Ölkatastrophe BP versucht Aktionäre zu besänftigen

Der britische Ölkonzern BP muss gegen einen weiteren Einbruch des Aktienkurses ankämpfen. In einer eilig einberufenen Telefonkonferenz sollen Investoren und Analysten beruhigt werden.

Mitten in der schweren Ölpest vor der US-Küste greift BP-Chef Tony Hayward selbst zum Hörer. Telefonisch will er ausgesuchte Investoren und Analysten über die wirtschaftliche Lage des Konzerns informieren. Außerdem soll es um den aktuellen Stand der Reparaturarbeiten am Bohrloch im Golf von Mexiko gehen.

Der Konzern hat seit der Explosion auf der Ölplattform Deepwater Horizon am 20. April mit elf Toten deutlich an Wert verloren. Die BP-Aktie brach um ein Drittel ein. Die Talfahrt des Kurses beschleunigte sich in dieser Woche, nachdem die "Top Kill" genannte Aktion zum Stopfen der sprudelnden Ölquelle am vergangenen Wochenende gescheitert war.

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Das Investorenbriefing wurde eilig angekündigt, nachdem die US-Ratingagenturen Fitch und Moody's die Kreditwürdigkeit des Unternehmens herabgestuft hatten. Fitch stufte BP von "AA+" auf "AA" herab. Konkurrent Moody's nahm seine Einstufung von "Aa1" auf "Aa2" zurück. Beide Ratingagenturen halten eine weitere Rückstufung angesichts drohender Milliardenkosten für möglich.

Durch die Herabstufung wird es für BP schwieriger und teurer, sich Geld zu leihen. Der Ölmulti ist eines der weltweit profitabelsten Unternehmen. Er machte in den vergangenen Jahren Milliardengewinne. Im ersten Quartal 2010 steigerte BP seinen Überschuss um 138 Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar (rund 4,6 Mrd. Euro).

Dennoch hat der Konzern die Entscheidung über die nächste Quartalsdividende vertagt. Ob Geld an die Aktionäre ausgeschüttet werde, entscheide das Board unter Berücksichtigung der aktuellen Umstände, teilte der Ölmulti mit. Dem Unternehmen sei die Bedeutung der Dividende für die Aktionäre voll bewusst. Zwei US-Senatoren hatten den Konzern aufgefordert, auf die Zahlung solange zu verzichten, bis die gesamten Kosten der Ölpest bekannt seien. BP schüttet im Jahr rund 10,5 Milliarden Dollar an seine Aktionäre aus. Die meisten Analysten gehen davon aus, dass BP die Rechnung für die Aufräumarbeiten bezahlen kann, ohne auf die Ausschüttung einer Dividende zu verzichten.

Operation Top Kill

Sechs Wochen nach dem großen Knall im Golf von Mexiko ist der Optimismus auch beim Ölkonzern BP versiegt. Seine Operation Top Kill, das Stopfen des Lecks am Meeresboden mit Schlamm und Zement, ist am vergangenen Wochenende gescheitert. »Wir haben es versäumt, das Biest in die Knie zu zwingen«, gestand der Konzernmanager Bob Dudley im US-Fernsehen. Es sei unmöglich, das Loch kurzfristig zu schließen, räumt der Konzern inzwischen ein. Und falls sein neuester Plan misslingt, könnte alles noch schlimmer werden.
 

Glocke über dem Leck

Mitte der Woche sollen Unterwasserroboter die zerstörte Ölleitung am Bohrloch glatt durchschneiden und entfernen. Dann will BP eine kleine Glocke über dem Leck anbringen. Sie soll bis zu 85 Prozent des austretenden Öls auffangen, das dann durch eine Leitung in ein Tankschiff strömen soll. Vier bis sieben Tage dürfte die Aktion dauern. Fachleute befürchten, infolge des glatten Rohrschnitts könnte noch mehr Öl austreten. Einen ähnlichen Auffangversuch hatte BP bereits vor etwa vier Wochen gestartet. Vergeblich, denn ausströmendes Erdgas und eisiges Wasser hatten Kristalle gebildet und den gezielten Ölabfluss durch die Glocke verhindert.

Entlastungsbohrungen

Manche befürchten, dass erst Entlastungsbohrungen das Öl stoppen werden. Zwei neue Löcher sollen tief im Boden den Druck auf das Leck verringern, sodass es mit Zement verschlossen werden kann. BP hat im Mai mit den Tiefbohrungen begonnen. Bis zum Abschluss dürften noch zwei Monate vergehen.

Die US-Regierung stellte BP derweil eine erste Rechnung über 69 Millionen Dollar (rund 57 Millionen Euro) für die Reinigung der mit Öl verschmutzen Strände aus. Wie viel BP für den Schaden letztlich zahlen muss, weiß derzeit niemand genau. Analysten der Schweizer Bank Credit Suisse rechnen mit Gesamtkosten von bis zu 37 Milliarden Dollar. So viel Gewinn machte der Konzern insgesamt in den vergangenen beiden Jahren.

BP versucht derzeit, einen Behälter über dem Leck in 1500 Meter Tiefe zu platzieren , um das Öl danach kontrolliert abzuleiten.

Hayward musste bereits einräumen, dass das Absägen eines Steigrohrs wegen technischer Probleme nicht sauber ausgeführt werden konnte. Dadurch sei es nun schwieriger als geplant, die "Top Cap" genannte Kappe lückenlos auf das Rohr zu stülpen

 
Leser-Kommentare
    • tower
    • 04.06.2010 um 14:38 Uhr

    Da die wirklichen Schäden erst in Monaten sichtbar werden,ist das wirkliche Ausmaß dieser Katastophe noch garnicht zu übersehen. Am Ende könnte es ein -Waterloo- für BP werden,denn eines ist jetzt schon klar,die -Portokasse- wird hier nicht reichen.Es liegt auch daran ,ob in naher Zukunft die ersten unter Wasser schwebenden (mit Chemie) aufgelösten Oilwolken bei Key West antreiben ,sich dort mit dem ca.5 km/h schnellen Golfstrom vereinen werden,um dann in nordöstlicher Richtung zu treiben,vorbei an die gesamte Ostküste Floridas und weiter rauf bis Cap Hatteras.Da kann die Ostküste evt. mit einem blauen Auge davon kommen ,solange auflandige Winde die Meeresstömung nicht nsch Westen ableiten.Ausserdem könnten sich die Oilwolken langsam aber sicher auflösen und vorerst zuminstestens keinen -sichtbaren -Schaden erzeugen.Aber bis es soweit ist,werden die Küsten im gesamten G.v. Mexico noch mit weiteren Überraschungen rechnen müssen.

    • leon1
    • 06.06.2010 um 1:53 Uhr

    in den USA nennt man es walk away wenn Hausbesitzer ihre voellig ueberschuldeten Hauser ueber nacht verlassen.
    BP wird zur gegebenen Zeit Bankrott anmelden und die Kosten den Steuerzahlern in den USA und anderswo ueberlassen.
    Obamas Drohungen sie sollen zahlen bis zum letzten Cent sind hohl und er weiss es auch.
    Dann wird es eine neue BP geben selbstverstaendlich unter neuem Namen und der Wahnsinn geht weiter.

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  • Quelle Reuters
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