Uhrenindustrie Swatch-Gründer Hayek ist tot

Er revolutionierte die Schweizer Uhrenindustrie, erfand den Stadtflitzer Smart und sorgte sich um nachhaltige Energiegewinnung. Nun ist Nicolas Hayek gestorben.

Seine Verehrer feierten ihn als Visionär – dabei wurde Nicolas Hayeks erfolgreichste Idee zu Anfang noch als "unmöglich" bezeichnet. Als sein Unternehmen die Swatch-Uhr am 1. März 1983 in Zürich vorstellte, rümpften Branchenkenner die Nase. Zu bunt, zu schrill waren ihnen die anfangs zwölf Modelle, die ab Herbst 1983 einheitlich 50 Franken kosteten.

Hayeks Kritiker mussten später einsehen, dass der gebürtige Libanese mit der Swatch genau den Zeitgeist traf. Die Uhr geriet zum Erfolgsmodell und Kultobjekt: Bis heute wurden 370 Millionen Stück produziert, aktuell sind 5000 Varianten zu haben. Die Philosophie Hayeks sah vor, dass die Uhr nicht ein Leben lang Einzelstück bleiben, sondern je nach Gemütszustand, Jahreszeit, Stimmung, Umgebung oder Klima austauschbar sein kann.

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Aufgrund des Siegeszugs der Swatch galt Hayek in der Folge als Retter der traditionsreichen Schweizer Uhrenindustrie, die in den siebziger und achtziger Jahren große Probleme hatte, günstige und gleichzeitig zuverlässige Uhren zu bauen. Dem schaffte Hayek Abhilfe, indem er sich der Quarz-Technologie annahm und sie in bunte Plastikuhren einbauen ließ.

Zuvor hatte er wesentlichen Anteil an der Fusion der kränkelnden Uhrenhersteller SSIH und Asuag zur Gesellschaft für Mikroelektronik und Uhrenindustrie (SMH), dem Vorgänger der Swatch Group. 1985 übernahm Hayek mit einem Bankenkredit die Mehrheit an dem Unternehmen, wurde 1986 Verwaltungsratspräsident und avancierte 1991 dank seines Aktienpakets zum eigentlichen Chef des Konzerns.

Unter der Führung Hayeks wuchs die Swatch Group kontinuierlich zum weltgrößten Uhrenkonzern heran . 2009 lag der Gewinn bei 763 Millionen Schweizer Franken (damals 520 Millionen Euro), der Umsatz belief sich der Umsatz auf 5,4 Milliarden Franken (3,7 Milliarden Euro). Neben der preisgünstigen Swatch gehören zum Konzern auch Luxusmarken wie Breguet und Blancpain, aber auch die deutsche Glashütte Original.

Doch Hayeks Ideen beschränkten sich nicht nur auf die Uhrenindustrie. Seine Pläne für ein umweltfreundliches Auto für Jedermann führten zum Smart von Mercedes. 2007 gründete er die Belenos Clean Power Holding, eine Firma, deren Ziel eigenen Angaben zufolge die Entwicklung nachhaltiger Energietechnologien ist. Zudem äußerte sich der Unternehmer auch immer wieder zu politischen Themen

1928 in Beirut geboren, emigrierte Hayek 1940 nach Frankreich, neun Jahre später dann in die Schweiz. Das Unternehmerhandwerk lernte er in den fünfziger Jahren, als er verschiedene Betriebe leitete, darunter auch die Firma seines kranken Schwiegervaters, das Bremsklötze für Eisenbahnen herstellte. In seiner Zeit bei Swatch präsentierte sich Hayek als schillernde Persönlichkeit: Er trug gleich mehrere Uhren an den Armen, sein Hemdkragen war offen und des Öfteren steckte eine qualmende Zigarre in seinem Mund. Im Konzern wurde Hayek "Patron" genannt, bei seinen Mitarbeitern war er äußerst beliebt.

Am Montag ist Hayek nun im Alter von 82 Jahren an seinem Arbeitsplatz gestorben, wie die Swatch Group mitteilte. In Medienberichten war von Herzversagen die Rede. Mit seinem Tod verliere das Land eine seiner führenden Persönlichkeiten, sagte die Schweizer Präsidentin Doris Leuthard danach. Hayek sei eine treibende Kraft der Wirtschaft gewesen.

 
Leser-Kommentare
  1. Ich habe HAYEK für seine Erfindungen und Marketing-Qualitäten immer bewundert. Da ich selbst ein preisgekrönter Erfinder bin und eine bahnbrechende Erfindung für die Pumpentechnik habe (http://www.npage.de/php-b...) war er für mich immer ein großes Vorbild. Er hatte wohl auch mehr Glück mit seinen Partnern.

    Herzliche Grüsse

    Klaus Metzger
    HILDESHEIM

  2. Traurige Tatsache. Hayek war auch für mich ein Vorbild eines Unternehmergeistes. Ich kann mich dem obigen Kommentar nur anschließen - Hayek war ein moderner Leonardo da Vinci.

    Ich kann mich selber noch an meine erste Swatch Uhr 1983 erinnern - im Nachhinein erst habe ich erfahren, dass es sogar das erste Swatch Armbanduhren Modell war (Quelle: http://www.armbanduhr.org...).

    Man kann nur hoffen, dass sich mehr solcher Unternehmergeiste in Zukunft auf tun!

    Beste Grüße,
    Reinhardt

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