Streit um Deckelung der Gehälter
Blessings Hauptfront mit Merkels Truppen, ja vielleicht im Kampf mit der öffentlichen Meinung generell, verläuft ohnehin an ganz anderer Stelle. "Das einzige Thema, wo man den Einfluss des Staates wirklich merkt, ist bei den Gehältern", gibt ein hochrangiger Commerzbanker zu. "Da hängen wir am Gängelband der Politik." Ansonsten kümmere sich Berlin herzlich wenig um die Bank. Nicht einmal das Thema Kreditvergabe stoße auf allzu großes Interesse.
Ob letzteres tatsächlich so stimmt, ist offen. Wenn ja, liegt es womöglich auch daran, dass Blessings Truppen gerne in vorauseilendem Gehorsam agieren. Als Merkel Ende 2009 zum "Konjunkturgipfel" nach Berlin ruft, um die vermeintlich drohende Kreditklemme zu verhindern, kündigt Blessing einen Tag zuvor ein milliardenschweres Mittelstandsprogramm an.
Wie sensibel auf alle Fälle das Gehaltsthema ist, lässt sich leicht an der Aufregung zu Jahresbeginn ablesen. Offenbar über den Berliner Umweg wurde der Presse zugespielt, dass Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller nach zwei Jahren Deckelung die Grundgehälter im Vorstand erhöhen will. Schließlich, so die Logik des Blessing-Vorgängers, hätten die Manager angesichts der Mammut-Aufgaben auch Anspruch auf eine marktgerechte Entlohnung. Und die Bank laufe andernfalls Gefahr, auszubluten. Das aber könne nicht im Sinne des Steuerzahlers sein.
In Berlin sah man das anders und legte über den Bankenrettungsfonds Soffin ein unmissverständliches Veto ein. In Frankfurt dauerte es Tage, bis man die öffentliche Entrüstung wieder einigermaßen eingedämmt hatte.
Dabei dürften die Gehälter von Blessing & Co. nur der am besten sichtbare Teil sein. Auch unterhalb des obersten Managementgremiums wird aktuell angeblich darauf geachtet, nicht den Verdacht der Unbescheidenheit auf sich zu lenken. Mäßigung lautet die Devise – sehr zur Freude der Konkurrenz. Die wirbt Personalberatern zufolge gerade munter bei den Gelben ab. Wer gut ist, kommt ohnehin von alleine auf die Idee zu wechseln. Andernorts winkt nicht nur mehr Geld, sondern auch ein besseres Image – Stichwort: Staatsbank.
Das Phänomen dürfte weit über das gerne zitierte Investment-Banking hinausgehen. "Das betrifft alle Bereiche", meint eine junge Führungskraft. Während sich ein Weggang im Kapitalmarktgeschäft auch zügig wieder auffüllen lasse, sei dies beispielsweise im Controlling oder Risikomanagement nicht der Fall. "Da dauert es länger, bis sie den Aderlass merken", fügt der Manager hinzu. "Und die Bank braucht lange, um sich wieder zu berappeln", meint er.
Erschienen im Handelsblatt.
- Datum 27.07.2010 - 13:29 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle Handelsblatt
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




So schlimm kann es doch nicht sein:
http://www.businessinside...
Fröhliches Zocken noch!
Die Commerzbank existiert nur noch dank der Hilfe der Steuerzahler und dann werben die mit dem Slogan
"miteinander mhr erreichen1"
Meinen die damit die gerupften steuerzahlenden Bürger ?
Was dann ja bdeutet, dass wir diesen hinterhältigen Schwachsinn auch noch selbst bezahlen. Die Dummheit, mit der die Frechheit unserer sogenannten "Eliten" deherkommt ist wirklich nicht mehr zu überbieten.
meint Wendelstein
Jetzt kann man natürlich sagen, der Staat greift durch und ist ein toller Unternehmer. Die Wirklichkeit ist, dass Herr Blessing als ehemaliger McKinsey-Mann ein herausragender Analytiker ist und auch ein Gespür für die öffentliche Sensibilität besitzt.
Der ein oder andere mag sich jetzt an der Deckelung der Gehälter erfreuen. Tatsächlich ist das der größte Hemmschuh, den die Commerzbank hat. Ich kenne zumindest keinen hochqualifizierten Banker, der zur Zeit davon träumt bei der Commerzbank einzusteigen. Goldmann und die Deutsche Bank bedanken sich dafür beim Staat.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren