Die Zeit von Tony Hayward an der Spitze des britischen Energiekonzerns BP scheinen gezählt . Nach übereinstimmenden Informationen der Financial Times (FT) , der BBC und Sky News soll er sein Amt im Oktober aufgeben – gleichzeitig aber weiterhin für das Unternehmen in einer anderen Position arbeiten. Offenbar soll Hayward, der wegen seines Krisenmanagements bei der Ölpest im Golf von Mexiko heftig kritisiert worden war, bei dem russisch-britischen Joint Venture TNK-BP einen Sitz im Aufsichtsrat bekommen. BP ist zu 50 Prozent an dem Unternehmen beteiligt.

Auch über die Konditionen für den Rückzug des 53-Jährigen wurde in der britischen Presse bereits ausführlich spekuliert. Nach Informationen der Times und der FT könnte der umstrittene Manager ein Abfindungs- und Pensionspaket von rund 14,4 Millionen Euro kassieren. Dies dürfte angesichts des angeschlagenen BP-Marktwerts und der vorangegangenen Fehltritte Haywards für weitere Kontroversen sorgen.

Der Konzernchef, der seit 28 Jahren bei der Firma arbeitet und seit 2007 an deren Spitze steht, hatte in den USA mit taktlosen Bemerkungen Entrüstung ausgelöst. So sagte er in einem Fernsehinterview in weinerlichem Ton, er wolle sein "Leben wiederhaben" – die Angehörigen der elf bei der Bohrinselexplosion getöteten Arbeiter waren fassungslos. Außerdem hatte Hayward die Katastrophe, bei der wochenlang ungehindert Tonnen um Tonnen Rohöl ins Meer strömten, zu Beginn stark verharmlost. Mittlerweile sprechen die USA von der größten Umweltkatastrophe in ihrer Geschichte.

Wie die britischen Medien weiter berichten, soll der Leiter des Krisenstabs, der Amerikaner Bob Dudley, Haywards Posten übernehmen. Der Amerikaner, der auch der erste nicht-britische Chef des Konzerns wäre, soll helfen, die schwierigen Beziehungen zur US-Regierung zu kitten.

Eine BP-Sprecherin bezeichnete die Berichte über Haywards Verbleib als "Spekulation". Zuvor hatte der Multi mitgeteilt, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. "BP nimmt die Spekulationen in der Presse über mögliche Veränderungen im Management zur Kenntnis", hieß es am Morgen. Damit verabschiedete sich der Konzern allerdings vom bisherigen Wortlaut, wonach Hayward "das volle Vertrauen von BP" hat.

Am Abend tagt der BP-Aufsichtsrat – wenige Stunden, bevor BP seinen jüngsten Quartalsbericht vorlegen will. Experten gehen davon aus, dass bei dem Treffen auf über Einzelheiten eines Führungswechsels diskutiert wird. Die Ergebnisse werden laut BP aber erst am Dienstagmorgen bekanntgegeben, wenn die Geschäftszahlen für das zweite Quartal veröffentlicht werden. 

Die Geschäftszahlen dürften wegen der Milliarden-Kosten im Zusammenhang mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko schlecht ausfallen. Experten der Barclays Bank rechnen mit einem Verlust für das zweite Quartal von bis zu 13 Milliarden Dollar; für die Rückstellungen im Zusammenhang mit der Ölkatastrophe hat BP demnach bis zu 25 Milliarden Dollar veranschlagt. Seit dem Ausbruch der Ölpest im April hat BP rund 40 Prozent seines Börsenwerts eingebüßt.