Sonnenenergie "Wir bringen die Wüste nach Europa"
Paul van Son will Europas Energiehunger mit Strom aus der Wüste stillen. Im Interview verrät der Desertec-Chef, wo die ersten Solarkraftwerke gebaut werden sollen.
Frage: Herr van Son, Sie kämpfen für das Milliardenprojekt Desertec, das Strom in den Wüsten Afrikas gewinnen will. Sind Sie ein Idealist oder ein Fantast?
Paul van Son: Weder noch, ich bin ja nicht blauäugig. Ich habe zwar eine Vision, dass es einen Wechsel von fossilen zu erneuerbaren Energien wie Solar- und Windenergie geben wird - und da spielt Desertec eine wichtige Rolle. Gleichzeitig versuche ich, realistisch und pragmatisch zu sein. Das Wüstenstromprojekt muss wirtschaftlich betrieben werden.
Frage: Aber ist es realistisch, 400 Milliarden Euro zu mobilisieren, um Wüstenstrom nach Europa zu importieren?

Der Niederländer führt die Desertec Industrial Initiative (DII) GmbH seit dem 1. November. Der studierte Elektroingenieur gilt schon lange als Fachmann für erneuerbare Energien. Van Son arbeitet seit über 25 Jahren in der Energiebranche.
Van Son: Wir selbst planen nicht mit dieser Summe. Sie ist nur eine Schätzung in einem denkbaren Szenario. Mehr nicht. Wir sprechen über einen Zeitraum bis zum Jahr 2050, also 40 Jahre. Niemand kann sagen, wie hoch die Gesamtinvestitionen für diese Entwicklung sein werden.
Frage: Aber es geht auf jeden Fall um hohe Milliardensummen, für die sie letztlich verantwortlich sind.
Van Son: Bitte überschätzen Sie unsere Rolle nicht. In der Öffentlichkeit gibt es ein großes Missverständnis über Desertec. Wir sind weder ein Solar-, noch ein Windkraft- oder ein Baukonzern, der in den nächsten 40 Jahren 400 Milliarden investieren wird. Wir sind lediglich eine Initiative von mehr als einem Dutzend Unternehmen, die das Wüstenstromprojekt möglich machen. Wir sind Koordinator, Wegbereiter, Katalysator und Beschleuniger für Europa als Stromkunde sowie Nordafrika als Kunde und Produzent.
Frage: Wie bitte? Das Konsortium wird Desertec nicht selbst bauen?
Van Son: Es wird keine Blaupause geben, nach der die Gesellschafter nach und nach ein riesiges Solarkraftwerk in Nordafrika aufbauen. Nein, wir sorgen dafür, dass es sich lohnt und möglich ist, in Nordafrika Strom zu produzieren, und wir sorgen dafür, dass es möglich ist, ihn nach Europa zu transportieren. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, werden sich von selbst die Investoren finden, die Projekte in Angriff nehmen. Das können unsere Gesellschafter oder Partner sein, es können aber auch andere Firmen sein. Desertec entsteht dann von selbst.
Frage: Rücken Sie also von Ihren ehrgeizigen Zielen ab?
Van Son: Nein, wir sind überzeugt, dass es ein Potenzial gibt, im Jahr 2050 rund 15 Prozent des Strombedarfs Europas durch Importe aus Afrika zu decken und gleichzeitig die lokalen Märkte zu versorgen. Dafür wollen wir die Bedingungen schaffen. Und wenn der Anteil am Ende geringer ausfällt, hat sich unsere Arbeit trotzdem gelohnt.
Frage: Wie wollen Sie so unterschiedliche Kulturen und Interessen wie die europäischen und die afrikanischen unter einen Hut bringen?
Van Son: Das geht nur, wenn Sie bei den Regierungen der Länder für Akzeptanz werben. Deshalb bin ich viel in Afrika unterwegs und erkläre unsere Initiative. Und ich zeige Ihnen die Vorteile auf. In vielen Staaten gibt es den großen Wunsch, von Öl und Gas unabhängig zu werden und selbst verstärkt die erneuerbaren Energien zu nutzen. Tunesien, Libyen, Ägypten, Algerien oder Marokko - die sind alle interessiert.
Frage: Aber die politische Lobbyarbeit ist nicht einfach?
Van Son: Natürlich ist das unsere größte Herausforderung. Schauen Sie sich allein Europa an. Selbst hier ist der Markt für erneuerbare Energien nicht harmonisiert. Wir müssen dafür sorgen, dass viele Länder die Wüstenstrom-Idee unterstützen und die Rahmenbedingungen schaffen - beispielsweise für den Transport des Stroms.
Frage: Und wie sieht es mit der Technologie aus?
Van Son: Das ist das kleinste Problem. Die Technologien, die wir einsetzen wollen, funktionieren schon.
Frage: Aber noch nicht zu akzeptablen Preisen.
Van Son: Ja, das ist richtig. Das ist neben den Rahmenbedingungen die zweite große Herausforderung. Sowohl bei Solarthermie, bei der Sonnenenergie Wasserdampf erzeugt und eine Turbine zur Stromerzeugung antreibt, als auch bei Photovoltaik liegen die Kosten deutlich über dem Marktniveau.
- Datum 09.07.2010 - 14:49 Uhr
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Unrichtigerweise wird hier ein Foto mit Photovoltaik-Solarzellen gezeigt. Dies ist eben gerade NICHT die Technik, die Desertec benutzt, sondern es handelt sich um Solarthermie, die einfach die Sonnenwärme ausnutzt, ohne irgendwelche Solarzellen zu benötigen.
Also das Photo, das ich sehe, passt durchaus zur Bildunterschrift. Das sind keine Photovoltaik-Solarzellen, sondern Spiegel (Heliostaten) und die Türme im Hintergrund sind die Receiver.
Es gibt verschiedene Bauweisen bei der Solarthermie.
Siehe wikipedia-Artikel, zweites Bild:
http://en.wikipedia.org/w...
Also das Photo, das ich sehe, passt durchaus zur Bildunterschrift. Das sind keine Photovoltaik-Solarzellen, sondern Spiegel (Heliostaten) und die Türme im Hintergrund sind die Receiver.
Es gibt verschiedene Bauweisen bei der Solarthermie.
Siehe wikipedia-Artikel, zweites Bild:
http://en.wikipedia.org/w...
Also das Photo, das ich sehe, passt durchaus zur Bildunterschrift. Das sind keine Photovoltaik-Solarzellen, sondern Spiegel (Heliostaten) und die Türme im Hintergrund sind die Receiver.
Es gibt verschiedene Bauweisen bei der Solarthermie.
Siehe wikipedia-Artikel, zweites Bild:
http://en.wikipedia.org/w...
"Van Son: In Spanien kostet eine Kilowattstunde Solarthermie etwa 25 Cent. Strom wird an der Börse für fünf bis sechs Cent gehandelt.
Frage: Das ist aber sehr weit von der Rentabilität entfernt.
Van Son: Wir glauben jedoch, dass die Kosten schon in den nächsten zehn Jahren um etwa 50 Prozent sinken können."
Wenn das also stimmt und wir die Kosten des Transports vernachlässigen, so müsste Strom sich in den nächsten 10 Jahren verdreifachen.
Na ja, geht man davon aus, dass sich durch Inflation der Wert des Geldes aller 15 Jahre halbiert, die Inflation wird wohl bald wieder ansteigen, wäre es nicht ganz so schlimm. Zusätzlich warten noch die vertraglich abgesicherten ca. 100 Mrd. Euro teuren "Solarunterstützungsabgaben", das knapper werdende Öl, die Klimaerwärmung, mit den daraus steigenden Energiepreisen. Summa summarum wäre eine Verdreifachung der Energiepreise noch moderat.
Da wir dann aber alle in Plusenergiehäusern leben, werden wir alle glücklich.
... natürlich sind auch 12,5 ct/kWh noch nicht günstig genug, obwohl man damit schon locker in den Bereich der Spitzenlaststrompreise (z.B. mittags) kommt.
Aber bei den solarthermischen Kraftwerken stehen wir auch erst ganz am Anfang der Massenproduktion und auch hier gilt, dass jede Verdopplung des Produktionsvolumens durch die Skaleneffekte die Preise um ca. 20% reduziert.
Dabei ist Desertec ein Projekt das über einen Zeitraum von 40 Jahren angedacht ist. Konkret wird ja auch ein massiver Anstieg der Investitionen erst ab ca. 2030 genant.
Die Wikipedia gibt einen guten Überblick über das Projekt:
http://de.wikipedia.org/w...
Entsprechend bleibt noch viel Zeit, die Massenproduktion anzukurbeln und dann werden auch die Preise weiter fallen.
Übrigens besteht Desertec nicht nur aus solarthermischen Kraftwerken, sondern auch z.B. aus Windparks in Nordafrika.
Na ja, geht man davon aus, dass sich durch Inflation der Wert des Geldes aller 15 Jahre halbiert, die Inflation wird wohl bald wieder ansteigen, wäre es nicht ganz so schlimm. Zusätzlich warten noch die vertraglich abgesicherten ca. 100 Mrd. Euro teuren "Solarunterstützungsabgaben", das knapper werdende Öl, die Klimaerwärmung, mit den daraus steigenden Energiepreisen. Summa summarum wäre eine Verdreifachung der Energiepreise noch moderat.
Da wir dann aber alle in Plusenergiehäusern leben, werden wir alle glücklich.
... natürlich sind auch 12,5 ct/kWh noch nicht günstig genug, obwohl man damit schon locker in den Bereich der Spitzenlaststrompreise (z.B. mittags) kommt.
Aber bei den solarthermischen Kraftwerken stehen wir auch erst ganz am Anfang der Massenproduktion und auch hier gilt, dass jede Verdopplung des Produktionsvolumens durch die Skaleneffekte die Preise um ca. 20% reduziert.
Dabei ist Desertec ein Projekt das über einen Zeitraum von 40 Jahren angedacht ist. Konkret wird ja auch ein massiver Anstieg der Investitionen erst ab ca. 2030 genant.
Die Wikipedia gibt einen guten Überblick über das Projekt:
http://de.wikipedia.org/w...
Entsprechend bleibt noch viel Zeit, die Massenproduktion anzukurbeln und dann werden auch die Preise weiter fallen.
Übrigens besteht Desertec nicht nur aus solarthermischen Kraftwerken, sondern auch z.B. aus Windparks in Nordafrika.
.....keine Investoren vorhanden.....
Nicht das das alleine schon eine gewisse Barriere darstellt, aber das klingt doch für einem Zukunftsgeschäft etwas seltsam.
Also klar, die Länder in Nordafrika haben da keine Ausschreibungen veröffentlicht, weil sie gar nicht wissen das sie sowas planen. Trotzdem klingt 2012 als Vorgabetermin für eine "Gesamtplanung" sehr spannend.
Ich finde zwar, die Wüste kann ruhig bleiben wo sie ist, doch wäre es sicher sehr interessant zu sehen wer da ein Übertragungsnetzsystem aufbaut, dessen Regulation im besten Netzsystem der Welt, also in Europa, schon erhebliche Probleme bereitet. Das wäre ja dann bis 2013 auch sehr positiv betroffen.
Hoffentlich kommt das zwischen der Fußball Europameisterschaft und den Olympischen spielen heraus.
Dann findet der Jubel in 2012 keine lange Pause.
Ich meine, das wäre die größte Oase der Welt !
Sebstverständlich bilden sich Preise auf dem Markt. Aber irgend etwas kann doch da nicht stimmen, wenn Energie, die es unbegrenzt gibt (z.B. Solarstrom) um das Mehrfache teurer ist als das Ausbeuten begrenzter Ressourcen. Hinzu kommt, dass die der Erde über Jahrmillionen entzogene Energie (gespeichert als fossile Energie) in nur wenigen Jahrzehnten ihr massiv zurückgegeben wird. Das heißt, es kommen kaum noch kalkulierbare Ressorcenverbräuche hinzu, die sich in den unsere Lebensgrundlage entziehenden Umweltveränderungen niederschlagen. Wenn - wie öknomisch korrekt definiert - Kosten den Ressourchenverbrauch zur Lesitungserstellung widerspiegeln, dann wären fossile Brennstaoffe kaum noch bezahlbar.
Es ist in der Konkurrenzsituation marktwirtschaftlich unvermeidlich, irreversible Schäden zu verursachen, sofern diese nicht (selbst) bezahlt werden müssen.
Erst müssen alle verbrennbaren Ressourcen vernichtet werden, bevor der Kapitalist umdenken darf. Selbst die Ausrottung der Menschheit wäre jetzt kein Problem, sofern sie erst in hundert Jahren einträte.
Regulierung oder gar Subventionen sind des Teufels -- so sind sie, unsere Maktgläubigen.
Das Mineralöl wird in Zukunft -- unabhängig von der Energiefrage -- der chemischen Industrie fehlen. Sei's drum, jetzt verbrennen wir erst mal alles.
Es ist in der Konkurrenzsituation marktwirtschaftlich unvermeidlich, irreversible Schäden zu verursachen, sofern diese nicht (selbst) bezahlt werden müssen.
Erst müssen alle verbrennbaren Ressourcen vernichtet werden, bevor der Kapitalist umdenken darf. Selbst die Ausrottung der Menschheit wäre jetzt kein Problem, sofern sie erst in hundert Jahren einträte.
Regulierung oder gar Subventionen sind des Teufels -- so sind sie, unsere Maktgläubigen.
Das Mineralöl wird in Zukunft -- unabhängig von der Energiefrage -- der chemischen Industrie fehlen. Sei's drum, jetzt verbrennen wir erst mal alles.
Es ist in der Konkurrenzsituation marktwirtschaftlich unvermeidlich, irreversible Schäden zu verursachen, sofern diese nicht (selbst) bezahlt werden müssen.
Erst müssen alle verbrennbaren Ressourcen vernichtet werden, bevor der Kapitalist umdenken darf. Selbst die Ausrottung der Menschheit wäre jetzt kein Problem, sofern sie erst in hundert Jahren einträte.
Regulierung oder gar Subventionen sind des Teufels -- so sind sie, unsere Maktgläubigen.
Das Mineralöl wird in Zukunft -- unabhängig von der Energiefrage -- der chemischen Industrie fehlen. Sei's drum, jetzt verbrennen wir erst mal alles.
Was soll denn fehlen.
Wir verfeuern doch gerade, also müßte das doch jetzt der chemischen Industrie fehlen ?
Oder verfeuern wir vielleicht was die chemische Industrie nicht braucht.
Na ja, geht man davon aus, dass sich durch Inflation der Wert des Geldes aller 15 Jahre halbiert, die Inflation wird wohl bald wieder ansteigen, wäre es nicht ganz so schlimm. Zusätzlich warten noch die vertraglich abgesicherten ca. 100 Mrd. Euro teuren "Solarunterstützungsabgaben", das knapper werdende Öl, die Klimaerwärmung, mit den daraus steigenden Energiepreisen. Summa summarum wäre eine Verdreifachung der Energiepreise noch moderat.
Da wir dann aber alle in Plusenergiehäusern leben, werden wir alle glücklich.
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