Champagner für alle: Auf eine Formel gebracht, ist das die Lebensleistung des am vergangenen Samstag verstorbenen Unternehmers Theo Albrecht. Das klingt vielleicht flapsig, ist in Wahrheit aber gewaltig.

Theo Albrecht und sein Bruder Karl Albrecht haben in gewisser Hinsicht das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit verlängert, als die Menschen darauf vertrauen konnten, dass sie jedes Jahr mehr verdienten, dass Vollbeschäftigung kein leeres Versprechen war. Es waren die Anfänge der heutigen Konsumgesellschaft, und der Wohlstand maß sich an Toast-Hawaii, jeder Menge Fleisch auf dem Teller und einem Kühlschrank. Die Menschen schafften es mit ihrer eigenen Hände Arbeit.

Doch seit den neunziger Jahren schöpfen Millionen Deutsche ihren wachsenden materiellen Wohlstand zunehmend aus einer anderen Quelle: dem Discount-Geschäft und damit allen voran Aldi. Aldi sorgte dafür, dass Luxusgüter in kurzer Zeit zu allseits erschwinglichen Alltagsgegenständen wurden.

Bei Aldi bekamen die Menschen fast immer ordentliche, oft sogar hochwertige Lebensmittel. Da mochte sich die Massenarbeitslosigkeit ausbreiten, die vorhandenen Jobs unsicherer werden, die Billigjobs zunehmen und die Realeinkommen über Jahre sinken. Bei Aldi gab es Champagner, guten Wein, irgendwann sogar Öko-Gemüse, Obst – und Computer. Vieles wurde über die Jahre billiger und billiger.

Was das für die Zulieferer, die Mitarbeiter und die Umwelt bedeutet, ist eine Frage, die sich allenfalls eine Minderheit stellte. Dem Erfolg von Aldi hat das in keiner Hinsicht geschadet. Und so kommt es, dass die Deutschen preiswerter essen als andere in Europa.

Nicht viele Menschen haben durch ihre unternehmerische Leistung den Alltag der Deutschen so beeinflusst wie Theo Albrecht. Nicht viele Menschen haben so viel zum gefühlten Wohlstand von Millionen beigetragen.