Warenhäuser Karstadt muss sich neu erfinden
Die Belegschaft atmet auf: Karstadt geht an Nicolas Berggruen. Doch damit sich die Investition für den Milliardär jemals rechnet, muss er das Profil der Kette schärfen.
© PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Karstadt hat einen neuen Investor, doch Nicolas Berggruen braucht einen langen Atem
Liest man die aktuellen Nachrichten über Karstadt, könnte man den Eindruck gewinnen, es gäbe nur noch eine Hürde zu überwinden, dann sei die insolvente Warenhauskette über den Berg: "Karstadt-Rettung wackelt noch – Keine Einigung über Miete", titelt etwa die dpa. Doch selbst wenn sich der am Montagabend zum Zuge gekommene Investor Nicolas Berggruen mit dem Karstadt-Vermieter Highstreet über Mietsenkungen einig wird, ist noch lange nicht Jubeln angesagt.
Zwar will der Milliardär, Sohn des im Dritten Reich emigrierten Berliner Kunstsammlers und Mäzens Heinz Berggruen, nach bisherigen Angaben keinen Personalabbau unter den 25.000 Karstadt-Beschäftigten vornehmen, und er strebt auch den Erhalt aller 120 Standorte an. Berggruen will sogar eine hohe Millionensumme in Karstadt investieren, dem Vernehmen nach rund 240 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren, um die Warenhäuser attraktiver und interessanter zu machen.
Aber wie kann das gelingen? Das Geschäftsmodell Warenhaus in seiner traditionellen Form ist grundsätzlich angeschlagen, auch Karstadt-Konkurrent Kaufhof federte sinkende Umsätze in erster Linie durch Kostensenkungen ab. "Es ist dringend notwendig, dass das neue Karstadt-Management am Markenkern arbeitet, denn daran fehlt es dem Namen 'Karstadt'", kommentiert Michael Gerling, Geschäftsführer des auf Handel spezialisierten Forschungsinstituts EHI Retail Institute in Köln.
Berggruen und sein industrieller Partner, der weltweit aktive Modeunternehmer Max Azria, haben bei Karstadt viel aufzuarbeiten, denn schon unter früheren Vorstandschefs wie Wolfgang Urban, Christoph Achenbach und Thomas Middelhoff machte sich das Management kaum noch Gedanken über eine Weiterentwicklung des Geschäftsmodells. Die Luxushäuser von Karstadt wie das KaDeWe in Berlin und Oberpollinger in München stehen für sich, aber darüber hinaus verbinden, wie Studien zeigen, viele Menschen nur wenig Konkretes mit dem Namen "Karstadt".
Dass Berggruen keine weiteren Einschnitte beim Personal vornehmen will, bewertet Experte Gerling erst einmal positiv. "In den vergangenen Jahren wurde in den Warenhäusern massiv Personal abgebaut und damit die Beratungsleistung reduziert. Das hat sich am Markt nicht bewährt, deshalb ist es richtig, dass Berggruen hier nicht weiter kürzen will."
- Datum 08.06.2010 - 18:44 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Kann meinem Vorredner nur zustimmen.
Wie kann ich ein Unternehmen KAUFEN und die wichtigsten Dinge sind vollkommen unklar.
Der, dem die Häuser gehören soll darin auch wirtschaften,
das hat jahrzehntelang funktioniert.
die verhandlungsposition ist nun gestärkt, die immobilien sind ohne solventen mieter auch nicht viel wert.
Ich stimme xiri zu:
Wenn der Vermieter der Mehrzahl der Karstadt-Häuser selbst als Bieter auftritt, ist eine Verhandlung vor einem Zuschlag schlicht nicht möglich. Wenn das Highstreet Management sich selbst Chancen einräumt Karstadt zu übernehmen wird es sich keinesfalls auf Zugeständnisse an die Konkurrenz einlassen.
Viel wichtiger ist allerdings, dass die Mieten eine der Hauptursachen für die momentane Lage bei Karstadt sind und dies auch schon lange bekannt ist. Das Highstreet nun als Bieter aufgetreten ist, ist zumindest kritisch zu bewerten. Manch einer mag es unmoralisch nennen.
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