Ölpest Wie sich BP selbst retten will

Die Ölpest hat BP in eine existenzbedrohende Krise gestürzt. Mit dem Verkauf von Vermögenswerten und neuen Schulden will sich der Konzern für die kommenden Monate wappnen.

Das Bohrinsel-Drama hat BP in eine existenzbedrohende Krise gestürzt: Der britische Ölkonzern besitzt nur noch gut die Hälfte des früheren Börsenwerts, Ratingagenturen haben die Kreditwürdigkeit deutlich heruntergestuft. Auf Drängen von US-Präsident Barack Obama musste sich BP auf einen Entschädigungsfonds einlassen, der die Aktionäre Milliarden kosten wird. In der Not versucht der Konzern jetzt gegenzusteuern - vor allem um das wichtige US-Geschäft nicht zu gefährden. BP erwirtschaftet dort 37 Prozent seines Cash-Flows und fördert vor den Küsten Amerikas 27 Prozent seines Öls.

Als Rettungsplan ist jetzt ein dreistufiges Vorgehen für die nächsten Monate geplant. In Phase eins will sich die Konzernführung von Vermögenswerten trennen und neue Schulden machen, um die Folgen der Katastrophe schultern zu können. Es sind vor allem Minderheitsbeteiligungen, die zur Disposition stehen. So schließt das Unternehmen den Verkauf des profitablen Nordsee-Geschäfts, der Ölverarbeitung in Raffinerien und der Tankstellenkette Aral derzeit aus.

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"Das Nordsee-Geschäft ist sehr wichtig für uns", sagte BP-Vertriebsvorstand Iain Conn dem Handelsblatt. Es gebe keinen Grund, sich davon zu trennen. Der 47-Jährige gilt als einer der Kronprinzen für die Nachfolge von BP-Chef Tony Hayward, der wegen des Unglücks massiv unter Druck gekommen ist.

Insgesamt sollen Beteiligungen im Wert von zehn Mrd. Dollar in den nächsten zwölf Monaten abgestoßen werden. Das Geld wird in den Entschädigungsfonds für Opfer der Ölkatastrophe fließen, in den der Konzern insgesamt 20 Milliarden Dollar einzahlen muss. Aus dem Umfeld des Konzerns verlautete, dass der Verkauf der Beteiligung an dem russischen Konzern Rosneft geprüft werde, ebenso wie der Verkauf von Gasvorkommen aus unkonventionellen Quellen und von kleineren Beteiligungen an Ölprojekten im Golf von Mexiko.

BP hat nach Analystenschätzungen Vermögenswerte von mehr als 250 Milliarden Dollar und würde sich nach bisherigen Planungen von vier Prozent trennen. Analysten äußerten sich optimistisch, dass BP derzeit verhältnismäßig gute Preise erzielen kann. "Wir haben im Moment einen Verkäufermarkt", sagt Fadel Gheit von der New Yorker Investmentbank Oppenheimer & Co.

In Phase zwei will BP seine Sicherheitsstandards überarbeiten. Auch ohne neue Gesetze erwägt BP, ob etwa die Vorbereitung einer Entlastungsbohrung, die eine Ölpest wirksam eindämmen kann, künftig zum hauseigenen Standard gehören soll, sagte Vorstandsmitglied Conn. Also: BP will sicherer werden. 

Leser-Kommentare
  1. Der Ölpreis wird steigen und der dumme Michel muss es bezahlen, ob er will oder nicht. ( Oder glaubt jemand, dass sich die anderen Konzerne einer Erhöhung des Preises widersetzen würden ?? )

    • peto1
    • 22.06.2010 um 13:21 Uhr

    "Die Ölpest hat BP in eine existenzbedrohende Krise gestürzt. Mit dem Verkauf von Vermögenswerten und neuen Schulden will sich der Konzern für die kommenden Monate wappnen."

    Was sie da schreiben ist nur Augenwischerei, Tatsache ist das BP ein Konzern mit 300 Milliarden US Dollar Jahres Umsatz ist, und die Entschädigung von 20 Milliarden ist für die nur ein Taschengeld, so was nennt man auch Krokodil tränen.

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    • hermse
    • 22.06.2010 um 15:21 Uhr

    Also Umsatz ist nicht geich Gewinn. Nur um das nochmal klarzustellen. BP kann (theoretisch) bei 300 Milliarden Dollar Umsatz trotzdem einen Verlust einfahren...

    Und wenn, dann heißt dies immer noch KrokodilStränen. ;-)

    Wobei ich natürlich auch der Meinung bin, das BP sofort Pleite gehen sollte. Ohne irgendwelche Finanzeierei.

    • hermse
    • 22.06.2010 um 15:21 Uhr

    Also Umsatz ist nicht geich Gewinn. Nur um das nochmal klarzustellen. BP kann (theoretisch) bei 300 Milliarden Dollar Umsatz trotzdem einen Verlust einfahren...

    Und wenn, dann heißt dies immer noch KrokodilStränen. ;-)

    Wobei ich natürlich auch der Meinung bin, das BP sofort Pleite gehen sollte. Ohne irgendwelche Finanzeierei.

  2. Das ist der Gipfel der Heuchelei: Zitat"BP hat nach Analystenschätzungen Vermögenswerte von mehr als 250 Milliarden Dollar und würde sich nach bisherigen Planungen von vier Prozent trennen."

    Angesichts dieser Zahl nur an Vermögenswerten von 250 Milliarden ist das Ganze alles andere als existentiell für BP sondern ein Taschengeld, was da mit Obama vereinbart wurde.
    Aber der Imageschaden für BP ja für die gesamte Ölindustrie der ist gewaltig und das ist auch gut so.

    Wer soviel Geld gescheffelt hat, in den letzten Jahrzehnten wie BP oder andere Ölriesen der wäre verdammt nochmal verpflichtet gewesen, alles sicherheitstechnisch mögliche zu tun, um Katatstrophen diesr Art möglichst zu verhindern bzw. mögliche Schäden zu minimieren.
    Nichts dergleichen ist geschehen, im Gegenteil, behördliche Sicherheitsauflagen wurden durch Kungelei erlassen, obwohl wie der unsägliche Hayward ja fast täglich jammerte -nach der KATASTROPHE--- leider keinerlei Erfahrungen für Gegenmaßnahmen in dieser Tiefe vorlagen.

    Fazit: ohne brauchbare Sicherheitsventile-/sytheme und auch Notfallpläne hätte eine solche Bohrung niemals abgeteuft werden dürfen.

    ES bleibt zu hoffen, dass das Zeitalter des Öl bzw. Profit um jeden Preis nun endlich zu Ende geht...allein mir fehlt der Glaube daran.

    Aber der normale Verbraucher hat Macht, jeden Tag z.B. an der Zapfsäule, dort kann sehr wirkungsvoll darüber abstimmen, was er von BPs Krisenmangement hält wie hieß noch die deutsche Tochter Aral ?

    • hermse
    • 22.06.2010 um 15:21 Uhr
    4. Umsatz

    Also Umsatz ist nicht geich Gewinn. Nur um das nochmal klarzustellen. BP kann (theoretisch) bei 300 Milliarden Dollar Umsatz trotzdem einen Verlust einfahren...

    Und wenn, dann heißt dies immer noch KrokodilStränen. ;-)

    Wobei ich natürlich auch der Meinung bin, das BP sofort Pleite gehen sollte. Ohne irgendwelche Finanzeierei.

  3. Erbsenzählerei ist absolut überflüssig bei dieser in unvernatwortlicher Weise versursachten Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, die letztlich unser gesamtes Ökosystem bedroht.

    Denn ein schließen des Bohrlochs ist weiter nicht erkennbar.

    Wieso reiten Sie so auf dem Umsatz rum, obwohl die genannten Vermögenswerte von 250 Millarden Dollar von BP eindruchsvoll zeigen, dass der von Obama ausgehandelte 20 Millarden Topf eher ein Taschengeld ist.

    DEshalb muss der Druck auf BP ja die gesamte Ölindustrie erhöht werden, alle verursachten Schäden komplett zu ersetzten, wohlwissend, das der ökologische Schaden in naher Zukunft nicht reparierbar ist.

    DEshalb muss zukünftig mit harten Umweltauflagen zumindest die Wahrscheinlichkeit minimiert werden, das sich ein solches Desaster wiederholen kann. Und im Zweifelsfall muss dann auf deratige Bohrungen verzichtet werden.

    Ob BP dabei Pleite geht oder nicht ist dabei unerheblich, denn Sie hatten reichlich Möglichkeiten, Ihre gigantischen Gewinne in Sicherheitstechnik zu investieren !
    Das haben Sie und andere Ölmultis bis heute nicht getan.

    Deshalb ist Gejammer aus dieser "Ölecke" völlig unangebracht.

  4. aber offenbar nicht die Hunderttausende von Vögeln und Fischen, die jämmerlich jeden Tag seit Monaten sterben am Öl.

    Es muss doch eine Möglichkeit geben, dieses Loch zu stopfen! Ich kann es nicht glauben, dass das nicht gehen soll!!!
    Mir tut es so furchtbar leid um die Tiere und das Meer und die Anwohner.

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