die Möglichkeit zu Ökostrom zu wechseln und eine evtl Strompreiserhöhung der Atomkonzerne ins Leere laufen zu lassen.
Übrigens ist für Haushalte ein Ökostromtarif schon jetzt billiger als ein Atomstromtarif, z.B. von Naturstrom.
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