Kaufhausmieten Vermieter droht Karstadt-Investor Berggruen
Das Highstreet-Konsortium bedrängt den neuen Karstadt-Eigner: Ohne Einigung über die Mietkonditionen drohe der Kaufhauskette die Zerschlagung.
Das Vermieterkonsortium Highstreet vermietet die Karstadt-Warenhäuser. Unter anderem hängt von den Konditionen ab, ob die Sanierung der insolventen Kaufhauskette gelingt. Noch gibt es keine Einigung mit dem neuen Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen über die künftigen Mieten.
Highstreet macht nun Druck: Werde das Angebot des Konsortiums nicht angenommen, drohe Karstadt die Zerschlagung, sagte ein Sprecher. "Highstreet ist bereit zu weiteren Mietsenkungen von 230 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren, zusätzlich zu dem bereits im Insolvenzplan zugesagten Sanierungsbeitrag von 160 Millionen Euro über drei Jahre." Dieses Angebot habe man allen Karstadt-Interessenten unterbreitet.
Bisher habe Berggruen aber nicht zugesagt. Werde die Highstreet-Offerte nicht angenommen, "steigt die Wahrscheinlichkeit einer Liquidation von Karstadt erheblich". Eine Einigung sei "Kernbestandteil, um Karstadt zu retten", ergänzte der Sprecher.
Der Karstadt-Gläubigerausschuss hatte den 48-jährigen Unternehmer Berggruen am Montag den Zuschlag für Karstadt gegeben , der den Konzern als Ganzes weiterführen will. Neben ihm bewarben sich auch Highstreet und der Finanzinvestor Triton . Berggruen hatte mehrfach Mietnachlässe für die Warenhäuser gefordert.
- Triton
Der deutsch-skandinavische Investor hat durch die Übernahme von Unternehmen wie dem Autozulieferer Stabilus, Rütgers Chemie oder dem Fertighausbauer Kampa von sich Reden gemacht. Die Pläne Tritons für Karstadt sahen unter anderem vor, verlustbringende Abteilungen an Fremdunternehmen abzugeben. Davon wären knapp 5000 Mitarbeiter betroffen gewesen. Als Bedingung für eine Übernahme von Karstadt will Triton Lohnzugeständnisse von den Arbeitnehmern über den unterschriebenen Sanierungstarifvertrag hinaus.
- Berggruen
-
Nicolas Berggruen brachte sich mit seiner Berggruen Holdings Ltd überraschend als Karstadt-Retter ins Spiel. Der 48-jährige Sohn des verstorbenen Kunstsammlers Heinz Berggruen hat in verschiedenen Zeitungsinterviews betont, mit Karstadt kein "schnelles Geld" machen zu wollen, sondern langfristig zu investieren. Stemmen will Berggruen die Sanierung Karstadts mit Hilfe weiterer Zugeständnisse der Vermieter. Beim Personal sind keine weiteren Einschnitte vorgesehen.
Berggruen steuert von seiner Berliner Niederlassung vor allem Investments in Immobilien. Dazu zählen unter anderem das Hotel Sarotti Höfe oder der Büro- und Gewerbekomplex auf dem Gelände der ehemaligen Schuckert Werke in Berlin.
- Highstreet
Das Vermieter-Konsortium, dem die Mehrzahl der Karstadt-Immobilien gehört, hatte erst kurz vor Ende der Bieterfrist ein Angebot für Karstadt vorgelegt. Hinter Highstreet steht mehrheitlich die US-Investmentbank Goldman Sachs. Weitere Partner sind die Deutsche Bank und die italienischen Unternehmen Borletti, Generali und Pirelli. Borletti hat bereits Warenhauserfahrung mit der italienischen Kette La Rinascente und dem französischen Kaufhaus Printemps gesammelt. Das Vermieter-Gremium ist zugleich auch einer der Hauptgläubiger Karstadts.
Die Gewerkschaft ver.di zeigte sich erleichtert über den Verkauf an Berggruen. Zwar sei man noch nicht so weit, zu sagen, das neue Kapitel habe endgültig begonnen, sagte die stellvertretende Vorsitzende Margret Möning-Raane. "Wir sind noch im Übergang, aber es ist eine wichtige Etappe."
Und damit meinte sie auch die bevorstehenden Verhandlungen über die Mieten für die Filialen.
Einst Interesse gezeigt hatte auch der Handelskonzern Metro. Das Unternehmen wollte Kaufhof abstoßen und einzelne Warenhäuser des Konkurrenten Karstadt mit Kaufhof zusammenführen.
Ungeachtet der schwindenden Aussichten auf eine Warenhausallianz bleibt Metro dabei, sich von seiner Tochtergesellschaft Kaufhof zu trennen. "Es hat sich nichts an unserem Ziel verändert, Kaufhof zu verkaufen", sagte ein Metro-Sprecher. Metro habe dabei aber keine Eile und stehe nicht unter Druck. "Wir werden die neue Situation in Ruhe analysieren", hieß es.
Finanzinvestoren hatten kürzlich bei Kaufhof die Prüfung der Bücher weitgehend abgeschlossen. Branchenkreisen zufolge könnten die Interessenten die Lage nun aber angesichts der Entwicklung bei Karstadt neu analysieren.
© Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Keine Einigung über die Mieten: Karstadt-Kaufhaus (in Essen)
- Datum 08.06.2010 - 11:03 Uhr
- Quelle dpa, Reuters
- Kommentare 14
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Man kann aus solchen Häusern auch ausziehen!
Es wird ein Macht-Kampf werden. In Bremen zB ist das Haus Karstadt so gross, dass sich derzeit keine vergleichbare Innenstadtimmobilie finden würde,abgesehen davon, ob ein Umzug wirklich zu einer Kostensenkung führen würde ?
Angesichts dieses Raubtierkapitalismus sollte man sich nochmals genau anschauen, was Ökonomen aus der "dritten" Welt über die Steuerbarkeit von Gemeinschaften behaupten.
Der Staat, fast zum Zuschauer geworden, sichert hier jedenfalls nicht das Gemeinwohl. Tausende,mal wieder Tausende, werden davon betroffen sein, und die Gemeinschaft, die dann die Kosten tragen muss, schliesslich auch.
Ich schlage vor, Highstreet (Goldman Sachs) zu enteignen.
Es kann nicht sein, dass diese sch... A... hier das gleiche Chaos anrichten, wie in ihrem eigenen Land.
Seit gestern wissen wir ja, dass der Normalbürger mal wieder den Kopf für diese Investoren hinhalten darf.
"In München betrug die Garantiemiete 23,2 Prozent vom Umsatz, in Leipzig 19,6 Prozent, in Potsdam 16,4 Prozent und in Karlsruhe 14,5. Schon bei einem Verhältnis Umsatz zu Miete von zehn Prozent, so Einzelhandelsexperten, beginne die sogenannte Todeszone, in der ein Warenhaus die Miete gemeinhin nicht mehr erwirtschaften könne."
http://www.spiegel.de/wir...
Und dann die Hausbesitzer, deren Mieter die Miete nicht zahlen und dann alle diejenigen, die auf Grund von Verträgen einen Anspruch haben, der nicht durchsetzbar ist. Z. B. Handwerker, die auf ihrem Lohn sitzen bleiben oder Einzelhändler deren Schuldner insolvent sind. Natürlich sollen die Unternehmer vor ihrer Enteignung dem Schuldner vorher noch großzügig entgegenkommen.
Es muss halt hart verhandelt werden, wie immer in solchen Situationen. Aber wenn Highstreet überzieht und alles zerschlägt, kriegen sie gar nichts.
"In München betrug die Garantiemiete 23,2 Prozent vom Umsatz, in Leipzig 19,6 Prozent, in Potsdam 16,4 Prozent und in Karlsruhe 14,5. Schon bei einem Verhältnis Umsatz zu Miete von zehn Prozent, so Einzelhandelsexperten, beginne die sogenannte Todeszone, in der ein Warenhaus die Miete gemeinhin nicht mehr erwirtschaften könne."
http://www.spiegel.de/wir...
Und dann die Hausbesitzer, deren Mieter die Miete nicht zahlen und dann alle diejenigen, die auf Grund von Verträgen einen Anspruch haben, der nicht durchsetzbar ist. Z. B. Handwerker, die auf ihrem Lohn sitzen bleiben oder Einzelhändler deren Schuldner insolvent sind. Natürlich sollen die Unternehmer vor ihrer Enteignung dem Schuldner vorher noch großzügig entgegenkommen.
Es muss halt hart verhandelt werden, wie immer in solchen Situationen. Aber wenn Highstreet überzieht und alles zerschlägt, kriegen sie gar nichts.
Ich verstehe dieses Geldgierige verhalten nicht? Kann mir mal jemand erklären wo der nutzen für diese Gruppe liegt? Ich meine, was haben die davon wenn Karstadt pleite gehen würde?
Der Vermieter braucht die zugesagten Renditen, weil diese wiederum Rentenfonds oder Ersparnisse von Kleinsparern, aber auch anderen Großinvestoren darstellen.
Die heutigen Großinvestoren sind eher selten vermögende Private, sondern meist Investmentbanker, die davon leben, dass breite Massen bei Ihnen ihr Geld anlegen.
Da Renditeeinbussen Kursverluste zur Folge haben, könnten dadurch Mittelabflüsse verursacht werden und so zu einem weiteren Dominoeffekt führen.
Mit einzelnen Großinvestoren kann man verhandeln, mit einer anonymen Masse eher nicht.
Was ein Grund für die erlebte Unflexibilität (Gier) am Markt ist, eine Masse von Geldgebern kann man schwer zum Stillhalten bewegen, zumal deren Empörung über drohende Verluste auch wiederum den Staat auf den Plan ruft, um "soziale" Härten zu vermeiden.
H.
Der Vermieter braucht die zugesagten Renditen, weil diese wiederum Rentenfonds oder Ersparnisse von Kleinsparern, aber auch anderen Großinvestoren darstellen.
Die heutigen Großinvestoren sind eher selten vermögende Private, sondern meist Investmentbanker, die davon leben, dass breite Massen bei Ihnen ihr Geld anlegen.
Da Renditeeinbussen Kursverluste zur Folge haben, könnten dadurch Mittelabflüsse verursacht werden und so zu einem weiteren Dominoeffekt führen.
Mit einzelnen Großinvestoren kann man verhandeln, mit einer anonymen Masse eher nicht.
Was ein Grund für die erlebte Unflexibilität (Gier) am Markt ist, eine Masse von Geldgebern kann man schwer zum Stillhalten bewegen, zumal deren Empörung über drohende Verluste auch wiederum den Staat auf den Plan ruft, um "soziale" Härten zu vermeiden.
H.
"In München betrug die Garantiemiete 23,2 Prozent vom Umsatz, in Leipzig 19,6 Prozent, in Potsdam 16,4 Prozent und in Karlsruhe 14,5. Schon bei einem Verhältnis Umsatz zu Miete von zehn Prozent, so Einzelhandelsexperten, beginne die sogenannte Todeszone, in der ein Warenhaus die Miete gemeinhin nicht mehr erwirtschaften könne."
http://www.spiegel.de/wir...
Der Vermieter braucht die zugesagten Renditen, weil diese wiederum Rentenfonds oder Ersparnisse von Kleinsparern, aber auch anderen Großinvestoren darstellen.
Die heutigen Großinvestoren sind eher selten vermögende Private, sondern meist Investmentbanker, die davon leben, dass breite Massen bei Ihnen ihr Geld anlegen.
Da Renditeeinbussen Kursverluste zur Folge haben, könnten dadurch Mittelabflüsse verursacht werden und so zu einem weiteren Dominoeffekt führen.
Mit einzelnen Großinvestoren kann man verhandeln, mit einer anonymen Masse eher nicht.
Was ein Grund für die erlebte Unflexibilität (Gier) am Markt ist, eine Masse von Geldgebern kann man schwer zum Stillhalten bewegen, zumal deren Empörung über drohende Verluste auch wiederum den Staat auf den Plan ruft, um "soziale" Härten zu vermeiden.
H.
Würde das aber nicht bedeuten das wenn Sie es zu weit treiben und Berggruen abspringt, die Investoren dann erst recht viel Geld verlieren? Und wer würde den als Investmentbanker in Kaufhausketten investieren? Das hört sich nicht so an als ob sich so etwas lohnen würde?
Das trifft in diesem Fall nur bedingt zu. Denn eine prozentuale Umsatzabschöpfung ist keine "zugesagte Rendite", sondern aus mehreren Gründen gerade aus Anlegersicht grober Unfug.
Zum ersten, weil in dem Einzelhandels-Branchenmix, mit denen man solche Häuser einigermaßen umsatzträchtig füllen kann, unterm Strich solche Abschöpfungen überhaupt nicht zu erwirtschaften sind - selbst wenn man den Textil-Bereich extrem ausweitet. Zum zweiten, weil selbst wenn das eine Zeitlang gelingt, dies unweigerlich auf Kosten der Qualität von Waren und Service geht. Zum dritten, weil der Mieter machen kann, was er will - gelingt es ihm, den Umsatz zu steigern, wächst die überhöhte Miete munter mit, Entkommen unmöglich. Die bei sinkenden Umsätzen scheinbar faire Vereinbarung ist in der anderen Richtung eine innovationshemmende, motivationstötende Bleikugel.
Diejenigen, die damals diese Konditionen ausgehandelt und unterschrieben haben, gehören an die Wand genagelt. Und wenn Highstreet meint, das Problem mit einer kleinen, zeitlich befristeten Rabattaktion aus der Welt zu schaffen, sollten die Anleger ihr Geld lieber gleich ganz abschreiben. Ich nehme nicht an, dass Berggruen auf das vorliegende Angebot eingeht. Wenn ja, hat er schon verloren.
'Nebeneffekt' privatisierter Altersvorsorge, gelle?
Würde das aber nicht bedeuten das wenn Sie es zu weit treiben und Berggruen abspringt, die Investoren dann erst recht viel Geld verlieren? Und wer würde den als Investmentbanker in Kaufhausketten investieren? Das hört sich nicht so an als ob sich so etwas lohnen würde?
Das trifft in diesem Fall nur bedingt zu. Denn eine prozentuale Umsatzabschöpfung ist keine "zugesagte Rendite", sondern aus mehreren Gründen gerade aus Anlegersicht grober Unfug.
Zum ersten, weil in dem Einzelhandels-Branchenmix, mit denen man solche Häuser einigermaßen umsatzträchtig füllen kann, unterm Strich solche Abschöpfungen überhaupt nicht zu erwirtschaften sind - selbst wenn man den Textil-Bereich extrem ausweitet. Zum zweiten, weil selbst wenn das eine Zeitlang gelingt, dies unweigerlich auf Kosten der Qualität von Waren und Service geht. Zum dritten, weil der Mieter machen kann, was er will - gelingt es ihm, den Umsatz zu steigern, wächst die überhöhte Miete munter mit, Entkommen unmöglich. Die bei sinkenden Umsätzen scheinbar faire Vereinbarung ist in der anderen Richtung eine innovationshemmende, motivationstötende Bleikugel.
Diejenigen, die damals diese Konditionen ausgehandelt und unterschrieben haben, gehören an die Wand genagelt. Und wenn Highstreet meint, das Problem mit einer kleinen, zeitlich befristeten Rabattaktion aus der Welt zu schaffen, sollten die Anleger ihr Geld lieber gleich ganz abschreiben. Ich nehme nicht an, dass Berggruen auf das vorliegende Angebot eingeht. Wenn ja, hat er schon verloren.
'Nebeneffekt' privatisierter Altersvorsorge, gelle?
Es ist ein reines Pokerspiel. Ich hoffe, dass Berggruen "gewinnt". Das ist davon abhängig, ob die Großgrundbesitzer Chancen sehen, die Immobilien anderweitig zu verwerten. In Kiel gibt es die Chance nicht, da haben zwei von drei Karstadthäusern schon dicht gemacht. Das verbliebene und größte Haus war früher mal Hertie.
Und dann war doch noch der smarte Unternehmer, der die Karstadthäuser verkaufte, um sie wieder anzumieten und sich daran eine goldene Nase zu verdienen. Der hat meines Erachtens strafbare Untreue begangen §266 StGB. Ist der immer noch nicht im Knast?
Würde das aber nicht bedeuten das wenn Sie es zu weit treiben und Berggruen abspringt, die Investoren dann erst recht viel Geld verlieren? Und wer würde den als Investmentbanker in Kaufhausketten investieren? Das hört sich nicht so an als ob sich so etwas lohnen würde?
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