"Wir brauchen keine Wettervorhersage."
Frage: Wann werden Sie so weit sein?
Jones: Ich würde sagen, es dürfte noch um die sechs Monate dauern, bis wir so weit sind und Myspace komplett erneuert ist.
Frage: Ein paar Beispiele für kommende Änderungen?
Jones: Wir waren zu stark in die Richtung Portal marschiert. Wir brauchen keine Wettervorhersage oder Horoskop oder Unterkategorien, die jeder auch kopieren kann. Wir gehen zurück auf Content und Entdeckung. Wir werden zudem stark in den Mobile-Bereich investieren. Schon heute haben wir rund 20 Prozent der Nutzer, die über Mobile-Web zu uns kommen. Sehr stark wird auch Gaming werden. Alle großen Spiele-Entwickler haben bereits Mitarbeiter von sich bei uns im Haus.
Frage: Wie wichtig ist eine maximale Reichweite in der Web-Nutzerschaft für Myspace?
Jones: Für uns zählt nicht mehr die schiere Größe, aber mit Mobile-Web werden wir eine neue Welt beschreiten. Die Branche lernt gerade, dass man einen enormen Wert pro Mobile-Web-Kunde schaffen kann, wenn man sehr früh eine stabile Beziehung zu ihm aufbauen kann.
Frage: Datenmissbrauch oder Privatsphäre ist ein Riesenthema. Wird das das Waterloo der Web-2.0-Branche?
Jones: Es ist tatsächlich ein globales Thema. Wo gehen die Daten hin, wer nutzt sie? Zu Beginn des Webs wussten wir alle nur, dass Daten wichtig sind, aber wir wussten nichts mit ihnen anzufangen. In der zweiten Phase wurde uns allen klar, dass es gute Möglichkeiten gibt, Geschäftsmodelle darauf aufzubauen.
In der aktuellen Phase weiß man, wie man sie nutzt und dass man sehr, sehr viel Geld damit verdienen kann. Wir bei Myspace haben den Vorteil, dass wir unser Geschäft auf unsere Site konzentriert haben. Wir können auch mit anonymen Nutzern Geld verdienen, die ihr Profil komplett als „private“ gekennzeichnet haben. Andere Seiten nicht, die müssen Daten nach außen geben.
Frage: Ein Problem des Geschäftsmodells?
Jones: Ja, die Probleme beginnen, wenn ich die Daten meiner Nutzer aus meinem Netz herausgebe, um Dritten zu erlauben, damit Geld zu verdienen. In den Netzen ist die Sicherheit sehr gut. In der Zukunft wird es darum gehen zu regeln, welche Daten von wem an wen raus gegeben werden dürfen.
Frage: Alle Networks arbeiten gerade an oder haben eigene Bezahldienste für Inhalte. Was ist mit MySpace?
Jones: Wir haben bereits ein Pilotprojekt in China. Wir denken über eines in den USA nach.
Frage: Wie sehen Sie die Zukunft des Web allgemein und des Silicon Valley im Besonderen?
Jones: Die Zeiten werden härter werden für Start-ups und die Bewertungen geringer. Aber trotzdem wird es immer wieder zahlreiche Neugründungen geben, die dann von den „üblichen Verdächtigen“ übernommen werden, wenn sie vielversprechend sind. Aber zu niedrigeren Preisen.
Frage: Warum wird es härter? Das Web boomt.
Jones: Es wird schwerer werden, Investoren zu begeistern. Gigantische Erfolge wie Facebook oder Twitter haben die Messlatte dramatisch angehoben. Zum Beispiel 50 Mio. Unique-User im Monat, das ist ein stolzer Wert. Von 3000 bis 4000 Start-ups erreichen den aber vielleicht mal zehn. Die Investoren erwarten jedoch mittlerweile solche Zahlen. Wenn sie alleine, außerhalb von Netzen wie Facebook, Twitter oder Myspace wachsen wollen, wird das immer schwieriger.
Das Interview erschien am 03.06.2010 im Handelsblatt.
- Datum 04.06.2010 - 15:08 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle Handelsblatt
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







"als klare Nummer zwei gut positioniert"
Tja, wenn's um Netzwerke geht, ist die Nummer zwei zumeist schon deutlich abgeschlagen. Denn Neulinge gehen dorthin, wo die meisten Freunde oder Kollegen sind - und das ist die Nummer 1. Wenn Myspace die Fokussierung auf eine spannende Nische nicht schafft, wird's schwer werden.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren