Staatshilfe Die Lex Opel

Die Ministerpräsidenten halten nach der Brüderle-Absage an Kreditgarantien für Opel fest. Gerade Jürgen Rüttgers müsste es besser wissen.

Es fällt angesichts des Bildes, das die Liberalen derzeit abgeben, fast schwer es zuzugeben. Aber die FDP – in persona als Wirtschaftsminister Rainer Brüderle – hat recht. Opel darf nicht mit staatlichen Garantien gestützt werden . Der Deutschlandfonds wurde gegründet, um Unternehmen zu unterstützen, die durch die Finanzkrise in Bedrängnis geraten sind. Opel gehört eindeutig nicht dazu.

Der Mutterkonzern General Motors hat die Krise weitgehend überwunden und erwirtschaftet wieder Gewinne – im ersten Quartal immerhin 865 Millionen Euro. In Nordamerika fährt das Unternehmen bereits die Produktion hoch, um die steigende Nachfrage zu bedienen. Experten schätzen, dass GM im Gesamtjahr einen Gewinn von fünf Milliarden Euro schreiben könnte.

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Das Unternehmen profitiert von einer deutlichen Markterholung, vor allem in China. Dort ist die Zahl der Autos pro Einwohner im Vergleich zu Europa immer noch verschwindet gering, und das Land hat die Wirtschafts- und Finanzkrise verhältnismäßig gut überstanden.

Konzern-Tochter Opel verkauft in China dagegen nur wenige Tausend Fahrzeuge pro Jahr und verliert in Europa weiter Marktanteile. Im ersten Quartal fiel ein Verlust von 500 Millionen Euro an. Die Sanierung – verbunden mit einem deutlichen Stellenabbau – hat Opel im Gegensatz zu General Motors noch vor sich.

Aber sind das Probleme, für die der Steuerzahler in Form von staatlichen Garantien einstehen sollte? Für GM ist es angesichts hoher Liquiditätsreserven kein Problem, sich die notwendigen Finanzmittel zur Restrukturierung von Opel am Kapitalmarkt zu vertretbaren Zinsen zu besorgen. Es kann nicht Aufgabe der Politik sein, einem Automobilkonzern einen Zinsvorteil zu verschaffen, denn nichts anderes würden die staatlichen Garantien bedeuten. Schätzungen gehen davon aus, dass GM so mehrere Jahre lang insgesamt 200 bis 300 Millionen Euro sparen könnte. Ökonomen nennen das Wettbewerbsverzerrung.

Nicht hinnehmbar ist auch die Argumentation von Opel-Chef Nick Reilly . Er verteidigt die Forderung nach Staatshilfe damit, dass Opel doch ein europäisches Unternehmen sei und deshalb nicht Geld der amerikanischen Steuerzahler eingesetzt werden dürfe. GM ist immer noch zu mehr als 60 Prozent in staatlichem Besitz. Reilly spielt geschickt die Interessen der einzelnen Länder gegeneinander aus und versucht so, gleich zwei Mal an Staatshilfe zu kommen. Seine Äußerungen zeigen, wie erpressbar sich die Politik macht, wenn sie sich in der Rettung von angeschlagenen Unternehmen versucht.

Sollten sich die Ministerpräsidenten der vier Bundesländer, in denen Opel-Werke stehen, wie jetzt angekündigt, auf ein Hilfspaket am Bundeswirtschaftsminister vorbei einigen , ist das Signal verheerend. Die Botschaft: Jeder kann einfach mit einem massiven Arbeitsplatzabbau drohen und bekommt so an staatliche Unterstützung. Dabei müsste es doch gerade Jürgen Rüttgers besser wissen: Der finnische Handyhersteller Nokia hat die Subventionen in Nordrhein-Westfallen gerne angenommen, um sich dann ein paar Jahre später doch aus dem Staub zu machen.

Auch wenn es für die Opel-Mitarbeiter in Bochum, Eisenach und den anderen Standorten in Deutschland hart klingen mag: Staatliche Hilfen für angeschlagene Unternehmen ergeben in den meisten Fällen wenig Sinn. Es ist auch nicht glaubwürdig, dass Bochum und Eisenach nur erhalten werden, wenn der Staat für Kredite bürgt, wie der Betriebsrat behauptet. General Motors wird es sich zwei Mal überlegen, ein Werk komplett dicht zu machen. Die Kosten hierfür wären enorm. Wenn er es doch tut, hat es mit den deutlichen Überkapazitäten in der Automobilbranche zu tun und nicht mit verweigerten Bürgschaften.

 
Leser-Kommentare
  1. Sind die so dumm oder sind die so korrupt?
    Wobei ich "machtgeil" auch als "korrupt" bewerte.

    • ribera
    • 10.06.2010 um 19:31 Uhr

    Wenn Opel auch nur mittelfristig eine Aussicht auf Gewinnerzielung hat, dann liegt es im ureigensten Interesse von GM Opel ggfls. auch auf eigene Kosten zu restrukurieren.
    Letztlich ist doch die Erzielung von Gewinnen Unternehmensziel.
    Aber offensichtlich hat da selbst GM Zweifel.
    Opel hat bis heute noch keinen Abschluss für 2009 vorgelegt, warum wohl. Und warum scheuen die Banken Opel.
    Hierzu finden sich interessante Hinweise unter folgendem Link:

    http://www.spiegel.de/wir...

    Wirklich leid tun mir die Opelaner.

    • Ranjit
    • 10.06.2010 um 19:48 Uhr

    Ich muss Herr Gatzke zustimmen. Ärgerlich ist aber hauptsächlich, wie wichtig das Überleben von Opel vor der Wahl war. Jeder (deutsche) Arbeitsplatz sollte erhalten werden. Dass war bereits damals nicht realistisch.

    Frau Merkel wird aber wieder mit ihrem Opportunismus durchkommen. Das Langzeitgedächtnis der Bevölkerung ist stark unterentwickelt. Umso wichtiger wäre es, wenn der Qualitätsjournalismus dieses Manko ausgleichen würde. Warum in diesem Artikel nicht ein Hinweis auf die Wahlversprechen Merkels?

    Ein nettes Konzept wäre auch Google Living Stories.
    http://livingstories.goog...

    Artikel sind dort Prozesse, die ein Thema begleiten. Statt unzäligen Artikeln zu subsequenten Entwicklungen zu einem Thema lieber ein Strang mit Übersichtsteil und chronologischer Entwicklung. Beim aktuellen Thema könnte man so kurz hochscrollen und sich die Wahlversprechen noch mal auf der Zunge zergehen lassen.

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    • joG
    • 10.06.2010 um 22:47 Uhr

    ....für Opel machte und diese nach EU Recht jedem Eigentümer von Opel zustehen. Da man sie aber RHJI versagte und der Deal daher platzte, hat man erst einmal Schaden verursacht. Wenn man nun auch noch die Zusagen nicht einhält, so sieht jeder, der auf Deutschland schaut, dass Deutschland seine Zusagen nicht einhält. Das ist schade.

    • Hickey
    • 11.06.2010 um 8:52 Uhr

    Arbeitsplätze sind keine lebenslangen Institutionen.
    Arbeitsplätze sind fast immer zeitlich begrenzt.
    Arbeitsplätze die vernichtet werden stören nicht, woanders werden sie meist aufgebaut.

    Wir leben in System das den Rückzug eines Unternehmes aus der Wirtschaftskreislauf erlaubt, klar ist es traurig wenn 20000 Menschen ihre Arbeit verlieren, aber das ist nunmal der Lauf der Dinge.

    • joG
    • 10.06.2010 um 22:47 Uhr

    ....für Opel machte und diese nach EU Recht jedem Eigentümer von Opel zustehen. Da man sie aber RHJI versagte und der Deal daher platzte, hat man erst einmal Schaden verursacht. Wenn man nun auch noch die Zusagen nicht einhält, so sieht jeder, der auf Deutschland schaut, dass Deutschland seine Zusagen nicht einhält. Das ist schade.

    • Hickey
    • 11.06.2010 um 8:52 Uhr

    Arbeitsplätze sind keine lebenslangen Institutionen.
    Arbeitsplätze sind fast immer zeitlich begrenzt.
    Arbeitsplätze die vernichtet werden stören nicht, woanders werden sie meist aufgebaut.

    Wir leben in System das den Rückzug eines Unternehmes aus der Wirtschaftskreislauf erlaubt, klar ist es traurig wenn 20000 Menschen ihre Arbeit verlieren, aber das ist nunmal der Lauf der Dinge.

  2. Kein Geld an Opel, kein Geld an Karstadt oder sonst irgendeinen großen Konzern. Wer schlecht wirtschaftet, muss pleite gehen. Den KMU's hilft bei einer finanziellen Schieflage schließlich auch kein Schwein.

    • joG
    • 10.06.2010 um 22:47 Uhr

    ....für Opel machte und diese nach EU Recht jedem Eigentümer von Opel zustehen. Da man sie aber RHJI versagte und der Deal daher platzte, hat man erst einmal Schaden verursacht. Wenn man nun auch noch die Zusagen nicht einhält, so sieht jeder, der auf Deutschland schaut, dass Deutschland seine Zusagen nicht einhält. Das ist schade.

    Antwort auf "Stimmt schon"
    • Merlyn
    • 11.06.2010 um 3:45 Uhr

    wäre so dumm und würde einem amerikansichen Unternehmen, dass im eigenen Land 2 Milliarden Dollar an Wertmitteln hat und seine Bilanzen bewusst so hindreht, dass es GM prächtig und Opel offensichtlich schlecht geht in diesen Zeiten deutsche Steuergelder zur Unterstützung geben.

    Jemand der das fordert, der ist entweder zu emotional oder es fehlt ihm am gesunden Menschenverstand.

    Zumal GM selbst im Falle von Finanzhilfen aus Deutschland sich sehr wohl das Recht vorbehalten hätte Standorte zu schließen.

    Als Nokia seinen Standort hier in Deutschland zugemacht hat, da haben sich alle entrüstet weil Nokia Geld vom Staat erhalten hatte und alle so dumm und naiv waren und dachten, dass hält Nokia ewig hier.

    Jetzt haben wir dem ganzen vorgebeugt und wir haben immer noch Länderregierungen die anscheinend troz ihrer riesigen Schulden bereit sind auf Kosten der kleinen Leute einem Konzern Millionen in den Allerwertesten zu blasen die sie gar nicht haben.

    Aber wenn wieder öffentliche Einrichtungen geschlossen werden und gekürzt wird regt man sich wieder auf.

    Bei manchen Leuten muss man sich echt fragen was die sich bei ihren entrüsteten Kommentaren hier so denken.

    Wollt ihr wirklich noch mehr Geld für eine Unternehmen zahlen dass sobald es uns gemolken hat doch macht was es will?

    • Hickey
    • 11.06.2010 um 8:52 Uhr

    Arbeitsplätze sind keine lebenslangen Institutionen.
    Arbeitsplätze sind fast immer zeitlich begrenzt.
    Arbeitsplätze die vernichtet werden stören nicht, woanders werden sie meist aufgebaut.

    Wir leben in System das den Rückzug eines Unternehmes aus der Wirtschaftskreislauf erlaubt, klar ist es traurig wenn 20000 Menschen ihre Arbeit verlieren, aber das ist nunmal der Lauf der Dinge.

    Antwort auf "Stimmt schon"
  3. Die Es ist die Logik der im Kurztakt planenden „Neuen“ Marktideologen und deren Entscheidungsträger. Erst tönt es in jahrelanger Gehirnwäsche mit marktschreierischer – ja religiöser Besessenheit aus fast allen Medienkanälen: Standortsicherung wegen massenhaftem Kapital- und Arbeitsplatzabzug durch niedrige Löhne, Verzicht, Schrumpfung, Abbau allerorten usw.

    Das Deutschland mit 80 Mio Einw. nicht nur Werkbank sondern gleichzeitig einer der weltweit größten Absatzmärkte der eigenen Autoindustrie war (und nicht nur dieser Industrie!), wird bei den Absatzschwierigkeiten der Branche ( dem neoliberalen deutschen Zeitgeist konform – der ja keinerlei Wert auf den Binnenmarkt legt) verdrängt.

    In den letzten Jahren kam nicht zu letzt wegen des Einbrechens des riesigen deutschen Absatzmarktes ein Auto-Hersteller nach dem anderen in Schwierigkeiten.

    Ob hier wohl ein Zusammenhang mit der Proklamierung der größten EU-Dumpinglohnzone und massenhaft kaum noch planbarer Existenzen besteht?

    Man dachte der zunächst rasant gestiegene Export sei eine wirtschaftliche Wunderwaffe die die Veränderungen hierzulande für immer kompensieren. Die Rechnung geht nicht auf – der „Kreislauf“ schließt sich – nicht im Sinne seiner Berfürworter!

    Statt hier Ursache und Wirkung in Relation zueinander zu stellen, treibt man die Zerstörung des eigenen riesigen Binnenmarktes unermüdlich voran und will ausschließlich und nur noch hocheffiziente Export-Werkbank sein.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • PiBo
    • 11.06.2010 um 23:00 Uhr

    Sieht man sich die Liste der Wirtschaftsminister dieser Republik an dann fällt einem der Vergleich zur Muppetschau teilweise nicht schwer.

    Ludwig Erhard, Kurt Schmücker, Karl Schiller, Helmut Schmidt, Hans Friderichs, Otto Graf Lambsdorff, Manfred Lahnstein, Otto Graf Lambsdorff, Martin Bangemann, Helmut Haussmann, Jürgen Möllemann, Günter Rexrodt, Wolfgang Clement, Michael Glos, Karl-Theodor zu Guttenberg, Rainer Brüderle

    Übrigens - Helmut Schmidt war es nur kurz bis das Doppelministerium (Plüsch und Plum) wieder getrennt war.

    Hans Friederichs und Otto Graf Lambsdorff waren später verurteilte Steuerbetrüger. Bei den "Männern" - Hausmann, Bangemann und Möllemann war die Degradierung des Wirtschaftsministers zum Frühstücksdirektor im Kabinett mehr und mehr vollzogen. Die Filets wanderten zum Kanzleramt bzw. ins Finanzministerium. Kein Wunder dass der Herr Baron ins Kriegsministerium vorrückte. Zwar auch ein Scheißjob aber mit mehr Reputation.

    Die ü b e r t r i e b e n e Entwicklung zur Exportlastigkeit war der entscheidende Fehler. Weltmeister - worin?

    Lahnstein, Clement und Bangemann sowie (anderes Resort) Müller übernahmen höchstbezahlte Posten in der Wirtschaft.

    Möllemann verunglückte tragisch.

    Seit der schwarz/gelben Koalition haben wir nunmehr einen Fachminister für Weinproben, der nebenher Automobilwerke liquidiert. Endlich was zu sagen haben - endlich den starken Max machen dürfen. Zwar immer noch nuschelnd und mit treuem Augenaufschlag - aber immerhin.

    • PiBo
    • 11.06.2010 um 23:00 Uhr

    Sieht man sich die Liste der Wirtschaftsminister dieser Republik an dann fällt einem der Vergleich zur Muppetschau teilweise nicht schwer.

    Ludwig Erhard, Kurt Schmücker, Karl Schiller, Helmut Schmidt, Hans Friderichs, Otto Graf Lambsdorff, Manfred Lahnstein, Otto Graf Lambsdorff, Martin Bangemann, Helmut Haussmann, Jürgen Möllemann, Günter Rexrodt, Wolfgang Clement, Michael Glos, Karl-Theodor zu Guttenberg, Rainer Brüderle

    Übrigens - Helmut Schmidt war es nur kurz bis das Doppelministerium (Plüsch und Plum) wieder getrennt war.

    Hans Friederichs und Otto Graf Lambsdorff waren später verurteilte Steuerbetrüger. Bei den "Männern" - Hausmann, Bangemann und Möllemann war die Degradierung des Wirtschaftsministers zum Frühstücksdirektor im Kabinett mehr und mehr vollzogen. Die Filets wanderten zum Kanzleramt bzw. ins Finanzministerium. Kein Wunder dass der Herr Baron ins Kriegsministerium vorrückte. Zwar auch ein Scheißjob aber mit mehr Reputation.

    Die ü b e r t r i e b e n e Entwicklung zur Exportlastigkeit war der entscheidende Fehler. Weltmeister - worin?

    Lahnstein, Clement und Bangemann sowie (anderes Resort) Müller übernahmen höchstbezahlte Posten in der Wirtschaft.

    Möllemann verunglückte tragisch.

    Seit der schwarz/gelben Koalition haben wir nunmehr einen Fachminister für Weinproben, der nebenher Automobilwerke liquidiert. Endlich was zu sagen haben - endlich den starken Max machen dürfen. Zwar immer noch nuschelnd und mit treuem Augenaufschlag - aber immerhin.

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