Serie: die Bessermacher Renditen, die in den Himmel wachsen

Einst verkaufte Leo Pröstler Stahlwerke, heute ist er Öko-Unternehmer. Er bildet Fonds, um in Costa Rica Bäume zu pflanzen – und verspricht hohe Erträge.

Baumschule von Bauminvest in Costa Rica

Baumschule von Bauminvest in Costa Rica

Leo Pröstler kann nicht aufhören. Seit mehr als einer halben Stunde zeigt er nun schon Bilder und Videos von Bäumen und Tälern, von Förstern und Frauen, die bei Weltuntergangs-Regen auf überladenen Traktoren über notdürftige Feldwege fahren. Er redet über Schattengewächse und Ingwer-Anbau, über Wuchshöhen und Setzlinge. "Wissen Sie, dass die dort 60 verschiedene Worte für grün haben?", fragt er und deutet begeistert auf das Foto eines der dicht bewaldeten Täler Costa Ricas auf dem Laptop vor ihm. Leo Pröstler ist Umweltschützer. Und Leo Pröstler ist Fondsmanager. Ein ungewöhnlicher.

Bauminvest nennt sich sein geschlossener Fonds, der eine erstaunliche Anlagestrategie verfolgt: Pröstler und seine Mitarbeiter pflanzen mit dem Geld der Investoren Bäume in Costa Rica. Über eine Laufzeit von 24 Jahren verspricht Bauminvest eine jährliche Rendite von 6,4 Prozent. Wer heute 10.000 Euro einzahlt, bekommt in 24 Jahren 32.600 Euro zurück. Acht Millionen Euro hat Bauminvest für einen ersten Fonds bereits eingesammelt, noch bis Ende des Jahres können Investoren sich mit mindestens 5000 Euro an Bauminvest 2 beteiligen, dann wird auch dieser Fonds geschlossen.

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Grundlage für die Traumrendite soll der stark steigende Holzpreis sein: Wegen der Bevölkerungsexplosion und des wachsenden Wohlstands in Asien steigt die Nachfrage seit Jahren, wegen der sich ausbreitenden Siedlungen und strengerer Schutzgesetze sinkt das Angebot. In der Tat lassen Zahlen der International Tropical Timber Organisation auf einen Preisanstieg von Teak-Natur-Rundholz von 5,6 Prozent jährlich zwischen 1997 und 2005 schließen. Da diese Zahlen aber für Bauminvest nur bedingt aussagekräftig sind (ihr Holz ist kein Natur-, sondern Plantagenholz), gehen Pröstler und seine Kollegen nur von einer Verteuerung von jährlich zwei Prozent aus. "Das ist noch konservativ geschätzt", ist der Chef sich sicher.

Bessermacher

Sozial, nachhaltig und trotzdem erfolgreich: ZEIT ONLINE stellt in der Serie Die Bessermacher Unternehmen vor, für die es mehr gibt als nur den reinen Profit. Mit welchen Ideen kämpfen sie für eine bessere Wirtschaft? Was treibt sie an? 

Überhaupt macht der 63-Jährige einen selbstsicheren, entspannten Eindruck, wie er da in seinem hellen Büro in einer Altbau-Villa in der Freiburger Innenstadt sitzt. Holzdielen und Stuck schmücken die hohen Räume. Leo Pröstler trägt ein weißes, luftiges Hemd, die Haut ist braun gebrannt. Es ist ein heißer Sommertag, unter dem Tisch hat er seine Schuhe abgestreift, er ist barfuß. Dass ihn so leicht nichts aus der Ruhe bringt, hat er wohl seiner Karriere zu verdanken – die ist so reich an Wendungen und Kapiteln, dass man gar nicht alles aufzählen kann.

In den siebziger Jahren hat Leo Pröstler Stahlwerke für Mannesmann verkauft, in den Nahen und Mittleren Osten und nach Nordafrika. "Da bin ich dann über die Städte geflogen und habe herunter gesehen auf die schwarzen Rauchpilze der Stahlwerke, die ich verkauft habe", erzählt er mit abwesendem Blick, als würde er über ein anderes Leben reden, nicht über das seine. Irgendwann hielt er es nicht mehr aus, packte sich einen Rucksack voller Weltverbesserer-Bücher und zog zwei Jahre um die Welt: Karibik, USA, Afghanistan, Türkei.

1980 war Pröstler zurück in Deutschland, arbeitete erst bei einem Freiburger Öko-Institut und machte später sein Geld mit nachhaltigen Produkten: Er erfand ein Abfallsystem zur Mülltrennung im Haushalt und vertrieb auswaschbare Kaffeefilter. "Das habe ich alles noch selbst ausgeliefert", erinnert er sich. Mit "Waschbär" gründete er dann den ersten Umwelt-Versandhandel Deutschlands, "Öko-Otto" nannte die Branche Pröstlers Unternehmen halb belustigt, halb irritiert. Als Pröstler dann vor einigen Jahren seine Tochter in Costa Rica besuchte, kam ihm bald die Idee für ein neues Projekt. "Ich wollte mal wieder etwas machen, was ich unbedingt will, und nicht mehr das, von dem ich schon wusste, dass ich es gut kann", sagt er. Und das war eben: Bäume pflanzen.

Leo Pröstler
Leo Pröstler

Leo Pröstler

Auf den beiden ehemaligen Rinderfarmen in der Nähe der Grenze zu Nicaragua wird das Geld der Investoren erst mal in harte, körperliche Arbeit investiert: Feldwege müssen auf steilem Gelände angelegt, hektarweise Land von Wildwuchs befreit werden. Bis zu 70 Arbeiter beschäftigen die Deutschen teilweise zeitgleich, um die insgesamt über tausend Hektar großen Grundstücke unter Kontrolle zu bringen. Dann wird gepflanzt, nach einem genauen Plan. Wertvolle Teakbäume, dazwischen verschiedene einheimische Arten. "Wir wollen keine Monokulturen schaffen, sondern eine neue, funktionierende Vegetation", sagt Leo Pröstler. Vor Ort ist es sein Sohn Stefan, der die Oberaufsicht über das Mammut-Pflanzprogramm hat. Neben dem eigentlichen Holzanbau setzt Bauminvest auf zwei weitere Säulen. Zum einen auf Waldfeldbau, die Arbeiter sollen auf eigene Faust zwischen den Bäumen Lebensmittel anbauen können. Das macht die Vegetation vielfältiger und stabiler und hilft, eine eigene Existenz aufzubauen. Zum anderen erklärt Bauminvest rund ein Drittel des gekauften Landes zu Naturschutzgebiet, um auch den bedrohten Tierarten der Region Rückzugsorte zu sichern.

Die Bäume, das eigentliche Kapital des Projektes, werden nach und nach gefällt, von den Zehntausenden am Anfang gepflanzten Bäumen bleibt nach 20 Jahren nur ein Bruchteil stehen, aber dieser wird dann besonders groß und wertvoll. Pröstler will indes verhindern, dass nach Ende des Projektes das Land so kahl ist wie vorher. Deshalb betreibt Bauminvest auch eine Baumschule vor Ort und will in den nächsten Jahren die Vegetation so weiter aufbauen, "dass da am Ende ein funktionierender Wald steht", wie Pröstler sagt. Wie genau das funktionieren soll, ist aber noch nicht klar. Denn auch wenn die Deutschen mittlerweile auf vier verschiedene Baumarten setzen: Die ungeheure Vielfalt eines natürlich gewachsenen Waldes haben sie damit noch lange nicht erreicht. Dass das Projekt einen ökologischen Mehrwert hat, ist klar, schließlich sind Tausende Bäume besser als eine kahle Steppe. Wie groß dieser Mehrwert tatsächlich ist, wird sich wohl erst zeigen, wenn Bauminvest in mehr als 20 Jahren ausläuft und man sehen kann, wie es der Landschaft dann geht.

Bauminvest ist auch kein Produkt für den Massenmarkt, für Spekulanten oder den Durchschnitts-Kleinanleger. Dafür ist die Anlagefrist einfach zu lang. Wer heute investiert, hat kaum Chancen, in den nächsten 24 Jahren an sein Geld zu kommen, egal, wie nötig er es bräuchte. Außerdem bleibt ein Restrisiko, ob sich der Baumpreis wirklich so entwickeln wird, wie es Bauminvest prognostiziert. Und dann sind da noch die Bäume selbst: Sie sind anfällig für Schädlingsbefall, Feuer, unvorhersehbare Umwelteinflüsse. All das weiß auch Leo Pröstler. "Natürlich sollte niemand all sein Geld bei uns anlegen, Bauminvest kann nur Teil eines gemischten Portfolios sein", sagt er. Der Fonds hat auch keine Ausfallversicherung – falls durch irgendeinen Grund die Beteiligung wertlos werden sollte, ist das Geld weg. Und wer vor Ende der Laufzeit den Fonds verlassen will, muss einen Käufer finden, der seine Anteile übernimmt.

Trotz der hohen Renditen und des ökologischen Mehrwerts ist Bauminvest nicht auf endlose Expansion angelegt. Einen dritten Fonds kann sich Pröstler noch vorstellen, dann sei es genug. "Wenn wir zu groß werden, verlieren wir den Bezug und das Verantwortungsgefühl zu den Dingen vor Ort", sagt er.

 
Leser-Kommentare
  1. Shrugged in reverse.

  2. Ein Hurrican und es gibt überhaupt keine Rendite. Eine Kalamität und es werden Insektzide verwendet werden müssen, ein politscher Umsturz und alles gehört einem anderen. Sicher ist diese Rendite nicht.

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    Zumindest was den politischen Umsturz betrifft kann man davon ausgehen, dass in Costa Rica so gut wie kein Risiko besteht. Außer es sollte eine sozialdemokratische Regierung gewählt werden, die der lokalen Oligarchie nicht passt. Und selbst nach so einem Umsturz wäre Investitionssicherheit für Ausländer die letzte Sicherheit die aufgegeben würde. Hat man in Honduras wunderbar beobachten können.

    pseudo udn wichtigtuerischer Kommentar!
    Ohen fundierte Analyse könne sie gar keine Bewertung abgeben!
    Dazu bedarf es ua eines Businessplans.

    Zumindest was den politischen Umsturz betrifft kann man davon ausgehen, dass in Costa Rica so gut wie kein Risiko besteht. Außer es sollte eine sozialdemokratische Regierung gewählt werden, die der lokalen Oligarchie nicht passt. Und selbst nach so einem Umsturz wäre Investitionssicherheit für Ausländer die letzte Sicherheit die aufgegeben würde. Hat man in Honduras wunderbar beobachten können.

    pseudo udn wichtigtuerischer Kommentar!
    Ohen fundierte Analyse könne sie gar keine Bewertung abgeben!
    Dazu bedarf es ua eines Businessplans.

  3. Aktienspekulation ist auch nicht sicherer als Lotto spielen. Klar, Banken und Finanzinstitute gewinnen immer, auch wenn das auf Kosten der Steuerzahler weltweit geschieht. Aber damit hat es sich auch schon mit sicheren Gewinnern.

  4. Zumindest was den politischen Umsturz betrifft kann man davon ausgehen, dass in Costa Rica so gut wie kein Risiko besteht. Außer es sollte eine sozialdemokratische Regierung gewählt werden, die der lokalen Oligarchie nicht passt. Und selbst nach so einem Umsturz wäre Investitionssicherheit für Ausländer die letzte Sicherheit die aufgegeben würde. Hat man in Honduras wunderbar beobachten können.

    Antwort auf "bedenken"
  5. pseudo udn wichtigtuerischer Kommentar!
    Ohen fundierte Analyse könne sie gar keine Bewertung abgeben!
    Dazu bedarf es ua eines Businessplans.

    Antwort auf "bedenken"
    • xpaket
    • 01.08.2010 um 12:09 Uhr

    Ähnlich wie meine Vorsprecher sehe ich es kritisch. Bei einer derartigen Laufzeit wird es einfach schwer Inhalte wie "Feuer, Wasser oder Sturm zu Kalkulieren" zusätzlich wäre bei der Lage natürlich auch noch die Politik.
    Zudem sind Bäume nach 20 Jahren bei weitem noch nicht reif für die Verarbeitung. Es bleibt die Frage was mit den Bäumen dann passiert?
    Schaut man zu einer Baumschule (denn etwas anderes ist das nicht) so ist der Absatz von Grünpflanzen teilweise sehr kompliziert, da der Geschmack sich sehr stark verändert waren in den 80/90 noch Holz von Tanne und co interessant so sind heute hochwertige Hölzer wie Eiche und co gefragt.
    Wer kann diese Trends in der Länge vorraus sehen.

    Ich nicht.

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